ACHTUNG:
Guten Tag!
Es waren die heftigsten palästinensischen Attacken unter Federführung der Hamas seit Ende des Gaza-Krieges vor zwei Jahren: Über 50 Mörsergeschosse, abgefeuert aus dem Gazastreifen, landeten am Samstagmorgen im israelischen Grenzgebiet. Israelische wie palästinensische Kommentatoren gehen allerdings davon aus, dass sich der Hamas-Beschuss nicht nur gegen Israel, sondern zugleich auch gegen die moderate Autonomieführung von Präsident Mahmud Abbas richtete. Dieser hatte sich nämlich jüngst bereiterklärt, „schon morgen“ zu Versöhnungsgesprächen in den Gazastreifen zu reisen, nachdem Hamas-Premier Ismael Hanijeh eine entsprechende Einladung in Aussicht gestellt hatte. Islamistische Hardliner wollen das offenbar mit allen Mitteln verhindern. So sehen das auch die Korrespondenten, die für die FRANKFURTER RUNDSCHAU und die TAZ über den jüngsten Angriff auf Israel berichten.
Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST AKTUELL.
Asma al-Ghoul, 29 Jahre junge Palästinensiern, ist eine der mutigsten Stimmen im gesamten Gazastreifen: Seit geraumer Zeit nimmt sie sich als Bloggerin im Internet die Freiheit, gegen die Bevormundungen durch das islamistische Hamas-Regime anzuschreiben. Und so hält sie sich auch weder an Kleidervorschriften noch an das Verbot für Frauen, Fahrrad zu fahren. Ihr wöchentlicher Blog, verfasst auf Arabisch, findet in Gaza unterdessen immer mehr Leser. Und sie is nicht allein: Um die hundert Blogger gibt es dort inzwischen, die ihre bitteren Alltagserfahrungen in die Tasten hämmern, wie Inge Günther für die BERLINER ZEITUNG in ihrem Einblik in die palästinensische Blogger-Szene berichtet: "Gegenwind im Internet".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Ein bisher einmaliges Programm stellte sich auf der kürzlich in Berlin stattgefundenen Internationalen Tourismusbörse vor: Der israelische Landkreis Gilboa und die palästinensische Stadt Dschenin arbeiten zusammen für "Tourismus für den Frieden". Der israelische Journalist Igal Avidan hat sich das für DEUTSCHLANDRADIO etwas genauer ansgesehen und stellt die ungewöhnliche Initiative vor: "Auf beiden Seiten der Grenze. Israelisch-palästinensische Initiative umwirbt Touristen".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Der Kibbutz ist zwar nicht mehr das, was er einstmal war, aber seine Ideale haben die Bewohner der israelischen Kommunen noch nicht aufgegeben. Das meint jedenfalls Alex Elsohn, der als ehemaliger Kibbutznik am vergangenen Donnerstag eine Wanderausstellung zum hundertsten Geburtstag der typisch israelischen Lebensgemeinschaften in Berlin vorstellte. Gemeinsam mit Vertretern der israelischen Botschaft, der evangelischen Kirche und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit präsentierte er eine Wanderausstellung zum hundertsten Geburtstag der Kibbutzim, wie ISRAELNETZ berichtet: "Der Kibbutz: Zwischen Idealismus und Zeitgeist".
Der Link zum Bericht in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
"Erziehungshäftlinge", "Vorbeugehäftlinge", "Protektoratshäftlinge" - oder eben "Sonder- und Ehrenhäftlinge": In ihrer menschenverachtenden Klassifizierungswut teilten die Nationalsozialisten ihre Feinde fein säuberlich in verschiedene Gruppen ein. Zur Kategorie der "Sonder- und Ehrenhäftlinge" zählten auch die "persönlichen Gefangenen des Führers": deutsche Regimegegner, die zu prominent waren, als dass man sie einfach ermorden wollte. Ihnen mangelste es weder an Zigaretten noch Radio und einer Flasche Sekt am Tag, wie Kaja Iken in ihrer historischen Reportage für den SPIEGEL über die "Sonder- und Ehrenhaft" im "Dritten Reich" schreibt: "High Society im Goldenen Käfig".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Die Kommunistische Partei Österreichs war sicher eine wichtige Kraft im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Daraus jedoch zu schlußfolgern, dass sie deshalb auch frei von Antisemitismus gewesen sein müsse, stimmt jedoch keineswegs, wie Stephan Grigat, Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Universität Wien, in seinem Essay für die WIENER ZEITUNG deutlich macht. Im Gegenteil, die antisemitischen Züge der KPÖ setzten sich auch nach dem Krieg in Gestalt anti-israelischer Haltungen fort: "Das Feinbild 'Zionismus'".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS ...
Während französische Rechtsextremisten den Diktatoren und Autokraten Nordafrikas nachtrauern, sieht die NPD die arabische Revolte als Beginn des Aufstands gegen die »Globalisierer«. Einig ist man sich auch in der Ablehnung der Migration, wie Bernhard Schmid in der JUNGLE WORLD schreibt und einen Einblick liefert in die Befindlichkeiten der Rechten in Anbetracht der arabischen Unruhen: "Feigheit vor dem Feind".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik RECHTSRADIKALISMUS/ANTISEMITISMUS.
Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte korrigiert ein Urteil vom November 2009, das im Kruzifix an staatlichen Schulen in Italien einen Verstoß gegen die Grundrechte auf Religions- und Gewissensfreiheit sowie Ausbildung gesehen hatte. Damit beenden die Richter einen langen Streit über Kruzifixe im Klassenzimmer. "Die Kirchen freuen sich, doch das Urteil steht zum deutschen Recht in einer gewissen Spannung", kommentiert und erläutert Matthias Kamann in der WELT. Und im DEUTSCHLANDRADIO weist Tilman Kleinjung auf einen Aspekt hin, der auch im Urteilsspruch der Richter seinen Niederschlag fand, nämlich das wachsende Schwinden der Symbolbedeutung des Kreuzes selbst:
"Wenn er Papst wäre, hat der Symbolforscher Umberto Eco gesagt, würde er verfügen, dass dieses missbrauchte Symbol aus allen Klassenzimmern verschwindet. Das Kreuz schmückt Wappen und Banner, das Kreuz ziert Ketten und Ohrringe. Das Kreuz ist auf diese Weise ein Symbol ohne Symbolkraft geworden - frei von jedem religiösen Bezug."
Links zum Thema in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Auch in dem richterlich beendeten Kruzifix-Streit steht im Hintergrund eigentlich die Frage nach dem Verhältnis des säkularen Staates zur Religion. Dieses Verhältnis thematisiert vor allem im Blick auf den Islam die Schriftstellerin Monika Maron in einem leidenschaftlichen Essay für den SPIEGEL. "Die Sache mit dem Islam wird immer verworrener. Gehört er nun zu Deutschland, oder gehört er nicht zu Deutschland?", fragt sie und schlägt vor:
"Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir die Frage anders stellen, wenn wir nicht wie Gretchen fragen: "Nun sag, wie hast du's mit der Religion?" Sondern wenn wir wie Bürger eines aufgeklärten, demokratischen Staates im 21. Jahrhundert fragen: Gehört die Trennung von Staat und Religion zwingend zu Deutschland? Darauf müssten wir antworten: ja. Das gilt für Christen, Juden, Hindus, Muslime und alle anderen."
Vor diesem Hintergrund beklagt Maron vor allem, dass der Islam "den in diesem Land üblichen Umgang mit der Religion außer Kraft gesetzt" habe:
"Wir alle, Christen, Juden, Orthodoxe, Atheisten, sind gezwungen, fast täglich über den Islam zu sprechen und nachzudenken, wir sollen den Koran lesen und die Hadithen, damit wir den Islam verstehen lernen. Aber ist es nicht unser Recht, vom Islam nichts zu verstehen und nur zu erwarten, dass wir von ihm nicht mehr behelligt werden als von allen anderen Religionen?"
Der Link zu Marons Essay in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Die Johannisschule in Osnabrück wird zur Grundschule für jüdische, christliche und muslimische Kinder. Einen entsprechenden Vertrag haben Vertreter der drei Religionen unterzeichnet. Ganz einvernehmlich gestaltete sich dieses einmalige Projekt jedoch auch nicht, denn die evangelisch-lutherischen Kirchenkreis beteiligen sich nicht an der multireligiösen Schule. Katholiken und Lutheraner weisen sich nun gegenseitig die Verantwortung für das Misslingen des Kooperationsversuchs zu. Aktuelle Berichte und Hintergründe zur jüdisch-christlich-muslimischen Grundschule liefern zwei Beiträge in der OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Die Links dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Die europäischen Makkabi-Spiele gelten als Olympia für jüdische Sportler und werden alle vier Jahre – jeweils im Zweijahresabstand zu den Maccabiah-Spielen in Israel – in einer europäischen Stadt ausgetragen. Wenn sich nun dieses Jahr vom 6. bis 13. Juli rund 2000 Athleten aus 39 Ländern diesmal österreichischen Bundeshauptstadt Wien treffen, hat das eine über die sportliche und organisatorische Relevanz hinausreichende Bedeutung: Es ist das erste Mal nach 1945, dass die europäischen Makkabi-Spiele in Österreich oder Deutschland stattfinden. Vor diesem Hintergrund sprach die WIENER ZEITUNG mit dem Organisator der Makkabi-Spiele in Wien, Oskar Deutsch: "Rekord-Teilnahme ist fix".
Der Link zum Interview in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Die nur knapp den Nazis entronnene, jüdische Dichterin Nelly Sachs gehört zweifellos zu den ganz bedeutenden deutschsprachigen Schriftstellerinnen - nicht erst nachdem sie mit dem Nobelpreis in der Literaturwelt geadelt worden war. Eine beeindruckende Nelly-Sachs-Ausstellung zeigt nun in Frankfurt unter dem Titel „Flucht und Verwandlung“ Werke und Gegenstände ihres Lebens. Judith von Sternburg hat sich die Ausstellung für die FRANKFURTER RUNDSCHAU näher angesehen: "An Stelle von Heimat".
Der Link zu ihren Ausstellungseindrücken in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Rabbiner Abraham Twerski stammt aus einer angesehenen chassidischen Familie. Sein Urgroßvater war der erste Bobover Rebbe. Sein Vater wanderte nach Amerika aus und amtierte als Rabbiner in Milwaukee. Twerski begann schließlich Medizin zu studieren und wurde Psychiater. Jahrzehntelang leitete er in Pittsburgh eine Therapiestation für Drogensüchtige. Trotz des Berufswechsels ist er jedoch stets ein frommer, ein "chassidischer" Jude und Toralehrer geblieben, der als Psychiater nicht nur unzähligen Patienten helfen konnte, sondern auch in seinen Publikationen mit unterhaltsamen und lehrreichen Fallgeschichten zu begeistern vermochte. Bescheiden beschreibt er sich selbst als Praktiker und Popularisierer der von Freud begründeten Tiefenpsychologie. Der am Psychologischen Institut der Universität Köln arbeitende Psychologe Yizhak Ahren stellt in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG den in nicht-jüdischen Kreisen wenig bekannten Rabbiner Twerski näher vor: "Psychiatrie und Chassidismus".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Prof. Dr. Klaus Berger (70) gilt als einer der führenden Neutestamentler. Sein Buch über Jesus wurde zu einem Bestseller. Er wendet sich gegen das Programm einer Entmythologisierung der biblischen Überlieferung und fordert ein stärkeres Vertrauen gegenüber dem Text der Bibel. Für einen Skandal sorgte der Heidelberger Professor für evangelische Theologie kurz vor seiner Emeritierung 2006 mit der Behauptung, nie aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten und immer Katholik gewesen zu sein. Am Rande eines Symposions in Passau führte die PASSAUER NEUE PRESSE ein Gespräch mit dem Theologen über aktuelle Entwicklungen in der Kirche. Auf die Frage, ob er die Bischöfe für dialog- und reformbereit hält, antwortete Berger unverblümt:
"Von den Bischöfen ist jeder einzelne so lieb wie nie zuvor. Der Dreißigjährige Krieg wäre nie ausgebrochen, wenn die Bischöfe damals so gewesen wären, wie sie jetzt sind. Jeder einzelne Bischof ist in mancher Hinsicht in menschlicher Sicht hervorragend - und theologisch arm. Das Problem ist, dass wir eine Figur nicht haben, die an Bedeutung und Klarheit mit einem Karl Rahner zu vergleichen wäre. Es gibt weit und breit keine prägende und gestaltende Person, an der man sich festhalten könnte. Es fehlt ein Konzept, wie man kirchlich, missionarisch volkskirchlich, wirken könnte. Nur mit Debatten und Strukturen ändern wir nichts, gehen wir nicht in die Tiefe, um zu schauen, was uns trägt, was uns eint."
Der Link zum Interview in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
Vor mehr als 30 Jahren begegnete die Übersetzerin und Autorin Mirjam Pressler Hanna B. zum ersten Mal - in einem Kibbuz in Galliläa.Beide Frauen verstanden sich auf Anhieb, sie unterhielten sich lange und viel. Hanna B. war "a mentsch", erinnert sich die Schriftstellerin, wobei das jiddische Wort Güte und Menschlichkeit umfasst. Ein Geheimnis umgab diese warmherzige, sanftmütige Frau. Wie konnte sie so werden - sie, der die Nazis die Jugend raubten und die dem Tod im KZ nur knapp entkommen war? Traurigkeit war ein Teil des Lebens von Hanna B., doch Bitterkeit hatte darin keinen Raum. Diesem Geheimnis will Mirjam Pressler in ihrem neuen Roman "Ein Buch für Hanna" nachspüren und sie tut es auf ergreifende Weise, wie Andrea Huber in ihrer Buchvorstellung im DEUTSCHLANDRADIO meint: "Sie blieb 'a mentsch'".
Der Link dazu in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Und schließlich noch ein TV-Hinweis: Heute abend, leider erst zu sehr später Stunde, ist der dokumentarische Spielfilm "Am Ende kommen die Touristen" Robert Thalheim zu sehen. Im Mittelpunkt des vielfach gerühmten Films steht ein junger deutscher Kriegsdienstverweigerer, den es in die polnische Stadt Oswiecim verschlägt, wo er in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz seinen "Ersatzdienst/Anderen Dienst im Ausland" ableisten soll. Seine Konfrontation mit deutscher Vergangenheit und polnischer Ggenwart verändert ihn grundlegend.
Mehr dazu in den FERNSEH-TIPPS.
Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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