Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
18.03.2010 - Nr. 1131

ACHTUNG:

Morgen, Freitag 19. März 2010, erscheint KEIN COMPASS!

Die nächste Ausgabe erfolgt am Montag, 22. März 2010.


Guten Tag!

Nr. 1131 - 18. März 2010


In einem Kommentar in der ZEIT bezeichnet Thomas Kleine-Brockhoff den in jüngster Zeit eskalierenden Konflikt um die Siedlungsfrage als einen "falschen Streit zur falschen Zeit", der es nicht wert sei, die Beziehungen zwischen den USA und Israel aufs Spiel zu setzen. Ihm entgegnet in einem zweiten Beitrag der SPD-Politiker Niels Annen. Er meint: "Israels Siedlungspolitik ist ein zentraler Punkt im Friedensprozess. Wer glaubt, dies ignorieren zu können, wird im Nahen Osten keine Fortschritte machen."
Die Links zu den beiden Beiträgen in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Seit dem vergangenen Krieg im Gaza-Streifen hat dort die häusliche Gewalt gegen Frauen stark zugenommen - auch aufgrund der religiös legitimierten Unterdrückung durch die fundamentalistische Hamas. Doch dank einiger NGO-Initiativen schöpfen viele Frauen jetzt wieder Hoffnung, wie Ruth Kinet in einer Reportage für QANTARA aus Gaza-Stadt schildert: "Spuren des Krieges".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Mit dem Fahrrad durch die Negevwüste radeln, edle Tropfen aus den Weinkellereien des Golan probieren, Verdis »Nabucco« vor der beeindruckenden Szenerie der Felsenfestung Massada erleben: In Israel kann der Besucher weitaus mehr unternehmen, als allein die heiligen Stätten in Jerusalem zu besichtigen oder sich in Tel Aviv an den Strand zu legen. Detlef David Kauschke gibt in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG einen Überblick: "Auf eigene Faust: Israel wirbt mit immer mehr Angeboten für Individualreisende".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Vor der Nahostreise der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton hat der SPD-Europaabgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler im Gespräch mmit dem DEUTSCHLANDRADIO die Rolle der EU im Friedensprozess unterstrichen. Er verteidigte zugleich ihre Haltung, nicht mit Hamas-Vertretern zu sprechen: "Wir wollen nicht die Hamas unnötig aufwerten".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Bei den Luftangriffen alliierter Bomber auf Dresden im Februar 1945 starben bis zu 25.000 Menschen. Das teilte nun die Dresdner Historikerkommission in ihrem Abschlussbericht mit. In rechten Propaganda-Kreisen waren stets Opferzahlen bis hin zu 200.000 und mehr genannt worden. Bei ihren Recherchen fanden die Wissenschaftler außerdem keine belastbaren Indizien für Tieffliegerangriffe über den Elbwiesen. Die WELT und die ZEIT fassen die Ergebnisse der Historiker zusammen: "Begrabene Mythen".
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Zu den Aufgaben der jungen Bundesrepublik gehörte es, die Rückgabe von zu NS-Zeiten beschlagnahmten sowie von jüdischen Besitzern verkauften Werten zu regeln. Zu diesem Zweck gründete sich 1951 eine Konferenz von 23 jüdischen Organisationen - die "Conference on Jewish Material Claims against Germany", kurz: die Claims-Conference -, um die Ansprüche zu bündeln. Der Staat Israel vertritt die Interessen israelischer Bürger, die "Claims" die außerhalb Israels lebender Juden. Volker Schmidt schildert in der FRANKFURTER RUNDSCHAU ihre Arbeit, insbesonder auch im Blick auf die Situation auf dem Gebiet der ehemaligen DDR: "Die Schnitzeljagd".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

In der TAZ plädiert der Historiker Alexander Hasgall unter der Überschrift "Lehren aus dem Holocaust" dafür, jüdischen Israelkritikern wie Norman Finkelstein und seinen Thesen vom "Missbrauch des Holocaust" kein Forum mehr zu verschaffen: "In seinen Büchern wie der 'Holocaust-Industrie' macht Finkelstein Opfer zu Tätern und zeichnet das Bild des geldgierigen amerikanischen Juden. Ob solche antisemitischen Aussagen von einem Sohn von Holocaustüberlebenden stammen oder vom Enkel eines SS-Offiziers, macht inhaltlich keinen Unterschied." Gleichzeitig widerspricht er Iris Hefets, die kürzlich ebenfalls in der TAZ einen "Schoah-Kult" in der deutschen Politik beklagte (siehe Compass 10.03.2010). Hasgall hält dem entgegen:
"Dass dieser Umgang nicht immer frei von Pathos, politischer Instrumentalisierung und Kitsch ist, wird niemand bestreiten ... Wer aber das Gedenken an die Schoah pauschal als irrationalen Kult abstempelt, der beleidigt nicht nur das Andenken an die Opfer, sondern darf sich nicht beklagen, wenn er Applaus von Revisionisten jeder Couleur bekommt."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Ein Berliner Rapper erfreut sich großer Beliebtheit in Kreisen der extremen Rechten. Kein Zufall, denn aus seinem Antisemitismus und seiner Homophobie macht er keinen Hehl und lässt ihnen öffentlich freien Lauf, wie Ralf Fischer auf in einem Beitrag für die Seite MUT GEGEN RECHTS schildert: "Des Kaisers alte Kleider?".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ANTISEMITISMUS/RECHTSRADIKALISMUS.

Die Welt ist plural geworden. Aus einer unübersehbaren Menge von Ideen, Überzeugungen und Theorien kann sich jeder heraussuchen, was ihm am meisten liegt. Aber nicht selten sind gerade die plausibel wirkenden Angebote riskant. Fundamentalistische und relativistische Ideologien bieten nur scheinbare Sicherheit. In einem Essay für den RHEINISCHEN MERKUR plädieren Peter L. Berger und Anton Zijderveld für eine Kultur des selbstbewussten Zweifels, für eine Haltung, die vor Fanatismus und Beliebigkeit gleichermaßen schützt. Wer nicht zweifelt, kann nicht staunen, sagen sie. Und: Gibt es einen Glauben ohne Staunen? Peter L. Berger, geboren 1929, gehört zu den bedeutendsten Religionssoziologen der Zeit. Seine gemeinsam mit Thomas Luckmann verfasste Studie „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ ist ein Standardwerk der Wissenssoziologie. Der niederländische Soziologe und Philosoph Anton C. Zijderveld wurde 1937 geboren. Bis 2002 lehrte er an der Erasmus-Universität in Rotterdam sowie in Kanada und den USA. Den Essay der beiden Autoren stammt aus dem Band „Lob des Zweifels. Was ein überzeugender Glaube braucht“, der im Kreuz Verlag erschienen ist.
Der Link zum Essay in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Der Schriftsteller und Träger des Hessischen Kulturpreises Navid Kermani äußert sich im Interview mit der FRANKFURTER RUNDSCHAU über den Streit um die Zusammensetzung der Islam-Konferenz. Dabei findet er, dass insbesondere Höflichkeit und Stil der Akteure im Innenministerium "ausbaufähig" seien. Ebenfalls warnt er vor einem Scheitern der Islamkonferenz und spricht über die Sorgen der Muslime. U.a. sagt er:
"Sich jetzt stärker praktischen Fragen zuzuwenden, wie es Thomas de Maizière vorschwebt, halte ich gleichwohl für absolut richtig. Ich kann allerdings den Unmut der islamischen Verbände - und nicht nur der Verbände - darüber verstehen, dass er anders als sein Vorgänger Verfahren und Inhalte von vornherein vorschreibt und vorab öffentlich verkündet. Das ist kein Dialog mehr, sondern ein Diktat."
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Seit fast einem Jahr steht Schlomo Hofmeister dem Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg als Gemeinderabbiner zur Seite. Er hat sich gut eingelebt und bereits viele Gemeindemitglieder kennengelernt. Dazu trägt auch bei, dass das Ehepaar Hofmeister sein Haus an jedem Schabbat öffnet. Willkommen sind alle – »von sehr religiös bis säkular«. Alexia Weiss porträtiert den Rabbiner in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN: "Ein Münchner in Wien"
Der Link zum Porträt in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Er ist einer der vielen »Sprösslinge« von Irene Runge, der Gründerin des Ende 2009 »ad acta« gelegten Jüdischen Kulturvereins Berlin – der englischsprachige Stammtisch »Schmooze«. Seit etwa fünf Jahren kommen jüdische Berliner und Berlinerinnen jeden zweiten Dienstag in ein gemütliches Café, meistens am Rosenthaler Platz in Mitte, um sich zu treffen, wiederzusehen, zu trinken, zu essen und Netzwerke aufzubauen: »meet, greet, drink, eat and network together«. Der Name dieses Stammtisches ist Programm, denn das englische Wort »Schmooze« kommt aus dem Hebräisch-Jiddischen und heißt so viele wie plaudern und locker unterhalten. Irina Leytus erzählt im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlins, JÜDISCHES BERLIN, von den verschiedenen jüdischen Stammtischen in Berlin: "Es muss nicht immer ein Verein sein".
Der Link zur Reportage in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Seit einigen Monaten stecken die Beziehungen zwischen Ankara und Tel Aviv in der Krise. Dabei leben in keinem anderen muslimischen Land so viele Juden wie in der Türkei. Etwa 20.000 sind es in Istanbul - die schlechten diplomatischen Beziehungen bekommen sie direkt zu spüren. "Die türkische Gesellschaft ist traditionell nicht antisemitisch geprägt", sagen sie. Luise Sammann und Fatih Kanalici haben sich für DEUTSCHLANDRADIO auf einen Streifzug durch das jüdische Istanbul begeben: "Fremde Nachbarn".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz ist aufgebracht: Oft genug wolle niemand den Papst hören, jetzt werde Benedikt vorgeworfen, zu den Missbrauchsskandalen zu schweigen, schreibt Erzbischof Robert Zollitsch in einem Beitrag für die WELT und fragt sich, was morgen noch von diesem Mann verlangt werde: "Was soll der Papst noch Neues sagen?".
Der Link dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Thomas Hummitzsch stellt in der BERLINER LITERATURKRITIK einen Comic über die jüdische Welt im Amerika des 19. Jahrhunderts vor und zeigt sich sehr angetan:
"Ben Katchor ist es in seinem viel gelobten Comic gelungen, die Vielfalt der jüdischen Eigenart in schlichte, aber geniale Tuschezeichnungen zu übertragen und dabei zugleich ein Stück amerikanisch-jüdische Geschichte zu erzählen. Der amerikanische Aufstiegstraum findet ebenso seinen Patz wie die Geschichte der Diskriminierung der amerikanischen Minderheiten. Dass ihm dies gelungen ist, liegt an der jahrelangen Beschäftigung mit seiner Heimatstadt New York. Seit den achtziger Jahren schon zeichnet und schreibt er über die Leben und Historie am Big Apple."
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Die Veröffentlichung der Tagebücher von Willy Cohn unter dem Titel "Kein Recht, nirgends" war 2006 eine zeitgeschichtliche Sensation. 1.200 Seiten über das Leben seiner Familie, über die jüdische Gemeinde in Breslau und über die zunehmende Marter der Juden, die seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten "in einer Mausefalle" saßen: Vom Januar 1933 bis zum 17. November 1941 beschreibt Willy Cohn die Qual eines Patrioten, der sein Vaterland liebte, und eines gläubigen Juden, der sich ein neues Leben nur in "Erez Israel" vorstellen konnte. Als der Entschluss auszuwandern fiel, war es zu spät. Im November 1941 wurden Cohn, seine Frau und seine beiden kleinen Töchter verschleppt, deportiert und erschossen. Sie gehören zu den ersten Opfern der systematischen Mordaktionen der Nazis. Heute Abend wird eine sehenwerte Dokumentation über Willy Cohn ausgestrahlt: "Ein Jude, der Deutschland liebte".
Und gleich im Anschluss noch eine, nicht minder sehenswerte Dokumentation:
Izbica in Ostpolen. In dem ehemaligen kleinen Schtetl in der Nähe von Lublin lebten 1939 über 80 Prozent Juden - heute gibt es dort kein jüdisches Leben mehr. Dieses Dorf ist mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte für immer verknüpft: 1942 wird es von der SS zum "Durchgangsghetto" erklärt, Izbica wird damit zu einem "Vorhof der Vernichtung". Zehntausende Juden aus ganz Europa werden von hier aus in die Todeslager im Osten deportiert, tausende bereits in Izbica selbst ermordet. Hier kreuzen sich die Schicksale von Verfolgten, Flüchtlingen und ihren Peinigern. Es sind vor allem zwei Menschen und ihre Lebenswege, die die Tragödie dieses kleinen Ortes widerspiegeln: Grzegorz Pawlowski und Thomas Blatt. Grzegorz Pawlowski ist heute katholischer Priester im israelischen Jaffa. Thomas Blatt muss als kleiner Junge dem skrupellosen Gestapochef von Izbica, Kurt Engels, dienen. Seine Aufgabe, sich um dessen Motorrad zu kümmern, schützt ihn - bis er mit seiner Familie doch in das Vernichtungslager Sobibor deportiert wird.
Mehr zu den beiden Dokus in der Rubrik FERNSEH-TIPPS.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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