Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
12.03.2026 - Nr. 2127

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Am Donnerstag, 26. Februar 2026, erscheint die nächste ONLINE-EXTRA-Ausgabe.


Guten Tag!

Nr. 2127 - 12. Märu 2026



Die BILD-ZEITUNG hat sich mit dem israelischen Präsidenten Jitzchak Herzog "zum ersten Interview mit einem deutschen Medium seit Kriegsbeginn" getroffen. Herzog verteidigt die Notwendigkeit der militärischen Intervention Israels und der USA im Irak und sagt u.a.:
"Ich lobe Präsident Trump für seine Führung und seinen Mut und seine standhaften, wissen Sie, punktgenauen, gezielten Bemühungen in dieser Hinsicht. Das bedeutet: Wenn wir die iranische Bedrohung beseitigen, ist es wie Sauerstoff: Wir können ermöglichen, dass das gesamte System in der Region plötzlich wieder atmen und sich weiterentwickeln kann. Das ist fantastisch. Das ist es, was wir sehen müssen."
Und mit Blick auf Europa und Deutschland meint er:
"Und was Sie angesichts der Koalition des ‚Reiches des Bösen‘ mit Zentrum in Teheran sehen, ist eine Koalition moderater Nationen – Juden, Muslime und Christen, die gemeinsam kämpfen, um unseren Kindern eine andere Zukunft zu ermöglichen. Ich denke, das ist ein erstaunliches Kapitel, und wir sollten das sehr unterstützen. Und ich denke, die Nato-Mitglieder sollten es unterstützen, ich denke, die europäischen Nationen sollten es unterstützen, denn wir schützen Europa tatsächlich, indem wir dies tun.“

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs wirft Gudrun Bücher in der BERLINER MORGENPOST einen Blick in die Geschichte und schildert, wie es zum radikalen Bruch der einst verbündeten Staaten Israel und Iran gekommen ist. Shabnam von Hein gibt ein einm Beitrag für DEUTSCHE WELLE die Stimmung im Iran selbst wieder und konstatiert: die Hoffnung auf einen schnellen Regimewechsel schwindet, während die Angst vor weiterer Eskalation wächst. Der österreichische STANDARD wiederum hat eine Reihe von Kunstschaffende der iranischen Diaspora Statements befragt, was und wie sie über den Iran-Krieg denken und mit welchen Sorgen sie auf ihr Heimatland schauen. Zu ihnen gehört auch der im Wiener Exil lebende iranische Künstler Saleh Rozati, der sich heftig über die Doppelmoral beklagt, die er hinter den Protesten gegen den israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran bemerkt:
"Fünfzig Tage lang ging die Islamische Republik mit brutaler Gewalt gegen die eigene Bevölkerung vor. Innerhalb von 48 Stunden wurden tausende Menschen getötet. Über 30.000 Bürger wurden allein zur Sicherung politischer Macht ermordet oder schwer verletzt. Verwundeten wurde in Krankenhäusern der sogenannte 'Genickschuss' gegeben, Mord an Wehrlosen. Mehr als 50.000 Demonstrierende befinden sich weiterhin in Haft, darunter zahlreiche Minderjährige, viele ohne jeglichen Kontakt zu ihren Familien. Wo waren in diesen fünfzig Tagen die Aktivisten? ... Das Töten unbewaffneter Menschen auf den Straßen Irans löste kein vergleichbares Entsetzen aus. Keinen kollektiven Aufschrei. Keinen dauerhaften politischen Druck. Und plötzlich, mit Beginn militärischer Angriffe von außen, entdecken dieselben Stimmen ihre humanitäre Empörung wieder. Diese Doppelmoral ist schwer zu ignorieren."

Die Links zu den Themen in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND

In einer lesenswerten Analyse zeichnet Christian Meier für die FAZ die Entwicklung nach, die die israelische Politik unter Führung von Benjamin Netanjahu in den letzten 20 Jahren genommen hat und wie elementar dabei der 7. Oktober 2023 zu einem Strategiewechsel führte. Kurz gesagt, war die Politik vor dem Hamas-Massaker von dem Ansatz gekennzeichnet, Kriege zu vermeiden und „Ruhe für Ruhe“ zu bieten, was sich konkret in der Annäherung zu den arabischen Golf-Staaten niederschlug (Stichwort "Abraham-Abkommen"), habe sich dieser Weg durch den 7. Oktober als falsch herausgestellt. Von nun an, so der israelische Analyst und frühere Leiter des Militärgeheimdienstes Amos Yadlin, "habe mit Blick auf alle Kräfte gegolten, die Israel zerstören wollen: 'Wir werden nicht warten und zulassen, dass sie uns wie am 7. Oktober über­raschend angreifen.'" Dieser Strategiewechsel und die damit einhergehende neue Selbstermächtigung Israels werfe aber, so Christian Meier, auch Fragen auf:
"Zum einen ist da die Aggressivität, von der sie begleitet wird. Feinde werden unterschiedslos als Nazis bezeichnet, sei es die Hamas oder die UN-Hilfsorganisation UNRWA. Es gibt ein Schwarz-Weiß-Denken mit re­ligiösen Obertönen. Netanjahu etwa beschwört das Bild des Kampfes zwischen Zivilisation und Barbarei. „Wir sind Kinder des Lichts, sie sind Kinder der Dunkelheit“, sagte er kurz nach dem 7. Oktober."

Laut einer Umfrage des Israeli Democracy Institute unterstützten wenige Tage nach Kriegsbeginn 82 Prozent aller Israelis den Krieg, berichtet Ignaz Szlacheta in einem Beitrag für ZENITH, in dem er schildert, wie Israel auf den Iran-Krieg blickt: "Betrachtet man nur jüdische Befragte, steigt diese Zahl sogar auf 93 Prozent. 64 Prozent der Befragten trauen Netanyahu zudem zu, die »Operation« erfolgreich zu führen – darunter auch 40 Prozent derjenigen, die sich selbst als »links« bezeichnen. Das, obwohl Netanyahu die rechteste Regierungskoalition in der Geschichte des Landes anführt." Dem gleichen Thema widmet sich auch ausführlicher die Analyse von Christian Meier in der FAZ und berichtet, dass auch die Opposition derzeit nahezu geschlossen hinter Benjamin Netanjahus Kriegspolitik steht. Einzig Yair Golan, Vorsitzender der linken „Demokraten“, übt Grundsatzkritik und hebt hervor, militärische Macht sei zwar für das Land überlebenswichtig, „aber sie reicht nicht aus“ - und ergänzt: „Wir sind nicht in unsere Heimat zurückgekehrt, um für immer zwischen Alarm und Schutzraum zu leben.“ 

Sehr viel differenzierter argumentiert die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev in ihrem eindringlichen Essay in der FAZ. Auch sie hält den Iran-Krieg für einen  "gerechtfertigten Krieg", aber dem israelischen Ministerpräsidenten und der Aufrichtigkeit seiner Motive und Absichten will sie nicht vertrauen: 
"Sein Hauptinteresse ist vielmehr, seine Regierung an der Macht zu halten. Mehr als je zuvor, mehr als viele andere Staatsführer im Laufe der Geschichte ist Netanjahu verzweifelt darauf angewiesen, die nächsten Wahlen zu gewinnen. Gewinnt er die, kann er den Staatsstreich, den er vor zweieinhalb Jahren begann, ungestört zu Ende führen, das ziemlich beeindruckende israelische Justizwesen zugrunde richten und den Rechtsstaat, der für ihn eine Bedrohung darstellt, abschaffen."
Im Land selbst versuche Netanjahu zudem, Stück für Stück die Demokratie auszuhöhlen:
"Was für ein zynisches Paradox erleben wir, während Raketen und Drohnen über uns fliegen: Während Netanjahu die Piloten der Luftwaffe losschickt, um für ein demokratisches Iran zu kämpfen, tut er zusammen mit seiner rechtsextremen Regierung alles dafür, um die israelische Demokratie Schritt für Schritt in ein Iran zu verwandeln. Es ist alles schon angelegt und keineswegs zufällig: die religiöse Radikalisierung, die Ausweitung der Zuständigkeiten rabbinischer Gerichte, die Diskriminierung von Frauen, die Einschränkung des Demonstrationsrechts, eine politische Polizei, politisch motivierte Berufungen in Spitzenämter auf allen Gebieten. Auch der Braindrain ist bereits in vollem Gange, genau wie es in Iran passiert ist. Ärzte, Hightech-Leute, Wissenschaftler und Ingenieure verlassen in Massen das Land. Doch Israel wird nicht bestehen, wenn es keine Demokratie mehr ist (...)."

Die Stimmung im Lande einzufangen, ist auch Absicht der lesenswerten Reportage von Evelyn Finger in der ZEIT. Sie hat mit einer Reihe von Persönlichkeiten gesprochen und schildert deren Gedanken und Eindrücke. Zu den von ihr befragten und porträtierten Personen gehören Jossi Gidanian, ein 74-jähriger iranischer Israeli, der 48-jährige Islamwissenschaftler und Experte für den Iran Iftah Burman, Abier Abd Al-Daim, 37-jährige Muslimin und Mutter zweier Teenager sowie schließlich der 47-jährige Benediktiner Nikodemus Schnabel, dem Leiter der Dormitio-Abtei in Jerusalem. Letzterer beobachtet, dass in den letzten Jahren der Krieg irgendwie seinen Schrecken verloren habe und betont dementgegen, Erlösung komme nicht durch Gewalt, nicht durch Politik, sondern nur durch Frieden:
"Wir Menschen kommen und gehen, auch die Mächtigen sind am Ende nur Staub. Die Verheißung bleibt. Das ist jetzt mein Trost."

Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN

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Die Kinderärztin und Psychotherapeutin Eva Umlauf ist eine der jüngsten Holocaust-Überlebenden. Neben ihrer Arbeit als Kinderärztin machte Umlauf eine Ausbildung zur Psychotherapeutin, behandelte sowohl Schuldige als auch Opfer der Shoah. Bis heute besucht die 83-Jährige Schulen und geht dort als Zeitzeugin in den Austausch über die NS-Verbrechen und Antisemitismus in der Gegenwart. Seit 2025 ist sie Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees. Anlässlich des Weltfrauentags hat die 83-Jährige dem FOCUS ihre beeindruckende Lebensgeschichte erzählt und warum sie gerade jetzt laut sein muss: "Eva Umlauf kam im KZ zur Welt – und will gerade jetzt laut sein".

Auch in Schleswig-Holstein haben die Finanzbehörden im NS-System (1933-1945) Juden, Sinti und Roma systematisch beraubt. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Aufarbeitung, die der Landtag in 2023 einstimmig beschlossen hatte. Das Finanzministerium stellte 80.000 Euro bereit und beauftragte die Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg. Nun wurde die Studie vorgestellt, die auch vollumfänglich heruntergeladen werden kann. "Die Ergebnisse dieser Studie", so der verantwortliche Historiker Hanno Balz von der Universität Amsterdam, "zeigen deutlich, wie auch die Finanzverwaltung am Ende als ein wesentlicher Akteur im Gesamtrahmen des Holocaust angesehen werden muss“. 

Musik, Macht und Moral – wer war Herbert von Karajan im Nationalsozialismus? Der deutsch-jüdische Historiker und Bestseller-Autor Michael Wolffsohn unternimmt in seiner Mitte Februar bei Herder erschienene Studie "Genie und Gewissen: Herbert von Karajan zwischen Musik und Nationalsozialismus" eine laut Verlagswerbung "umfassende Neubewertung" zu Karajan vor und "korrigiert zentrale Fehleinschätzungen" über dessen Verhältnis zum Nazi-Regime. Wolffsohn kommt dabei, kurz gesagt, zum Schluss, Karajan sei lediglich ein "Formalnazi" und kein "Gesinnungsnazi" gewesen, der das Regime weder politisch unterstützt noch von ihm profitiert habe. Diese 'freundliche' Neubewertung löste seit ihrem Erscheinen eine beachtliche Resonanz und - wen wundert's - eine kleine Kontroverse aus. Auf der einen Seite stehen Kritiker wie etwa der renommierte Journalist und Musikkritiker Dieter David Scholz, der im OPERNFREUND zusammenfassend urteilt:
"Wolffsohns Arbeit zeichnet jenseits von aller Schwarz-Weiß-Malei das Porträt eines Künstlers, der in einer Diktatur versuchte, sein Genie zu entfalten, dabei aber zwangsläufig zum Teil des Systems wurde."
Und ähnlich Christine Lemke-Matwey in ihrer ausführlichen Kritik für DIE ZEIT:
"Genie und Gewissen ist keine simple Verteidigungsschrift, sondern führt einem die Mehrdimensionalitäten einer Künstlerexistenz im Nationalsozialismus so eindringlich vor Augen, so nah wie wenige andere Bücher."
Auf der anderen Seite erntet Wolffsohn freilich auch heftigen Widerspruch, etwa von Oliver Rathkolb, der im österreichischen STANDARD ein einem "einseitigen Entnazifizierungsversuch bei gleichzeitiger Verunglimpfung der bisherigen Forschungen" spricht oder Markus Thiel, der im MÜNCHNER MERKUR "strittige Beweisführungen" und den  "ätzenden, polemischen Ton des Buches" kritisiert.
Hingewiesen sei auch auf zwei Interviews - in der FAZ und auf T-ONLINE -, in denen Wolffsohn seine Sichtweise auf Karajan erläutert - sowie ein (auszugsweisen) Abdruck aus Wolffsohns Schlusskapitel seines Buche in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG. 
In seiner Kritik in der Wochenzeitung DER FREITAG schlägt Axel Brüggemann auch einen naheliegenden Bogen in die Gegenwart, wenn er schreibt:
"Der Streit über das aktuelle Karajan-Buch ist deshalb auch Spiegel eines ganz gegenwärtigen Streites über die Entwicklung autoritärer Systeme. Ein Vergleich mit der kulturpolitischen Situation in den USA liegt nahe: Müssten amerikanische Intellektuelle derzeit lauter gegen Donald Trump protestieren? ... Wolffsohn hat ein Buch über Herbert von Karajan in der NS-Zeit vorgelegt, das in Wahrheit ein beängstigender Kommentar über die Entwicklungen unserer Gegenwart ist."

Die Links zu den Themen in der Rubrik VERGANGENHEIT...

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Der seit dem 7. Oktober 2023 stark angestiegene Antisemitismus in der Schweiz bleibt auf hohem Niveau. Das ist dem soeben vom Schweizer Israelistischen Gemeindebund (SIG)vorgelegten Antisemitismusbericht für das Jahr 2025 zu entnehmen. Dabei zeigt sich eine signifikante Diskrepanz: während die Vorfälle in der realen Welt verglichen mit dem Vorjahr um rund ein Fünftel auf 177 zurückgingen, nahm der Online-Antisemitismus von 1600 Vorfällen im Vorjahr auf 2185 Vorfälle in 2025 deutlich zu. Das entspricht einer Zunahme um 37 Prozent. Bei allem wirkt der Krieg im Nahen Osten weiterhin als zentraler Trigger. "Das Absurde daran ist", so der Generealsekretär des SIG Jonathan Kreutner im Interview mit BLUEWIN, "dass damit der grösste Auslöser für Antisemitismus seit dem Zweiten Weltkrieg ein Angriff war, bei dem jüdische Menschen massakriert wurden. Dies zeigt auf erschütternde Weise, wie tiefgreifend die Bedrohung für jüdisches Leben noch immer ist, selbst Jahrzehnte nach dem Holocaust." Und für Christina Späti, die als Historikerin an der Universität Freiburg und der Fernuni Schweiz zur Shoah forscht, ist die Entwicklung ein Zeichen der «gesellschaftlichen Normalisierung» von Rassismus und Antisemitismus im Onlinebereich, wie sie im TAGES-ANZEIGER feststellt: «Was vor einigen Jahren noch Aufmerksamkeit, Kritik oder auch Distanzierung erregt hat, gehört jetzt quasi zum Alltag».

Mit Blick auf die Berlinale, wo einmal mehr Israel und Gazakrieg zum Ausgangspunkt empörter Debatten und Antisemitismusvorwürfen wurden, resümieren Meron Mendel und Saba-Nur Cheema in der FAZ die jüngsten Vorgänge. Zur Absicht von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, einen Verhaltenskodex ("Code of Conduct") für öffentlich geförderte Institutionen einzuführen, beurteilt Cheema zwar als nicht so tragisch - aber auch nicht als besonders hilfreich:
"Ein Verhaltenskodex klingt erst einmal dramatischer, als er wahrscheinlich ist. Wenn Kunst und Kultur zu großen Teilen aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, ist es nicht ungewöhnlich, dass es bestimmte Leitlinien gibt, das gibt es in vielen Bereichen. Vermutlich wird ein solcher Kodex aber wenig verändern. Denn auf der abstrakten Ebene sind sich ja alle einig: Niemand wird öffentlich sagen, er sei für Antisemitismus, Rassismus oder Sexismus. Der Konflikt entsteht immer im konkreten Einzelfall, und dort entscheidet der Kontext. Gerade beim Thema Antisemitismus sehen wir doch, wie stark die Bewertungen auseinandergehen, je nachdem wie Äußerungen eingeordnet werden. Ein Kodex löst diese Konflikte nicht. Am Ende geht es eher darum, auszuhalten, dass es Streit gibt. In einer pluralen Gesellschaft gehört das dazu, auch und gerade im Kulturbetrieb."

In einer stellenweise ironisch-bissigen Kolumne in der JUNGLE WORLD stellt Kolja Podkowik entnervt fest: "Die Antisemiten haben gewonnen". Das erkenne man vor allem 
"am überbordenden Selbstbewusstsein der Antisemiten, die aber alle keine Antisemiten sind. Sich keinerlei Schuld bewusst, haben sie weder etwas zu verbergen noch zu befürchten, es drängt sie in die Öffentlichkeit. Die, die nicht mal legitime Gesprächspartner sein dürften, setzen die Rahmenbedingungen eines jeden Gesprächs. Oft werden die Antisemiten allerdings auch rassistisch diskriminiert, dürfen beispielsweise keine Pali-Tücher in der Gedenkstätte Buchenwald tragen."

Der 2019 gegründete Verein "democ" ist ein Zusammenschluss von Journalistnen, Wissenschaftlern und Medienschaffenden, die gemeinsam demokratiefeindliche Bewegungen beobachten, dokumentieren und analysieren. Nun haben sei eine neue Handreichung herausgegeben, die pädagogische Fachkräfte im Umgang mit israelbezogenem Antisemitismus stärken soll und dabei vor allem digitale Räume als maßgeblichen Ort seiner Verbreitung in den Blick nehmen. Die Handreichung kann als pdf-Datei heruntergeladen werden: »Virtuelle Normalitäten. Israelbezogener Antisemitismus in digitalen Räumen. Hintergrundwissen und Methoden für die pädagogische Praxis«

Die Links zu den Themen in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

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Der Überraschungssieger der Landtagswahlen in Baden-Württember Cem Özdemir bezeichnet sich als säkularen, nicht praktizierenden Muslim. Für das SONNTAGSBLATT hat Oliver Marquart untersucht, welches Verständnis von Religion Özdemir hat und worin er die Rolle der Religion in einer liberalten Demokratie sieht. Geprägt vom evangelischen Religionsunterricht vertrete der Grünen-Politiker eine klare Haltung, so Marquart. Er bejahe die Religionsfreiheit, sehe den Staat jedoch als weltanschaulich neutrale Institution. Zum gleichen Thema äußert sich auch im Interview mit DOMRADIO Johanna Henkel-Waidhofer, Journalistin und Biografin von Cem Özdemir. Auf die Frage, wie sie vor dem Hintergrund von Özdemirs muslimischen Elternhaus seine Haltung zum Glauben einordne, antwortet sie:
"Er hat gemeinsam mit seiner damaligen Frau Pia Maria Castro, der Mutter seiner Kinder, die Idee geboren, dass Jesus und Mohammed Freunde sind. Er bezeichnet sich selbst als pragmatischen Muslim. Aber auch die Bibel interessiert ihn sehr als Lebensunterstützung. Er ist ja kein praktizierender Muslim. Aber er ist sehr an Diskussionen über Glauben und die Existenz Gottes interessiert. Außerdem ist er sehr stolz oder sehr erfreut, wenn er in Kontakt mit Gläubigen kommt." 

Der Jesuit und Judaistik-Professor Pater Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ hat am Sonntag im Gürzenich zu Köln die Buber-Rosenzweig-Medaille 2026 entgegengenommen. Die undotierte Medaille wird jährlich vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit für besondere Verdienste im christlich-jüdischen Dialog verliehen. Rutishauser erhielt den renommierten Preis für sein jahrzehntelanges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog sowie für seine wissenschaftliche Arbeit und seinen Einsatz gegen Antisemitismus und für gesellschaftliche Verantwortung. Der ZDF-Livestream zur Veranstaltung ist in der Mediathek des ZDF abrufbar. Neben einem umfangreichen Bericht über die Preisverleihung auf der Homepage des DEUTSCHEN KOORDINIERUNGSRATES gibt es weitere Beiträge in anderen Medien sowie Interviews mit dem Preisträger, u.a. in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG. Dort sagt Rutishauser zur Kernaufgabe des christlich-jüdidschen Dialogs u.a.:
"Was ist die Aufgabe der Christen und der Juden in dieser Gesellschaft? Jüdisch-christlicher Dialog ist nicht nur für sich selbst da, für Juden und Christen, sondern in ihm ist gleichzeitig eine Verantwortung gegenüber der Menschheit angelegt. Und so stoße ich auch zu einem Kernanliegen des Judentums vor: Letztlich geht es darum, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. So machen wir uns gemeinsam auf den Weg zum Tikkun Olam. Dieser Weg weist weit über den akademischen Bereich der Judaistik hinaus."

Für DOMRADIO schildert Johannes Schidelko, wie sehr der Iran-Krieg das öffentliche und religiöse Leben in Israel lähmt. Die Kirchen sind geschlossen, die Klagemauer abgeriegelt und der Tempelberg unzugänglich. Zudem: das Heilige Land hatte sich auf eine Wiederbelebung des Pilgergeschäfts gefreut, doch der Iran-Krieg könnte den erhofften Aufschwung abwürgen. Und für CHRISMON erläutert der islamische Theologe, wie die Geschichte des Islam den Krieg in Nahost beeinflusst. Er rekurriert dabei im Kern darauf, dass der Iran schiitisch, die muslimischen Nachbarstaaten jedoch sunnitisch geprägt sind. Daraus resultierte ein jahrhundertealter Konflikt, der auch in den jetzigen Krieg hineinspiele.

Die Links zu den Themen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

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Durch eine Kooperation zwischen der Stiftung Neue Synagoge Berlin und dem Mitte-Museum erinnern bald zehn Straßenmarkierungen im legendären Scheunenviertel an jüdische Orte, Biografien und Geschichten in der gesamten Spandauer Vorstadt an die Zeit vor der NS-Diktatur. Die Straßennamen werden auf Jiddisch, Deutsch und Englisch dargestellt und mit einem QR-Code versehen sein, über den weitergehende Informationen abrufbar sind. Zu dem Projekt gehört auch eine, sehr ansprechend gestaltete, eigene Website mit entsprechenden Informationen. Abrufbar sind etwa ortsbetzogene Lebensläufe von Leo Baeck, Mascha Kaleko oder Regnia Jonas (https://jewishmitteberlin.de/). Die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG und ND-AKTUELL berichten Einzelheiten und Hintergründe des interaktiven Projekts: "Scheunenviertel in Berlin: Pulsierendes jüdisches Quartier".

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist stolz: Die neue Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien ist jüdischer Herkunft. Und sie bekennt sich dazu. Das war nicht immer so offen. Lange hielt sich die CDU-Politikerin an die Mahnung ihrer Mutter, ihr Jüdischsein in der Öffentlichkeit lieber zu verschweigen. Seitdem die ehemalige schleswig-holsteinische Bildungsministerin zum Bundeskabinett gehört, kämpft sie gegen Antisemitismus und wirbt für eine differenziertere Israel-Debatte. Karin Prien bringt damit eine neue Note ins Bundeskabinett. Wie stehen die jüdische Community, Weggefährten und Kritiker dazu? Jens Rosbach hat versucht, diese und andere Fragen zu beantworten. Sein Radio-Feature, das in den Dritten Hörfunkprogrammen dieser Tage ausgestrahlt wurde, liegt nun auch als Manuskript vor: "Die erste jüdische Bundesministerin".

Die freie Presse ist unverzichtbar für eine gerechte Strafjustiz, auch wenn Richter und Staatsanwälte das oft nicht gerne hören. Egon Erwin Kisch, Journalist, Schriftsteller, Jude, berühmt geworden als "der rasende Reporter", wusste um die Bedeutung der Presse in der Demokratie. Die Kriminalreportagen des 1885 in Prag geborenen und 1948 ebendort verstorbenen Journalisten leuchteten in alle Winkel der Gesellschaft, auch in jene, die andere nicht einmal aus der Ferne anschauen wollten. Kisch war ein Meister der Reportage, revolutionär und stilbildend für seine Epoche, auch wenn er sich nicht immer an all jene Regeln hielt, die heute als unverzichtbar gelten. In der ZEIT hat Sabine Rückert ein anschauliches Porträt des "rasenden Reporters" geschrieben, das zugleich die gesellschaftlichen Veränderungen und die Bedingungen für jene spiegeln, die heute über sie schreiben: "Es zog mich hin zum Mord".

Rund 180 Rabbiner aus europäischen Chabad-Gemeinden haben seit Montag in Berlin getagt. Gastgeber der diesjährigen Konferenz des Rabbinical Center of Europe war  die Jüdische Gemeinde Chabad Berlin. Die dreitägige Konferenz diente dem Austausch über aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen, religiöse Verantwortung und die Zukunft jüdischen Lebens in Europa. Am Dienstag besuchten die Konferenz-Teilnehmer den Deutschen Bundestag und wurden dort von Vertretern der CDU/CSU-Fraktion empfangen. Am Abend folgte ein festliches Gala-Dinner auf dem Jüdischen Campus in Wilmersdorf statt, bei dem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ein Grußwort sprach. Für die DEUTSCHE WELLE hat Christoph Strack die Konferenzteilnehmer begleitet und einige Stimmen eingefangen: "Europas Rabbiner fürchten wachsende Gewalt".

Die Links zu den Themen in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Nicht nur in den USA, auch in Deutschland gibt es Bereiche, in denen sich Christentum und Rechtspopulismus überschneiden, in denen religiöse und politische Motive miteinander verflochten sind. Hans-Ulrich Probst, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Theologie der Eberhard Karls Universität Tübingen, erklärt im Gespräch mit dem SONNTAGSBLATT, wie das Christentum von der extremen Rechten genutzt wird, um eine Kulturkampf-Logik zu erzeugen und was die Kirchen dagegen tun können: "Christlicher Rechtspopulismus: Die gefährliche Allianz von Glaube und AfD".

Was passiert, wenn Schauspieler in religiöse Rollen schlüpfen und aus Spiel Ernst wird? Und sie anschließend konvertieren? Diesem Phänomen ist Giovanna-Beatrice Carlesso für die Internationale Katholische Zeitschrift COMMUNIO nachgegangen. Sie berichtet etwa von der Produktion von Mel Gibsons erfolgreichem Spielfilm "Die Passion Christi", der 2004 in die Kinos kam. Während der Dreharbeiten im süditalienischen Matera schlug gleich zweimal der Blitz ein – einer traf, als gerade die Bergpredigt gefilmt wurde, den Jesus-Darsteller James Caviezel, der nach den Dreharbeiten zum Katholizismus übertrag. Das eine solche Konversion nicht folgenlos bleibt, zeigt das Beispiel des Schauspielers Pietro Sarubbis:
"Nachdem er sich öffentlich zu seiner Konversion bekannt hatte, fand er zwei Jahre lang keine Anstellung mehr, weder im Theater noch beim Film. Schließlich traf er den Entschluss, seine Bekehrung selbst zum Gegenstand künstlerischer Arbeit zu machen."

Mehr dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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Der Theaterstar Tilla Durieux, die Schriftsteller Manès Sperber und Ernst Toller, der Dramatiker Franz Theodor Csokor, der Maler Richard Ziegler und viele andere - sie alle flohen vor Hitler nach Südosteuropa und fanden dort Unterschlupf. Doch diese erste Balkanroute ist heute so gut wie vergessen. Marie-Janine Calic ruft sie in Erinnerung und erzählt in ihrem Buch berührende Geschichten von Mut und Menschlichkeit, von Elend und Verrat, von Rettung und Untergang. Doris Akrap hat das Buch für die TAZ gelesen: "Einige empfing man wie Popstars".

Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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