Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
30.06.2011 - Nr. 1273

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Die nächste tagesaktuelle Ausgabe erfolgt am Dienstag, 12. Juli 2011.



ONLINE-EXTRA Nr. 144

Juni 2011

Im Dezember 2009 veröffentlichte eine Initiative christlicher Bischöfe, Theologen und Laien Palästinas einen Appell, der inzwischen von über 2500 Unterzeichner gefunden hat. Das in Anlehnung an einen ähnlichen Aufruf, den südafrikanische Kirchen 1985 auf dem Höhepunkt der Unterdrückung unter dem Apartheidregime erlassen haben, als »Kairo-Palästina-Dokument« bezeichnete Papier trägt den Titel: "Die Stunde der Wahrheit: Ein Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe aus der Mitte des Leidens der Palästinenser und Palästinenserinnen". (Für den vollständigen Wortlaut des Dokumentes siehe hier: Kairos-Palästina-Dokument). Zu den Mitverfassern gehören u.a. der Patriarch Michel Sabbah, der Pastor der Weihnachtskirche in Bethlehem, Mitri Raheb und Erzbischof Atallah Hanna. Das Dokument versteht sich als ein Aufruf an die Christinnen und Christen in Palästina und Israel, um gegen alle Resignation und allen Zynismus ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. Darüber hinaus formulieren die christlichen Palästinenserinnen und Palästinenser auch ihre Erwartungen an die Solidarität der weltweiten Christenheit und wenden sich dabei ebenso an Muslime und Juden, an das palästinensische und israelische Volk.

In einem politisch hoch-explosiven Kontext - dem Nahost-Konflikt - berührt das Papier sowohl unmittelbar wie auch mittelbar zentrale Aspekte des Verhältnisses von "Kirche und Israel" als auch den christlich-jüdischen Dialog, wobei der im Dokument enthaltene Boykott-Aufruf gegen „alle von der Besatzung hergestellten Güter“ bzw. gegen ganz Israel sicher zu den problematischsten gehört. Dementsprechend fielen und fallen die Reaktionen auf das Papier sehr unterschiedlich aus - von großer Zustimmung beispielsweise in den Reihen von Pax Christi bis hin zu scharfer Kritik etwa von Seiten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft bis hin zu moderat vermittelnden Positionen, wie sie der Internationale Rat der Christen und Juden (ICCJ) einzunehmen versucht (siehe auch ONLINE-EXTRA Nr. 122, Stellungnahme des Pfarrers für das Gespräch zwischen Christen und Juden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Michael Volkmann).

Im nun vorliegenden ONLINE-EXTRA Nr. 145 unternimmt der evangelische Theologe Klaus Wengst eine eingehende Analyse des Dokuments, indem er nach seinen impliziten wie expliziten theologischen Grundlagen fragt und auch deren politische Implikationen bedenkt. Wengsts ernüchternde Analyse und stellenweise scharfe Kritik, die er an einer Reihe anti-judaistischer Denkfiguren übt, die der Argumentation des Dokuments innewohnen, erscheint an dieser Stelle erstmals in schriftlicher Form und geht auf einen gleichlautenden Vortrag zurück, den er während einer Studientagung des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit am 13. Mai 2011 in Bonn hielt.      

Hier finden Sie ONLINE-EXTRA Nr. 144:
Online-Extra Nr. 145

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