ACHTUNG
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Sail away...: Aus mehreren europäischen Häfen sollen demnächst mehrere Schiffe zu einer Gaza-Hilfsaktion auslaufen. Laut einem Aktivisten wird auch ein Schiff im griechischen Hafen Perama beladen, das inzwischen in See gestochen sein soll. Niemand weiß, ob sich das Desaster von 2010 mit neun Toten zu wiederholen droht. Klar ist: Israel ist entschlossen, alles zu tun, um den Schiffskonvoi zu stoppen. Unterdessen versucht Israel, die Berichterstattung über die Gaza-Hilfsflottille schon im Vorfeld massiv zu behindern. Unter anderem wird Journalisten mit einem langen Einreise-Verbot gedroht, berichtet Ulrich W. Sahm für N-TV.
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Fünf Jahre - das sind exakt 1826 Tage. So lange wird der israelische Soldat Gilad Schalit, der am 25. Juni 2006 von Hamas-Kämpfern nach Gaza verschleppt wurde, festgehalten. Nun haben israelische und palästinensische Menschenrechtsorganisationen die im Gaza-Streifen regierende Palästinenserorganisation Hamas aufgefordert, die »grausame und unmenschliche Behandlung« des Soldaten »sofort« zu beenden. Auch die Familie Schalits verliert ihre Geduld und greift in ihrer Verzweiflung zu drastischen Mitteln: Die Regierung von Premier Benjamin Netanjahu solle endlich den von der Hamas verlangten Preis zahlen und tausend palästinensische Gefangene gegen Schalit austausche. Unterdessen hat die Hamas das Ersuchen des Internationalen Roten Kreuzes nach einem Lebenszeichen des verschleppten israelischen Soldaten abgelehnt. Der israelische Ministerpräsident Netanyahu verkündete daraufhin verschärfte Haftbedingungen für palästinensische Gefangene.
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„Ich habe hier gelernt, was es bedeutet, als Staat in seiner Existenz bedroht zu sein.“ Mit diesen ernüchternden Worten beschrieb Deutschlands Botschafter Harald Kindermann in einem seiner letzten – und wenigen – Interviews den wichtigsten Wandel, den er in fünfeinhalb Jahren Dienstzeit in Israel durchmachte. In der Tat, was es bedeutet, in einem Land zu leben, das der ständigen Existenzbedrohung ausgesetzt ist, kann man wohl nur nachempfinden, wenn man in dem Land selbst lebt. Mit den Folgen, nämlich wie sich das Gefühl der Bedrohung in Israel auswirkt, beschäftigt sich Gil Yaron in einem Beitrag für die FULDAER ZEITUNG: "Vom alltäglichen Umgang mit dem Untergang".
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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier will die Zusammenarbeit des Landes mit den palästinensischen Gebieten wieder verstärken. Es sei unter anderem geplant, neben Förderungen in der Ausbildung und dem Sport auch den Dialog von Palästinensern und Hessen fortzusetzen, sagte der CDU-Politiker am Wochenende bei einem Besuch in Bethlehem. Zuvor besuchte er die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: "Wir müssen die Zukunft Israels gestalten, ohne zu vergessen", sagte Bouffier bei seinem Besuch. Außerdem warnte der Regierungschef vor extremistischen Tendenzen in Deutschland: "Wir müssen auch sensibel bleiben für die Entwicklungen, die uns besorgen." Am zweiten Tag seines Besuchs in Israel und in den palästinensischen Gebieten gedachte der CDU-Regierungschef der Holocaust-Opfer und legte einen Kranz nieder. "Der Holocaust bleibt ein unfassbares Verbrechen", schrieb Bouffier in das Gästebuch der Gedenkstätte. "Ich verneige mich in Demut vor den Opfern." Für Bouffier war es bereits der dritte Besuch in Yad Vashem.
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Während gestern bereits die Fußballweltmeisterschaft der Frauen eröffnet wurde, findet vom heutigen Montag an bis zum 3. Juli noch ein Fußballfest statt: das internationale Frauen-Fußball-Festival in Berlin-Kreuzberg. Das Zentrum bilden die Fußballspiele im Willy-Kressmann-Stadion am Viktoriapark. Im Turnier stehen 8 Frauenfußballteams.
Die Veranstalter haben Wert darauf gelegt, dass keine professionellen Vereine dabei sind, sondern Teams, die sich zum Beispiel für interkulturelle Fußballbegegnungen engagieren. Mit dabei sind unter anderem Mannschaften aus Brasilien, Indien und Ruanda. Und sicher besonders bemerkenswert: Bei Mifalot Hinuch spielen Jüdinnen und Araberinnen aus Israel, Palästina und Jordanien zusammen, wie Alice Blezinger für die TAZ berichtet: "Schießen für den Frieden".
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In gewisser Hinsicht war die Niederlage des Nationalsozialismus 1945 total. Nirgendwo waren Anhänger der NS-Ideologie seitdem wieder politisch ernsthaft erfolgreich. Eine Antwort der Rechten auf diese Erfolglosigkeit ist die Flucht in höhere Sphären. Seit dem Kriegsende haben Ideologen des Nazismus begonnen, ihren Kampf ins mystische, esoterische, religiöse zu verlagern. Adolf Hitler wird das auserwählte Werkzeug höherer Mächte, der Feldzug gegen Demokratie und Judentum wird in spirituellen Regionen fortgesetzt. Ufos und Götter bereiten die Wiederkehr des Dritten Reiches vor. Einer der wichtigsten Exponenten dieser Richtung ist der 1917 geborene Chilene Miguel Serrano. Seiner Feder entstammt eine besonders seltsame Mischung esoterischer und rechtsradikaler Lehren, die verstärkt auf Interesse stoßen, wie Dietmar Gottfried in seinem Porträt für TELEPOLIS berichtet: "Ufos und Götter für den Endsieg".
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Die Debatte um antisemitische und anti-israelische Strömungen in der Linkspartei nimmt kein Ende. Nachdem der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, bereits vor gut acht Tagen in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG die aktuelle Debatte in der Linkspartei kritisiert hat (siehe Compass 20.06.2011), hat er seine Kritik am „Israel-Hass“ in der Linkspartei nun erneut in einem Interview mit dem TAGESSPIEGEL bekräftigt. Die Linke sei zwar „ganz sicher keine antisemitische Partei“. Im Osten kämpfe sie „leidenschaftlich und voller Einsatz“ gegen die NPD, „das würdige ich immer wieder ausdrücklich – und davon können sich andere Parteien oft eine Scheibe abschneiden“, sagte Graumann dem Tagesspiegel in Berlin. „Aber nur weil sie sich antifaschistisch engagiert, gibt das der Partei nicht das Recht, dass unter ihrer Fahne einzelne Mitglieder ihren fanatischen Israel- Hass ausleben dürfen.“ Zur Kritik des Linkspartei-Vorsitzenden Klaus Ernst, der Graumann vorgehalten hatte, den Antisemitismus-Vorwurf zu inflationieren und damit seinem Anliegen zu schaden, sagte Graumann, „auf die guten Ratschläge von Herrn Ernst habe ich gerade noch gewartet“. Für Unruhe sorgt auch ein Entwurf für einen zweiten Israel-Beschluss, den Fraktionschef Gregor Gysi bereits auf der letzten Fraktionssitzung angekündigt hatte. In dem Papier, das der WELT vorliegt, heißt es: „Es ist nicht hinnehmbar, wenn einer Kritik an der Politik der israelischen Regierung mit dem Vorwurf des Antisemitismus begegnet wird. Wir werden nicht zulassen, dass Mitglieder unserer Fraktion und Partei öffentlich als Antisemiten denunziert werden, nur weil sie die Politik der israelischen Regierung kritisieren.“ Genau an diesem Punkt - dem ewigen Streit, wo legitime Israel-Kritik anfängt und wo sie aufhört und antisemitisch wird - setzt der Historiker Michael Wolffsohn in einem Essy für die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND an. Wolffsohn schreibt dort u.a.: "Die große Mehrheit der Partei Die Linke verschanzt sich gern hinter dem Argument, sie sei auch nicht antiisraelisch, sondern nur israelkritisch. Das ist entweder eine Lüge oder Dummheit, denn die Linke will nicht nur einen Staat Israel und neben ihm einen Staat Palästina. Der jüdische Charakter Israels ist der Linken ein Dorn im Auge. Das ist ideologisch konsequent, denn in der Ideologie der Linken ist - nach guter Tradition von Marx - jede Religion 'Opium fürs Volk'".
Alle Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Die Geschichte ist abenteuerlich und ein glänzender Ausgangspunkt für eine saftige Kommödie: Mahmud Nasir, ein verheirateter Muslim aus London, erfährt, dass er adoptiert wurde und eigentlich gebürtiger Jude ist - er stürzt in eine Identitätskrise. Bevor er mit seinem gebrechlichen leiblichen Vater Kontakt aufnehmen kann, muss er sich zumindest ansatzweise in die jüdische Kultur einleben und bekommt einen Schnellkurs von seinem jüdischen Nachbarn, dem Taxifahrer Lenny Goldberg. Gleichzeitig muss der mäßig religiöse Mann sich auf den Stiefvater seiner zukünftigen Schwiegertochter vorbereiten, einen radikalen Imam, der ein Leben im Einklang mit dem Koran erwartet. Soweit in groben Zügen die Story der britischen Komödie "Alles koscher!", die dieser Tage in unsere Kinos kommt. "Wer bei dieser Komödie um die Identitätskrise des Mahmud Shimshillewitz alias Solly Nasir nicht lacht, muss ziemlich verklemmt sein. Der Film ist eine Lockerungsübung gegen den Krampf der Kulturen" schreibt Alan Posener begeistert in der WELT. Dazu gibt es in der TAZ noch ein Interview mit dem Hauptdarsteller, dem in England äußerst populären Komiker Omid Djalili.
Die Links zum Thema in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Mohammad Mojtahed Schabestari, geboren 1936, ist einer der bedeutendsten islamischen Gelehrten und iranischen Intellektuellen. Schabestari studierte unter anderem beim späteren Revolutionsführer Khomeini. Von 1970 bis 1979 leitete er das schiitische Islamische Zentrum der Imam Ali Moschee in Hamburg, wo nach ihm auch der spätere iranische Staatspräsident Mohammad Khatami wirkte. Im Revolutionsjahr 1979 kehrte Schabestari als Anhänger Khomeinis zurück. Bis 1985 saß er im Parlament, zog sich aber schnell aus der aktiven Politik zurück. Von 1985 an lehrte er islamische Philosophie, Religionswissenschaft und Theologie an der Universität Teheran. Als einer der wichtigsten Vordenker eines modernen Islam nimmt Schabestari bis heute aktiv am christlich-islamischen Dialog teil. Es ist gefährlich auch für die Religion selbst, wenn sie sich nicht auf der Höhe der Zeit bewegt, sagt Mohammad Mojtahed Schabestari. Im Interview mit der FRANKFURTER RUNDSCHAU spricht der iranische Intellektuelle über die Zukunftsfähigkeit des Islam und den Preis freien Nachdenkens in seiner Heimat: "Die Religion liefert keine politischen Rezepte".
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Das ist ein Stoff für John le Carré, den Meister der Agententhriller: Ausgediente NS-Funktionäre, das Vertriebenenministerium, deutsche und amerikanische Geheimdienstler und andere schillernde Gestalten raufen sich um Muslime, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion gekämpft und sich anschließend in Deutschland niedergelassen haben. Es gibt Verschwörungen und Verrat. All dies geschieht in den 50er und 60er Jahren, unbemerkt von der Öffentlichkeit, die den Islam im eigenen Land erst mit den Terroranschlägen des 11. September 2001 entdeckt. Jetzt zeichnen gleich zwei Autoren diese unbekannte und abenteuerliche Geschichte nach: der ARD-Journalist Stefan Meining und der ehemalige Korrespondent des „Wall Street Journal“ in Berlin und Pulitzer-Preisträger, der Amerikaner Ian Johnson. Die detailreiche Beschreibung dieser „geheimen Islam-Politik“ der Bundesrepublik und des amerikanischen Geheimdienstes CIA in Deutschland macht die Stärke beider Bücher aus, meint Andrea Nüsse im TAGESSPIEGEL: "Nazis, CIA und der Kalte Krieg: Die abenteuerliche Geschichte einer Münchner Moschee".
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Die Niederlande stehen vor einem Verbot unbetäubten Schlachtens. Die Entrüstung jüdischer Gemeinden ist gross – und nicht nur der Sorge darum geschuldet, wo man künftig koscheres Fleisch beziehen könne. Seit Wochen widmen sich die niederländische Medien ausführlich einer Debatte, die seit Jahren immer wieder aufflackert. Dass die Debatte inzwischen nuancierter verläuft, liegt wesentlich an den Protesten jüdischer und muslimischer Verbände. Auf deren Druck ging auch die Anhörung von Experten und Vertretern beider Gruppen zurück, die letzte Woche im Parlament stattfand. Tobias Müller berichtet für die schweizer jüdische Wochenzeitung TACHLES über den Stand der Dinge: "Es geht nicht nur ums Fleisch".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Berlin, Reichstag. Hunderte Menschen stehen an, um die Glaskuppel auf dem Dach des Parlaments zu besichtigen. Die Schlange kommt nur langsam voran. Eine junge Frau, russischstämmige Jüdin, sagt zu ihrer Begleiterin sarkastisch: »Mein Opa ist 1945 hier schneller reingekommen.« Mit dieser Anekdote will Michael Wuliger in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG den grundlegenden Mentalitätswechsel unter den Juden hierzulande beispielhaft deutlich machen: Deutschlands Juden sind der Opferrolle entwachsen und zeigen ein neues Selbstbewußtsein - dank der Zuwanderung: "Aus das Trauma".
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Sie ist jung, jüdisch und liebt Fußball: Die Amerikanerin Yael Averbuch gilt als großes Talent, auch wenn sie bei der laufenden Weltmeisterschaft nur als Beobachterin teilnimmt. Averbuch entstammt einer klassisch aufgeklärten amerikanischen Familie von Reformjuden. Sie fühlen sich zwar der Tradition sehr verbunden, wie Yael sagt. Als sie zum Beispiel 2007 in die Ruhmeshalle des jüdischen Sports aufgenommen worden sei, habe ihr das entsprechend viel bedeutet. In ihrem Alltag habe das Judentum jedoch nie eine große Rolle gespielt.Sebastian Moll porträtiert die amerikanisch-jüdische Fußballerin in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG: "Philosophin des Spiels".
Der Link zum Porträt in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
In einem bemerkenwert bissigen Beitrag setzt sich Reinhard Mohr in der WELT mit dem Phänomen Margot Käßmann und vor allem ihrem Buch "Sehnsucht nach Leben" auseinander. MOhr schreibt: "Margot Käßmann ist ein Phänomen. Berühmt geworden durch den Satz "Nichts ist gut in Afghanistan" und eine Autofahrt mit 1,54 Promille, gelingt ihr die Vermählung von Selbstvermarktung und Metaphysik, Mammon und Menschenliebe, Talkshow und Theologie geradezu spielerisch leicht. So schafft sie die Quadratur des Kreises ähnlich wundersam, wie einst Jesus Christus vermochte, Wasser in Wein zu verwandeln. Einerseits ist sie Kind unserer glitzernden Mediengesellschaft, deren Währung in nichts anderem besteht als in Prominenz und materiellem Erfolg. Andererseits präsentiert sie sich als Gottsucherin, Predigerin und Prophetin, die den Menschen Halt, Sinn, Orientierung vermittelt." Sein Fazit über das Buch der "Verona Feldbusch des deutschen Protestantismus" ist unmißverständlich: "Banalitäten reihen sich an Tautologien und Kalendersprüche. Heraus kommt ein bandwurmartiges 'Wort zum Sonntag'".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
1963 erschien Hannah Arendts "Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen" in den USA und löste dort wie in Israel einen heftigen Sturm der Entrüstung und Kritik aus. Die Autorin setzte sich mit der Kritik auseinander - u.a. in einem intensiven Dialog mit dem Historiker Joachim Fest. Dieser Briefwechsel liegt nun erstmals als Buch vor, das Astrid Nettling für DEUTSCHLANDRADIO vorstellt: "Ich danke Ihnen für den Hitler".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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