Guten Tag!
Die radikal-islamische Hamas organisiert jedes Jahr Sommerlager im Gazastreifen mit wechselndem Themenschwerpunkt. Vor drei Jahren spielten die Kinder etwa die Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit vom Juni 2006 nach. Regelmäßig besuchen ungefähr 100.000 Kinder und Jugendliche die Sommerlager. Für dieses Jahr hat man sich für die Kleinen wieder etwas besonderes ausgedacht, wie ISRAELNETZ berichtet: In einem Gefängnisbau hat man sechs Räume eingerichtet, in denen die Haftbedingungen für Palästinenser in israelischen Gefängnissen nachstellt. Ein Raum sei etwa einer Befragungszelle nachempfunden, wo den Kindern der „Widerstand der Gefangenen angesichts der Drohungen der israelischen Befrager und ihre Weigerung, zu gestehen“, vor Augen geführt werde. Na denn mal: Schöne Ferien!
Der Link zum Bericht in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Reiner Wandler vom österreichischen STANDARD hat den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal zu dessen Reise nach Israel befragt und mit ihm über Islamismus und die arabische Welt gesprochen. Dabei erläutert Sansal u.a., weshalb er den Nahostkonflikt nicht als Kolonialkrieg begreift: "Frankreich kam mit einer Armee und hat Algerien 130 Jahre lang besetzt. Deshalb war der Algerienkrieg ein echter antikolonialer Befreiungskrieg. In Palästina ist das ganz anders. Dort leben zwei Völker, die das gleiche Land beanspruchen. Dabei wird vergessen, dass Israel per internationales Gesetz 1948 von der Uno gegründet wurde. Es ist kein Kolonialproblem, sondern ein Problem des Eigentums. Wem gehört das Haus? Die Israelis sind 1948 nicht mit einer Armee eingerückt."
Auf die Rückfrage "Was ist die Lösung? Eine Wohngemeinschaft im gleichen Haus? Zwei Häuser?", antwortete Sansal: "Ich glaube die einzige Lösung sind zwei Häuser, in einem Haus zusammenzuleben ist nicht mehr möglich."
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
In Israel wird nach dem überraschend milden Urteil im Korruptionsverfahren gegen Ehud Olmert über eine Rückkehr des früheren Ministerpräsidenten spekuliert. Übersteht er einen weiteren noch anstehenden spektakulären Korruptionsprozess, könnte er ein aussichtsreicher Herausforderer Netanjahus werden. Umfragen stützen die Spekulation: Bei einer Rückkehr in die Politik könnte eine von Ehud Olmert geführte Partei stärkste Kraft in der Knesset werden.
Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Das Massaker während der Olympiade 1972 in München machte Ankie Spitzer zur Witwe, aber auch zu einer Vorkämpferin gegen das Vergessen. Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass diesmal bei den Olympischen Spielen in London endlich der Opfer des Terrors gedacht wird, wie Inge Günther in ihrem Porträt der Kämpferin schildert. Dazu gibt es ein Interview mit Dan Alon, der seinerzeit den Anschlag auf die israelischen Sportler überlebte. 1972 trat er für Israel als Fechter an. Heute ist der mittlerweile 66jährige Alon Rentner und lebt in Tel Aviv. Seit dem Attentat von 1972 war er dreimal im olympischen Dorf in München: 2002, als sich die Olympischen Sommerspiele zum 30. Mal jährten, im vergangenen Jahr mit seinem ältesten Sohn und im Februar 2012, um gemeinsam mit sechs weiteren ehemaligen israelischen Olympioniken die Dokumentation „Der elfte Tag – Die Überlebenden von München 1972“ zu drehen.
Die Links zu Porträt und Interview in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
Bei einer Großrazzia am 16. und 17. Juli 1942 nahmen französische Polizisten in vorauseilendem Gehorsam gegenüber den deutschen Besatzern mehr als 13.000 Juden in Paris fest, unter ihnen etwa 4.000 Kinder. Viele von ihnen wurden zunächst im Vélodrome d'Hiver zusammengepfercht. Dort harrten die Familien tagelang in der Hitze aus, weitgehend ohne Essen und Wasser. Die meisten der in diesen Tagen Verhafteten kamen im Vernichtungslager Auschwitz ums Leben. Nur etwa 25 Erwachsene und einige Kinder überlebten. Auch die die Großeltern von Agathe Berman werden festgenommen und später nach Auschwitz deportiert. Die Französin lebt heute wieder im Viertel ihrer Großeltern. Ein Zufall, der sie mit ihrer Familiengeschichte neu konfrontiert, wie Ulrike Koltermann in ihrer bewegenden Geschichte erzählt: "11 rue Alexandre Dumas".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Anfang Juni veröffentlichte das norwegische Zentrum für die Studien des Holocaust und religiöser Minderheiten, kurz HL-Zentrum, erstmals Ergebnisse einer Umfrage zu Antisemitismus in Norwegen. Die Umfrage lieferte beunruhigende Zahlen: So glauben beispielsweise fast 20 Prozent der Norweger an jüdische Verschwörungen. Im Umfeld spielt übrigens auch in Norwegen die Beschneidung eine Rolle: Die Parlamentsfraktion der kleinen Zentrumspartei hat sich für ein Verbot aus gesundheitlichen Gründen ausgesprochen.
Links zu Berichten über die Ergebnisse der Umfrage in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Erzbischof Antonio Franco war seit 2006 Apostolischer Nuntius in Israel mit Sitz in Tel Aviv sowie Apostolischer Delegat für Jerusalem und Palästina mit Sitz in Ost-Jerusalem. Außerdem vertrat er den Heiligen Stuhl als Nuntius auf Zypern mit Sitz in Nikosia. Er leitete seither auf der Arbeitsebene die Verhandlungen mit Israel über ein Wirtschaftsabkommen. In seine Amtszeit fielen Besuche des Papstes im Heiligen Land 2009 und auf Zypern 2010. Im Interview sprach der scheidende Nuntius jetzt über über Pius XII., die Geburtskirche und die Beziehungen des Vatikans zum Judenstaat: „Haben keinen Druck auf Yad Vashem ausgeübt“
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Kleine Vorhaut - große Debatte: Während die Grünen eine gesetzlich geregelte Zulassung von religiös begründeten Beschneidungen in Deutschland anstreben, sieht die Europäische Rabbinerkonferenz "die Existenz jüdischer Gemeinden" in Deutschland bedroht. In einem gemeinsamen Beitrag skizzieren die Grünen Renate Künast und Volker Beck ihre Überlegungen, wie sie für Rechtssicherheit in dieser Angelegenheit sorgen wollen. Darüber machen sich auch vermehrt jüdische Juristen ihre Gedanken. Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und selbst Rechtsanwalt, meint beispielsweise: »Es müssten, wenn ein Junge geboren wird, ein jüdisches Elternpaar und ein Mohel oder Arzt dazu bereit sein, da mitzugehen«, sagt Fürst. »Dann übernimmt unser Verband sämtliche anfallenden Kosten, auch wenn es vors Verfassungsgericht kommt.«
Unterdessen beklagt Jacques Schuster, dass das Beschneidungsverbot von einer zunehmenden Intoleranz gegenüber der religiösen Welt zeugt, die in der Folge des 11. September 2001 mit Händen zu greifen sei:
"Was nach den Anschlägen in Amerika hierzulande als sinnvoller Versuch begann, die türkisch-muslimischen Parallelgesellschaften zu beseitigen, hat sich zu einer Religionsfeindlichkeit verwandelt, die Brauchtum und Gebot verwechselt und im Widerspruch zum liberalen Rechtsstaat alles verbieten will, was ihr fremd erscheint - vom Moscheenbau bis zur Schächtung. Intoleranz gleicht einer flutenden Bewegung: Wird sie nicht eingedämmt, wird sie weitergehen."
Schusters Fazit zum Urteil und der Debatte: "Eine deutsche Posse".
Der österreichisch-jüdische Schrifsteller oron Rabinovici weist wiederum daraufhin, dass die Kriminalisierung der Beschneidung unweigerlich den Eindruck vermittle, "der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Diesem rassistischen Konstrukt liegt eines zugrunde: Sorge um die eigene Männlichkeit."
Der schweizer Journalist Joachim Güntner wiederum liefert nach einer beeindruckend guten Zusammenfassung des bisherigen Diskussionsverlaufs im Blick auf die betreffende Bibelstelle die recht unkonventionelle Deutung, dass das Kölner Urteil für die dort lebenden Juden eigentlich keine Rolle spiele:
"Der Bund, den die Beschneidung bekräftigt, besteht darin, dass die Israeliten Gott anerkennen und dass Gott ihnen das Land Kanaan, worin Abraham noch 'als Fremdling weilt', zum Eigentum gibt. Im Zentrum stehen also, hält man sich an die biblische Überlieferung, Gottesverehrung auf der einen, eine Landnahme auf der anderen Seite. Dieser Bund hat viel zu tun mit dem Palästinakonflikt, jedoch noch nichts mit der Stiftung einer moralischen Grundordnung."
Sidney Gennies schließlich widmet sich der Problematik auf sehr realer Ebene und schildert, was ein jüdisches Ehepaar, das in fünf Monaten ihren Nachwuchs erwartet, denn nun tun werde. Nun, so die klare Reaktion der werdenden Eltern, sie werden tun, was die Thora ihnen befehle - und dann vor Gericht gehen.
Schließlich: Die Bamberger Gemeinderabbinerin Antje Yael Deusel, erste deutschstämmige Rabbinerin seit dem Holocaust, ist zuzgleich promovierte Ärztin und hat ihre Dissertation just zum Thema Beschneidung verfasst. Titel: "Mein Bund, den ihr bewahren sollt: Religionsgesetzliche und medizinische Aspekte der Beschneidung". Hans Maaß rezensiert das Buch heute online exklusiv für COMPASS.
Alle Links zum Thema sowie die erwähnte Rezension in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Chanukka und Pessach sollen so "normal" werden wie Weihnachten und Ostern. Und das Judentum soll nicht mehr nur mit dem Holocaust verknüpft, sondern Teil des Alltags in Deutschland sein. Das wünschen sich die Jüdische Gemeinde und das Jugendhilfswerk in Freiburg. Darum eröffnen sie in einer einstigen Kantine der Deutschen Bahn die erste jüdische Kindertageseinrichtung in Baden seit 1945: und zwar für jüdische und nichtjüdische Kinder, Anja Bochtler in ihrer Reportage schildert: "Alltägliches jüdisches Leben in Freiburg".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Es gibt nur ganze Juden - stellt Alexia Weiss apoditisch fest:
"Klingt simpel – scheint aber nicht allen klar zu sein. Während man weder Christen teilen noch Buddhisten vierteln will, ist der "Halbjude", so scheint es, schwer aus dem deutschen Sprachgebrauch zu verbannen." Grund für sie, sich mit der ungeliebten Terminologie näher zu beschäftigen.
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Seit dem Jahr 1990 sind Tausende Juden aus den ehemaligen GUS-Staaten nach Deutschland eingewandert. Eine Forschungsgruppe der Universität Basel hat osteuropäische jüdische Zuwanderer nach ihren Geschichten und ihrem «jüdischen» Leben in der Sowjetunion befragt und die Antworten in einem Buch zusammengefasst, dessen wichtigsten Ergebnisse und Einsichten L. Joseph Heid ausführlich vorstellt: "Ein Blick zurück".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Der evangelische Bischof von Bückeburg hat eine alte Debatte belebt: Er kann sich nämlich vorstellen, dass der römische Papst auch für die Protestanten Kirchenoberhaupt sein könnte – und erntet damit allseits Verwunderung. Gernot Facius versucht die theologischen Hintergründe des Problems darzustellen: "Ein Papst für alle, auch für Protestanten?".
Der Link zum Beitrag in der rubrik CHRISTLICHE WELT.
Der in Kalifornien lebende deutsche Autor Patrick Roth ist eine Ausnahmeerscheinung in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sein Werk ist seit seinem Debüt mit einer Christus-Trilogie in den neunziger Jahren vielfach biblischen Stoffen gewidmet. Roths Dichtung ist immer auch ein Vorstoss zu den Grundlagen des Erzählens überhaupt – zu dem, was Dichtung und Religion verbindet. Nun legt er unter dem Titel «Sunrise» ein «Buch Joseph» beinahe biblischen Ausmasses vor, das Samuel Moser gelesen hat und näher vorstellt: "Patrick Roths literarische Erkundung biblischer Stoffe".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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