Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
15.10.2026 - Nr. 2139

Hirnforschung und NS-Verbrechen



So entschied das Weltgericht über die deutschen Hauptkriegsverbrecher



Von Johann Althaus | 06.10.2026 - Es war der bis dahin aufwendigste Strafprozess der Weltgeschichte. Am 30. September 1946 begann die Urteilsverkündung des International Military Tribunal. Gegen die 21 anwesenden Angeklagten ergingen erstaunlich differenzierte Schuldsprüche...

Woher hatte Göring das Gift für seinen Suizid?



Von Sven Felix Kellerhoff | 15.10.2026 - Am 16. Oktober 1946 um ein Uhr morgens sollte Hermann Göring gehenkt werden. Am Vorabend gegen 22.45 Uhr zerbiss er einen „Selbstvernichter“ mit Blausäure. Aber wie kam er an das Gift? ...




Die vergessenen Auschwitz-Prozesse



Von Kim Christian Priemel | 08.10.2026 - Die umfangreichsten Prozesse gegen die NS-Verbrechen fanden nicht in Nürnberg oder Frankfurt, sondern in Polen statt. Andrea Rudorff rekonstruiert die in Vergessenheit geratenen Ermittlungen der dortigen Justiz...
  


Andrea Rudorff:
Auschwitz vor polnischen Gerichten.
Ermittlungen, Urteile, Wirkungen.





Wallstein Verlag
Göttingen 2026
484 S.
46,– €
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Hirnforschung und NS-Verbrechen

[MAX-PLANCK-GESELLSCHAFT]
12.10.2026 - Die Ergebnisse des historischen Forschungsprojekts liegen vor...

»Diese Mediziner waren nicht einfach Psychopathen«



05.10.2026 - Der Historiker Volker Roelcke hat untersucht, wie Hirnforscher sich den Bedingungen des Naziregimes anpassten. Daraus lassen sich auch Schlüsse für die Gegenwart ziehen. Interview...

Zukunft des Instituts für Medizingeschichte wird diskutiert



Von Kathrin Rosendorff | 12.10.2026 - Ein KZ-Überlebenden-Sohn nennt die Bibliothek des Frankfurter Medizingeschichte-Instituts einen „Nationalschatz". Die Professur ist seit fünf Jahren vakant – und das Präsidium hat noch keine Entscheidung getroffen...

Nazi-Vergangenheit: Als der Bürgersinn der Polytechniker versagte



Von Simone Wagenhaus | 13.10.2026 - Eine neue Studie zeigt, wie der Frankfurter Bürgerverein sich dem NS-Regime anpasste und jüdische Mitglieder ausschloss. 1946 standen mindestens 15 ehemalige NSDAP-Mitglieder auf der ersten Nachkriegs-Mitgliederliste....

Fünf Jahre Gedenkort Bückeberg: Das Interesse nimmt zu



Von Wolfgang Kurtz | 09.10.2026 - Um die Errichtung des Dokumentations- und Lernortes Bückeberg in Emmerthal (Landkreis Hameln-Pyrmont) hatte es erbitterten Streit gegeben. Inzwischen steigt die Zahl der Besuchergruppen deutlich an...

Bundeskunsthalle zeigt Ausstellung über das Gedenken an NS-Verbrechen

[SONNTAGSBLATT]
Von Claudia Rometsch | 10.10.2026 - Die Bundeskunsthalle in Bonn beleuchtet die Frage nach dem aktuellen Stand des Gedenkens an die NS-Verbrechen in Deutschland. Die Ausstellung mit zahlreichen Kunstwerken und historischen Zeugnissen versteht sich als politisches Statement...

„Die Debatten mit Schulklassen verlaufen härter als früher“



10.10.2026 - Die Arbeit in den NS-Gedenkstätten verändert sich. Historiker Stefan Mühlhofer erklärt, welche neuen Herausforderungen der politische und gesellschaftliche Wandel mit sich bringt. Interview... 

Kontroverse um veröffentlichtes und "zensuriertes" Mengele-Dossier


Von Bernhard Ott | 08.09.2026 - Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) und die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit (SP) präsentieren das Siegerprojekt des ersten nationalen Holocaust-Memorials...




Alle waren froh, nicht alles zu wissen



Von Thomas Schmid | 08.10.2026 - H. G. Adler überlebte Auschwitz. Jetzt erscheint sein berühmtes Buch „Der verwaltete Mensch“ neu. These: Der Holocaust verlief „in barbarisch ziviler Ordnung“: so ordentlich alltäglich, dass es vielen leichtfiel, darüber hinwegzusehen...
  


H. G. Adler:
Der verwaltete Mensch.
Studien zur Deportation der Juden aus Deutschland.





Neuausgabe mit einem Vorwort von Götz Aly 
Verlag S. Fischer
Frankfurt 2026
 1439 Seiten
 98 Euro 
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Der Maler Otto Pankok starb am 20. Oktober vor 60 Jahren

Der Künstler gilt als Maler der Ausgegrenzten und Verfolgten und setzte sich im Nazi-Deutschland für Juden, Zigeuner und Zwangsarbeiter ein.

Düsseldorf - Das Lebenswerk des am 20. Oktober vor 60 Jahren im niederrheinischen Wesel verstorbenen Malers, Grafikers und Bildhauers Otto Pankok ist überwältigend. Insgesamt 6.000 Kohlezeichnungen, 2.000 Radierungen und Holzschnitte sowie rund 200 Skulpturen erzählen die Geschichte eines autodidaktischen intensiven Künstlerlebens und eines Mannes, der am 6. Juni 1893 in Mühlheim an der Rihr geboren wurde. Die Nationalsozialisten belegten seine Kunst später mit dem Stempel "entartet" und belegten Pankok mit Berufsverbot. Der Künstler stellte dennoch Zeit seines Lebens immer den Menschen und dessen Würde ins Zentrum seiner Kunst.

Bereits als junger Maler hielt Pankok die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend in Bildern fest. Sie waren für ihn Begegnung und innerer Dialog mit der Natur, mit den Tieren und Menschen. Er zählt zu den führenden Künstlern des expressionistischen Realismus in Deutschland. Seine im Elternhaus gelebte humanitäre Haltung, seine besondere Zuwendung zu den von der Gesellschaft weniger geachteten und gewürdigten Menschen, wie etwa den Sinti und Roma führte ihn zu seinem großen Leitthema: Der Schöpfung. Sie umfasste seinen Appell, die Natur zu schützen und zu bewahren, für das Tier Verantwortumg zu übernehmen und die Rechte und Würde eines jeden Menschen zu achten.

Nicht zuletzt deshalb verzichtete Pankok Zeit seines Lebens darauf, sich der Farben in seinen Werken zu bedienen. Für ihn bedeuteten die schwarz-weiße Kohlezeichnung und die Druckgrafik die Konzentration auf das Wesentliche. Oft findet sich in den düsteren Bildern aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eine große, strahlende Sonne. Vermutlich stellte sie ein Zeichen der Hoffnung dar.  1912, im Alter von 19 Jahren begann er sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, dass er jedoch schnell aufgab und sich dafür entschied, sich die Fertigkeiten eines Malers, Grafikers und Bildhauers selbst anzueignen. Auch das Studium an der Großherzoglichen Hochschule für bildende Künste hängte er schnell an den Nagel.

Als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er an der Front in Frankreich verschüttet und überlebte nur knapp. Seine Kriegserlebnisse traumatisierten ihn und machten ihn zu einem lebenslangen Pazifisten. Pankoks 1933 begonnener Zyklus "Die Passion" steht unter dem Eindruck der Machtergreifung Hitlers. Insgesamt 60 Bilder stellten Leben und Tod von Jesus dar. Dessen Darstellung erinnert an die Gesichter der Juden und Zigeuner, die Pankok malt. Ab 1940 schuf er zahlreiche Billder, die er "Jüdisches Schicksal" nannte. In der NS-Zeit zog sich Otto Pankok zunächst ins Münsterland, später ins Emsland und schließlich in die Eifel zurück. 

Es folgten Arbeitsverbot und 1937 schließlich die Beschlagnahme von insgesamt 56 Werken des Künstlers, durch die Nationalsozialisten in zahlreichen Museen. Ins Visier der Nazis war er zuvor bereits durch sein Engagemeint für die Sinti und Roma unter anderem im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim geraten. Zum Werk von Pankok, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von 1947 bis 1958 als Professor an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie lehrte, zählen zahlreiche Bilder von Zigeunern, Juden und Porträts des Künstlers von Literaten, Musikern und Malerfreunden sowie der legendären Düsseldorfer Kunstmäzenin Mutter Ey.

Pankok thematisierte oft Menschen, die unter gesellschaftlicher Ächtung und Unterdrückung litten. Er illustrierte auch den chinesischen Volksroman "Die Räuber vom Liang Schan Moor" aus dem 14. Jahrhundert, der die Geschichte von 37 Partisanen erzählt, die im alten China gegen Ungerechtigkeiten, Ausbeutung und Unterdrückung" kämpften und vielleicht als Vorlage zu dem japanischen schwarz-weiß-Film "Die 7 Samurai" (Regie Akira Kurosawa) von 1954 diente. Ganz wichtig für Pankok wurde sein 1950 entstandener Holzschnitt "Christus zerbricht das Gewehr" für die deutsche Friedensbewegung in den 1980er Hahren. Das Motiv wurde zu ihrem bis heute benutzten Zeichen. Am 20. Oktober 1966 starb der Künstler in Wesel. 

Im niederrheinischen Hünxe lebte Pankok mit seiner Frau Hulda und der gemeinsamen Tochter Eva im Haus Esselt, in dem inzwischen ein Musem mit wechselnden Ausstellungen über  Person und Werk von Otto Pankok informiert. Hier haben auch die Otto Pankok-Gesellschaft und die Otto Pankok-Stiftung ihren Sitz. In Duisburg besitzt das dortige Kunstmuseum einige hundert Arbeiten des Künstlers vor allem aus seinem Frühwerk. Auch im Emsland sowie in der Eifel gibt es an Orten, in denen Pankok in der NS-Zeit leben und arbeiten konnte, zwei Museen, die das Andenken an den Künstler und seine Werke pflegen. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte Otto Pankok gemeinsam mit seiner Fraz Hulda 2014 als "Gerechte unter den Völkern". Das Ehepaar hatte im Nazi-Deutschland die jüdische Schauspielerin Brunhilde Barz und ihren Ehemann, den Maler Mathias Barz vor den Nazis versteckt und so vor den Vernichtungslagern gerettet. 

(COPYRIGHT: Andreas Rehnolt,
 Microtext Journalistenbüro)




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