Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
15.07.2011 - Nr. 1276


ONLINE-EXTRA Nr. 146

Juli 2011

György Dalos ist eine Ausnahmepersönlichkeit, dessen bewegter Lebenslauf mit der Vielfalt seiner Talente korrespondiert. 1943 in Budapest geboren, ohne Vater aufgewachsen, der 1945 in einem Arbeitslager starb, wo er aufgrund seiner jüdischen Herkunft inhaftiert war, studierte Dalos in Moskau Geschichte, arbeitete als Museologe, veröffentlichte Anfang der 60er erste Gedichte, wurde wegen "maoistischer Umtriebe" verurteilt, erhielt Publikations- und Berufsverbot, gehörte zu den Mitbegründern der ungarischen Oppositionsbewegung Ende der 70er Jahre, ging 1984 in den Westen, wo er u.a. an der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen arbeitete, gehörte zur Redaktion der ostdeutschen Untergrundzeitschrift "Ostkreuz", lebte als freier Publizist in Wien und inzwischen als freier Autor in Berlin, wo er Mitherausgeber der deutschen Wochenzeitung "Freitag" ist. Und veröffentlichte während all dieser Jahre zahlreiche Romane, Essays, aber auch historische Sachbücher, wie etwa in diesem Jahr eine vielbeachtete Biografie über Michail Gorbatschow.

In dem bewegten Auf und Ab seines Lebens als Zeitzeuge und Mitgestalter des ost-europäischen Umbruchs im letzten Jahrhundert bleiben zwei Konstanten stets bedeutsam für sein politisches wie schriftstellerisches Engagement: die prägende jüdische Erziehung während seiner Kindheit und die Liebe zu Ungarn. «Es gibt nichts in der Welt, was bei mir so den Blutdruck erhöhen kann wie Ungarn», sagt er im Interview. Die vielfältigen, durchaus widersprüchlichen Einflüsse und Erfahrungen, die seine politische und persönliche Biographie kennzeichnen, spiegelt sich nicht selten in der Identitätssuche seiner Romane wider, etwa in seinem 1999 erschienenen Roman über den Kampf der Weltanschauungen - "Der Gottsucher" -, dessen Protagonist als Wanderer und Getriebener zwischen Kommunismus und Religion gezeichnet ist. "Das Problem in allen diesen Büchern ist immer, die Wahlmöglichkeit der 50er Jahre", sagt Dalos im vorliegenden Interview, denn es gab "Judentum, Christentum, Ungartum und Kommunismus. Und meine Helden leben in einem Trauma zwischen diesen Identitäten."

Im Juni veröffentlichte die JÜDISCHE ZEITUNG ein ausführliches Gespräch mit Dalos, das die Journalisten Moritz Reininghaus und Martin Jehle mit ihm führten. In dem Interview äußerte sich Dalos u.a. über seine jüdische Herkunft, sein Verhältnis zu Israel, die Situation in Ungarn und Gorbatschows Verhältnis zu den Juden.

COMPASS freut sich, Ihnen heute dieses Gespräch in voller Länge online exklusiv als ONLINE-EXTRA präsentieren zu können - und dankt der "Jüdischen Zeitung" sowie den beiden Interviewern Reininghaus und Jehle für die Genehmigung zur Wiedergabe dieses Gespräches an dieser Stelle!
 

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Online-Extra Nr. 146

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Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht




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