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EIN WEG DER HOFFNUNG
Religionsfreiheit und ein vielfältiges Deutschland
(Quelle: BDKJ)
Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist keine Überraschung und dennoch für uns als Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD), Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Grund zur Sorge.
Der Landesverband Sachsen-Anhalt ist vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft und hat gerade die Landtagswahl gewonnen. Die AfD greift nicht nur unsere demokratischen Werte an, sondern bedroht auch die Grundlagen eines vielfältigen und freien religiösen Lebens in Deutschland.
Für uns als konfessionelle Jugendverbände sind Demokratie, Religionsfreiheit, Menschenwürde und die Gleichheit aller Menschen keine Verhandlungsmasse, sondern die Basis für eine offene Gesellschaft. Sie ist die Grundlage dafür, dass wir jungen Menschen einen Freiraum für Selbstwirksamkeit, Gestaltung und Selbstentfaltung bieten können.
Die AfD stellt diese Werte infrage – durch die Relativierung der Erinnerung an die Shoah, durch Angriffe auf religiöse Praktiken wie die Beschneidung und durch eine Politik, die die Existenz jüdischer Gemeinden gefährdet. Denn nach der fast vollständigen Zerstörung jüdischen Lebens durch den Holocaust sind jüdische Gemeinden heute wesentlich auf staatliche Leistungen angewiesen. Wer die Lehren aus der Geschichte zurückweist oder religiöse Vielfalt bekämpft, untergräbt den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
Auch für die christlichen Kirchen hat das selbstbezeichnete „Regierungsprogramm“ der AfD in Sachsen-Anhalt konkrete Folgen: Sie plant, Kirchenasyl zu unterbinden, den staatlichen Kirchensteuereinzug abzuschaffen und die bisherigen Staatsleistungen an die großen Kirchen einzustellen. Damit bedroht sie nicht nur die finanzielle Grundlage kirchlicher Arbeit, sondern auch Angebote wie Jugendverbandsarbeit, Kitas, Schulsozialarbeit oder Pflegeheime.
Unsere drei Verbände verbindet die Überzeugung, dass die Würde eines Menschen nicht von Herkunft, Religion oder Abstammung abhängt. Ein völkisches Verständnis von Zugehörigkeit widerspricht unserem Verständnis von Demokratie und dem Menschenbild des Grundgesetzes. Eine Gesellschaft, in der Menschen danach beurteilt werden, woher ihre Eltern kommen oder ob sie vermeintlich zur „richtigen“ kulturellen Gemeinschaft gehören, ist nicht die Gesellschaft, in der wir leben wollen.
Ganz gleich, welche Wahlsiege Rechtsextremisten einfahren und wie schwierig Regierungsbildungen werden: Wir lassen uns nicht spalten. Als christliche und jüdische Jugendverbände wissen wir: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Gemeinsam setzen wir uns ein für ein Deutschland, das Vielfalt lebt, das Erinnerungskultur bewahrt und in dem alle Menschen in Freiheit und Sicherheit ihren Glauben ausüben können.
Evangelischer Gruß zu Rosch Haschana: „Wir stehen an Ihrer Seite gegen Judenfeindschaft“
Bischof Wilmer: „Schweigen kann angesichts von Ausgrenzung und Bedrohung keine Haltung sein“
(Quelle: Deutsche Bischofskonferenz)
Morgen (11. September 2026) beginnt das jüdische Neujahrsfest Rosch haSchana. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer, wünscht dazu in einem Brief an den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, den Segen Gottes für die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Der Wunsch nach Frieden habe an Dringlichkeit nicht verloren: „Die Entwicklungen im Nahen Osten führen uns fortwährend vor Augen, wie zerbrechlich Frieden ist und wie groß das Leid der Menschen bleibt, die um ihre Sicherheit fürchten und unter den Folgen von Gewalt und Terror leiden müssen“, so Bischof Wilmer.
Das aktuelle Lagebild der jüdischen Gemeinden in Deutschland zeige, dass der massiv angestiegene Antisemitismus den Alltag vieler Jüdinnen und Juden in Deutschland weiterhin schwer belaste. „Jüdisches Leben wird demnach vielerorts als deutlich unsicherer wahrgenommen“, schreibt Bischof Wilmer. Er fügt hinzu: „Der Antisemitismus zeigt sich heute offen – auf Straßen und Plätzen, in den sozialen Medien und politischen Debatten – und sucht dabei Anschluss an die Mitte der Gesellschaft. Zudem nehmen die jüdischen Gemeinden in erschütterndem Ausmaß eine Abnahme an Solidarität aus der Zivilgesellschaft wahr. Diese Entwicklungen können und dürfen wir nicht hinnehmen.“
Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben derart unter Druck gesetzt werde, komme es darauf an, „dass unsere christlich-jüdische Verbundenheit sichtbar wird. Schweigen kann angesichts von Ausgrenzung und Bedrohung keine Haltung sein. Solidarität darf kein leeres Wort bleiben.“ Es gelte, der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen und sich nicht mit ihr abzufinden. Bischof Wilmer wörtlich: „Ausdrücklich möchte ich deshalb den jüdischen Gemeinden in Deutschland unsere bleibende besondere Verbundenheit zusichern: Wir stehen an Ihrer Seite.“
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