Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
17.03.2010 - Nr. 1130

Guten Tag!

Nr. 1130 - 17. März 2010


Der US-Gesandte George Mitchell verschiebt seine Nahost-Reise - und zwar als Reaktion auf den Siedlungsbau Israels. Es ist offenbar ein weiterer Tiefpunkt in den Beziehungen der beiden Länder. Die Analyse des derzeit angespannten Verhältnisses zwischen den zwei Verbündeten ist Gegenstand vieler Berichte und Analysen in den Medien. Mittlerweile spaltet der Streit selbst den US-Kongress: Am Montagabend kritisierten einige Abgeordnete die harschen Töne der Regierung von Präsident Barack Obama gegenüber Israel. Freilich hat es auch schon früher US-israelische Verstimmungen gegeben - und sie wurden stets relativ rasch beigelegt, wie etwa Gudrun Harrer in ihrem Überlick im österreichischen STANDARD deutlich macht.
Die Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Unterdessen ist es im arabischen Ostjerusalem erneut zu Ausschreitungen gekommen.Palästinenser warfen Steine auf die Sicherheitskräfte und zündeten Mülltonnen und Autoreifen an.Mehr als 30 Palästinenser wurden festgenommen, etwa 40 der Protestler erlitten leichte Verletzungen. Auslöser der Unruhen war die Wiedereinweihung der alten Hurva-Synagoge im jüdischen Viertel der Altstadt. Elisabeth Hausen widmet sich in ISRAELNETZ just jener neu eingeweihten Hurva-Synagoge im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt, 62 Jahre nach ihrer Zerstörung durch die jordanische Armee. Das Gotteshaus befindet sich im jüdischen Viertel, etwa 330 Meter vom Tempelberg entfernt. Ihr Name bedeutet übersetzt: "Ruine".
Die Links zum Thema in den Rubriken ISRAEL UND NAHOST AKTUELL sowie ISRAEL INTERN.

Die britische Filmerin Sarah Wood macht seit zehn Jahren Experimentalfilme. Ende 2009 stellte sie beispielsweise ihren Film "For Cultural Purposes Only" für die Internetplattform "Animate Projects" des Britischen TV-Senders Channel 4 fertig. Seit geraumer Zeit nun versucht sie die Geschichte des palästinensischen Filmarchivs zu rekonstruieren. Das Palästinensische Filmarchiv sammelte während seines Bestehens mehr als 100 Filme, von denen eine Handvoll erhalten sind. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU unterhielt sich mit der Filmfrau: "Die Abwesenheit der Bilder".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Die israelische Bestseller-Autorin Mira Magén überschreitet mit ihren Büchern oft konventionelle Grenzen. In ihrem letzten Buch "Die Zeit wird es zeigen" wirft sie anhand des Schicksals einer Familie, die ein behindertes Kind bekommt, heutige Fragen des Glaubens auf. Zurzeit ist die Autorin Lesereise in Deutschland, was DEUTSCHLANDRADIO zu einem Gespräch mit ihr und für eine Rezension ihres jüngsten Buches nutzte: "Schriftsteller sind Miniaturausgaben von Gott".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT und zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Heute abend wird auf Arte ein außergewöhnliches Dokument zu sehen sein: Es sind nicht verwendete Teile aus den Gesprächen, die Claude Lanzmann 1978 über zwei Tage hinweg für seinen Film "Shoah" (1985) mit dem polnischen Widerstandskämpfer Jan Karski in Washington geführt hatte. Karski hatte seinerzeit die Alliierten über die Verbrechen an den Juden informiert. 2009 veröffentlichte Yannick Haenel ein Buch unter dem Titel "Jan Karski". Lanzmann protestierte vehement gegen Haenels romanhafte Interpretation von Karskis Gespräch mit Roosevelt im dritten Teil des Buches und beschloss, eine Dokumentation auf der Grundlage seiner Gespräche mit Karski zu erstellen. Das Ergebnis kann man heute abend im TV sehen - und Johannes Wetzel erzählt in der WELT noch etwas mehr über die Hintergründe dieser Dokumentation: "Augenzeuge der Shoah".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT... und weitere Infos zur Ausstrahlung der Doku in der Rubrik FERNSEH-TIPPS.

Wenn sich Aron auf dem Heimweg von der Synagoge seinem Kopenhagener Wohnviertel nähert, nimmt er die Kippa ab. Auf Nørrebro, wo die Mehrheit der Bewohner muslimische Zuwanderer sind, muss niemand wissen, dass er Jude ist. Norwegische Schüler bekommen gelbe Sterne auf den Rücken geklebt, ohne dass Lehrer eingreifen. 2009 sind aus Malmö 30 jüdische Familien ausgewandert, weil ihnen die Schikanen zu viel wurden. In Skandinavien beklagen jüdische Gemeinden Übergriffe. Die Verantwortlichen ignorierten dies, wie Hannes Gamillscheg in seiner Reportage für die FRANKFURTER RUNDSCHAU schildert: "Gelbe Sterne auf den Rücken. Judenhass in Skandinavien".
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Die Greifswalder Universität wird nicht länger den Namen des deutschen Freiheitskämpfers Ernst Moritz Arndt tragen. Der Grund ist dessen antisemitische Haltung. Die Umbenennung ist richtig – wenn sie zu einer Debatte anstößt, meint Markus Schwering in einem Beitrag für den KÖLNER STADTANZEIGER: "Von Patrioten und Antisemiten".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Noch ist nicht klar, ob die im Koordinierungsrat der Muslime (KRM) zusammengeschlossenen Verbände an der Deutschen Islamkonferenz teilnehmen werden, die Verbände haben ihre Entscheidung auf diesen Freitag vertagt. Möglich, so wird spekuliert, dass mit dieser Entscheidung, die geplante Fortführung der Islamkonferenz ins Wasser fällt. Der Tisch wackelt jedenfalls. In der mit allerhand Mutmaßungen, Verdächtigungen und Irritationen angefüllten öffentlichen Auseinandersetzung zum Fall Islam und Islamkonferenz serviert Necla Kelek nun zwei Vorschläge, die es in sich haben, berichtet Thomas Pany in seinem Beitrag für TELEPOLIS: "Wie sieht 'zeitgemäßer Islam' in Deutschland aus?". Und der Artikel von Kelek in der FAZ, auf den Pany sich bezieht, ist ebenfalls online zu lesen: "Wer schützt die Muslime?"
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Berlin ist «meschugge», ein bisschen verrückt also. Das sagt der DJ Aviv Netter. Mädchen tanzen zu seiner Musik unter Fähnchen mit Davidstern und siebenarmigem Leuchter durch die Nacht. Auf ihren T-Shirts steht «Ich bin koscher - küss mich», mancher Junge trägt Kippa zur Baggy-Hose. «Wir sind fröhlich, laut und zufrieden mit dem, was wir haben», sagt Netter. Berlins jüdische Party- und Kulturszene boomt, denn eine neue Generation Juden in Deutschland gibt ihr ein attraktives Gesicht, meint Simone Andrea Mayer in ihrer Reportage für das Portal EVANGELISCH.DE: "Die neue Generation: Jung, jüdisch und Berliner".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Die "JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG" bewegt sich: Chefredakteur Christian Böhme hat den Online-Auftritt seiner Wochenzeitung einem Relaunch unterzogen. Die Website des Berliner Titels wird jetzt sogar täglich bestückt. Neben den großen Geschichten der Print-Ausgabe gibt es seit vergangenem Donnerstag tagesaktuelle Blogeinträge aus Berlin, New York und Tel Aviv. "Unserer Seite soll ab jetzt immer in Bewegung sein", erklärt der ehemalige Tagespiegel-Redakteur Böhme gegenüber dem Medieninformationsportal MEEDIA. Und "im Großen gut" befindet auch Johannes Boie in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG den neuen Web-Auftritt der Zeitung.
Die Links zu den Berichten in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Und - zumindest für COMPASS und seine Leserinnen und Leser - ist das Beste, dass viele der Artikel frei zugänglich sein sollen. COMPASS freut sich - und wird Ihnen künftig die Perlen gerne heraussuchen.

Der ungarisch-jüdische Autor György Dalos, 1943 geboren, wird dieser Tage mit dem "Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung" ausgezeichnet. Dalos ist kein normaler Dissident. Zum einen, weil er jüdischer Herkunft ist, zum anderen, weil er nicht vergessen hat, einmal überzeugter Kommunist gewesen zu sein. Sein Vater, im 2. Weltkrieg als Jude zwangsrekrutiert, starb 1945 an Tuberkulose. „Ich komme aus einer zusammengeschrumpften Familie mit vielen toten Verwandten“, sagt Dalos. „Judentum war in meinem Leben zunächst ein enormes Wissen über solche Geschichten.“ Bis er zwölf war, wuchs er in verschiedenen jüdischen Internaten auf, wurde religiös erzogen und lernte Hebräisch. „Als ich Atheist wurde, habe ich von meinem jüdischen Gott Abschied genommen. Ich habe aber keinen Augenblick meines Lebens vergessen, dass ich jüdischer Abstammung bin.“ Jörg Magenau hat den Autor für den TAGESSPIEGEL besucht und mit ihm gesprochen: „Ich war dem System dankbar“.
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

In Texas wollen fundamentalistische Christen die Lehrpläne revidieren, berichtet Ansgar Graw in der WELT. Ihr Ziel: Angeblich linke Lehren aus den Schulbüchern zu tilgen. So soll Ronald Reagan besser wegkommen. Den Hip-Hop, eine Jugendkultur der Schwarzen, wollen die Konservativen auch nicht mehr als kulturelle Entwicklung gewürdigt wissen.
Der Link zu seiner Reportage in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Der Weg zur Umkehr führt über die Reue: Nach den Missbrauchsfällen in der Kirche wäre es an der Zeit für ein mea culpa des ehemaligen Erzbischofs Ratzinger. Dieser bereits andernorts zu hörenden Forderung hat sich nun auch der vom Vatikan gemaßregelte katholische Theologe Hans Küng angeschlossen, wie seiner Stellungnahme zu den Diskussionen um Papst und Mißbrauch in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu entnehmen ist: "Ratzingers Verantwortung".
Der Link dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

„In ruhigem gleichmäßigem Schritt, eine ungeheure rote Fahne voran, kommt eine Abteilung Reiter vom Bahnhof herunter.“ In einem Roman, der „Die Gehetzten“ heißt, kann ein solcher scheinbar gelassener erster Satz nur etwas Entsetzliches ankündigen, schreibt Jochen Jung in seiner Buchbesprechung des Romans von Michel Mateev im DEUTSCHLANDRADIO. Und weiter heißt es: "In diesem Fall ein wahnwitziges Strafgericht, das über Menschen abgehalten wird, deren Verbrechen es ist, Juden zu sein. Es ist der Beginn eines der zahlreichen Pogrome, denen die Juden im europäischen Osten ausgeliefert waren, hier 1919 in den Wirren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Russland. Und es ist der Beginn eines Romans, der eine einzige Leidensgeschichte schildert und den man doch nicht aus der Hand legen mag, ehe man an sein tristes Ende gelangt ist. Dieses Buch und sein Autor sind eine Entdeckung, für die man nur dankbar sein kann."
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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