Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
15.10.2026 - Nr. 2139

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Am Donnerstag, 29. Oktober 2026, erscheint die nächste Ausgabe von ONLINE-EXTRA.


Guten Tag!

Nr. 2139 - 15. Oktober 2026



In der neuen ZÜRCHER ZEITUNG meint Richard C. Schneider, dass es mehrere Gründe für eine neue Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien komme. U.a. schreibt er: 
"Derzeit sieht es danach aus, dass Jerusalem die Saudi mit Informationen über die Führung, die militärischen Fähigkeiten und die Operationsmuster der Huthi unterstützen wird. Dass Israels Geheimdienste in der Lage sind, die Huthi-Führung aufzuspüren, zeigte sich unter anderem bei den Luftangriffen im August 2025, bei denen mehrere Führungsfiguren getötet wurden. Israels Kenntnisse könnten Saudiarabiens Verteidigung stärken, ohne dass das Königreich öffentlich als Partner Israels auftreten muss."

Gleich vier ebenso informative wie bedrückende Reportagen beschäftigen sich mit der Situation der Siedler und insbesondere den desaströsen Zuständen im Gaza-Streifen. Johannes C. Bockenheimer hat für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG Daniella Weiss getroffen, eine Ikone der israelischen Siedlerbewegung, die viele Orte im Westjordanland mitgegründet hat. Jetzt will sie dasselbe im Gazastreifen wiederholen, unterstützt von Ministern der Netanjahu-Regierung. Ob das gelingt, entscheidet sich auch bei der Wahl Ende Oktober: «Die Araber werden Gaza verlassen». Die ZEIT hat mit dem Arzt Amar Mardini gesprochen, der zuletzt im September im Gazastreifen war. Er berichtet von knappen Medikamenten, kaum Kraftstoff und der Hilfe unter extremen Bedingungen: »Nördlich von Gaza-Stadt ist medizinische Versorgung nahezu unmöglich«. Wiederum in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG illustriert gleich ein Quartett von Autoren, dass mehr als zwei Jahre nach der israelischen Offensive in der Grossstadt Rafah im Gazastreifen fast alle Gebäude zerstört sind. Sie demonstrieren dies mit aktuellen Satellitenbildern, die eine Wüste aus Trümmern zeigen: "Die Stadt Rafah gibt es nicht mehr". Und ebenfalls in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG berichtet Rewert Hoffer, dass der weitgehend zerstörte Gazastreifen insgesamt ein Kriegsgebiet bleibt, in dem es kaum Aussicht auf Besserung gibt. Rewert hat freilich auch beobachtet, dass immer mehr Palästinenser sich deswegen von der Hamas abwenden würde und hat mit zwei von ihnen gesprochen: "Die Menschen in Gaza haben die Hoffnung verloren. Sie trauen weder Israel noch der Hamas".

Mehr dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

In Anbetracht der im Ausgang noch völlig offenen und vielfach als Schicksalswahl begriffenen Wahl und vor dem Hintergrund einer durch Netanjahus Politik und den traumatischen Nachwirkungen des 7. Oktobers 2023 tief gespaltenen Gesellschaft war die ZEIT-Korrespondentin Marlene Knobloch mit Menschen vor Ort unterwegs, die sich mal wieder die Frage stellen, ob sie noch hier, in Israel, leben wollen. Ihre Stimmungsvolle Reportage gibt ein Blitzlicht von einem Land auf Messers Schneide: "Ist das noch ihr Zuhause?"

Der Wahlkampf in Israel ist mitten auf seinem Höhepunkt. In knapp zwei Wochen entscheiden die Wähler über Sieger und Verlierer bei den ersten Wahlen nach dem traumatischen 7. Oktober 2023 und dem sich anschließenden Gaza-Krieg. Die Wahl gilt auch als Referendum über die Führungsstärke von Benjamin Netanjahu. Jüngste Umfragen legen nahe, dass weder der Regierungs- noch der Oppositionsblock die nötige Mehrheit gewinnen wird, wie die FRANKFURTER RUNDSCHAU und MENA-WATCH berichten. So bringt es Ryan Jones mit der Überschrift seines Berichts für ISRAEL HEUTE vielleicht auf den Punkt: "Beide Seiten der israelischen Wahlen brauchen Partner, mit denen sie nach eigenen Aussagen nicht zusammenarbeiten wollen". 

Dominierende Persönlichkeit im Oppositionslager und damit aussichtsreichster Gegner Netanjahus ist der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot, dessen Sohn als Soldat in Gaza fiel. Nun tritt Eisenkot bei den Wahlen gegen den Kriegspremier Netanjahu an – um Israel endlich aus dem Trauma des 7. Oktober herauszuführen. Kann es ihm gelingen? Die ZEIT und der STERN stellen den Herausforderer in instruktiven Porträts näher vor: "Beendet dieser Mann die Ära Netanjahu?". Und der auch international wohl umstrittensten Person in der israelischen Politik, dem derzeitigen Polizeiminister und rechtsextremen Itamar Ben-Gvir widmet Guido Tiefenthaler für den ORF ein Porträt: "Wahlkampf in Israel mit extremen Positionen". 

Ein zentrales Thema des Wahlkampfs ist zweifellos der 7. Oktober 2023 und die Frage nach der politischen Verantwortung Netanjahus. U.a. MENA-WATCH und der schweizer TAGES-ANZEIGER geben einen Überblick, wie das brisante Thema im Wahlkampf behandelt wird: "Israels Wahlkampf und die Frage nach der Verantwortung für den 7. Oktober".
Schließlich sei noch auf eine Reihe von Beiträgen in ISRAEL HEUTE hingewiesen, in denen die zur Wahl stehenden Parteien Israels näher vorgestellt werden: "Israels politische Parteien im Überblick".

Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik
ISRAEL INTERN.

Wie ist es aktuell um gegenseitige Wahrnehmung von Deutschen und Israelis bestellt? Diese Frage wird regelmäßig im Rahmen eines Projekts an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu beantworten versucht, das Umfragen über die gegenseitigen Wahrnehmungen von Israelis und Deutschen durchführt, seit 2024 auch unter Einbeziehung von Großbritannien, Frankreich und Polen. Daran nehmen in jedem Land etwa 1000 Menschen teil. Geleitet wird das Projekt derzeit von Gisela Dachs, aktuell Professorin am DAAD Center for German Studies des European Forum an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Kürzlich wurden nun die jüngsten Ergebnisse der Umfrage vorgestellt, über die Ralf Balke in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG berichtet: "Mehr Skepsis".

Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

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Die umfangreichsten Prozesse gegen die NS-Verbrechen fanden nicht in Nürnberg oder Frankfurt, sondern in Polen statt. Dort, in Polen, wurden über 700 Personen wegen ihrer Tätigkeit im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz vor Gericht gestellt. Neben den Prozessen gegen Rudolf Höß, Arthur Liebehenschel und 39 weitere Angeklagte vor dem Obersten Nationaltribunal gab es auch mehrere Hundert Strafverfahren vor den Bezirksgerichten, in denen die überwiegende Mehrheit der Beschuldigten 1948 verurteilt wurde. Jetzt hat Andrea Rudorff erstmals eine Rekonstruktion dieser in Vergessenheit geratenen Ermittlungen der dortigen Justiz vorgelegt. Kim Christian Priemel stellt die Studie in der FAZ vor: "Die vergessenen Auschwitz-Prozesse".

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zehntausende Menschen im Kontext der nationalsozialistischen "Euthanasie" Opfer erzwungener medizinischer Forschung. U.a. wurden von den Opfern Hirnpräparate in zwei Max-Planck-Instituten (vormals Kaiser-Wilhelm-Instituten) zu wissenschaftlichen Zwecken gesammelt. Ein unabhängiges, von der Max-Plannck-Gesellschaft gefördertes Verbundprojekt hat nun nach neunjähriger Forschung einen Abschlussbericht vorgelegt. Anlass waren Funde von Hirnschnitten im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin sowie im Historischen Archiv des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. Die Klärung der Herkunft dieser Präparate sowie der Forschungskontexte, in denen sie entstanden und verwertet wurden, waren zentrale Fragen des Projekts. Die Ergebnisse sind im September im Wallstein-Verlag erschienen und werden am 20.10. und am 16.11.2026 bei Buchvorstellungen in Berlin und München präsentiert. In einem ausführlichen Beitrag auf der Homepage des Max-Planck-Instituts wird der Kontext des Projekts erläutert und dessen Ergebnisse zusammenfassend dargestellt: "Hirnforschung und NS-Verbrechen. Die Ergebnisse des historischen Forschungsprojekts liegen vor."
Und die ZEIT sprach mit einem der maßgeblich Beteiligten an diesem Forschungsprojekt, dem Facharzt für Psychiatrie und Medizinhistoriker Volker Roelcke, der bis zu seinem Ruhestand als Professor für Geschichte der Medizin an der Universität Gießen lehrte: »Diese Mediziner waren nicht einfach Psychopathen«.

Die Bundeskunsthalle in Bonn beleuchtet derzeit in einer Ausstellung die Frage nach dem aktuellen Stand des Gedenkens an die NS-Verbrechen in Deutschland. Die Ausstellung mit zahlreichen Kunstwerken und historischen Zeugnissen versteht sich auch als politisches Statement, wie Claudia Rometsch für das SONNTAGSBLATT berichtet. Vor diesem Hintergrund hat die WELT mit Stefan Mühlhofer gesprochen. Der promovierte Historiker ist geschäftsführender Direktor der Kulturbetriebe der Stadt Dortmund und Vorsitzender des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW. Im Gespräch äußert er sich über die Notwendigkeit einer solchen Ausstellung und darüber, welche neuen Herausforderungen der politische und gesellschaftliche Wandel für die Arbeit in den NS-Gedenkstätten mit sich bringt. Auf die Frage, welche Probleme es bei der Vermittlung vor allem im Blick auf Jugendliche gibt, räumt Mühlhofer ein, das dabei insbesondere "die Polarisierung durch den Nahostkonflikt" und teilweise ein "stärker werdender Antisemitismus" zu spüren sei. Die Debatten mit den Schulklassen, so Mühlhofer, 
"verlaufen härter als früher, immer wieder äußern sich Schülerinnen und Schüler deutlich antiisraelisch. Und das schlägt dann oftmals in Antisemitismus um. Unser wichtigster Job ist es im Moment, dass wir unsere Guides darauf vorbereiten. Wir müssen sie sprachfähiger machen. Auch in vielen anderen Punkten – wenn zum Beispiel irgendwelche Verschwörungstheorien geäußert werden."

Hans Günther Adler kam 1910 in Prag in einer jüdischen Familie zur Welt und wuchs, wie er später schrieb, „zunächst fast ausschließlich in der Geborgenheit des insularen Prager Deutschtums“ auf. Er kannte Max Brod und Elias Canetti, wollte selbst Schriftstellerr werden, promovierte über „Klopstock und die Musik“ und schrieb Romane und Lyrik. Dann jedoch schlug sein Lebensweg durch Nationalsozialismus und Weltkrieg einen radikal andere Richtung ein. Von 1941 bis zum Ende des Krieges war er in mehreren Konzentrationslagern interniert - und überlebte. Nach Ende des Krieges setzte er sich nun zum Ziel, die Methoden der von ihm selbst erfahrenen mörderischen Verfolgung darzustellen. Ergebnis war sein bahnbrechendes Werk "Der verwaltete Mensch. Studien zur Deportation der Juden aus Deutschland", das 1974 erstmals in kleiner Auflage erschien und bald vergriffen war. Nun ist es nach mehr als 50 Jahren wieder zugänglich – neu gestaltet und mit einem Vorwort von Götz Aly versehen, das die eigentümliche Entstehungsgeschichte dieses Buches erzählt. In der WELT stellt es Thomas Schmid ausführlich vor: "Alle waren froh, nicht alles zu wissen."

Mehr dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

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Jüdische Studenten verwehrten am Tag des Gedenkens an das Attentat in Halle dem stellvertretenden AfD-Landtagspräsidenten Hans-Thomas Tillschneider den Zutritt zur Synagoge. Im Interview mit dem STERN erklärt Ron Dekel, Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, warum: „Mit seiner Aktion hat Tillschneider uns Juden ins Gesicht gespuckt“.
In der WELT hält Nicholas Potter fest, Tillschneider sei ein "Holocaust-Relativierer und Israel-Kritiker, dessen Verhältnis zu jüdischem Leben bestenfalls instrumentell, schlimmstenfalls bedrohlich" ist. Auch sieht er durchaus Parallelen zur Ideologie des Halle-Attentäters: 
"Dem Zentralrat der Juden warf er vor, den Islam zu benutzen, 'um in Deutschland multikulturelle Verhältnisse herbeizuführen' und 'die deutsche Kultur zu schwächen'. Das Ziel sei 'letztendlich die Abschaffung unseres Volks'. Übersetzt: Hinter der vermeintlichen Islamisierung stünden die Juden. Genau dieser Wahn trieb auch den Attentäter von Halle an." Auch die Idee des "Schuldkults" ist allgegenwärtig in seinen Reden, erinnert Potter: "'Unsere Vergangenheit soll uns keine Last mehr sein, sondern eine Lust', sagte er einmal seinen Freunden in Schnellroda. Oder davon, dass nur ein 'verschwindend geringer Teil der Wehrmachtssoldaten' Verbrechen verübt habe: 'Unsere Urgroßväter und unsere Großväter waren keine Verbrecher!'"

Der Chef der britischen Grünen, Zack Polansik, "hat die Grünen vom Öko-Milieu auf Gaza-Aktivismus umgepolt", berichtet Henry Donovan in der WELT und ist sich sicher, dass es ihm dabei gewiss auch um Wählerstimmen von Migranten geht: 
"Die alte Landlinke und wohlhabende Bourgeoisie, mit Lastenrad und Wildblumenwiese, ist nicht mehr die Zielgruppe. Die Blaupause dafür lieferte die Nachwahl in Gorton and Denton: Im Februar gewannen die Grünen dort ihre erste Nachwahl, in einem Wahlkreis, in dem mehr als jeder vierte Einwohner Muslim ist. Ein Flugblatt auf Urdu forderte auf, Labour 'für Gaza zu bestrafen'. Es funktionierte. Also wird es wiederholt. Zum Kommunalwahlkampf forderte Polanski prompt, das Handelsabkommen mit Israel aufzukündigen. Kein Wort zu China, kein Wort zum Iran. Immer nur Israel. Das Problem sind dabei nicht die muslimischen Wähler. Die meisten von ihnen wählen nach Themen wie Jobs, Schulen und Mieten - wie alle anderen. Das Problem ist eine Partei, die britische Bürger nicht als Briten anspricht, sondern als Glaubensgemeinschaft - und zwar aus Anlass eines Krieges, der Tausende Kilometer entfernt geführt wird. Großbritannien ist als multiethnische Gesellschaft erfolgreich, weil bisher ein stiller Vertrag galt: Egal, wo man herkommt - an der Wahlurne ist man Brite und streitet über britische Dinge."

In der FAZ denkt Simon Strauß darüber nach, was es eigentlich bedeutet, wenn "propolästinensische" Aktivisten ausgerechnet das Datum des 7. Oktober vereinnahmen, um für ihren Hass auf Israel zu demonstrieren, wie in Berlin geschehen:
"An diesem 7. Oktober ist das Abhalten einer solchen Demonstration nicht einfach eine Geschmacklosigkeit. Es ist eine Herausforderung, eine Provokation. Vielleicht sogar ein Vorzeichen." 
Strauß hatte die recht gut besuchte Demo angesehen und notierte zugleich die verschwindend geringe Zahl von Gegendemonstranten. Das unterstreiche einmal mehr, "dass der Kampf gegen links nach wie vor keine große Mobilisierungskraft erzeugt. Gerade deshalb hätte der deutsche Innenminister an diesem Abend im Grunde hier am Oranienplatz stehen müssen, um vor realem Hintergrund vor Antisemitismus zu warnen. Aber es war außer der Polizei fast niemand da."

Antisemitische Vorfälle mit islamisch/islamistischem Hintergrund haben seit dem 7. Oktober 2023 deutlich zugenommen – und sind überdurchschnittlich häufig gewalttätig. So das Fazit einer neuen Analyse des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (kurz: RIAS), über die Moritz Pieczewski-Freimuth für den HUMANISTISCHEN PRESSEDIENST berichtet. Die Analyse zeige auf, wie eng israelbezogener Antisemitismus, islamistische Radikalisierung und die Mobilisierung internationaler islamistischer Akteure miteinander verbunden sind: "Antisemitismus unter Muslimen öfter gewaltförmig".

Nach dem Terrorangriff auf Israel vor zwei Jahren und der Eskalation des Nahost-Konflikts berichten Jüdinnen und Juden auch in Deutschland über massive Anfeindungen, Diskriminierungen und Ausgrenzung. In einem am Dienstag in Berlin vorgestellten Zwischenbericht einer Studie beschreiben 118 Jüdinnen und Juden den Hass, das Misstrauen und die Ausgrenzung etwa an Hochschulen, am Arbeitsplatz und in Arztpraxen. Berichte von ZDF-HEUTE und in der RHEINISCHEN POST fassen die wichtigsten Ergebnisse zusammen und der Zwischenbericht selbst, der unter dem Dach der Antidiskriminierungstelle des Bundes entstanden ist, steht zum Download bereit: „Studie zu den Auswirkungen des terroristischen Anschlags am 7. Oktober 2023 auf jüdische und israelische Communities in Deutschland“.

Fast drei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel haben israelbezogene antisemitische Einstellungen erschreckender Weise auch und gerade unter Studierenden in Deutschland weiter zugenommen, auch wenn sie insgesamt niedriger als in der Gesamtbevölkerung vorzufinden sind. Das zeigt die dritte Welle einer bundesweiten Schnellbefragung von WissenschaftlerInnen der AG Hochschulforschung an der Universität Konstanz. Rund 2.000 Studierende und eine gleich große Bevölkerungsstichprobe wurden befragt. Auf der Homepage der Uni Konstanz ist eine zusammenfassende Einführung zu den Ergebnissen der Befragung zu lesen und die Studie selbst steht zum Download zur Verfügung: "Antisemitismus an Hochschulen: Ein neuer „Normalzustand“?" Ergänzend dazu auf den Seiten der ANTONIO-AMADEU-STIFUNG ein Interview mit Ron Dekel, dem Vorstand der jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) über die Entwicklungen von Antisemitismus an Hochschulen, über Erfahrungen von jüdischen Studierenden und von dem Forderungskatalog der JSUD, welcher klar formuliert, was sich verändern muss:
"Es ist weiterhin nicht möglich an deutschen Universitäten zu studieren, ohne Antisemitismus zu erfahren."

Die Links zu den Themen in der Rubrik
ANTISEMITISMUS.

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Wie steht es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland – und welche Rolle spielt Religion dabei? Der von der Bertelsmann-Stiftung seit 2007 regelmäßig erstellte "Religionsmonitor" zeigt in seiner kürzlich für 2026 herausgegebenen Fassung, dass sich der Zusammenhalt nach dem deutlichen Einbruch von 2023 teilweise erholt hat. Die Studie macht zudem deutlich, dass Religiosität auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft eine wichtige Ressource für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sein kann. Dieses Potenzial entfaltet sich jedoch nicht in allen Religionsgemeinschaften gleichermaßen. Die Ergebnisse basieren auf einer bevölkerungsrepräsentativen Studie in Deutschland mit insgesamt 5.231 Befragten. Für KATHOLISCH.de und das SONNTAGSBLATT fassen Michael Althaus und Oliver Marquart die wichtigsten Ergebnisse zusammen: "Was der Religionsmonitor über Zusammenhalt verrät – und was nicht".

Putin macht es, Trump und seine Entourage ebenso, und sie sind nicht die Einzigen: sie erklären sich zum Werkzeug der Vorsehung und mißbrauchen religiöse Begrifflichkeiten, um ihre Machtansprüche und ihre Politik zu legitimieren, ja regelrecht zu sakralisieren. Befinden wir uns also mitten in einer verqueren Auferstehung von politischer Theologie? In der internationalen katholischen Zeitschrift COMMUNIO geht dieser Frage vor allem im Blick auf Patriarch Kyrill und Putin der Wiener Fundamentaltheologe Jan-Heiner Tück nach. Michael Meier tut selbiges unter Einbeziehung von Vance, Trump & Co. für das Magazin des schweizer TAGES-ANZEIGERS. Und in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG stellt Guido Kalberer zwei Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt zum Thema näher vor: "Putin ist überzeugt, gegen das Böse zu kämpfen, und Peter Thiel will sich dem Antichrist entgegenstellen: Die politische Theologie ist wieder da".

Mit der jüdisch-amerikanischen Forscherin Amy-Jill Levine hat das universitäre Institut für jüdisch-christliche Forschung an der Universität Luzern einen Star der christlich-jüdischen Szene und anerkannte Expertin neutestamentlicher Exegese nach Luzern geholt. In einem Vortrag hat sie kürzlich auggezeigt, wie ihr Ansatz dazu beitragen kann, antijüdische Stereotype in der christlichen Auslegung aufzudecken. Francesco Papagni hat für KATH.ch ihrem Vortrag zugehört: "Die Gleichnisse Jesu neu gelesen".

Seit Jahrhunderten ist das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Juden turbulent. Nach einem Zwischenhoch unter Johannes Paul II. kühlte es wieder ab. Und vor allem seit dem 7. Oktober, dem Massaker der Hamas an israelischen Juden sowie dem nachfolgenden Gazakrieg näherte es sich einem neuen Tiefpunkt. Um diesen zu überwinden hat der Vatikan in den letzten Monaten eine Reihe von Versuchen gestartet, an die Ludwig Ring-Eifel in einem Beitrag für KATHOLISCH.de erinnert und nicht eben ermutigende Bilanz zieht: 
"Seit dem 7. Oktober: Vatikan und Juden finden nicht mehr zueinanderdie jüngsten Versuche des Vatikans, diesen Tiefpunkt zu überwinden".


Jochen Reidegeld, Priester und Theologe des Bistums Münster, derzeit Stellvertretender Leiter des Instituts für Frieden und Militärethik in Hamburg, setzt sich in einem Essay für das theologische Feuilleton FEINSCHWARZ mit der gewaltgeprägten Situation im Nahen Osten auseinander, die nicht nur vor Ort, sondern weltweit zu Polarisierung und verstärkter Israel- sowie Judenfeindschaft geführt hat. Reidegeld versucht einen Zugang zu eröffnen, diese Polarisierung zu überwinden und berichtet von Begegnungen mit traumatisierten Menschen aus den Konfliktgebieten. Vor diesem Hintergrund fragt er nach der ambivalenten Rolle der Religion(en) als Konflikttreiber, aber auch als Potential der Befriedung: "Kein Raum für das Leid des anderen? – Trauma und das Friedenspotential der Religionen". 

Die Links zu den Themen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

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Zunehmender Antisemitismus nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober hat das Leben jüdischer Menschen verändert - auch in Österreich. Für viele stellt sich dort wie hier eine grundlegende Frage: Wo kann man noch sicher leben? Bleiben oder gehen? Anna Giulia Fink und Walter Müller haben Jüdinnen und Juden in Österreich gesprochen, für die diese Fragen zum traurigen Alltag gehören: "Jüdisches Leben zwischen Auswandern und Durchhalten".
In besonderem Maße vom gewachsenen und allgegenwärtigen Alltagsantisemitismus be- und getroffen sind die Kinder. Was also heißt es wirklich für Kinder, jüdisch zu sein in Deutschland im Jahr 2026? Dabei ist es ist nicht leicht, in diesen Tagen überhaupt eine Familie zu finden, die von diesem veränderten jüdischen Lebensgefühl erzählt. Viele Eltern sprechen von tiefer Sorge. Davon, dass sie seit Jahren eine Pro-und-Contra-Liste führen. Gehen oder bleiben? Für den STERN hat Helen Bömelburg einen Tag in Berlin mit den Geschwistern Louisa, Ella und Romy verbracht, deren Eltern sich bewußt für nicht-jüdisch klingende Namen entschieden haben. Bömelburg hat die Kinder begleitet auf ihrem Weg in die Schule, in der Familie und ihren Freitzeitaktivitäten. Ein bedrückendes Erlebnis:
"Jüdisch aufzuwachsen in Deutschland, das bedeutet, früh zu wissen: Es gibt eine Welt zu Hause und in der Schule, die ist sicher. Und es gibt eine Welt da draußen, dort muss man vorsichtig sein. Darf nicht Hebräisch sprechen. Keinen Schmuck mit jüdischen Symbolen tragen. Wenn die Mädchen zur Synagoge um die Ecke gehen, werden sie ermahnt, dass sie auf mögliche Verfolger achten."
Auch Hanna Veiler weiß davon ein bittres Lied zu singen, von der Einsamkeit und den Enttäuschungen seit dem 7. Oktober 2023 und den unsäglichen Anfeindungen. Veiler war seit Mai 2023 Präsidentin der Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands (JSUD). 2025 kündigte sie an, nicht erneut zu kandidieren und Deutschland aufgrund des Erstarkens des Antisemitismus und der Alternative für Deutschland verlassen zu wollen. Im August 2025 wurde Veiler einstimmig zur Präsidentin der European Union of Jewish Students (EUJS), der Vertretung von 36 jüdischen Studierendenverbänden in Europa, gewählt, wo sie zuvor zwei Jahre als Vizepräsidentin gedient hatte. Anfang Oktober ist ihr Buch »Jung, jüdisch, wütend« erschienen, in dem sie ihre Erfahrungen niedergeschrieben hat. Die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG druckt einen Auszug aus dem Buch ab: "Die geblieben sind".

Der ungarisch-jüdische Künstler Feri Varga flüchtete 1940 vor den Nationalsozialisten aus Paris an die Côte d'Azur, nachdem er das NS-Regime zuvor in Karikaturen scharf kritisiert hatte. Während seine erste Ehefrau in Auschwitz ermordet wurde, gelang ihm die Flucht. Später zog er nach Neustadt an der Weinstraße. Aus Angst und dem Gefühl der Fremde in Deutschland verheimlichte er zeitlebens seine jüdische Identität – und den ursprünglichen Nachnamen Weisz – sogar vor seinen eigenen Kindern. Seine Tochter, die international erfolgreiche Künstlerin Paloma Varga Weisz, erfuhr erst durch einen Zufall im Alter von 18 Jahren davon. Jetzt widmet sie in ihrer aktuellen Ausstellung „WEISZ“ in der ehemaligen Synagoge Stommeln der existenziellen Erfahrung ihres 1989 verstorbenen Vaters. Georg Imdahl hat für die FAZ die Ausstellung besucht und ist der Tochter begegnet: "Das lange Schweigen des Feri Varga".

Weltberühmt wurden sie als Duo: Simon & Garfunkel. Zu Beginn ihrer Karriere war sich kaum jemand bewußt, dass beide Musiker jüdischer Abstammung sind. Nach ihrer Trennung als Duo begann Paul Simon eine ungemein erfolgreiche Solo-Karriere. Nun sind es bereits gute 60 Jahre, dass der New Yorker Künstler erfolgreiche Musik mit starken Texten macht. Mehrere Generationen haben zugehört. Am 13. Oktober wurde das jüdische Talent 85 Jahre alt. Für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG gratuliert ihm Imanuel Marcus mit einem ausführlichen Porträt: "Paul Simon: Der Brückenbauer".

Und noch ein Geburtstagskind: Wolf Biermann wird im November 90 Jahre alt. Vor 50 Jahren wurde er aus der DDR ausgebürgert, nun erscheinen erstmals seine Tagebücher. Anlass für die schweizer-jüdische Wochenzeitung TACHLES mit dem unverwüstlichen Barden mit jüdischem Vater ein Gespräch über Zeitgeschichte, die vernichtete jüdische Familie und ein Dichterleben zu sprechen: "Vor dem Dritten Weltkrieg".

Die Links zu den Themen in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Jan Böhmermann, der für Dezember das Ende seiner nicht unumstrittenen ZDF-Sendung "Magazin Royal" angekündigt hat, ist nicht gerade als Freund von Religion und Kirchen bekannt. Eher im Gegenteil, ist er doch in der Vergangenheit oft genug äußerst kritisch mit den Kirchen umgegangen. Ganz anders in seiner jüngsten Folge am 2. Oktober. Vor dem Hintergrund des Wahlerfolges der rechtsradikalen AfD in Sachsen-Anhalt zeigte sich Böhmermann ebenso erstaunt wie erfreut, dass es noch "eine kleine antifaschistische Gruppierung im Osten" gebe. Diese sei die "letzte antifaschistische Hoffnung im Osten: die Kirche in Ostdeutschland." Gleich meherer Zitate, so berichtet Rieke C. Harmsen in ihrem ausführlichen Beitrag zur Sendung für das SONNTAGSBLATT, seien viral gegangen. So beispielsweise auch dieses Zitat aus der Sendung:
"Jeden Tag leistet die Kirche im Osten antifaschistische Arbeit. Besonders dort, wo sich kaum noch jemand für Demokratie und Menschlichkeit engagiert."

Von einem neuen Trend auf TikTok und Instagram berichtet Stefanie Hollweck für das SONNTAGSBLATT: immer mehr junge Menschen entdecken dort den Katholizismus neu – mit Rosenkranz, Fasten, Fitness und einer gehörigen Portion Ästhetik. "Catholicmaxxing" heißt der Trend. Er könne Menschen in die Kirche bringen, zeige aber auch, wie schnell Religion zu einer Marke werde: "Catholicmaxxing: Wenn Glaube zum Lifestyle wird".

Laut der New York Times ließ sich Chris Olah, einer der Mitgründer der Firma Anthropic, schon seit längerer Zeit von Theologen unterschiedlicher Religionen beraten ließ. Offenbar vermutet man bei Anthropic, dass die Künstliche Intelligenz dabei ist, ein Bewusstsein zu entwickeln – und sucht Rat bei Theologen. Was die zur Debatte beizutragen haben, erläutert Johannes Grössl, Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Augsburg, in einem Beitrag für die TAGESPOST: "Warum die KI-Firma Anthropic die Theologie um Hilfe bittet".

Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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Weltweit schließen sich autoritäre Regierungen mit fundamentalistischen Bewegungen zusammen. In der islamischen Welt ist dies keine neue Entwicklung. Überraschender ist, wie sehr Putins Angriff auf die Ukraine durch die russisch-orthodoxe Kirche unterstützt wird. Erschütternd die Entwicklung in den USA. Xi Jinping sichert in Peking seine Macht mit Hilfe des Konfuzianismus, Netanjahu regiert mit Unterstützung orthodoxer Abgeordneter. Auch in Europa machen Rechtspopulisten und antiliberale Glaubensrichtungen gemeinsame Sache. Diesem Phänomen einer auch im Westen immer religiöseren Legitimation von Politik geht Hamed Abdel-Samad in seinem neuen Buch „With God on their Side. Die unheilvolle Allianz von Politik und Religion“ nach.  Armin Pfahl-Traughber hat es für den HUMANISTISCHEN PRESSEDIENST gelesen: "Die unheilvolle Allianz von Politik und Religion".

Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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