ACHTUNG:
Die nächste Ausgabe erfolgt am Freitag, 21. Januar 2011.
Guten Tag!
Das Bündnis an Initiativen, das am vergangenen Wochenende in der israelischen Hauptstadt Tel Aviv demonstrierte, war breiter als sonst. Unter dem Motto "Demonstration (since it's still possible) for democracy” ("Demonstration - solange es noch möglich ist - für Demokratie") protestierten mehrere tausend Israelis für den Erhalt der Demokratie in Israel.Hintergrund ist ein Gesetz, das vor knapp zwei Wochen von der Knesset verabschiedet wurde. Es sieht einen parlamentarischen Ausschuss zur Untersuchung von Finanzquellen linker Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor. Kritiker unterschiedlicher politischer Spektren werten dies als Angriff auf die israelische Demokratie. Jennifer Stange berichtet für den FREITAG und Uri Avnery kommentiert in HAGALIL: "McCarthy in Israel".
Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Am Ende eines viertägigen Filmfestivals namens "Israel im Orient - Orient in Israel" über Menschen mit jüdischen Wurzeln und jüdischem Glauben, die seit der Staatsgründung aus den umliegenden moslemischen Ländern nach Israel gezogen sind, den sogenannten Mizrahim, sollte eine Podiumsdiskussion stehen. Das von der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin veranstaltete Filmfestival sieht sich jedoch plötzlich inmitten einer hitzigen Kontroverse: Ein Brief von 44 jüdischen Intellektuellen und Künstlern kritisiert die Darstellung der Geschichte Israels. Hans-Georg Rodek erläutert in der WELT nähere Einzelheiten: "Wie viel Orient steckt in Israel?".
Der Link zu seinem Bericht in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
In der Gedenkstätte Plötzensee wird nicht nur an hingerichtete Nazi-Gegner erinnert, sondern auch an Schwerkriminelle. Das wundert und irritiert manchen Besucher. Die Forscher sind sich dieses Problems durchaus bewusst, stehen aber vor einem Dilemma, wie Claudia Keller im TAGESSPIEGEL erläutert: "Mörder neben Widerstandskämpfern".
Der Link dazu in der Rubrik VERANGENHEIT...
Saul Friedländer, geboren 1932, darf als einer der bedeutendsten Forscher des Holocaust gelten. Für seine Studie "Das Dritte Reich und die Juden" wurde er etwa mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, weil er darin wissenschaftliche Distanz und Objektivität mit der Sensibilität für das Leiden der Ermordeten und Verfolgten zu verbinden wußte. Im Februar erscheint sein neues Buch "Pius XII. und das Dritte Reich. Eine Dokumentation". Er unterrichtet Geschichte an den Universitäten von Tel Aviv und Los Angeles. In gleich zwei Interviews - in der ZEIT und in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG - erfährt man nun viel über seine Arbeit und seinen Zugang zur Geschichte. Angesprochen auf Raul Hilbergs Pionierwerk "Die Vernichtung der europäischen Juden" aus dem Jahre 1961, sagt Friedländer:
"... Und ich hatte schon damals das Gefühl, das reicht nicht aus, eine Geschichte der Shoah müsste mehr erzählen. Die Juden kamen ja meist nur als Opferzahlen vor. Ich wollte den Ermordeten ihre Stimme zurückgeben."
Aber der Holocaust ist keineswegs das einzige Thema der beiden Interviews. Friedländer äußert sich auch über den umstrittenen Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie oder darüber, was von seinem neuen Buch über Papst Pius XII. zu erwarten ist.
Die Links zu den Interviews in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Eine Reihe von deutschen Sportverbänden macht sich gemeinsam mit mehreren Bundesministerien gegen die Unterwanderung von Sportvereinen durch rechtsextremistische Organisationen stark. Die neue Kampagne soll die Aktionen des DFB, des DOSB und des Bundes gegen Rassismus im Sport vernetzen. Die Kommentatoren in den Zeitungen zeigen sich freilich skeptisch. In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG etwa erinnert Ronny Blaschke an ein kaum ins Bild passenden Vorgang:
"Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde die Internetseite des Projektes "Am Ball bleiben" zum letzten Mal aktualisiert. Drei Jahre lang hatte die Initiative ein Netzwerk gegen Rechtsextremismus im Sport geknüpft. Sie hatte Fortbildungen für Funktionäre organisiert, Broschüren herausgegeben, für lokale Partner geworben. Das Projekt "Am Ball bleiben" beschäftigte einen festen und wenige freie Mitarbeiter, es kostete 100.000Euro im Jahr, wurde zur Hälfte getragen durch das Bundesfamilienministerium und den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Finanzierung der einzigen bundesweiten Anlaufstelle für den Einsatz gegen Rechtsextremismus im Sport wurde nicht verlängert. Trotz einer beachtlichen Aufbauarbeit."
Die Links zum Thema in der Rubrik RECHTSRADIKALISMUS.
Ein österreichischer Verein hat sich zum Ziel gesetzt, junge Juden und junge Muslime zu einem Dialog zusammen zu bringen: die Muslim-Jewish-Conference. Neben einer einmal jährlich stattfindenden Konferenz tauschen sich die Mitglieder über die neuen Medien, insbesondere skype und facebook aus. HAGALIL hat mit dem Generalsekretär des Vereins, Ilja Sichrovsky, gesprochen: "Allen Widerständen zum Trotz: Dialog!"
Der Link zum Gespräch in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
In der israelitischen Kultusgemeinde in Wien gibt es Streit. Die Orthodoxie fühlt sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt, wenn in der Zeitung der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) ein Filmfestival beworben wird, das Beiträge zu Themen wie Homosexualität oder der Beschneidung zeigt. Kürzlich kam es nun zu einer Diskussion zwischen den verschiedenen Fraktionen, über deren Verlauf und Ergebnis die WIENER ZEITUNG und das Internetportal DIE JUEDISCHE berichten: "Eine Frage des Pluralismus".
Die Links dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Chorsingen ist nicht gerade eine jüdische Tradition. Demzufolge gibt es auch eigentlich keine jüdischen Chorlieder, nur jüdische Lieder. Um so bemerkenswerter, dass es in Wien trotzdem einen jüdischen Chor, den "Wiener Jüdischen Chor", gibt, noch dazu zur Gesangsheimat nicht nur vieler Juden, sondenr auch von Nicht-Juden geworden ist. Rosa Lyon porträtiert den Chor im österreichisch-jüdischen Magazin NEWS ÜBER UNS: "Man muss kein Jude sein, um diese Musik zu lieben".
Der Link zum musikalischen Porträt in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Die Traditionsbuchhandlung Hugendubel arbeitet eng mit dem katholischen Weltbild-Konzern zusammen. Nach dem Relaunch des Online-Shops von Hugendubel klagen Mitarbeiter nun darüber, dass viele kirchenkritische Bücher hier nicht mehr zu finden seien, berichtet Stefan Kuzmany in einer Reportage für den SPIEGEL: "Kirchenfreundlicher Buchhandel: Hier spricht der Papst".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
In den USA nehmen die Evangelikalen von je her eine bedeutende Rolle in der Politik ein. Zumeist werden sie jedoch kritisch beäugt und nicht selten als anti-liberale Kraft in der Gesellschaft interpretiert. Um so überraschender, dass die Amerikanerin Marcia Pally die evangelikale Politik in den USA nun als einen entscheidenden Faktor für die Entwicklung des freiheitlichen Gesellschaftssystems in Amerika beschrieben hat. Diese auf den ersten Blick erstaunliche These steht im Mittelpunkt ihres Buches "Die neuen Evangelikalen in den USA", in dem sie "Freiheitsgewinne durch fromme Politik" zu erläutern versucht, wie Mirko Smiljanic in seiner Buchkritik darlegt: "Fromme Politik statt religiöser Rechter".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Die 1970 gegründete und nach dem konservativen Papst Pius X. benannte Vereinigung der Pius-Brüder lehnt alle kirchlichen Reformen und Erneuerungen der letzten Jahrzehnte strikt ab. Insbesondere werden ihr auch antisemitische/antijudaistische Tendenzen zugeschrieben, was spätestens mit der spektakulären Holocaustleugung eines ihrer Bischöfe, Williamson, offenbar wurde. Der Kölner Journalist Günther Bernd Ginzel zeigt nun in einer heute Abend zu sehenden Dokumentation verstörende Einblicke in eine Organisation, die sich der Öffentlichkeit gegenüber bisher sehr verschlossen zeigte: "Revolte gegen Rom. Was bewegt die Piusbrüder?".
Mehr dazu in den FERNSEH-TIPPS.
Einen angenehmen Tag wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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