Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
18.06.2026 - Nr. 2133

ACHTUNG:

Am Dienstag, 30. Juni 2026, erscheint die nächste Ausgabe von ONLINE-EXTRA,mit der sich COMPASS in eine vorgezogene Sommerpause veabschieden wird.


Guten Tag!

Nr. 2133 - 18. Juni 2026



Die überraschend heute schon unterzeichnete Einigung von Iran und den USA löst seit Tagen in Israel Kritik bis hin zu Bestürzung aus. Israel sieht seine vitalsten Sicherheitsinteressen in Gefahr. Vor allem für Netanjahu stellt das Abkommen ein enormes Problem dar, wie nahezu alle Kommentatoren konstatieren. Israels Regierungschef hat keines seiner Kriegsziele erreicht und soll nun einen Deal akzeptieren, den er nie wollte. Netanjahus innenpolitischer Konkurrent Oppositionsführer Jair Lapid bringt es auf einen Punkt, der in der Tat eine zentrale Schwäche der gesamten Kriegs- und Außenpolitik des israelischen Regierungschefs offenlegt: Netanjahus »Unfähigkeit, militärische Errungenschaften in strategische Erfolge zu verwandeln«. Nimmt man noch das beinahe als zerrütet wirkende Verhältnis zwischen Netanjahu und Trump, folgern viele Beobachter, was etwa der STERN so formuliert: "Das System Netanjahu ist am Ende".

Links zu Berichten, Analysen und Kommentaren in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Unterdessen hat der saudische Sender »Al Arabiya English« das im Wortlaut bisher unbekannte "Memorandum of Understanding" zwischen Teheran und Washington veröffentlicht (17.102026). Die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG hat es ins Deutsche übersetzt: "Memorandum of Understanding".

Der Text in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST AKTUELL.

Kaum ein Diplomat war dem israelisch-palästinensischen Friedensprozess so nah wie Dennis Ross. Ross ist eine historische Figur der amerikanischen Nahost-Diplomatie. In den Achtzigerjahren war er Mitbegründer des Washington Institute for Near East Policy, 1988 wurde er zum Chefunterhändler für die Nahost-Friedensgespräche ernannt. Er überzeugte arabische und israelische Politiker, an der historischen Madrider Konferenz teilzunehmen, die den Friedensprozess in Gang setzte. In den Jahren danach spielte er eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen über die Osloer Abkommen, das Interimsabkommen von 1995 und das Hebron-Abkommen. Mit dem Ende von Bill Clintons Amtszeit endete auch seine Zeit als Sondergesandter. Nun hat DIE ZEIT in einem Podcast ein längeres Interview mit ihm nur aktuellen Lage im Nahen Osten, die Folgen des 7. Oktobers und mögliche Aussichten auf Frieden zwischen Israel und den Palästinensern geführt - und dieses nun transkripiert und veröffentlicht: "Kann der Nahostkonflikt gelöst werden, Dennis Ross?".

Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu will bei der anstehenden Parlamentswahl Ende Oktober erneut antreten, wie seine Likud-Partei vor wenigen Tagen offiziell bekanntgab. Bereits Ende April hatten die ehemaligen Regierungschefs Naftali Bennett und Jair Lapid angekündigt, mit einem gemeinsamen Bündnis bei der nächsten Wahl antreten zu wollen. Bennett hatt erst jüngst wieder scharfe Kritik an Netanjahu geäußert. "Er kann keine Kriege gewinnen. Er kann die Kriminalität nicht bekämpfen. Er kann die Preise nicht senken. Er kann die Ultraorthodoxen nicht in die israelische Gesellschaft integrieren", so zitiert ihn die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG. Unterdessen ist dem Bennett-Lapid-Bündnis selbst eine neue Konkurrenz im Oppostionslager erwachsen in Gestalt des ehemaligen Generalstabschef Gadi Eisenkot und seiner Partei Yashar, dessen Zustimmungswerte aktuell Woche um Woche steigen, wie MENA-WATCH berichtet. Und dann gibt es da noch einen recht homogenen Block an Wählern, die bislang einen entscheidenden Faktor im Aufstieg und Machterhalt von Netanjahu spielten: die Einwanderer aus der Sowjetunion. Aber auch hier bröckelt die Zustimmung, was vor allem mit den Zugeständnissen Netanjahus an seine (ultra-)orthodoxen Koalitonspartnern zu tun hat, wie Lily Galili anschaulich in der BERLINER ZEITUNG erläutert. Zu guter Letzt gibt es auch noch eine neue Partei: „Makom Lekulanu“ – ein Platz für uns alle. So heißt die Partei, deren Gründung die Graswurzelbewegung Standing Together am Dienstag offiziell verkündet hat. Standing Together bringt jüdische und arabische Israelis zusammen und setzt sich für Zusammenarbeit und Frieden ein. Das wollen sie nun in die Politik bringen, wie Lisa Schneider in der TAZ schildert.

Die Berliner Schriftstellerin Mirna Funk hat kürzlich für die FAZ ein israelisches StartUp besucht, das sich mit der Perfektionierung von digitalen Doppelgängern der eigenen Person, also Avataren, beschäftigt. Ihre Reportage schildert eindrücklich vom bereits sehr weit reichenden Stand dieser technologischen Entwicklung und thematisiert die Fragen und Probleme, die sich daraus ergeben. Vor allem aber wird ein gravierender Mentalitätsunterschied im Umgang mit dieser Technologie zwischen Israel und Deutschland deutlich:
"Während neben den USA und China auch Israel die Zukunft erschafft, verstrickt sich Deutschland in endlosen Diskussionen. Ob KI gefährlich ist. Ob Avatare uns täuschen. Ob man Technologie vertrauen kann, die man nicht vollständig versteht. Das sind keine dummen Fragen, aber es sind die falschen, wenn man sie erst dann stellt, wenn die Welt bereits weitergezogen ist. 'Sie werden ein hartes Erwachen erleben', sagt Eliran Kuta über die Deutschen. 'Denn das ist der neue Standard in der Zukunft. For good and for bad.'“

Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN

Der deutsch-israelischer Psychologe  Ahmad Mansour hat in einem Beitrag für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG die deutsche Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah als unterkomplex und einseitig kritisiert. Vor allem werde dabei über die wahren Interessen der Libanesen hinweggegangen: "So macht man Stimmung".

Der Krieg im Nahen Osten hält auch die Winzer in Israel in Atem, insbesondere in Israels nördlicher Anbauregion. Vor diesem Hintergrund fand zu Wochenbeginn im Mainzer Schloss zum fünften Mal ein deutsch-israelischer Weingipfel der Initiative Twin Wineries („Twins“) statt. Beim deutsch-israelischen Weingipfel in Mainz standen freilich die Gemeinsamkeiten und die Verkostung der Weine im Vordergrund, wie Oliver Bock für die FAZ berichtet: "Wie israelische Winzer im Krieg arbeiten".

Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

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Vor fast genau 40 Jahren am 6. Juni 1986 erschien in der FAZ ein Beitrag des Historikers Ernst Nolte mit dem Titel „Vergangenheit, die nicht vergehen will“. Nolte, der durch seine ideengeschichtliche Studie "Der Faschismus in seiner Epoche“ zu Beginn der 60er-Jahre durchaus Neuland betrat, stellte in seinem FAZ-Aufsatz u.a. infrage, dass die nationalsozialistische Vernichtungspolitik einzigartig gewesen sei. In der Folge entwickelte sich über Monate hinweg eine heftige öffentliche Debatte, die nicht nur national, sondern auch international für große Aufmerksamkeit sorgte und als "Historikerstreit" in die Geschichte einging. In einem längeren Beitrag für die WELT unternimmt Philip Cassier eine erneute Lektüre der zentralen Elemente der damaligen Debatte im Licht der gegenwärtigen Debattenkultur: "Dieser Streit über den Holocaust beschäftigt die Deutschen bis heute".

Im Sommer 1961 erschien von einem bis dato unbekannten Politikwissenschaftler in einem kleinen, ebenso unbekannten Chicagoer Verlag ein Buch, das heute als Meilenstein, ja als Ausgangspunkt der weltweiten Holocaustforschung gilt. Der Titel des Bandes lautete beinahe schlicht: „The Destruction of the European Jews“. Der Autor, Raul Hilberg, war gerade mal 35 Jahre alt und lehrte als Professor an der University of Vermont am Rande der USA nahe der Grenze zu Kanada. Das 800 Seiten umfassende Buch war in vielerlei Hinsicht ein Novum und sollte Geschichte machen. Bis es in Deutschland unter dem Titel "Die Vernichtung der europäischen Juden" erschien, dauerte es freilich noch gut zwei Jahrzehnte. In der FAZ schildert der Historiker René Schlott, der im April diesen Jahres mit einer Arbeit zu Leben, Werk und Wirkung von Raul Hilberg habilitierte, in eindringlicher Weise, die Hintergründe dieses Standardwerkes und seine stellenweise atemberaubende Publikationsgeschichte in Deutschland: "Chronist der Vernichtung der europäischen Juden".

Das Deutsche Fußballmuseum zeigt in Los Angeles in Kooperation mit dem dortigen Holocaust Museum LA zur Fußball-WM 2026 die internationale Gemeinschaftsausstellung "The Beautiful Game – The Untold Story" (13. Juni bis 31. Dezember), die erstmalig die jüdische Geschichte des Weltfußballs vor, während und nach dem Holocaust thematisiert, wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist. Passend dazu schildern zwei Beiträge, dass auch in den Konzentrations- und Vernichtungslagern Fußball gespielt wurde, so etwa in Auschwitz, worüber die WELT schreibt, und in Buchenwald, was auf EVANGELISCH.de zu lesen ist. Freilich ging es hier bei den zum Mitspielen genötigten Gefangenen nicht um einen Siegerpokal, sondern um Leben und Tod: "Vor den Gaskammern spielten Fußballer um ihr Leben".

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem will im Laufe der kommenden Jahre in Deutschland zwei Aussenstellen eröffnen, in München und in Leipzig. Es wären die ersten Yad-Vashem-Ableger ausserhalb Israels. Während das Vorhaben von Politikern weithin begrüßt wird, äußern prominente Vertreter der deutschen Gedenkkultur und Holocaust-Bildung Zweifel und teilweise offene Kritik. So etwa Meron Mendel, Leiter der Anne Frank Bildungsstätte in Frankfurt, der befürchet, dass auf diesem Wege ein «offizielles staatliches Narrativ über die Geschichte» verbreitet und «jede Form der Kritik – sei es an ihrer Kriegsführung in Gaza oder am Siedlungsbau – als antisemitisch» gebrandmarkt würde. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG und die JUNGLE WORLD nehmen die Vorwürfe unter die Lupe und berichten, wie Yad Vashem auf die Kritik reagiert. Ergänzend dazu ein etwas längerer, instruktiver Beitrag in der Zeitschrift GEO, der die Geschichte der Gründung von Yad Vashem erzählt: "Wie Yad Vashem zum Herz des jüdischen Gedenkens an die Shoah wurde".
Die Links dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Die GESELLSCHAFT FÜR CHRISTLICH-JÜDISCHE ZUSAMMENARBEIT KÖLN hat eine Broschüre veröffentlicht, die sich mit der deutschen Erinnerungspolitik und ihrer Infragestellung durch extrem rechte Akteure auseinandersetzt und an Multiplikatoren mit Methoden zur eigenständigen Durchführung wendet. Neben einem Interview mit dem Historiker Volker Weiß, einem der besten Experten auf dem Gebiet Rechtsradikalismus, völkische Rechte und Leugnung der Shoah-Verbrechen, stellt die Broschüre drei methodische Entwürfe vor, die in Schule und Erwachsenenbildung eingesetzt werden können. Ergänzt wird das Ganze durch eine Reihe biografischer Porträts von Jüdinnen und Juden, die während der NS-Herrschaft im Widerstand aktiv waren. Die sehr empfehlenswerte Broschüre steht auch als pdf-Datei zum Download zur Verfügung: "Erinnerung mit Zukunft? Shoah-Gedenken zwischen Schuldabwehr und anderen Herausforderungen."

Mehr dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

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Die Zahl antisemitisch motivierter Vorfälle in Deutschland bleibt weiter hoch: 2025 verzeichneten die RIAS-Meldestellen insgesamt 8.725 Fälle. Immer mehr Anfeindungen und Bedrohungen werden in den sozialen Medien registriert. Die meisten der 8.725 Fälle wurden den Angaben zufolge aus einem anti-israelischen Aktivismus heraus begangen. An dritter Stelle nach den 807 Vorfällen mit einem rechtsextremen Hintergrund stünden Vorfälle mit dem Hintergrund von links-antiimperialistischen Weltanschauungen. U.a. DEUTSCHE WELLE, TAGESSCHAU.de und NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fassen die wichtigsten Ergebnisse zusammen - und der vollständige Bericht steht zum Download bereit: "Antisemitische Vorfälle in Deutschland 2025"

Auf Demonstrationen, an Hochschulen oder in sozialen Netzwerken ist nach dem 7. Oktober 2023 immer wieder die Parole „Globalize the Intifada“ zu hören oder zu lesen. Hinter der auf den ersten Blick mutmaßlich "nur" politischen Parole, verbirgt sich mehr, verbirgt sich Antisemitismus. So das Ergebnis eines Dossiers, das vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) veröffentlicht wurde und über das die JÜDISCHE ALLEMEINE WOCHENZEITUNG berichtet. Das Dossier ordnet die Intifada-Rhetorik historisch, ideologisch, psychologisch und rechtlich ein und gibt zugleich konkretes Handwerkszeug für die Bildungs- und Bündnisarbeit an die Hand: "'GLOBALIZE THE INTIFADA'? Überlegungen zu einer antisemitischen Parole".

Urlaub bildet - so oder so, muss man sagen. Denn das hatte sich der israelische Journalist Jan Kapusnak, der in Athen Urlaub machte, vermutlich nicht vorgestellt. Denn was er allerorten vorfand, war ein regelrecht obszön entfesselter Antisemitismus, den er in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG beschreibt: 
"Überall in der Stadt sieht man Aufkleber und Graffiti mit Botschaften, die weit über politische Kritik hinausgehen. Wie: 'Get your mental boost - kill a Zionist.' Auf einem anderen: 'Save a life - kill a Zionist.' Man macht sich über Israeli lustig, indem man erklärt, wenn ein Israeli einen Kaffee bestelle, solle man ihm 'einen Kaffee servieren' - eine eindeutige Anspielung darauf, ihm kochend heißen Kaffee ins Gesicht zu schütten. Auch sieht man Darstellungen, die den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zeigen, wie er Adolf Hitler küsst - eine groteske moralische Verkehrung, in der Juden, die historischen Opfer Nazideutschlands, nun selbst als Nazis gelten sollen."
Sein bitteres Fazit:
"Die Unfähigkeit - oder die Weigerung, Gut und Böse zu unterscheiden, gehört zu den moralischen Verwirrungen unserer Zeit".

Im PERLENTAUCHER ist eine Intervention von Eva Illouz zu lesen, die auf ein Webinar über den "Bruch in der französischen Linken" zurückgeht. Die republikanische Linke in Frankreich, so ihre Analyse, sei einst im Zeichen der Dreyfus-Affäre als ein anti-antisemitisches Lager entstanden. Der Antisemit galt als der politische Gegner. Das habe sich nach dem 7. Oktober 2023 verschoben. Heute lege ein großer Teil der Linken eine Judophobie an den Tag, die nicht einfach ein moralischer Fehler ist, sondern den Verlust des Bezugspunkts deutlich mache, der ihrer Geschichte einen Sinn gab. Das führt zu einer Annäherung der Linken an den Faschismus, denn der "Antizionismus" bewirke 
"eine Neuausrichtung der politischen Inhalte und Positionen sowie eine Annäherung an den Faschismus. Ich wähle meine Worte mit Bedacht. Es gibt ein rot-braunes Phänomen, eine rot-braune Konvergenz, die Pierre-André Taguieff sehr gut analysiert hat und deren Tragweite man voll und ganz erfassen muss. Der radikale Antizionismus ist der Punkt, an dem sich das Hufeisen schließt, an dem das imperialistische Vokabular der Linken auf die Verschwörungstheorien der extremen Rechten trifft."

Kurz vor Beginn des Jubiläumsjahres der Bayreuther Festspiele sorgt die Absage einer geplanten Gedenkveranstaltung zu Richard Wagners Antisemitismus für Kritik. Eigentlich sollte am 26. Juli, dem Eröffnungstag der Festspiele, ein Konzert unter dem Titel «Verstummte Stimmen» stattfinden und zuvor eine Rede des Publizisten Michel Friedman. Jetzt wurde jedoch die Veranstaltung wenige Wochen vor dem Termin abgesagt - angeblich wegen Sicherheitsproblemen. Ulrich Seidler lässt das in der BERLINER ZEITUNG nicht gelten:
"Wenn es um die Verantwortung von Institutionen für die Sicherheit ihres Publikums geht, dürfte der Apparat der Festspiele durchaus Routine und Fingerspitzengefühl aufgebaut haben, schließlich zählen die höchsten Würdenträger und Amtsinhaber zu den Besuchern. [...] Zur Absage kommt es aber erst, wenn es um Antisemitismus gehen soll." 
In einem längeren Interview mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG kommt Michel Friedman, der spürbar verärgert ist, selbst zu Wort und sagt zu dem vorgeschobenen "Sicherheitsargument": 
„... das alles ist der Offenbarungseid. Wenn Sicherheitsprobleme auftauchen, hat der Staat diese Sicherheitsprobleme zu lösen! Veranstaltungen deswegen abzusagen – das ist die Erosion unserer Demokratie. Je öfter du das machst, desto mehr hat der Druck der Straße gewonnen. Es ist aber auch ein Offenbarungseid seit Jahrzehnten, dass man Konflikte, die hart sind, vermeiden möchte. Und auf die, wie ich finde, sogar etwas anmaßende Befürchtung, dass etwa Linksextremisten, radikale Muslime oder sonst wer auf den Grünen Hügel in Bayreuth zumarschieren, um eine Veranstaltung zu sprengen, bei der Michel Friedman redet, gibt es eine ganz einfache Antwort: Dann sichert diese Veranstaltung. Und spart euch alle Sonntagsreden!“

Die Links zu den Themen in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

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Als vor 30 Jahren, Ende März 1996, sieben Trappisten-Mönchen aus ihrem Kloster in Tibhirine in Algerien entführt und zwei Monate später, am 30. Mai, geköpft aufgefunden wurden, sorgte dies weltweit für Aufsehen und Entsetzen. Vor dem Hintergrund des Besuches von Papst Leo XIV. in Algerien vor wenigen Wochen, erinnert Alexander Brüggemann in einem Beitrag für DOMRADIO an das Schicksal der Mönche, die sich für ein gedeihliches Zusammenleben von Christen und Muslimen einsetzten, schildert die Vorgeschichte und die Folgen des Massakers und macht deutlich, warum trotz allem der interreligiöse Dialog das bleibende Erbe dieser christlicher Märtyrer ist: "Dreißig Jahre nach ihrer Ermordung".

Die Wanderausstellung „Dialograum“ mit 20 Gegenüberstellungen von jüdischen und islamischen Traditionen macht bis Ende des Jahres an Frankfurter Schulen Station. Ein gezeigtes Beispiel ist „Khatam Sulaiman“, ein aus zwei ineinandergreifenden Dreiecken bestehendes Siegel, das dem Davidstern sehr ähnlich sieht und als Segensbringer für Menschen muslimischen Glaubens gilt. „Dialograum“ wurde vom jüdisch-muslimischen Bildungswerk „Maimonides“ konzipiert, das 2019 gegründet wurde und nach eigener Zielsetzung Konflikte zwischen Judentum und Islam durch Dialog und Gemeinsamkeiten abbauen will. Alexandra Eisen stellt das Projekt in der FAZ näher vor: "Brücke zwischen den Religionen".

Papst Leo XIV. hat das Nein der katholischen Kirche zu Antisemitismus erneut bekräftigt. Die Kirche weise jede Form der Diskriminierung oder Verfolgung aus Gründen der Rasse, Hautfarbe, des sozialen Stands oder der Religion zurück, betonte er in einer Ansprache an eine Delegation der „Jewish Appeal Federation“ aus New York. Auf den seit einigen Jahren spürbaren Stillstand im katholisch-jüdischen Verhältnis ging der Papst feilich explizit nicht ein, wie ORF und VATICAN NEWS berichten: "Papst unterstreicht Nein der Kirche zu Antisemitismus".

Am 13. Juni 2026 fand in Köln die Konferenz der Muslime aus Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien statt. Veranstaltet wurde das Treffen von der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG) und der humanitäre Hilfsorganisation Hasene International. Im Fokus standen Bildung und Minderheitenrechte. Die Konferenz soll zudem den Austausch zwischen den Gemeinschaften fördern, wie ISLAMiq berichtet: „Regionale Probleme, globale Lösungen“

Die Links zu den Themen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

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Am vergangenen Sonntag hat in Frankfurt der größte jüdische Sportverein Deutschlands, Makkabi, seine neue Sportanlage eingeweiht. Solch einen Campus eines jüdischen Vereins gibt es laut Makkabi weder in Deutschland noch in Europa. Auf rund 24.000 Quadratmetern enstand die neue Heimat des rasant wachsenden Vereins. Mit inzwischen mehr als 5500 Mitgliedern in 28 Sportabteilungen ist TuS Makkabi Frankfurt der größte jüdische Sportverein Deutschlands und einer der größten Breitensportvereine der Region. Die neue Sportstätte ist eine Anlage der Superlative, die für rund 21 Millionen Euro entstanden ist, wie mehrere Medien berichten. Mit zwei großen Kunstrasenplätzen, drei Padelplätzen, weiteren Außenanlagen für Fußball, Basketball, Tischtennis, Fitness und einem dreistöckigen Mehrzweckgebäude, das eine Basketball-Halle, 13 Umkleidekabinen, acht Kursräume und einen 300 Quadratmeter großen Spiegelsaal für Tanzen und Kampfsport bietet. Alon Meyer, Präsident von TuS Makkabi Frankfurt, sagte:
„Was hier entsteht, ist weit mehr als eine Sportanlage. Der Campus verbindet Sport, Bildung und Begegnung und schafft Raum für das, wofür Makkabi seit Jahrzehnten steht: Respekt, Vielfalt, Offenheit und gesellschaftliche Verantwortung. Als jüdischer Verein wollen wir aktiv dazu beitragen, Zusammenhalt zu stärken und Antisemitismus entgegenzuwirken. Gleichzeitig schaffen wir einen Ort, der allen Menschen offensteht und Chancen für kommende Generationen eröffnet.“

Und wo wir schon beim Sport sind: natürlich gibt es auch in der jüdischen Community reichlich Fußball-Begeisterte, die bei der laufenden Weltmeisterschaft mitfiebern, was in drei Beiträgen in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG deutlich wird. Beispielsweise in den Interviews mit Jüdinnen und Juden, die Susanne Schmidt danach befragt hat, warum Fußball für sie mehr ist als das runde Leder. Oder bei dem in Wien lebenden Historiker Awi Blumenfeld, der eine Liebeserklärung an die Macht und die Möglichkeiten des Fußballs geschrieben hat. Und die Frage, was man von Spielern lernen kann, die jeden Muskel einsetzen, um ihr Heimatland stolz zu vertreten, versucht Avi Frenkel anhand von Thora und Talmud zu beantworten: "Spiel des Lebens. Was unsere Weisen über Fußball lehrten".

Der Kissinger Sommer, 1986 erstmals veranstaltet, wird vierzig Jahre alt und gratuliert sich selbst mit dem Motto „Mazel tov“, Hebräisch und Jiddisch für "Viel Glück". Auf dem Programm stehen von 11.6. bis 18.7. Klezmer, Chansons und klassische Werke von jüdischen Komponisten. Aus diesem Anlass sprachen die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG und der BAYRISCHE RUNDFUNK mit dem Intendant Alexander Steinbeis über die Idee und die Gestaltung. Und für die FAZ berichtet ein spürbar begeisterter Jan Brachmann über die ersten Eindrücke und Konzerte: "Jüdisch, deutsch und kaisertreu".

Bill Niven ist emeritierter Professor für Zeitgenössische Deutsche Geschichte an der Universität Nottingham Trent in England. Er war 1993 bis 1998 Dozent in der Germanistikabteilung der Universität Aberdeen, wechselte dann nach Nottingham, wo er 2005 an der Universität Nottingham Trent Professor für Deutsche Geschichte wurde. In einem anregenden Essay für LITERTATURKRITIK.de widmet sich der Literaturkenner dem Thema, wie jüdische Frauenfiguren in der deutschen Literatur ihren Niederschlag gefunden haben. Insbesondere geht er dabei der Frage nach, inwiefern sich zwei Außenseiterkategorien, Frauen und Juden, bei jüdischen Frauenfiguren überschneiden und wie sich darin die männliche Angst vor weiblicher Sexualität artikuliert hat: "Die Frau mit der Waffe".

Die Links zu den Themen in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Vor wenigen Tagen feierte Donald Trump seinen 80. Geburtstag, dessen Verhältnis zu Religion und Glaube seit je vage, schwer greifbar ist und eine Black Box bleibt. Sein politisches Umfeld gibt sich betont christlich, pflegt dabei allerdings ein recht eigenwilliges Verständnis. Joachim Heinz versucht für KATHOLISCH.de ein paar Mosaiksteine zusammenzutragen, die Licht in das Ganze bringen: "Donald Trump und die Kirchen – Eine Spurensuche".

Vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Fußball-WM in den USA, beschäftigen sich einige Beiträge mit den Zusammenhängen und Querverbindungen zwischen Glaube, Kirchen und Fußball. In der EVANGELISCHEN ZEITUNG spricht Jörn Möller, Nordamerika-Referent im Ökumenewerk der Nordkirche, über deutsch-amerikanische Gemeindefreundschaften in politisch heiklen Zeiten. Im SONNTAGSBLATT äußert sich der katholische Theologe Thorsten Kapperer (45) über Orte großer Emotionen, La-Ola-Wellen im Kirchenraum und Jesus als Spielertrainer. Und in der TAGESPOST schildert Dorothea Schmidt die Hintergründe einer Szene beim 7:1 Gewinn der Deutschen Mannschaft gegen Curacao, bei der Felix Nmecha und Jonathan Tah gemeinsam mit mehreren Spielern der gegnerischen Mannschaft zu sehen waren, die sich in einem Kreis versammelten und Gott für das Spiel dankten: "Im Spiel Gegner, im Glauben Brüder". 

Im Mai veröffentlichte Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika. Das ist für Daniel Kosch auf der Seite GLAUBENSSACHE ONLINE der katholischen Kirche in Bern Anlass, zu fragen: Was bedeutet es, wenn der Papst etwas lehrt? Wie verbindlich ist ein solches Schreiben? Was genau hat es mit der Unfehlbarkeit des Papstes auf sich? Und wie geht man als mündiger Christenmensch damit um: "Unfehlbar".

Mehr dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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»Die Rechnung ist noch offen« – unter diesem Titel hielt Amos Oz seine letzte große Rede im Juni 2018, ein halbes Jahr vor seinem Tod. Sie hat den Charakter eines Vermächtnisses. Es ging um Krieg und Frieden, um Israel und den Nahen Osten, die bedrohte Humanität und gefährdete Demokratie. Nun ist ein Band erschienen, der diese und andere Reden sowie Essays und Gespräche der letzten Jahre versammelt. Nikolas Ender hat sie für die FAZ gelesen: "Ein Büchlein als Munition".

Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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