Vor den Gaskammern spielten Fußballer um ihr Leben
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(Quelle: Deutsches Fußballmuseum)
Die Ausstellung thematisiert erstmalig die jüdische Geschichte des Weltfußballs vor, während und nach dem Holocaust. Kuratiert wurde sie maßgeblich von einem Expertenteam im Deutschen Fußballmuseum unter der Leitung von Museumsdirektor Manuel Neukirchner. Mit der Ausstellung wird der Neubau des ältesten Holocaust-Museums der Vereinigten Staaten eingeweiht.
Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußballmuseums: „In Kooperation mit dem Holocaust Museum LA ist eine zeitgeschichtliche Ausstellung mit außergewöhnlichen und teils noch nie gezeigten Exponaten zur Geschichte der Juden im Weltfußball im Spiegel der historischen Entwicklung entstanden. Dieses so wichtige Kapitel ist noch lange nicht ausgeforscht. Wir liefern hierzu eine neue inhaltliche Grundlage. In Zeiten allgemeiner weltpolitischer Spannungen ist die enge und vertrauensvolle Kooperation des Deutschen Fußballmuseums mit dem ältesten Holocaust-Museum aus den Vereinigten Staaten ein wichtiges und ermutigendes Zeichen des transnationalen Kulturaustausches.“
Die Schau zeigt insgesamt 84 einzigartige Exponate, vielfach noch nie gezeigt, aus aller Welt, die ihren Weg von drei Kontinenten an die US-Westküste gefunden haben. Neben privaten Leihgaben wurden die Exponate unter anderem von der internationalen Gedenkstätte Yad Vashem sowie Einrichtungen in Washington, New York, Budapest, Wien, Prag, Warschau, Berlin, Zürich und Amsterdam bereitgestellt. Eine solche Gesamtschau zu diesem Thema hat es in dieser Form und in diesem Umfang noch nicht gegeben.
Das Deutsche Fußballmuseum hat sich mit seiner Eröffnung vor über zehn Jahren der Erinnerungskultur verpflichtet. Neben zahlreichen Veranstaltungen wie der offiziellen Feier zum 100. Geburtstag der Maccabi World Union oder Gedenkfeiern zum Holocaust-Gedenktag ist die Aufarbeitung der Fußballgeschichte im Nationalsozialismus sowie die Wiedersichtbarmachung deutsch-jüdischer Fußballbiografien, die Opfer der NS-Verfolgung wurden, ein fester Bestandteil der Dauerausstellung sowie der Bildungs- und Kulturprogramme.
In enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Vereinen und Vereinigungen aus ganz Deutschland ist seit 2022 unter dem Dach des Deutschen Fußballmuseums das interaktive Lexikon „Niemals vergessen“ entstanden. Es fasst die Biografien von mehr als 400 verfolgten jüdischen Fußballern zusammen, bereitet sie multimedial auf und macht sie wieder sichtbar. In der Dauerausstellung ist zu Jahresbeginn der Bereich zu Juden im deutschen Fußball noch einmal ausgebaut und gestärkt worden.
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(Quelle: Hagalil)
Ob es eine wirklich wirksame „Aufarbeitung“ des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik jemals gegeben hat, könnte als fraglich erscheinen. Die verstörenden Bilder auf deutschen Straßen nach dem über Jahre vorbereiteten Hamas-Pogrom am 7.10.2023 sprechen nicht dafür. Die Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit hat eine Broschüre zu dem Thema erstellt, die auch im Internet abrufbar ist.
Nach einer lesenswerten Einführung folgt ein Interview mit dem Historiker Volker Weiß. Volker Weiß ist der wohl profilierteste Forscher und Publizist der Bundesrepublik zum Thema Rechtsradikalismus, völkische Rechte und Leugnung der Shoah-Verbrechen.
Weiß zeichnet die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen rund um die Erinnerungspolitik seit dem Ende des Nationalsozialismus nach, geht auf die Strategien der extremen Rechten ein und beschreibt die Rolle des Antisemitismus. Im Anschluss folgt eine Methodenbeschreibung zum eigenständigen Einsatz der Broschüre in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit durch Multiplikatoren. Psychische Dynamiken der Abwehr von Schuldgefühlen sowie einer angemessenen Erinnerungskultur werden beschrieben. Folge ist die Entstehung des sekundären Antisemitismus.
Die Ausladung der Schriftstellerin Mirna Funk ausgerechnet durch die Kölner Comedia Colonia vor wenigen Tagen ist ein besonders bestürzendes Beispiel für solche radikale deutsche Erinnerungsverweigerung, Leugnung des Hamas-Pogroms vom 7.10., systematische Ausgrenzung der Erfahrungen und Lebenssituation von deutschen Juden und triumphierendem „linken“ deutschen Antisemitismus. Comedia Colonia: Shame on you!
Jo Ojan beschreibt in einem weiteren Beitrag kritikwürdige Erscheinungsformen der derzeitigen Erinnerungskultur. Jüdische Stimmen werden bis heute – und nach dem Hamas-Pogrom in noch stärkerer Weise – gesellschaftlich und kulturelle ausgeblendet – insbesondere im Kulturbereich. Es folgen, ausgehend von einer Film-Dokumentation, Beschreibungen einer Methode zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit jüdischem Widerstand.
Den Abschluss bilden sechs von Roland Kaufhold verfasste Einzelfallstudien und Kurzbiografien über JüdInnen, die in sehr konkreter Weise, unter Lebensgefahr, Widerstand gegen den nationalsozialistischen Terror geleistet haben. Längere Versionen dieser Einzelfallstudien waren auch auf haGalil erschienen. Von Roland Kaufhold portraitiert werden die WiderständlerInnen Chaika Grossman (1919-1996), Edith Jacobson (1897-1978), Marcel Nadjari (1917 – 1971), Salmen Gradowski (1908/1910 –1944), Zivia Lubetkin (1914 – 1978) sowie Emanuel Ringelblum (1900 – 1944).
Erinnerung mit Zukunft?
Shoah-Gedenken zwischen Schuldabwehr und anderen Herausforderungen
Broschüre für Multiplikator:innen mit Methoden zur eigenständigen Durchführung und andere Interessierte
Herausgegeben von:
Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V.
Köln 2026
44 Seiten
www.koelnische-gesellschaft.de
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