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Der Maler Otto Pankok starb am 20. Oktober vor 60 Jahren
(COPYRIGHT: Andreas Rehnolt,
Düsseldorf - Das Lebenswerk des am 20. Oktober vor 60 Jahren im niederrheinischen Wesel verstorbenen Malers, Grafikers und Bildhauers Otto Pankok ist überwältigend. Insgesamt 6.000 Kohlezeichnungen, 2.000 Radierungen und Holzschnitte sowie rund 200 Skulpturen erzählen die Geschichte eines autodidaktischen intensiven Künstlerlebens und eines Mannes, der am 6. Juni 1893 in Mühlheim an der Rihr geboren wurde. Die Nationalsozialisten belegten seine Kunst später mit dem Stempel "entartet" und belegten Pankok mit Berufsverbot. Der Künstler stellte dennoch Zeit seines Lebens immer den Menschen und dessen Würde ins Zentrum seiner Kunst.
Bereits als junger Maler hielt Pankok die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend in Bildern fest. Sie waren für ihn Begegnung und innerer Dialog mit der Natur, mit den Tieren und Menschen. Er zählt zu den führenden Künstlern des expressionistischen Realismus in Deutschland. Seine im Elternhaus gelebte humanitäre Haltung, seine besondere Zuwendung zu den von der Gesellschaft weniger geachteten und gewürdigten Menschen, wie etwa den Sinti und Roma führte ihn zu seinem großen Leitthema: Der Schöpfung. Sie umfasste seinen Appell, die Natur zu schützen und zu bewahren, für das Tier Verantwortumg zu übernehmen und die Rechte und Würde eines jeden Menschen zu achten.
Nicht zuletzt deshalb verzichtete Pankok Zeit seines Lebens darauf, sich der Farben in seinen Werken zu bedienen. Für ihn bedeuteten die schwarz-weiße Kohlezeichnung und die Druckgrafik die Konzentration auf das Wesentliche. Oft findet sich in den düsteren Bildern aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eine große, strahlende Sonne. Vermutlich stellte sie ein Zeichen der Hoffnung dar. 1912, im Alter von 19 Jahren begann er sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, dass er jedoch schnell aufgab und sich dafür entschied, sich die Fertigkeiten eines Malers, Grafikers und Bildhauers selbst anzueignen. Auch das Studium an der Großherzoglichen Hochschule für bildende Künste hängte er schnell an den Nagel.
Als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er an der Front in Frankreich verschüttet und überlebte nur knapp. Seine Kriegserlebnisse traumatisierten ihn und machten ihn zu einem lebenslangen Pazifisten. Pankoks 1933 begonnener Zyklus "Die Passion" steht unter dem Eindruck der Machtergreifung Hitlers. Insgesamt 60 Bilder stellten Leben und Tod von Jesus dar. Dessen Darstellung erinnert an die Gesichter der Juden und Zigeuner, die Pankok malt. Ab 1940 schuf er zahlreiche Billder, die er "Jüdisches Schicksal" nannte. In der NS-Zeit zog sich Otto Pankok zunächst ins Münsterland, später ins Emsland und schließlich in die Eifel zurück.
Es folgten Arbeitsverbot und 1937 schließlich die Beschlagnahme von insgesamt 56 Werken des Künstlers, durch die Nationalsozialisten in zahlreichen Museen. Ins Visier der Nazis war er zuvor bereits durch sein Engagemeint für die Sinti und Roma unter anderem im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim geraten. Zum Werk von Pankok, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von 1947 bis 1958 als Professor an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie lehrte, zählen zahlreiche Bilder von Zigeunern, Juden und Porträts des Künstlers von Literaten, Musikern und Malerfreunden sowie der legendären Düsseldorfer Kunstmäzenin Mutter Ey.
Pankok thematisierte oft Menschen, die unter gesellschaftlicher Ächtung und Unterdrückung litten. Er illustrierte auch den chinesischen Volksroman "Die Räuber vom Liang Schan Moor" aus dem 14. Jahrhundert, der die Geschichte von 37 Partisanen erzählt, die im alten China gegen Ungerechtigkeiten, Ausbeutung und Unterdrückung" kämpften und vielleicht als Vorlage zu dem japanischen schwarz-weiß-Film "Die 7 Samurai" (Regie Akira Kurosawa) von 1954 diente. Ganz wichtig für Pankok wurde sein 1950 entstandener Holzschnitt "Christus zerbricht das Gewehr" für die deutsche Friedensbewegung in den 1980er Hahren. Das Motiv wurde zu ihrem bis heute benutzten Zeichen. Am 20. Oktober 1966 starb der Künstler in Wesel.
Im niederrheinischen Hünxe lebte Pankok mit seiner Frau Hulda und der gemeinsamen Tochter Eva im Haus Esselt, in dem inzwischen ein Musem mit wechselnden Ausstellungen über Person und Werk von Otto Pankok informiert. Hier haben auch die Otto Pankok-Gesellschaft und die Otto Pankok-Stiftung ihren Sitz. In Duisburg besitzt das dortige Kunstmuseum einige hundert Arbeiten des Künstlers vor allem aus seinem Frühwerk. Auch im Emsland sowie in der Eifel gibt es an Orten, in denen Pankok in der NS-Zeit leben und arbeiten konnte, zwei Museen, die das Andenken an den Künstler und seine Werke pflegen. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte Otto Pankok gemeinsam mit seiner Fraz Hulda 2014 als "Gerechte unter den Völkern". Das Ehepaar hatte im Nazi-Deutschland die jüdische Schauspielerin Brunhilde Barz und ihren Ehemann, den Maler Mathias Barz vor den Nazis versteckt und so vor den Vernichtungslagern gerettet.
Microtext Journalistenbüro)
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