Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
14.02.2019 - Nr. 1819

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Die nächste Tagesausgabe erfolgt am kommenden Mittwoch, 20. Februar 2019.



Guten Tag!

Nr. 1819 - 14. Februar 2019



Für Israels Premier Netanjahu ist Iran das Böse schlechthin. Und der Iran tut alles dazu, ihn in dieser Vorstellung zu bestärken. So jüngst etwa ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, der mit einem Angriff auf Tel Aviv und Haifa gedroht hat. Vor diesem Hintergrund bemüht sich Netanyahu seit geraumer Zeit neue Allianzen gegen den Iran in der arabischen Welt zu schmieden. Jahrzehntelang erschien die israelisch-arabische Feindschaft ewig und unüberwindlich, aber nun öffnet sich ein muslimisches Land nach dem andern dem jüdischen Staat, wie Nicola Albrecht für ZDF HEUTE beschreibt: "Wie Israel gegen Iran Allianzen schmiedet".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Die Ergebnisse der Vorwahlen in der israelischen Arbeiterpartei haben einige Überraschungen ergeben und könnten die in Umfrangen dahindümpelnden Awoda in Schwung brinen. Mehr als die Hälfte der 60.000 Mitglieder beteiligte sich an der Abstimmung am Montag, bei der im Blick auf die Parlamentswahlen im April über die Listenplätze hinter Parteichef Avi Gabbay entschieden wurde. Mit Itzik Shmuli und Stav Shaffir, 38 und 33 Jahre alt, wurden zwei junge Menschen auf die nachfolgenden Plätze gewählt, die für einen Generationenwechsel stehen. Sie könnten Avi Gabbay ablösen, unter dessen Vorsitz die Partei in Umfragen abgestürzt ist, meint Alexandra Föderl-Schmid in ihrer Reportage für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Zurück zur Sozialpolitik".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN.

"Zwischen den säkular lebenden Juden und den strenggläubigen Haredim – den Gottesfürchtigen – herrscht eine scharfe Trennung in Israel. Während die Säkularen am Schabbat in Cafés sitzen und auf Rockkonzerte gehen, richten die Haredim ihren gesamten Alltag nach der Religion und folgen einer Unzahl von Regeln. Sie benutzen koschere (gewissermassen zensierte) Handys, lernen in der Schule nicht Mathematik und Englisch, sondern die Tora, und folgen einer anderen Gerichtsbarkeit. Man könnte meinen: Wer auf der einen Seite aufwächst, bleibt auch dort. Doch gibt es in Israel ein verbreitetes Phänomen. «Lachsor be tshuva» heisst es: «Zur Antwort zurückkehren» – religiös werden. Was bringt Menschen dazu, ihr bisheriges, säkular-liberales Leben aufzugeben und sich den religiösen Regeln zu unterwerfen? Und wie genau vollzieht sich dieser Wechsel?"
Judith Poppe schildert in ihrer interessanten Reportage für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG den Weg dreier Israeli, die "Grenzüberschreitungen" zwischen den beiden Welten unternommen haben und beleuchtet ein Zwischenreich, das jeder der drei auf seine eigene Art gestaltet: "Sie sind jung, hip – und auf der Suche nach dem Glauben. Drei Israeli zwischen den Welten".
Der Link zu ihrer Reportage in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Israels Botschafter in Berlin Jeremy Issacharoff glaubt, dass die zunehmende Eskalation im Nahen Osten auch ein Risiko für Europa darstellt, wie er im Interview mit der WELT erläutert. Eine Gruppe hält er dabei für besonders gefährlich, die auch in Deutschland aktiv sei und Kontakte zum organisierten Verbrechen pflege:
"Es ist klar, dass die Hisbollah und der iranische Geheimdienst aktiv sind auf europäischem Boden. Schauen wir uns nur den im vergangenen Sommer verhinderten Anschlag auf iranische Oppositionelle in Frankreich an. Zwei Belgier mit iranischen Wurzeln wurden verhaftet, ein in Wien akkreditierter iranischer Diplomat soll ihnen Sprengstoff besorgt haben. Er wurde genau an jenem Tag festgenommen, als der iranische Präsident Ruhani in Wien war, der vielen als gemäßigt gilt. Dazu kommt die Hisbollah, die neben Europa auch in Afrika, in Lateinamerika und anderswo aktiv ist mit dunklen Machenschaften verschiedener Art, mit Drogengeschäften und Geldwäsche und anderen kriminellen Aktivitäten, um ihre Terroraktivitäten zu finanzieren. Es gibt bei den europäischen Behörden ein Bewusstsein dafür, welche Bedrohung die Hisbollah darstellt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der breiten Öffentlichkeit das auch bewusst ist."
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

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»Für die gesamte Erinnerungskultur bedeutet es einen großen Einschnitt, wenn die Zeitzeugenschaft endet«, sagt Horst Seferens, Sprecher der Gedenkstätte Sachsenhausen. Ein Thema, das alle, die sich mit Gedenken und Erinnern beschäftigen, schon seit geraumer Zeit bewegt. Wichtig sei es deshalb, meint Seferens, in der Bildungsarbeit stets neue Konzepte zu entwickeln. Dabei setzt er wie auch andere Gedenkstättenleiter besonders auf audiovisuelle Zeugnisse und weiter ausgefeilte Online-Angebote, wie André Anchuelo in seinem Beitrag für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG erfahren hat: "Digitales Erinnern".
Der Link zu seinem Bericht in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Die Initiative „Leipzig korrektiv“ versucht die Herausforderung, Menschen mit Migrationshintergrund mit der deutschen Geschichte vertraut zu machen, in besonderer Weise umzusezten: sie konfrontiert Geflüchtete vor allem aus arabischen Ländern mit dem Holocaust der Nazis, indem sie mit den Migranten gemeinsam etwa Auschwitz besuchen. Jetzt haben sie einen solchen Besuch dreier Muslime in Auschwitz filmisch festgehalten und wollen daraus eine Dokumentation erstellen. Dafür aber suchen sie noch finanzielle Unterstützer, wie Mark Daniel für die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG berichtet: "Doku über Auschwitz-Besuch von Muslimen".
Der Link zum Bericht in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Am 16. Januar sahen immerhin 2,77 Millionen Zuschauer die von der ARD gesendete TV-Premiere des Dokudramas "Die Unsichtbaren" über in Berlin untergetauchte Juden. Über den Protagonisten Cioma Schönhaus erfahren die Zuschauer in Interviewausschnitten und nachgestellten Spielfilmszenen auch etwas über Franz Kaufmann und Helene Jacobs. Wer waren diese beiden mutigen Menschen, die Cioma Schönhaus und vielen anderen das Leben retteten? In einem Beitrag für EVANGELISCH.de stellt Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau und Kirchenrat/Landeskirchlicher Beauftragter für Gedenkstättenarbeit, vor allem Franz Kaufmann vor, einen engagierten Christen, der vor 75 Jahren, am 17. Februar 1944 im KZ Sachsenhausen erschossen wird: "Helfer der Unsichtbaren".
Der Link zum Porträt in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Und eine weitere Rettungsaktion: Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden etwa 20.000 jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach England und in andere Länder gerettet. Sieben Autorinnen haben in Zusammenarbeit mit dem Projekt "Jüdisches Leben in Frankfurt am Main e.V." nun zahlreiche Biographien von Kindertransportkindern erforscht, aufgeschrieben und in anschaulichen Lebensgeschichten zusammengestellt: "Rettet wenigstens die Kinder". Neben den Lebensgeschichten der Kinder lag den Autoren auch die Würdigung von Helfern und Hilfsorganisationen am Herzen. „Ich habe“, sagt Angelika Rieber, Saalburgpreisträgerin und Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus sowie eine der Herausgeberinnen des Buches, „mehr als hundert Namen von Kindertransportkindern in meinen Unterlagen.“ Überwiegend beträfen diese das Stadtgebiet von Frankfurt – dazu ein Konvolut von Interviews, „die der Auswertung harren“. Olaf Velte stellt den beeindruckenden Band in der FRANKFURTER RUNDSCHAU näher vor: "Zur Rettung ins Ausland".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...

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Ilhan Omar, neues demokratischen Mitglied des US-Kongresses, löste dieser Tage einen Sturm der Entrüstung aus mit einer ihrer Twitter-Nachrichten, in der sie sich überzeugt gab, dass die amerikanisch-israelische Organisation Aipac Politiker bezahle, damit sie pro-israelische seien. "Für Ilhan Omar muss sich die Welt der Politik momentan anfühlen wie ein Schlaraffenland. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota kann sich offenbar beliebig Aussetzer erlauben, ohne dafür auch nur ansatzweise zur Rechenschaft gezogen zu werden. Das ist nicht nur erstaunlich, nein, es ist ein Skandal", schreibt Sebastian Briellmann in der BASLER ZEITUNG. Zwar hat sich die Abgeordnete mittlerweile entschuldigt, aber der Verdacht bleibt, dass nicht nur sie, sondern die Demokratische Partei insgesamt beim Thema Israel und Juden immer öfter eine fragwürdige Haltung an den Tag lege, wie AARGAUER ZEITUNG und FAZ befürchten: "Haben die Demokraten ein Antisemitismus-Problem?".
Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Ein deutlicher Anstieg antisemitischer Übergriffe alarmiert Frankreich: Laut jüngsten Zahlen des Innenministeriums waren im vergangenen Jahr 541 Fälle zu verzeichnen – ein Anstieg um 74 Prozent im Vergleich zu 2017. Frankreich ist hinter Israel und den USA das Land mit der drittgrößten jüdischen Bevölkerung. "Der Antisemitismus breitet sich wie ein Gift aus", sagte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner. Und Nadia Pantel zitiert in ihrem Beitrag für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG den Beauftragen für den Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie, Frédéric Potiert mit folgenden Worten:
"Seit Januar 2018 breitet sich ein angsteinflößendes Klima aus. Über den islamistischen Antisemitismus hinaus erleben wir das Erstarken von identitären Rechtsextremen, die nicht mehr davor zurückschrecken zur Tat zu schreiten."

Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass der Verein „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ den angesehenen Göttinger Friedenspreis 2019 erhalten solle. Nun droht dem Preis und der Stadt Göttingen ein Eklat, denn der Zentralrat der Juden wirft dem Preisträger vor, Boykott-Kampagnen gegen Israel und Juden zu unterstützen - und fordert eine Rücknahme der Preisentscheidung. “Der Verein ist ein aktiver Unterstützer von Veranstaltungen der gegen Israel gerichteten Boykottbewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen)”, schreibt Zentralrats-Präsident Josef Schuster in einem Brief an Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). “Die Auszeichnung einer Initiative, die eine gegen Juden gerichtete Boykott-Initiative unterstützt, ist nicht nur des Göttinger Friedenspreises unwürdig, es ist darüber hinaus ein Schlag ins Gesicht der gesamten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und Israel”, so Schuster laut einem Bericht der ELBE-JEETZEL-ZEITUNG. Und in der JÜDISCHEN ALLGMEINEN WOCHENZEITUNG schließt sich Achim Doerfer, Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Göttingen, dieser Einschätzung an und ist entsetzt, dass die Stadt Göttingen eine BDS-nahe Gruppe ehren will: "Hass, der aus der Mitte kommt".
Die Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Mit Israelfeindlichkeit etwas anderer Art befasst sich der ehemalige Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz in einem Beitrag für den TAGESSPIEGEL: Es geht um Antisemitismus und Antizionismus in der ehemaligen DDR. Dort war zwar der Antisemitismus offiziell tabu, aber mit mit antizionistischer Propaganda wurden alte Verschwörungstheorien bedient. Benz zeichnet insbesondere die Indoktrination mit anti-zionistischen Ideologemen in Kindheit und Jugendalter nach und wie diese unterschwellig den Nährboden auch für antisemitische Haltungen bildete. Die Prägung im frühen Kindheits- und Jugendalter sei vor allem aufgrund des damit verbundenen Langzeiteffekts fatal:
"Wer 1982 im Alter von zwölf Jahren davon überzeugt wurde, dass die reichen und kriegerischen Israelis sehr böse, die armen und friedlichen Palästinenser dagegen sehr gut sind, wird das auch am fünfzigsten Geburtstag im Jahre 2020 nicht vergessen haben."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

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In den Kinofilmen der Berlinale sind Religion und Kirche ein Thema: Francois Ozon schildert in seinem Film beispielsweise das Schicksal von Missbrauchsbetroffenen in Lyon und eine mazedonische Regisseurin hat entdeckt, dass Gott weiblich ist. Produktionen aus China und Brasilien nehmen außerdem das Sektiererische in den Blick. Kirsten Dietrich gibt für DEUTSCHLANDRADIO einen Überblick zum Thema Religion auf der Berlinale: "Glaubst du noch?"
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Rabbi Marc Schneier, Sohn des aus Wien vertriebenen Rabbis Arthur Schneier, ist im Nahen Osten nicht unbekannt: Mit seiner Foundation for Ethnic Understanding bereist der 60-Jährige seit Jahren die Golfstaaten, um für den Dialog zwischen Muslimen und Juden zu werben. In dieser Rolle ist er auch im Beratergremium des in Wien ansässigen König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID) tätig. Vergangene Woche war er deswegen in Wien und traf sich mit dem STANDARD zu einem Gespräch über das jüdisch-muslimische Verhältnis, die Zukunft der arabisch-israelischen Beziehungen und das in Wien umstrittene KAICIID. Auf die Frage des STANDARD, ob er in den Golf-Staaten persönliche Erfahrungen von Antisemitismus gemacht habe, gibt er eine bemerkenswerte Antwort:
"Ich habe dort persönlich noch nie Antisemitismus erlebt. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Ich war vor einigen Monaten in Berlin und fühle mich wohler dabei, meine Kippa in Bahrain zu tragen als in Berlin – und ich habe kein Sicherheitspersonal oder Ähnliches, wenn ich in Bahrain durch den Suk spaziere. Keine zwei Religionen haben mehr Gemeinsamkeiten als das Judentum und der Islam. Wir haben nicht nur diese Gemeinsamkeit im Glauben, wir teilen auch das gleiche Schicksal. Schauen Sie sich die Transformation der muslimisch-jüdischen Beziehungen in den USA an. Die amerikanisch-muslimischen Gemeinschaften werden Ihnen sagen, dass sie keine größeren Verteidiger und Beschützer haben als die amerikanisch-jüdischen Glaubensgemeinschaften. Umgekehrt hat die muslimische Gemeinschaft nach dem Massaker in der Synagoge von Pittsburgh 200.000 Dollar gesammelt, um die Kosten für die Begräbnisse der Opfer zu decken. Islamische Anführer in den USA treten gegen Antisemitismus auf. Genau das ist die Formel, die wir nach Europa bringen müssen."
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Yechiel Eckstein, Gründer einer der weltweit größten privaten Stiftungen, ist tot. Völlig überraschend starb er am Mittwoch vergangener Woche im Alter von 67 Jahren an einem Herzinfarkt in Jerusalem. Sein Tod sorgte nicht nur in der jüdischen Welt für Trauer. Denn Eckstein war nicht einfach nur irgendein Mäzen oder Fundraiser. Mit seiner 1983 ins Leben gerufenen International Fellowship of Christians and Jews (IFCJ), die bis zu 140 Millionen US-Dollar im Jahr an Spenden unter zumeist evangelikalen Christen in Nordamerika sammelt, um damit bedürftigen Juden in Israel und der ganzen Welt zu helfen, war er zugleich einer der Pioniere der christlich-jüdischen Zusammenarbeit, meint Michael Thaidigsmann in seinem Nachruf in der JÜDISCHEN ALLGMEINEN WOCHENZEITUNG: "Wegbereiter des Dialogs".
Der Link zum Nachruf in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

"Gott wirkt weiterhin im Volk des alten Bundes." Unter dieses Leitwort von Papst Franziskus stellt die Deutsche Bischofskonferenz eine aktuelle Stellungnahme zu zwei jüdisch-orthodoxen Erklärungen zum Christentum. Sie ist die erste Bischofskonferenz, die eine Stellungnahme zu diesen Erklärungen veröffentlicht. 2017 hatten die Europäische Rabbinerkonferenz, der Amerikanische Rabbinerrat und das Israelische Oberrabbinat das 50-jährige Jubiläum der Konzilserklärung Nostra aetate zum Anlass genommen, um eine gemeinsame Erklärung abzugeben über die christlich-jüdischen Beziehungen „Zwischen Jerusalem und Rom“. Und bereits zwei Jahre zuvor, im Dezember 2015, hatte eine Gruppe von Rabbinern, die seit vielen Jahren im Dialog mit der katholischen Kirche engagiert sind, die Erklärung „Den Willen unseres Vaters im Himmel tun: Hin zu einer Partnerschaft zwischen Juden und Christen“ veröffentlicht. Zu diesen beiden jüdischen Stellungnahmen gab die Deutsche Bischofskonferenz nun eine Erklärung heraus, in der sie u.a. die Absage an Antijudaismus und Judenmission bekräftigt, die gewachsenen freundschaftlichen Beziehungen zueinander betont und Deutschland als Friedensmodell für andere Länder empfiehlt: „Engagierte Fortsetzung des Dialogs“.
Die Pressemeldung sowie Links zu der Erklärung sowie den erwähnten jüdischen Stellungnahmen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

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1993 wurde in Düsseldorf die Yitzhak-Rabin-Schule eröffnet. Sie versteht sich als eine Wiedergründung der im Jahre 1942 von den Nationalsozialisten verbotenen jüdischen Volksschule Düsseldorfs. Die Schule trägt den Namen des 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten. Als Anfang der 1990er-Jahre die Jüdische Gemeinde Düsseldorf durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion wuchs, reifte die Idee einer eigenen Grundschule. 1993 startete die erste Klasse mit 17 Kindern in Räumlichkeiten der Gemeinde. 2003 wurde der Schulkomplex in Derendorf eröffnet. Dort sind heute neben der Yitzhak-Rabin-Schule auch die Religionsschule und der Kindergarten der jüdischen Gemeinde untergebracht. Ines Arnold hat die Schule für die WESTDEUTSCHE ZEITUNG besucht: "Eine jüdische Grundschule für alle Kinder".
Der Link zu ihrem Porträt der Schule in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der bevorstehende Brexit - ob nun geordnet oder chaotisch - besorgt viele Menschen in Europa, darunter auch die jüdischen Gemeinden. Das große jüdische Unbehagen angesichts des nahenden Brexit wurde seinerzeit schon vor der Abstimmung deutlich: so überwog der Anteil der pro-europäischen Wähler unter Juden (49 gegen 34 Prozent) in viel größerem Maße, als dies in der Allgemeinbevölkerung der Fall war (40 zu 40). Und die Zahl der britischen Nachkommen von Schoa-Überlebenden, die deutsche Pässe beantragten, schnellte von 43 im Jahre 2015 auf 1667 im Jahr 2017 nach oben. "In sechs Wochen wird (vermutlich) der Brexit Realität sein, und die Nervosität grenzt an Verzweiflung. Auch unter Juden in Großbritannien. Zu Recht!", meint Sergey Lagodinsky, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Europaparlamentskandidat für die Grünen, in einem Beitrag für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG: "Europa wird kleiner".
Der Link zu seinem Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

"Was genau gilt als Vergewaltigung? Unumstritten ist, dass eine Vergewaltigung stattfindet, wenn man eine Frau mit körperlicher Kraft zwingt, gegen ihren Willen eine sexuelle Beziehung einzugehen. Doch wie verhält es sich, wenn man auf die Frau psychischen Druck ausübt, Versprechungen macht oder sich als andere Person ausgibt, also mittels Täuschung die Frau dazu bringt, willentlich dem Sexualverkehr zuzustimmen? Verbotene sexuelle Beziehungen gehören zu den drei Todsünden im Judentum. Man muss laut Halacha sein Leben opfern, um keine dieser Sünden zu begehen. Falls eine verheiratete Frau fremdgeht, muss sie sich scheiden lassen. Doch falls die Beziehung zu dem anderen Mann unfreiwillig war, sie also vergewaltigt wurde, darf sie weiterhin mit ihrem Ehemann zusammenleben."
Dieser Hintergrund führt zu einer ausgesprochen interessanten Diskussion im Talmud, die Rabbiner Avraham Radbil in einem Beitrag für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG erläutert: "Arglistige Täuschung".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Die Fortsetzung des seinerzeit auch wegen antisemitischer Vorwürfe heftig umstrittenen Historiendramas „Die Passion Christi“ von Hollywood-Regisseur Mel Gibson befindet sich in der Fertigstellung, aktuell mehrere spanischsprachige Filmportale berichten. Im Zentrum des zweiten Teil stehe die Auferstehung Jesu. Der ORF hat zusammengetragen, was bislang bekannt geworden ist: „Die Passion Christi 2“.
Der Link zum Bericht in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Seit der Napoleonischen Zeit werden die Kirchen für die Verluste der Säkularisierung vom Staat entschädigt - hohe Summen bis auf den heutigen Tag. Gleichwohl stand schon vor 100 Jahren in der Verfassung, dass damit Schluss sein sollte. Das Grundgesetz übernahm diesen Artikel, doch geändert hat sich bis heute nichts. Nun wollen AfD und FPD das Thema angehen, wie Thomas Klatt für DEUTSCHLANDRADIO berichtet: "Bis in alle Ewigkeit".
Der Link dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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Wenn die Geschichte anders verlaufen wäre und nicht Millionen Juden mitsamt ihrer Kultur vernichtet worden wären, so der italienische Künstler Rudi Assuntino, wäre der jiddische Dichter Mordechai Gebirtig heute so populär wie die Gershwin-Brüder. Gebirtig, auch der »Vater des jiddischen Liedes« genannt, wurde 1942 im Krakauer Ghetto von Nationalsozialisten ermordet. Doch rund 170 seiner Gedichte und Lieder haben die Shoah überlebt, das bekannteste unter ihnen "Es brennt". Heute wie damals sind diese Lieder ein bedeutendes Zeugnis jüdisch-europäischer Kultur und werden weltweit von namhaften Künstlern gesungen und interpretiert. Nun hat Uwe von Seltmann die erste deutschsprachige Biografie über Mordechai Gebirtig vorgelegt. Holger Spierig stellt hat sie für die LAUSITZER NACHRICHTEN gelesen: "Der unbekannte Superstar des jiddischen Folksongs".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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