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31 Mal erhoben sich die US-Parlamentarier jubelnd und klatschend während der Rede des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im amerikanischen Parlament. Vizepräsident Joe Biden allerdings blieb auffallend still sitzen, als Netanjahu die Unteilbarkeit Jerusalems beschwor. Zudem, so Charles Landsmann in der ZEIT, war die Zahl der stehenden Ovationen für Netanjahus Vorgänger Ehud Olmert einst noch größer:
"Der war zwar rhetorisch weniger brillant als Netanjahu, sprach mit deutlichem Akzent, während Netanjahu, der in den USA aufgewachsen ist und studiert hat, perfektes Amerikanisch vorführte. Doch Olmert hatte ganz anders, viel flexibler und kompromissbereit gesprochen."
Die Rede Netanjahus, die im Wortlaut in deutscher Übersetzung auf HAGALIL zu lesen ist, erntete ein geteiltes Echo. Shlomo Ben Ami beispielsweise, ehemaliger israelischer Außenminister und gegenwärtig Vizepräsident des Toledo International Centre for Peace, urteilt in der WELT über Netanajahus Politik, sie sei "veraltet und gefährlich". Wörtlich schreibt er:
"Israel ist erst sicher, wenn die Besatzung beendet ist, Israels Grenzen international anerkannt sind und die Palästinenser ihre Würde als Nation wiedererlangen. Benjamin Netanjahus wütende Ablehnung des Vorschlags von US-Präsident Barack Obama, für eine Zweistaatenlösung des israelisch-palästinensischen Konflikts die Grenzen von 1967 als Grundlage zu nehmen – Grenzen, die er als “absolut nicht zu verteidigen” bezeichnete – ist nicht nur bezeichnend für seine Unfähigkeit als Politiker, sondern auch für seine veraltete Militärphilosophie."
Ganz anders sieht dies der Geschäftsführer des American Jewish Committee in einem Beitrag für den TAGESSPIEGEL. Er betont vor allem die enge Verbindung Israels mit den USA und erläutert, warum Republikaner und Demokraten in den USA Netanjahus Rede lobten:
"Amerika unterstützt Israel entgegen mancher Unterstellung nicht nur wegen der amerikanischen Juden, die gerade einmal zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen. Amerika identifiziert sich mit Israel, weil es eine liberale Demokratie ist, umgeben von autokratischen Regimen. Die Mehrheit der Amerikaner hat Verständnis für den ständigen Kampf Israels um Selbstbestimmung im Angesicht seiner feindlichen Nachbarn. Sie wissen, dass Israel einen dauerhaften Frieden und eine Zwei-Staaten-Lösung anstrebt, aber keine ernsthaften Verhandlungspartner hat."
Alle Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Rolf Maag erinnert im Schweizer Nachrichtenportal "20min" an den 25. Mai 1991. Damals, vor fast genau zehn Jahren, flogen israelische Flugzeuge über 14.000 äthiopische Juden aus. Dabei wurde übrigens auch ein bis heute gültiger Weltrekord aufgestellt: Einer Boeing 747 gelang es, nicht weniger als 1135 Passagiere zu transportieren, doppelt so viele wie auf einem Linienflug. Manche sprechen sogar von 1137 Fluggästen – zwei Babys hatten nämlich unterwegs das Licht der Welt erblickt: "Israels afrikanische Bürger".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs organisierte er Rettungsaktionen europäischer Juden. Später regierte er 28 Jahre als Bürgermeister in Jerusalem. Dank seiner Politik der Verständigung lebten Israelis und Araber in dieser Zeit relativ friedlich nebeneinander. Vor allem aber hielt er trotz aller Spannungen und Konflikte an seiner Vision fest, dass es „friedliche Beziehungen zwischen allen in Jerusalem“ geben wird. Die Rede ist natürlich von Theodor "Teddy" Kollek, der am heutigen Freitag 100 Jahre alt geworden wäre. U.a. würdigt der israelische Journalist Igal Avidan den beliebten Politiker für DEUTSCHLANDRADIO: "Ein Leben für Jerusalem".
Links zum Geburtstag in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Israel war rechtlich zum Erstürmen der Gaza-Flottille im Jahr 2010 verpflichtet. Das hat der Völkerrechtler Wolff Heintschel von Heinegg am Donnerstag in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erklärt, Experten nun Rückschau auf die Ereignisse hielten, die den Staat Israel in den Augen der Weltöffentlichkeit einmal mehr ins schlechte Licht einer repressiv vorgehenden Besatzungsmacht rückten. "Gaza, die kommende Flottille und das internationale Recht" war der Titel einer Veranstaltung des "Mideast Freedom Forums Berlin". ISRAELNETZ hat einen zusammenfassenden Bericht der Veranstaltung ins Netz gestellt: "Gaza-Flotte: Musste Israel eingreifen?"
Der Link zum Bericht in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
In Hamburg hat ein pazifistisches Bündnis ein Kriegerdenkmal mit Folien verhüllt. Es fordert einen Gedenkort für Deserteure im Zweiten Weltkrieg. Doch nicht alle finden das gut: Die Folien wurden schon zwei Mal heruntergerissen, wie Daniel Kummetz in der TAZ über ein noch immer und immer wieder umstrittenes Thema berichtet: "Kein Ort für Deserteure".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENEHEIT...
Das Sonderpädagogische Förderzentrum in Dachau wird künftig Greta-Fischer-Schule heißen. Die international bekannte Jüdin Greta Fischer erhält damit ein würdiges Denkmal. Sie hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Kloster Indersdorf und später in Prien am Chiemsee überlebende Kinder des Holocausts betreut. Matthias Morgenroth berichtet für den BAYRISCHEN RUNDFUNK nähere Einzelheiten und Hintergründe: "Ehrung für tschechisch-jüdische Kinderhelferin".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Im Bundestag haben die übrigen Parteien der Linken antisemitische Tendenzen vorgeworfen. Hintergrund der Debatte ist eine sozialwissenschaftliche Studie, nach der Israel-feindliche und antisemitische Strömungen in der Linkspartei „immer dominanter“ würden (siehe Compass 20.05.2011). Auf den Seiten des BUNDESTAGS ist eine gute Zusammenfassung der Debatte und Redenbeiträge zu lesen. In der WELT beschäftigt sich mit dem gleichen Thema auch Henryk M. Broder - und versucht zu erklären, wie die empörte Uneinsichtigkeit in den eigenen Antisemitismus auf Seiten der Linken zu erklären ist:
"So wie die maßgeblichen Funktionsträger der DDR immer bestritten haben – und bis heute bestreiten –, dass es in der DDR Armut, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus gegeben hat, so bestreiten Vertreter der Linkspartei, dass es in ihren Kreisen Antisemitismus gibt."
Allerdings sind heute auch andere Stimmen, selbstkritische Stimmen aus den Reihen der Linken selbst zu lesen. In der TAZ etwa kritisiert der Berliner Linkspartei-Chef Klaus Lederer kritisiert antiisraelische Neigungen in den eigenen Reihen. Zur Boykott-Aktion seiner Bremer Parteigenossen sagt er:
"Die Bremer Genossen haben zumindest sehr viel Mühe, zu erklären, warum dieser Boykottaufruf nicht antisemitisch sei und wo die Grenze genau verläuft. Damit sitzt man in der Falle. Die ganze Debatte ist zu stark von Projektionen geprägt und zu wenig von der Kenntnis des Konflikts selbst. Es ist bei manchen in der Linken eine Obsession, Menschenrechtsverletzungen in Israel zu kritisieren und anderswo nicht. Die Hamas wird da schnell vergessen."
Und in der JUNGLE WORLD schreibt Jan Korte, Mitglied des Bundestags für die Partei »Die Linke« und stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, ziemlich mahnend:
"Deutlicher als bisher muss klar gemacht werden, dass Linkssein mit der Politik z.B. der Hamas grundsätzlich unvereinbar ist und daher Solidarität den (wenigen) fortschrittlichen Bewegungen gelten muss. Konsens muss sein, sich nicht mit Leuten gemein zu machen oder Kritik an ihnen abzumildern, die alle grundlegenden Werte linker Politik verneinen. Gregor Gysi hat dazu festgestellt: »Der Antizionismus kann (…) für die Linke insgesamt, für die Partei ›Die Linke‹ im Besonderen, keine vertretbare Position sein, zumindest nicht mehr.«"
Schließlich meldet sich auch einer der Verfasser der Studie, die die jüngste Debatte auslöste, selbst zu Wort: Der Gießener Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn. In der JUNGLE WORLD schreibt er, die "Partei »Die Linke« wird ihr Antisemitismusproblem nicht mehr los, weil sie öffentlich nicht dagegen vorgehen will". Und die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG hat mit dem Forscher ein Interview durchgeführt, in dem Salzborn der Linken die Duldung des Antisemitismus in den Reihen erneut vorwirft.
Alle Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Als einen, der dabei hilft, politische Orientierungen auf moralische Kriterien zu gründen, würdigte der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät Volker Drehsen bei der Preisverleihung im Festsaal der Uni den israelischen Sozialphilosophen und diesjährigen Lucas-Preisträger Avishai Margalit. Mit ihm zeichnete die Universität dieses Mal einen Wissenschaftler aus, der zwischen Judentum, Christentum und Islam nach menschheitsgeschichtlichen Begründungen von Ethik und Moral sucht. Ulrike Pfeil war bei der Preisverleihung dabei und berichtet auch über Margalits Dankesrede: "Lucas-Preisträger Margalit über Differenz zwischen Juden- und Christentum".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Im MiGAZIN schildert die TAZ-Kolumnistin und freie Journalistin Kübra Gümüsay ein Erlebnis, das ihr für den Umgang mit Migranten symptomatisch scheint:
"Die muslimischen Verbände müssen sich zu Homosexualität positionieren!”, sagt er zu mir. Er ist CDU-Politiker und ehemaliger Minister. Wir sitzen zusammen auf dem Podium, und ich kann nicht glauben, was ich da höre. “Verlangen Sie denn dann auch von jedem Katholiken, dass er sich zu Homosexualität positioniert?”, frage ich zurück. Er wird rot, schweigt und verschränkt trotzig die Arme. Besser hätte er sich nicht entlarven können. Weshalb misst man in unserer Gesellschaft mit zweierlei Maß? Warum sollen sich Muslime und Migranten über das Grundgesetz hinaus zu etwas bekennen, wiederholt Loyalität zu Deutschland bekunden oder sich von irgendwelchen Dingen distanzieren? Ich bin hier und lebe hier."
Der Link zu ihrem Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Das ist wohl eine einzigartige Aktion: Die Israelitische Kultusgemeinde Österreichs klagt den Staat Israel vor einem Gericht in Jerusalem an. Konkret geht es um die von der Wiener Gemeinde verlangte Rückgabe von tausenden Akten und Dokumenten jüdischer Österreicher von 1600 bis 1945, die in den 1970er-Jahren zwecks Forschung an Israel gingen. Rainer Nowak schidert in der österreichischen PRESSE die Hintergründe dieses ungewöhnlichen Vorgangs: "Warum die Kultusgemeinde Israel verklagt".
Der Link zum Bericht in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Viele Jahre haben die hohen Herren geschwiegen zur Geschichte ihres Vereins. Doch nun hat Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, am Dienstagabend ein ganz besonderes Bekenntnis für den deutschen Rekordmeister abgelegt: "Der FC Bayern hat eine jüdische Vergangenheit, eine sehr reiche und erfolgreiche. Wir sind stolz auf diese jüdische Vergangenheit, und gemeinsam mit unseren jüdischen Freunden werden wir auch eine stolze Zukunft haben", sagte er. Anlass war eine entsprechende Buchpräsentation - "Der FC Bayern und seine Juden" -, bei der auch Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, anwesend war. Der Sporthistoriker Dietrich Schulze-Marmeling legt in seinem Buch dar, wie sehr die frühe Geschichte des heutigen Rekordmeisters von Münchner Juden geprägt wurde. Allen voran durch Kurt Landauer: Er war bis 1933 dreimal Präsident der Bayern, floh nach einer Zeit im KZ Dachau 1939 in die Schweiz und verlor seine Familie in den Konzentrationslagern. Christiane Krügel war bei der Buchpräsentation zugegen und berichtet ihrer Eindrücke für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Stolz auf die jüdische Vergangenheit"
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Er mailt seiner Gemeinde, hat ein Facebook-Profil und trinkt Champagner zum Mittagessen. Trotzdem ist Monsignore Imkamp erzkonservativ - und er könnte der nächste Bischof von Berlin werden. David Baum zeichnet für das Magazin der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ein Porträt von ihm: "Der PR-Mann Gottes".
Der Link zum Porträt in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
Stefan Hantel (Shantel) machte sich einst durch seine Kooperation mit osteuropäischen Musikern einen Namen. Nun hat er sich der jüdischen Musik zur Zeit der „Kosher Nostra“ gewidmet - der sagenumwobenen jüdischen Mafia in den USA. Hantels Großeltern mütterlicherseits kommen aus der Bukowina, aus Czernowitz. Nachdem er sich ausführlich mit dem osteuropäischen Erbe auseinandergesetzt hat, trug der DJ und Produzent nun gemeinsam mit Oz Almog eine Compilation jüdischer Musik von den 20er bis zu den 60er Jahren auf einem Sampler zusammen, die von Simon Hadler für den österreichischen Rundfunk ORF rezensiert hat. Und er ist sehr angetan:
"Die ganze Bandbreite jüdischer Musik dieser Jahre tritt zutage, gegenseitige Beeinflussungen von Klezmer und Swing, Jazz und Blues, gesungen mit teils englischen, teils jiddischen Texten. Der Sampler ist ein musikalischer Glücksfall, vor allem in der Verbindung der Lieder mit dem 60 Seiten starken Booklet, in dem die ausführlichen Recherchen von Hantel und Oz Almog zusammengeführt werden und viele von Almogs Bildern zu sehen sind."
Der Link zur CD-Vorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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