Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
30.01.2017 - Nr. 1691

ACHTUNG

Am Donnerstag, 02. Februar 2017, erscheint ONLINE-EXTRA Nr. 250 mit einem Beitrag von Martin Kloke: "Tatsachen und Legenden: Juden, Judentum und Israel in deutschen Schulbüchern".


Guten Tag!

Nr. 1691 - 30. Januar 2017



Tut er’s oder tut er’s nicht? Wird der US-Präsident den Sitz der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen? Er hat es mehrfach versprochen und angekündigt. Ein solcher Umzug könnte freilich unabsehbare Folgen für die Sicherheit in der Krisenregion haben. Während vor allem Israels nationalreligiöses Lager die Ankündigung bereits euphorisch feiert, sind besonders muslimische Araber und Palästinenser empört, wie Christian Böhme und Lissy Kaufmann für den TAGESSPIEGEL berichten: "In Jerusalem spielt Trump mit dem Feuer".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Etwas anderes, das er ebenfalls mehrfach angekündigt hatte, hat Donald Trump nun getan: Ein partielles Einreiseverbot von Muslimen aus bestimmten Herkunftsländern in die USA. Wie sehr er gerade im Nahen Osten damit Familien auseinander reisst und mühevoll aufgebaute Existenzen zu zerstören droht, schildert Monika Bolliger in einem Beitrag für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: "Empörung im Nahen Osten über Trump".
Der Link zu ihrer Reportage in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

David Grossman ist einer der renommiertesten Schriftsteller Israels. Zwei Themen ziehen sich durch die vielen Bücher, die er seit mehr als dreißig Jahren geschrieben hat: die Folgen der Shoah für mehrere Generationen der betroffenen Familien und die tiefgreifenden Beschädigungen und Verwundungen, die das Leben im dauernden Kriegs- und Bedrohungszustand in Israel mit sich bringt. Seit 30 Jahren ist David Grossman Aktivist für Frieden mit den Palästinensern: Die aktuelle Politik der israelischen Regierung lehnt David Grossman ab: den massiven Ausbau der Siedlungen auf palästinensischem Gebiet, jetzt mit US- Unterstützung, die Ablehnung internationaler Vermittlung, die Abkehr von der Zweistaatenlösung. DEUTSCHLANDRADIO führte mit ihm ein längeres Gespräch über die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und weltweit: "Frieden ist schon eine Art unanständiges Wort geworden"
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Nun ist er also Außenminister: Sigmar Gabriel. Wie aber sieht sein Verhältnis zu Israel aus? In der Vergangenheit hat er sich diesbezüglich durchaus wechselhaft geäußert – mal unterstützend, mal unwirsch. Vor diesem Hintergrund wird mit Spannung zu sehen sein, wie sich der neue deutsche Außenminister Sigmar Gabriel in das komplexe deutsch-israelische und nathöstliche Gefüge einbringt. Daniel Frick versucht für ISRAELNETZ eine erste Analyse: "Außenminister mit Hausaufgaben".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

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Das neue Museum zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Polen, das über Jahre hinweg ein teures Prestigeprojekt der polnischen Kulturpolitik darstellte, kann nicht eröffnen. Warum nicht? Weil es der neuen polnischen Regierung zu wenig national ausgerichtet und zu selbstkritisch konzipiert ist, berichtet Meret Baumann in ihrem Beitrag für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: "Polens Regierung will eine andere Geschichtsschreibung".
Der Link zum Bericht in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Die Juden als Mäuse, SS-Schergen als Katzen: Mit seinem Comic „Maus“ hat der New Yorker Autor Art Spiegelman, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, 1989 weltweit Aufmerksamkeit erregt. Fast 30 Jahre später gilt es als weitgehend unbestritten, dass sich auch der Comic mit Themen wie dem Völkermord an den Juden beschäftigen darf - und dies auch über Spiegelman hinaus bereits oft getan hat. Eine Frankfurter Ausstellung dokumentiert jetzt unterschiedliche Ansätze. Thomas Maier hat sich das für den TAGESSPIEGEL genauer angesehen: "Art Spiegelmans Erben".
Der Link zu seinen Eindrücken in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Mit viel medialer Aufmerksamkeit wird die heute Abend zu sehende, zweiteilige Verfilmung des Romans von Ursula Krechel "Landgericht" begleitet. Im Mittelpunkt die Familiengeschichte eines jüdischen Juristen, der Nazideutschland gerade noch verlassen kann, nach Kriegsende zurückkehrt und sich ganz in den Kampf um Entschädigung verbeißt. Eine von vielen schmerzvollen deutsch-jüdischen Nachkriegsgeschichten. WELT, TAGESSPIEGEL, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG und FRANKFURTER RUNDSCHAU stellen den Zweiteiler näher vor - und im TAGESSPIEGEL äußern sich Drehbuchautorin Heide Schwochow und Hauptdarsteller Ronald Zehrfeld über die Dreharbeiten zum Film: "Der verzweifelte Kampf des Richard Kornitzer".
Die Links zum Thema in der Rubrik VERGANGENHEIT... sowie weitere Infos in den FERNSEH-TIPPS.

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Die Diskussion um die umstrittene Berufung des südafrikanischen-islamischen Theologen Farid Esacks als Gastprofessor an die Universität Hamburg spitzt sich zu. Die Hochschulleitung hat eine interne Prüfung des Falls eingeleitet. CDU und Deutsch-Israelische Gesellschaft hatten massive Kritik an Esacks Wirken als Vorsitzender der Israel-Boykott-Bewegung ausgeübt. Kritiker werfen BDS-Unterstützern vor, Israel das Existenzrecht abzusprechen. Die CDU hatte die Bewegung auf ihrem Bundesparteitag als antisemitisch eingestuft. Nun hat auch der Grünen-Politiker Volker Beck deutliche Worte gefunden und auch die israelische Botschaft hat sich in den Fall eingeschaltet, wie DIE WELT berichtet: "Volker Beck greift Hamburger Universität scharf an"
Die Links dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Und auch in einem anderen Fall reißen die Proteste nicht ab, nämlich im Blick auf den Gastaufenthalt des umstrittenen jüdisch-amerikanischen Politikwissenschaftlers Norman Finkelstein am halleschen Max-Planck-Institut für Ethnologie. Sogar der frühere amerikanische Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Marco Antonio Rubio, hat sich kritisch zu den Vorgängen geäußert, wie Silvia Zöller in der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG berichtet. Und in der WELT greift Alan Posener den Fall auf und setzt sich kritisch mit Finkelstein und dem Institut auseinander: "Max-Planck-Institut bietet Israel-Hasser ein Podium".
Die Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Jahrelang zeigte eine Schulbuch-Illustration die EU-Finanzkrise als antisemitische Verschwörung. Selbst der verantwortliche Klett-Verlag gesteht ein: Diese Grafik hätte nie in seinem Schulbuch auftauchen dürfen. Daher wurde die Auslieferung nun gestoppt. Nach Ansicht des Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) ist aber fast noch schlimmer, dass die Illustration über die angeblichen Ursachen der Euro-Krise vier Jahre lang an Schulen genutzt werden konnte, ohne dass jemand ihren deutlichen Antisemitismus bemerkt oder etwas gegen das Lehrbuch unternommen hätte. Die WELT und ISRAELNETZ berichten über Hintergründe und Folgen: "Wenn im Schulbuch jüdische Banker die EU auffressen".
Die Links dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Einige Gemeinden des türkischen Islam-Verbands Ditib hetzen nach Informationen des Hessischen Rundfunks (HR) gegen Juden und Christen. Sie posteten auf ihren Facebook-Seiten türkischsprachige Zitate wie »Der kannibalische Jude kotzt den Tod in Palästina« oder »Um die Barbarei der Juden zu beschreiben, werdet ihr nicht die richtigen Worte finden können«, hieß es in einem Beitrag des Fernsehmagazins "defacto", der gestern Abend ausgestrahlt wurde, wie die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG berichtet: "Zentralrat der Juden entsetzt über antisemitische Hetze von Ditib".
Der Link zum Bericht in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

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Religionsunterricht ist laut unserem Grundgesetz ein "ordentliches" Fach und wird in Kooperation mit den Religionsgemeinschaften erteilt. Diese haben ein Mitspracherecht wenn es etwa um die Gestaltung der Lehrpläne oder die Auswahl der Religionslehrer geht. Wie das alles im einzelnen geregelt wird, ist jedoch von Bundesland zu Bundesland recht unterschiedlich. Beispielsweise ist ein bekenntnisgebundener Religionsunterricht in Bremen, Brandenburg und Berlin kein Pflichtfach mehr. Ist Religionsunterricht überhaupt noch notwendig? Die ZEIT hat zwei Stimmen eingeholt: Religionsunterricht ist wichtiger denn je, sagt etwa Manuel J. Hartung: "Ja, wir müssen uns bekennen!". Ganz anders Stefan Schmitt: An den Schulen hat Gott nichts verloren, mein er: "Nein, das Fach muss weg!".
Der Link zu Pro und Contra in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Vor dem Hintergrund der umstrittenen Frage nach der Notwendigkeit des Religionsunterrichts sind die Ergebnisse einer Studie des angesehenen US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center über den Zusammenhang zwischen Religionszugehörigkeit und Schulbildung äußerst interessant. Die weltweite Studie ergab nämlich signifikante Bildungsunterschiede bei den Angehörigen unterschiedlicher Religionen, wie Daniela Wakonigg für den HUMANISTISCHEN PRESSEDIENST erläutert: "Religion und Bildung".
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Um Asyl in Deutschland zu bekommen, hört das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Geflüchtete an und prüft anhand ihrer Aussagen, ob es nachweisbare Gründe gibt, die sie zu einem dauerhaften Aufenthalt berechtigen. Das geschieht auch, wenn die Asylsuchenden in ihrer Heimat aus Glaubensgründen verfolgt werden. Pfarrer Gottfried Martens von der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin-Steglitz hat die Verfolgten zu den Anhörungen des Bundesamtes begleitet und die in seinen Augen fragwürdigen Techniken des Staates dokumentiert, die Wahrhaftigkeit des Glaubens zu prüfen. Das christliche Medienmagazin PRO zitiert aus seinen Protokollen der Befragungen: "Wo ist ihr Kreuz?"
Der Link zum Beitrag in der Rubrik Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes gehört weder zu den Lieblingsthemen der Gläubigen noch der Theologen. Man tut sich schwer damit und es wird kaum darüber geredet. Um so überraschender vielleicht, dass DEUTSCHLANDRADIO ein längeres Gespräch über das hoch-komplexe theologische Problem ausgerechnet mit einem Historiker und einem jüdischen noch dazu geführt hat, nämlich mit Michael Wolffsohn. Und der stellt fest: Die Trinitätslehre sei "hochpolitisch und brisant". Im Islam werde die Trinität als "Vielgötterei" angesehen. Der jüdischen "Polemik" gegen die Lehre von der Dreifaltigkeit hält Wolffsohn entgegen, es gebe einen "breiten gemeinsamen ethischen und theologischen Grundstock".
Der Link zum ungewöhnlichen Gespräch über die "Trinität als Politikum" in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

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Das Leben der jüdischen Gemeinde Österreichs änderte sich im März 1938 unerbittlich. Der Grund: Die Annexion des Landes durch Nazi-Deutschland. Ein Regime des Schreckens war im Begriff sich zu entfalten - und ein berühmter Sportverein fiel ihm zum Opfer: der SC Hakoah (hebräisch für Kraft). Und dies, obwohl der Verein einen fast mythologischen Status im Land genoss. 1909 gegründet, um den Zionismus zu fördern, bestand die Fußballmannschaft ausschließlich aus jüdischen Spielern, unter ihnen österreichische, ungarische und französische Nationalspieler. Von den Nazis zerschlagen ist der Verein aber wieder zu neuem Leben erwacht - und hilft dabei, Juden in Österreich ein neues Zugehörigkeitsgefühl zu geben, wie Felix Tamsut in seinem Beitrag für die DEUTSCHE WELLE erzählt: "SC Hakoah inspiriert Juden in Österreich".
Der Link zu seinem Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Mit scharfer Kritik nehmen ímmer mehr und lauter auch jüdische Vertreter in den USA zu der drastisch verschärften Flüchtlings- und Einreisepolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump Stellung. Der Erlass sei »widerwärtig und abscheulich«, sagte beispielsweise der Präsident des jüdischen Hilfsverbandes HIAS, Mark Hetfield. Inzwischen haben bereits mehr als 1700 Rabbiner in den USA von Trump gefordert, »Amerikas Türen offenzuhalten«. Die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG gibt einen Überblick zu den aktuellen jüdischen Reaktionen in den USA: »Widerwärtig und abscheulich«
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Wer einmal in Wien war, der kennt es. Und wer es kennt, der liebt es: Das Wiener Kaffeehaus. So auch der österreichisch-jüdische Schriftsteller Doron Rabinovici, der in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG eine herrliche Liebeserklärung an diese "älteste und wichtigste Institution Wiens" ablegt. Gleich zu Beginn seines Essays stellt er klar:
"Was ein wahrer Mensch sein will, braucht zumindest drei Kaffeehäuser: sein persönliches Lieblingslokal, das er regelmäßig frequentiert; ein weiteres Etablissement, in welches er inkognito ausweichen kann; letztlich aber das Wichtigste, ein Café, das er nie und nimmer betreten würde. Diese kulinarische Grundlage jeder humanen Gesellschaft müsste in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen und zum Gesetz erhoben werden."
Der Link zur poetisch-humorvollen Liebeserklärung in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Der Münsteraner Kirchenhistoriker und Bestsellerautor Hubert Wolf erklärt in seinem neuen Buch "Das Konklave", was hinter den Kulissen einer Papstwahl wirklich passiert. Die ZEIT sprach mit ihm über sein Buch und darüber, warum er sich selbst eher als Traditionalist sieht: "Mit der Tradition aus der Krise".
Der Link zum Interview in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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Von einem vier Generationen übergreifenden Familienschicksal, in dessen Zentrum eine Scheidung und Fragen der jüdischen Identität stehen, erzählt Jonathan Safran Foer in seinem neuen Roman "Hier bin ich". Anrea Köhler hat den Roman für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG gelesen und schreibt u.a.:
"Es braucht eine Weile, bis man in Jonathan Safran Foers ebenso tiefgründigem wie mitunter enervierendem neuem Roman richtig Fuss fassen kann, doch dafür ist bei annähernd 700 Seiten ja Zeit genug. Und wie bei Menschen, mit denen man viele Stunden verbringt, eine Anhänglichkeit entsteht, wachsen einem Foers Protagonisten, auch wenn sie entschieden zu redselig sind, in ihren pointengeladenen Dialogen ans Herz. Es sei nicht das Thema, das ein Buch zu einem jüdischen Buch mache, hat Philip Roth einmal gesagt, sondern der Umstand, «dass es nicht die Klappe halten kann». Insofern ist «Hier bin ich» ein ziemlich jüdisches Buch."
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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