Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
26.03.2010 - Nr. 1133

ACHTUNG:

Am Montag verabschiedet sich COMPASS mit ONLINE-EXTRA Nr. 115, einem Text von Karl Kardinal Lehmann zum christlich-jüdischen Dialog, in eine kleine Osterpause: Von Dienstag, 30. März bis einschließlich Dienstag, 05. April 2010, erscheint KEIN COMPASS!

Die nächste tagesaktuelle Ausgabe erfolgt am Mittwoch, 07. April 2010.


Guten Tag!

Nr. 1133 - 26. März 2010


Die außenpolitische Isolation Israels wächst von Jahr zu Jahr, nicht erst seit der jüngst umstrittenen Siedlungspolitik. Längst gilt der Judenstaat insgesamt nicht mehr als der kleine, sympathische David, der gegen eine arabische Übermacht ums Überleben kämpft. Stattdessen erscheint Israel als aggressiver Moloch. Der israelische, in Deutschland arbeitende Journalist Gil Yaron versucht in einem Beitrag für den KÖLNER STADTANZEIGER den Gründen dafür auf die Spur zu kommen. Eine Ursache sieht er in unterschiedlichen Konsequenzen, die man in Europa und in Israel aus der Erfahrung des Holocaust gezogen hat:
"... Manche Israelkritiker erwarten ein besonders moralisches Verhalten, als sei Auschwitz eine Besserungsanstalt gewesen. Aber Israel hat eigene Schlussfolgerungen aus der Schoa und dem Zweiten Weltkrieg gezogen. In Europa hat man nach der Katastrophe und dem Zivilisationsbruch endgültig der Gewalt abgeschworen. Nur wenn man im Rahmen internationalen Rechts und im Verbund mit anderen Staaten agiert, können Frieden und Wohlstand gewährleistet werden. Israel zog hingegen eine andere Konsequenz: Nur Stärke und die Bereitschaft, eigenständig zu agieren, sichern das eigene Überleben. Beide Schlussfolgerungen sind logisch, aber konträr."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Gut ein Jahr nach der Bildung einer Koalition aus Likud-Block, Arbeitspartei und religiösen Parteien herrscht in Israel große Unzufriedenheit mit der Arbeit der Regierung. Die Gründe: zu wenige Ergebnisse und zu viele Zugeständnisse an kleine, vor allem religiöse Interessengruppen. Oliver Eberhardt schildert in NEUES DEUTSCHLAND, wie Israels Mehrheit sich von der religiösen Minderheit dominiert sieht: "Netanjahu verliert auch im eigenen Land".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Der israelischer Integrationsminister Avishay Braverman sieht in der Gleichberechtigung der Araber und der Schaffung eines Palästinenserstaates die Zukunft seines Landes. Braverman ist als Integrationsminister in der Regierung von Benjamin Netanjahu für die Gleichstellung der heute etwa 1,2 Millionen arabischen Israelis zuständig, die 1948 im israelischen Staatsgebiet lebten und ein Fünftel der israelischen Bevölkerung ausmachen, aber fortgesetzte Diskriminierung beklagen. Im TAGESSPIEGEL porträtiert Andrea Nüsse den Innenminister und im DEUTSCHLANDRADIO ist ein Interview mit ihm zu lesen: "Wir müssen die arabischen Israelis umarmen".
Die Links zu Porträt und Interview in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Unverständnis hat die Praxis des Ordnungsamtes der Stadt Kassel ausgelöst, an Informationsständen in der Innenstadt keine israelische Fahnen zuzulassen. Kritik daran hat u.a. das Bündnis gegen Antisemitismus (BgA) geübt, nachdem der Vereinigung am vergangenen Wochenende verboten worden war, die israelische Flagge an ihrem Stand anzubringen. Nach den Protesten, die auch aus dem Ausland in Kassel eintrafen, hat das Ordnungsamt das Verbot wieder aufgehoben, wie Claas Michaelis in der HESSISCHEN-NIEDERSÄCHSISCHEN ALLGEMEINEN berichtet: "Stadt erlaubt Fahnen".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sprach mit Beate Klarsfeld über ihre berühmte Ohrfeige, die sie 1968 dem damaligen Kanzler Kurt Georg Kiesinger verpasste, und warum sie in Deutschland fast ausschließlich für diese Tat bekannt ist, ihre Arbeit als Nazi-Jägerin aber, die NS-Verbrecher bis in die Anden verfolgte, weitgehend ignoriert wird. Für den Bundesverdienstorden wurde sie beispielsweise nach ihrer Wanderausstellung "Sonderzüge in den Tod", die in Deutschland eine heftige Kontroverse auslöste, zweimal vorgeschlagen und zweimal abgelehnt. In Frankreich ist Klarsfeld hingegen bereits mehrfach geehrt worden. Neben dem Interview stellt die FRANKFURTER RUNDSCHAU auf gleicher Seite auch ein Faksimile eines Aufsatzes von Klarsfeld aus dem Jahre 1969 online: "Kurt Georg Kiesinger und die Endlösung". Und in einem zweiten Interview, diesmal mit dem DEUTSCHLANDRADIO kommentiert sie die Verurteilung des SS-Mannes Heinrich Boere, der wegen mehrerer Morde im Jahr 1944 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Die Links zu den Interviews in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Ostern steht vor der Tür – historisch betrachtet keine gute Zeit für Juden, denn es ist die Hochzeit des christlichen Judenhasses gewesen, der sich seit Jahrhunderten in Pogromen gegen Juden äußerte. Vor allem Ritualmordlegenden waren oft Vorwand für Übergriffe. Ramona Ambs gibt für HAGALIL einen Überblick: "Immer wieder zu Ostern: Ritualmordlegenden und Talmudlügen".
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Dem Ruhrgebiet steht ein turbulenter Wochenausklang bevor. Die vielfach als rechtsradikal eingestufte "Bürgerbewegung Pro NRW" und die NPD kündigen Demonstrationen an und wollen sich just vor Moscheen treffen, wie Frank Jansen im TAGESSPIEGEL berichtet. Die Situation scheint so erhitzt, dass selbst die Kirchen nun ein gemeinsames "Wort zum Zusammenleben der Religionen" veröffentlichten.
Die Links zum Bericht und zum Wortlaut der kirchlichen Erklärung in der Rubrik ANTISEMITISMUS/RECHTSRADIKALISMUS.

Das Internet etabliert sich als virtueller Friedhof. Immer mehr Hinterbliebene errichten dort ihren Verstorbenen ein digitales Denkmal. Manchmal missbrauchen Suizid-Gefährdete die Portale aber auch als öffentliche Bühne für ihren Selbstmord. Antje Hildebrandt hat sich für den RHEINISCHEN MERKUR genauer mit dem virutellen Trauerkult in neuer Gestalt befasst: "Letzte Ruhestätte 2.0".
Der Link zu ihren Ergebnissen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Die verschiedenen Religionen auf der Welt verlangen als Antwort verschiedene christliche Theologien. Das ist die zentrale Forderung von Francis Tiso, lange Jahre Beauftragter für den interreligiösen Dialog der US-amerikanischen Bischofskonferenz. Am Rande einer Veranstaltung an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom erklärte er gegenüber RADIO VATIKAN, warum jede Religion mit einer spezifischen Antwort seitens des Christentums bedacht werden sollte: "Jeder Religion ihre eigene christliche Theologie".
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Der Niederländer Geert Wilders hat sich mit seinen harschen Aussagen gegen den Islam und besonders mit seinem Film „Fitna“, in dem er Suren des Korans mit Bildern von Terrorszenen und Aussagen fanatischer Moslems kombinierte, bedrohliche Feinde gemacht. In einem langen Interview mit dem österreichischen Magazin PROFIL spricht der radikale Islamkritiker und Parteichef der niederländischen Partei für die Freiheit über die größte Seuche Europas, ein Verbot des Korans und über seine seit Jahrzehnten blondierten Haare: „Man liebt mich, oder man hasst mich“.
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Nelly Sachs war die erste deutschsprachige Literatur-Nobelpreisträgerin - nun würdigt eine neue Wanderausstellung das Leben und Schaffen der jüdischen Lyrikerin. Anlässlich ihres 40. Todestages zeigt das Jüdische Museum Berlin Schriftstücke, Bücher und persönliche Gegenstände von Nelly Sachs. Außerdem: Mit einer umfassenden Werkausgabe ehrt der Suhrkamp Verlag die Dichterin. Ihr gelang das Schwierigste: die Verwandlung des Grauenhaften und des Leidens in Poesie, meint Renate Wiggershaus, die das Gesamtwerk in der FRANKFURTER RUNDSCHAU vorstellt.
Links zum Thema in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der Ferienort Miramar an der argentinischen Küste entpuppt sich immer mehr als jüdisches Ferienparadies. Zahlreiche Hotels melden in den Monaten Januar und Februar bis zu 85 Prozent jüdische Gäste. Dabei gebe es, so der Volksmund, zwei Arten von religiösen Menschen in der argentinischen Ortschaft Miramar: Die Surfer, die für die fantastischen Wellen beten, für welche Miramar berühmt ist, und die Juden, die im Sommer hier eintreffen und aus Miramar so etwas wie ein Stetl machen. Eine Kombination aus beidem stellen die jüdischen Surfer dar, erzählt Diego Melamed in seiner Reportage für die schweizer-jüdische Wochenzeitung TACHLES: "Jüdische 'Ehrenbürger'"
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der Hirtenbrief Papst Benedikts XVI. an die irischen Katholiken hat nicht nur in Irland Unmut ausgelöst. Der Versuch, den klerikalen Missbrauch in Irland und seine systematische Vertuschung als singuläre Abirrung darzustellen, wird durch die Tatsachen nicht gestützt und dient vielmehr dem Selbstschutz des Vatikans, urteilt Martin Alioth, der sich in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG  mit der nahezu einzigartigen Stellung der katholischen Kirche in Irland befasst: "Die tote Hand der Kirche".
Der Link zu seinem Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Monika Renz ist Psychologin und Theologin, hat in beiden Fächern promoviert und leitet seit 1998 die Psycho-Onkologische Station des Kantonsspitals St. Gallen in der Schweiz. Ihr jüngst erschienes Buch "Grenzerfahrung Gott" ist die überarbeitete Neuauflage der Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das sie von 2000 bis 2003 an 251 sterbenskranken Krebspatienten durchführte und die Erkundung der spirituellen Empfindungen von Sterbenden zum Ziel hatte. Andreas Malessa stellt das Buch im DEUTSCHLANDRADIO näher vor: "Grenzerfahrung Gott".
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende, Gut Schabbes
und allen jüdischen Leser/innen: Chag Pessach Sameach!
wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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