Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
06.06.2011 - Nr. 1264


ONLINE-EXTRA Nr. 142

Juni 2011

Vor wenigen Tagen, am 31. Mai 2011, starb im niederländischen Hilversum einer der bedeutendsten jüdischen Psychoanalytiker des 20. Jahrhunderts: Hans Keilson. 1909 als Sohn eines jüdischen Textilhändlers in Bad Freienwalde geboren, floh der inzwischen studierte Mediziner 1936 vor den Nazis in die Niederlande und schloss sich hier, nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande 1940, dem niederländischen Widerstand an. Dort im Untergrund kümmerte er sich als als Arzt und Psychoanalytiker intensiv um jüdische Kinder, die von ihren Eltern in niederländischen Familien zum Schutz vor der Deportation untergebracht wurden. Keilsons eigene Eltern wurden im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Nach dem Ende des Kriegs gehörte er zu den ersten, die sich der Behandlung schwer traumatisierter jüdischer Waisenkinder annahm. Seine mitunter niederschmetternden Erfahrungen und Einsichten, die er im Kontext dieser schwierigen Arbeit gewann, schlugen sich nieder u.a. in seiner 1979 veröffentlichten Studíe "Sequentielle Traumatisierung bei Kindern" und dem 1984 erschienen, berühmt gewordenen Essay "Wohin die Sprache nicht reicht".

Erst während der etwa letzten zehn Jahren rückte eine zweite Seite dieser eindrucksvollen Persönlichkeit stärker in das Blickpunkt der Öffentlichkeit, nämlich die literarische Ader von Hans Keilson. Bereits 1933 erschien sein erster, biographischer Roman "Das Leben geht weiter", in den 40er entstanden erste Gedichte und 1959 folgte sein erster Roman "Der Tod des Widersachers". Seitdem hat Keilson zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays verfasst, zuletzt noch die kurz vor seinem Tode erschienene Autobiographie "Da steht mein Haus" (siehe die Rezension von Soraja Levin in Compass 01.06.2011).

2005 erschienen seine Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays erstmals gesammelt in zwei Bänden im S. Fischer Verlag. Aus diesem Anlass entstand seinerzeit nachfolgender Essay der Literaturwissenschaftlerin Eva M. Schulz-Jander, die in der Auseinandersetzung mit dem literarischen Werk von Keilson ein eindrucksvolles Porträt des Dichters, Denkers und Menschen Hans Keilson zeichnet: "Auf der Luftschaukel der Sprache". COMPASS veröffentlicht heute diesen Essay außerplanmäßig als ONLINE-EXTRA Nr. 142 - in Erinnerung, Würdigung und Verneigung vor einer großen Seele: Hans Keilson, geboren am 12. Dezember 1909 in Bad Freienwalde an der Oder, verstorben am 31. Mai 2011 in Hilversum.   

COMPASS dankt der Autorin zur Genehmigung der Wiedergabe ihres Textes an dieser Stelle! 
     

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Online-Extra Nr. 142

© 2011 Copyright bei der Autorin
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