ACHTUNG:
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Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem richtet schwere Vorwürfe an die Regierung unter Ministerpräsident Netanjahu. Die Regierung ziele darauf ab, die Voraussetzungen für ein fortbestehendes palästinensisches Leben im Westjordanland zu beseitigen, erklärte die Organisation bei der Vorstellung ihres Berichts mit dem Titel „Das Auslöschungsprojekt“. Laut B'Tselem tötete Israel im Westjordanland von Oktober 2023 bis August 2026 insgesamt mehr als 1.100 Palästinenser. Zudem wurden 75 palästinensische Gemeinden sowie 33.000 Palästinenser aus Flüchtlingslagern im Norden des Gebiets gewaltsam vertrieben. Im Gegenzug übernahmen Siedler die Kontrolle über 18 Prozent des Westjordanlandes. Im Interview mit der TAZ unterstreicht Yair Dvir von der Menschenrechtsorganisation B'Tselem, es handele sich bei alledem nicht um
"einzelne Gewalttaten von Siedlern. Es ist ein staatliches Projekt. Ihr Ziel ist es, die Palästinenser in zunehmend isolierte und schrumpfende Enklaven zusammenzudrängen. Gleichzeitig soll sie die dauerhafte israelische Kontrolle über das gesamte Westjordanland ausweiten und festigen."
Beim Filmfestival in Venedig wurden Yuval Abraham und Rachel Szor für ihren Dokumentarfilm "Naza" mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Der Film wurde bei seiner Premiere mit 25 Minuten Standing Ovation gefeiert. Die Auszeichnung führt erwartungsgemäß zu viel Zustimmung und heftiger Kritik. In dem Dokumentarfilm enthüllen 24 anonyme Militär- und Geheimdienstmitarbeiter mutmassliche Mechanismen der digitalen israelischen Kriegsführung im Gazastreifen. Nun droht der israelische Kulturminister Miki Zohar damit, den beiden die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen - und zwar "aufgrund von Treuebruch gegenüber dem Staat und Zusammenarbeit mit dem Feind". Über weitere Reaktionen in Israel berichten Sabine Brandes in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG und Johannes C. Bockenheimer in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG: "In Venedig gefeiert, in Jerusalem als Verrat gebrandtmarkt". In seinem Kommentar für die FAZ ordnet Filmkritiker Bert Rebhandl den Film und seine Wirkung so ein:
"Doch ist es nicht so, als würde „Naza“ ein neues Bild des Krieges in Gaza enthalten. Nahezu alles, was man zu hören bekommt, war im Kern bekannt. Doch nun hört man es von konkreten Menschen und in Details, die zu einer sorgfältigeren Einschätzung beitragen können."
Mehr dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Laut der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ hat Regierungschef Benjamin Netanjahu wenige Tage vor dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in einem 40-minütigen Gespräch mit dem Emir der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Said Al Nahjan, eine eindeutige und eindringliche Warnung erhalten und ignoriert. Er soll nicht einmal Armee und Geheimdienste informiert und zurate gezogen haben. Dem Bericht in "Haaretz" liegt eine Buchveröffentlichung zugrunde, die von Shlomi Eldar zusammen mit der Journalistin Ruth Yuval verfasst wurde. Eldar gehört zu den renommiertesten Journalisten Israels, wie Kristiana Ludwig in ihrem Porträt des Autors in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG schreibt. Netanjahu bezeichnete die Recherchen unterdessen als „glatte Lüge“ und hat Klage gegen die Zeitung angekündigt. Die Veröffentlichung kommt rund einen Monat vor dem Jahrestag des Überfalls und wenige Wochen vor der Parlamentswahl. Netanjahu gerät durch die Enthüllungen unter erheblichen politischen Druck. Am 27. Oktober finden in Israel Parlamentswahlen statt. Dementsprechend scharf reagiert die Opposition auf die Buchveröffentlichung, die dem Bericht in "Haaretz" zugrundeliegt. Daniel Bax kommentiert in der TAZ:
"Hat Netanjahu die Gefahr unterschätzt? Oder hat er einen Angriff der Hamas bewusst in Kauf genommen in der Hoffnung, mit einer überschaubaren Eskalation von seiner Korruptionsaffäre ablenken und die monatelangen Proteste gegen seine „Justizreform“ abwürgen zu können, wie manche spekulieren? So oder so wäre er als Regierungschef untragbar."
Bei den israelischen Parlamentswahlen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen den politischen Lagern ab. In einer neuen Umfrage kommen die Parteien in Netanyahus Lager zusammen auf 52 Sitze – genauso viele wie die Parteien, die ihn ablösen wollen. Für eine Regierungsmehrheit reicht das nicht. Dafür braucht es 61 der 120 Sitze in der Knesset. Die Zahlen zeigen indes, wie gespalten das Land ist. Dabei kann vor allem der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot seinen Vorsprung Stück umd Stück weiter ausbauen, den Susanne Brunner in einem Porträt für das SCHWEIZER RADIO UND FERNSEHEN etwas näher vorstellt: "Gadi Eisenkot – der Mann, der es mit Netanjahu aufnehmen kann".
Der israelische Autor Dror Mishani ist bei uns vor allem bekannt für seine Krimis und Romane ("Drei"). Nach dem 7. Oktober schrieb er ein Tagebuch, das im Sommer 2024 unter dem Titel «Fenster ohne Aussicht» veröffentlicht wurde. Nun hat ihn die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG im Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Israel nach seiner und der Stimmung im Lnde befragt. Dabei wird deutlich, dass es ihm immer schwererer fällt, in seiner Heimat zu leben. Er hält sich an der Hoffnung fest, dass die Wahlen Ende Oktober eine Wende bringen. Zur Verfassung der israelischen Gesellschaft sagt er:
"Vielleicht sind einige der Dinge, vor denen ich Angst hatte, nicht eingetreten. Ich muss das einmal sagen, weil es wichtig ist: Die israelische Gesellschaft ist heute zutiefst traumatisiert, und zwar nicht nur durch den 7. Oktober. Der Anschlag hat frühere Traumata wieder aufleben lassen. Erinnerungen an Pogrome, Lynchmorde und die Vertreibung von Juden. Aber meiner Meinung nach darf man ein Trauma nicht als Rechtfertigung dafür nehmen, ein Trauma bei anderen zu verursachen. Ich habe das Gefühl, die israelische Gesellschaft ist durch das Trauma blind geworden, sie kann nicht mehr erkennen, wie gewalttätig und zerstörerisch sie gegenüber ihren Nachbarn und gegenüber sich selbst geworden ist."
Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN
Eine Allianz aus zwölf Staaten will den Handel mit Produkten aus israelischen Siedlungen im Westjordanland sanktionieren. In einer gemeinsamen Erklärung der Außenministerien der zwölf Staaten heißt es, sie seien entschlossen, »nationale Beschränkungen für den Handel mit Waren aus nach Völkerrecht illegalen Siedlungen zu verhängen und/oder entsprechende europäische Beschränkungen zu unterstützen«. Die Initiative, an der Deutschland nicht beteiligt ist, richtet sich gegen die wachsende Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland sowie gegen die Ausweitung der Siedlungen in dem besetzten Palästinensergebiet. Besonders scharf äußerte sich der britische Außenminister Ed Miliband, selbst Sohn einer Holocaustüberlebenen, vor Abgeordneten in London. Im Westjordanland, so Miliband, sei eine »ethnische Säuberung« im Gange, die »von terroristischen Siedlern« verübt werde. Zugleich erhob er den Vorwurf gegen die israelische Regierung, die Augen davor zu verschließen. Dass dieser Kurswechsel in der britischen Israelpolitik auch innenpolitische Gründe hat, darauf verweist Anne McElvoy in der WELT:
"Miliband und Burnham wollen propalästinensische und israelkritische Stimmen hinter einer „progressiven Koalition“ versammeln, die bei der nächsten Wahl die Konservativen und Nigel Farages ins Stocken geratene rechte Partei Reform UK schlagen soll."
Dafna Gerstner wurde 1984 im Kibbuz Be’eri in Israel geboren. 2011 zog sie nach Deutschland. Seit 2016 lebt sie in München, wo sie heute als freiberufliche Designerin und Fotografin arbeitet. Am 7. Oktober 2023 überfällt die Hamas den Kibbuz Be’eri nahe des Gazastreifens, wo Dafna und ihr deutscher Mann gerade zu Besuch weilten. Sie überleben 19 Stunden Todesangst in einem nicht abschließbaren Schutzraum. Nun hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben. Aus der Perspektive einer Deutschisraelin schildert sie nicht nur die Stunden des Angriffs, sondern auch das Leben davor und die Zeit danach: die Trauer um ihren ermordeten Bruder Eitan, das Schicksal der Geiseln, die Erschütterung einer ganzen Gemeinschaft und die Frage, wie jüdische Identität nach dem 7. Oktober neu verstanden werden muss. In einem zweiteiligen, langen Interview mit MENA-WATCH spricht die 42-jährige Münchnerin, was sie mit ihrem gerade erschienenen Buch erreichen möchte, über die politischen Folgen des Massakers in Israel und die neuen Lebensbedingungen für Jüdinnen und Juden in Deutschland: »Die Deutschen verstehen die israelische Gesellschaft nicht«.
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Der Schweizer Nachrichtendienst hat nach der erfolgreichen Klage des schweizer Historikers Gérard Wettstein ein Dossier zu KZ-Arzt Josef Mengele veröffentlicht – obwohl es eine Schutzfrist bis 2071 gibt. Mengeles Opfer nannten ihn den »Todesengel von Auschwitz«, nach dem Krieg flüchtete Josef Mengele nach Südamerika. Der Nazi-Mediziner hatte von 1943 bis 1945 als Lagerarzt im KZ Auschwitz-Birkenau grausame, oft tödliche medizinische Experimente an Häftlingen durchgeführt. Das Dossier enthält u.a. Zeitungsberichte, aber auch Polizeidokumente, die freilich stellenweise geschwärzt sind. Um diese Schwärzungen ist nun ein neuerlicher Streit entbrannt, wie u.a. DIE WELT, der STANDARD und die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG berichten: "Kontroverse um veröffentlichtes und "zensuriertes" Mengele-Dossier".
Mehr als 80 Jahre nach Ende des Holocaust ist eine Sammlung von Briefen jüdischer Überlebender aus der unmittelbaren Nachkriegszeit erstmals auf Deutsch erschienen. Sie geben Einblicke in die konkrete Situation unmittelbar nach der Befreiung – und die Hölle davor. Die internationale Gedenkstätte Yad Vashem präsentierte den Band unter dem Titel "Nach so viel Schmerz und Pein – Erste Briefe nach dem Holocaust", wie der TAGESSPIEGEL und der STANDARD berichten. Und die WELT kann man beispielhaft fünf Briefauszüge lesen: „Täglich baten wir den lieben Gott um Erlösung“.
Viel wird nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt derzeit wieder über ein Prüfverfahren zur Feststellung der Verfassungsfeindlichkeit der AfD diskutiert mit dem Ziel, die rechtsextreme Partei zu verbieten. Kaum bekannt ist, dass es vor fast 100 Jahren schon einmal eine ähnliche Diskussion und den Versuch eines Parteien-Verbots an einem zentralen Punkt der deutschen Geschichte gab: 1930 legt die SPD-geführte preußische Landesregierung ein Gutachten über ein Verbot der NSDAP vor. Der Vorwurf gegen Hitlers Partei: Sie wolle die Demokratie mit Gewalt beseitigen – der angebliche Weg der Legalität sei nur ein Trick. Was in dem Gutachten stand, warum es damals nicht zum Verbot der NSDAP kam und welche unglückliche Rolle der damalige Regierungschef Brüning spielte, schildert Armin Fuhrer auf beklemmende Weise im FOCUS: "Gutachten über NSDAP-Verbot. Schon 1930 wusste man, wie gefährlich Hitler war".
Am Dienstag vergangener Woche, 81 Jahre und 4 Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat der schweizer Staat in Bern das Siegerprojekt für das erste nationale Memorial für die Opfer des Nationalsozialismus vorgestellt. Das Holocaust-Memorial «unfolded minute» soll auf der Berner Casinoterrasse nahe dem Bundeshaus entstehen. Im Mittelpunkt steht eine Klangmauer aus schwarzem Stahl, die eine «aufgefaltete Schweizer Grenze» als zentrales Element symbolisiert. DER BUND und die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG stellen das Mahnmal näher vor: "Klangminuten statt Schweigeminuten: der Siegerentwurf für das Schweizer Memorial für die Opfer des Nationalsozialismus".
Am 14. September 1930 erlitt Deutschland einen Schock: Die Nazis, bekannt und berüchtigt für Gewalt, Rassismus und Skandale, triumphierten bei der Reichstagswahl. Und wurden zur zweitstärksten Partei. 107 statt vormals 12 Abgeordnete der NSDAP konnten nun das Ende von Republik und Demokratie verfolgen. Wie gelang den Nazis dieser Erfolg? Warum begeisterte die NSDAP plötzlich so viele Menschen? Welche Versprechungen waren derart unwiderstehlich? Und wie vermeiden wir, dass sich keine 100 Jahre später dieselben Falltüren in den Abgrund öffnen? Diesen Fragen widmet sich Philipp Ruch, politischer Philosoph und künstlerischer Leiter des "Zentrum für politische Schönheit" in seiner jüngsten, im Heyne-Verlag erschienen Publikation: "Der Rückfall: Der rätselhafte Triumph der NSDAP am 14. September 1930: Wie eine Demokratie in nur einer Wahlnacht sterben kann." Walter Bau hat das Buch für die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG gelesen und im Interview mit T-ONLINE NEWS erläutert Ruch wesentliche Erkenntnisse seines Buches und weshalb er die Gefahr des Faschismus für gefährlich aktuell hält in Anbetracht des Aufstiegs der AfD: "Hitler war sogar so dumm".
Mehr dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...
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9/11 - der Anschlag auf das World Trade Center vor gut 25 Jahren - dürfte die Geburtsstunde der modernen Verschwörungstheorien gewesen sein. Bereits kurz nach dem Terroranschlag, bei dem knapp 3.000 unschuldige Menschen getötet wurden, verbreiteten sich alternative Versionen davon, was sich an jenem Tag, nach dem nichts mehr so sein sollte, wie es einmal war, tatsächlich zugetragen haben soll. Und kaum verwunderlich: im Mittelpunkt dieser Verschwörungsgeschichten rund um 9/11 stehen Juden und Israel als die wahren Schuldigen und eigentlichen Drahtzieher. Stefan Lauer für BELL TOWER und Andreas Wolf für die RUHRBARONE zeigen nicht nur auf, dass Antisemitismus von Beginn an Bestandteil des Anschlags selbst war, sondern rekapitulieren die in der Folge propagierten antisemitischen Verschwörungsmythen, die in Anbetracht des parallel verlaufenden rasanten Anstiegs der social media eine enorme Dynamik gewannen - bis in unsere Tage hinein: "Jubiläum für Verschwörungserzählungen und Antisemitismus".
Die Linke in Berlin, die gute Chancen hat, nach den anstehenden Wahlen den Bürgermeister zu stellen, sieht sich vermehrt dem Vorwurf des Antisemitismus augesetzt. Insbesondere Spitzenkandidatin Elif Eralp hat alle Mühe, sich immer wieder glaubhaft von antisemitischen Äußerungen und Aktionen von Parteifreunden zu distanzieren. Vor diesem Hintergrund hatte die jüdische Gemeinde vor kurzem die Spitzenkandiaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch eingeladen, über deren Verlauf die WELT, TAZ und die JÜDISCHE ALLGEMEINE berichten. Darüber hinaus haben sowohl die deutsch-jüdische Werteinitiative wie auch der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, in je eigenen Aufrufen von SPD und Grünen eine klare Absage an ein Bündnis mit der Linken gefordert. Und in einer Reportage für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schildert Joshua Schultheis die Eindrücke seiner Recherchen im Berliner Landesverband der Linken:
"Die NZZ sprach mit mehreren Linken-Mitgliedern, die dieselbe Dynamik im Berliner Landesverband beschreiben. Zwar sei dort immer noch etwas von dem lange Zeit dominierenden pragmatischen und eher proisraelischen Flügel übrig. Das Kräfteverhältnis habe sich jedoch deutlich zugunsten des aktivistischen und israelfeindlichen Lagers verschoben. Epizentrum des Teils der Berliner Linken, der lieber von Revolution als von Regierungsbeteiligung träumt und einen Staat Palästina an der Stelle Israels einer Zweistaatenlösung vorzieht, ist seit je Neukölln."
Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt und einem möglichen Zusammengehen mit dem Bündnis Sarah Wagenknecht wächst in der jüdischen Gemeinschaft die Angst vor eben dieser denkbaren "Allianz der Antisemiten", wie Igor Matviyets in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG erläutert. Eine Sorge, die auch den Chefredaktuer der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG Phillip Peymann Engel plagt, der in einem längeren Beitrag für den FOCUS u.a. die verschiedenen Ursachen für den Aufstieg der AfD und dessen Folgen für Jüdinnen und Juden in Deutschland analysiert. Bei allem Veständnis für die Nöte und Ängste der AfD-Wähler, die auf konkretes Versagen der Parteien der Mitte zurückzuführen seien, hält Peymann mit Blick auf die AfD unmissverständlich fest:
"Eine Partei, die offen rassistisch, judenfeindlich, Holocaust-relativierend, ökonomisch wie bildungspolitisch semi-suizidal agiert und in der Konsequenz die Ukraine im Krieg gegen Russland lieber gestern als morgen an Moskau ausliefern würde, ist eben keine politische Option unter vielen, sondern eine Gefahr für Deutschland."
Die Links zu den Themen in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
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Den einen zu jüdisch, den anderen zu katholisch: Aron Jean-Marie Kardinal Lustiger vereinte Welten in sich, die in der Geschichte schmerzhaft gegensätzlich waren. Als er zu Grage getragen wurde, war die Pariser Kathedrale Notre-Dame und ihr Vorplatz zum Bersten voll. Es war ausgerechnet das Kaddisch, das den Auftakt machte zur Trauerfeier für einen Kardinal, der mit seinem Anderssein aneckte – und es zelebrierte. Aron Jean-Marie Lustiger, geboren als Jude, konvertiert zum Katholizismus und immer Jude geblieben, wäre am 17. September 100 Jahre alt geworden. Andrea Krogmann erinnert für KATHOLISCH.de an den einzigartigen Kardinal: "100. Geburtstag von Kardinal Lustiger – Zwei Welten in einem Leben".
In dem am Mittwoch veröffentlichten Dokument "Ein Weg der Hoffnung" wendet sich der Vatikan unmissverständlich gegen Christenverfolgung, Antisemitismus und Islamophobie. Verfasst wurde es anlässlich des 60. Jahrestags der einstmals bahnbrechenden Erklärung "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Sie war das erste offizielle Dokument, in dem die katholische Kirche die anderen Religionen positiv würdigte. Das Dokument plädiert nachdrücklich für die Fortführung des Dialogs insbesondere mit dem Judentum und dem Islam und warnt vor Islamophobie sowie Antisemitismus. Der knapp 30 Seiten umfassende Aufruf, der bei allen Religionen für Respekt, Dialog und ein friedliches Zusammenleben wirbt, wurde von drei Kurienbehörden gemeinsam verfasst: den Dikasterien für die Glaubenslehre, für die Förderung der Einheit der Christen und für den interreligiösen Dialog: "Ein Weg der Hoffnung. Sechzig Jahre Dialog und interreligiöse Geschwisterlichkeit im Licht der Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils Nostra aetate".
Nach dem Wahlerfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und vor den nächsten Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern haben christliche und jüdische Jugendverbände in einem gemeinsamen Aufruf vor mehr Machtbefugnissen für die AfD gewarnt. "Die AfD greift nicht nur unsere demokratischen Werte an, sondern bedroht auch die Grundlagen eines vielfältigen und freien religiösen Lebens in Deutschland", heißt es in der vergangene Woche veröffentlichten Erklärung von Jüdischer Studierendenunion Deutschland, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, der im Wortlaut online nachzulesen ist: "Religionsfreiheit und ein vielfältiges Deutschland".
Ein Leben zwischen Flucht, Fremdheit und Glauben führte Mouhanad Khorchide an die Spitze der Islamischen Theologie in Münster. In einem langen Interview mit der ZEIT schildert er, wie seine Familie nach der Vertreibung aus Palästina im Libanon, in Saudi-Arabien und später in Wien lebte und wie ihn eine Reise nach Israel mit palästinensischen Israelis konfrontierte, die ihre Lage anders beschrieben, als er erwartet hatte. Außerdem beschreibt Khorchide seinen Weg vom Medizinstudium zur Soziologie und Theologie, den Ausbau der Münsteraner Fakultät und seinen Einsatz für eine öffentliche, verantwortliche Theologie, die sich gegen Krieg, Moralisierung und religiösen Fanatismus stellt. Dafür nahm er Konflikte mit muslimischen Verbänden, den Verlust von Stellen und anhaltende Morddrohungen in Kauf, weil er den Islam als barmherzige Religion verteidigen und gesellschaftlich wirksam machen will: »Ich bekam bis zu fünfzig Morddrohungen am Tag«.
Die Links zu den Themen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
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Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit war die Neue Synagoge in Dresden am Montag mit einem Fest wiedereröffnet worden. Anlass für den Umbau war der Anschlag auf die Synagoge in Halle an der Saale 2019. Das Landeskriminalamt hatte nach einer Überprüfung empfohlen, die Dresdner Synagoge sicherheitstechnisch nachzurüsten. Die Synagoge war 2001 geweiht worden. Zum Abschluss der Arbeiten gab es Montagabend eine Feierstunde. Gleichzeitig wurde damit das 100-jährige Bestehen des Jüdischen Landesverbands begangen. Trotz verstärkter Sicherheitsvorkehrungen und ständiger Polizeipräsenz will die jüdische Gemeinde offen für Gäste halten und plant auch Veranstaltungen. Das sagte Wolfram Nagel, Autor und Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Dresden, dem MDR: "Wir wollen weiter öffentlich wirken"
Vorne Fotos, hinten Erklärtexte und QR-Codes: Eine neue Box mit Material zu jüdischem Leben in Deutschland ist erschienen. Gedacht ist sie für Schule oder Erwachsenenbildung - und als Beitrag gegen Antisemitismus. Bilderkarten zur Gegenwart und Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland - so der Titel - hat die Deutsche Unesco-Kommission gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Frankfurt 2021 zum Jubiläumsjahr »1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« entwickelt und nun überarbeitet. Leticia Witte hat sich das Material für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG angesehen: "Über Tattoos, Sport und die Frage, was eigentlich koscher ist - Neuauflage eines Projekts zu jüdischem Leben".
Eine vom „Jewish Voters Resource Center“ in Auftrag gegebene und von GBAO Strategies vom 26. August bis zum 1. September unter 800 registrierten Wählern durchgeführte Umfrage, die sich selbst als jüdisch identifizieren, zeigt, was jüdische Amerikaner denken, glauben, politisch präferieren und zu Israel stehen. David Brody fasst die Ergebnisse der Umfrage für ALLISRAELNEWS zusammen: "Jüdisch, pro-israelisch und trotzdem Demokrat – diese Zahlen erklären die jüdischen Wähler in Amerika".
Wie geht es Juden in der Ukraine unter Dauerbeschuss und Todesangst im Krieg gegen Russland? Und wie den Juden im angrenzenden Rumänien? Michael Thaidigsmann begleitete eine Delegation der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland auf ihrer Reise nach Czernowitz und Suceava. In der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG schildert er seine Eindrücke: "Hilfe in Zeiten des Krieges".
Aber nicht nur er war in der Ukraine, wie Robert Putzbach in der FAZ berichtet: zum jüdischen Neujahrsfest pilgerten nämlich auch Zehntausende chassidische Juden aus aller Welt nach Uman in die Ukraine zum Grab des Rabbiners Nachman von Breslow, kurz „Rabbi Nachman“ – trotz aller Warnungen wegen des russischen Angriffskriegs: "Vor Luftangriffen haben sie keine Angst".
Zu Rosch Haschana haben orthodoxe Rabbiner ein Deutschland gefordert, in dem Juden ihre Identität nicht verstecken müssen. Sie warnen davor, jüdisches Leben in Deutschland nur noch unter dem Gesichtspunkt von Bedrohung und Sicherheit wahrzunehmen. Die von Archivai Apel (Frankfurt), Zsolt Balla (Leipzig) und Yehuda Puskin (Stuttgart) vom Vorstand der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland herausgegebene Stellungnahme druckt THE EUROPEN in Gänze ab: "Wir wollen nicht nur geschützt werden".
Die Links zu den Themen in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
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Der neue Roman der Schriftstellerin Dana Vowinckel "Anton und Alma" erzählt eine deutsch-jüdische Liebesgeschichte, die sich in einer zunehmend gespaltenen Welt bewähren muss. Es ist ein Roman über die Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Geborgenheit, die von Trauer und Verlust, von Glauben und Zugehörigkeit handelt – und von unser aller Versuch, dem Leben einen Sinn zu geben. Gerrit Bartels hat den Roman für den TAGESSPIEGEL gelesen: "Wie man in Zeiten des Terrors lieben kann".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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