Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
17.02.2010 - Nr. 1118

ACHTUNG:

Morgen, Donnerstag 18 Februar 2010, erscheint KEIN COMPASS!

Die nächste tagesaktuelle Ausgabe erfolgt am Freitag,  19. Februar 2010.


Guten Tag!

Nr. 1118 - 09. Februar 2010


Die Geschichte könnte gut und gern an einen Agentenfilm erinnern: Ein internationales Killerkommando hat offenbar ein hochrangiges Mitglied der Hamas in einem Hotel in Dubai getötet. Hinter dem Mord soll der israelische Geheimdienst Mossad stecken, wie einigen Zeitungsberichten zu entnehmen ist. Anhand von Video-Aufnahmen aus dem Hotel lässt sich die Tat sogar recht gut rekonstruieren.
Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Das Durcheinander vor dem Damaskustor, dem mit Zinnen verzierten Prunkeingang zur Jerusalemer Altstadt, hat etwas Malerisches. Auch im Torbogen selbst setzt es sich fort, dort liegen winzige Läden eng nebeneinander. Bei einem davon, einer winzigen Geldwechselstube, dachte der Eigentümer, er habe damit eine Goldgrube gefunden. Doch jetzt sind die metallenen Rollläden seit einem Jahr heruntergelassen. Ali Al-Kurds Geldwechselstube, genannt "Al Hadi Money-Change", ist geschlossen. Das Geschäft von kaum mehr als zehn Quadratmeter Fläche ist dennoch ein begehrtes Objekt, um das ein regelrechter Kampf entbrannt ist. Angeblich haben jüdische Siedler Millionen für den Kiosk geboten. Inge Günther berichtet für die BERLINER ZEITUNG über den "Immobilienpoker am Damaskustor".
Der Link zu ihrer Reportage in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Der Weg hinauf ist steil und schmutzig. Müll türmt sich in den engen Gassen; aus dunklen Verschlägen gackern Hühner, blöken Schafe, meckern Ziegen. Die Häuser von Silwan sind oft nur zur Hälfte fertig gebaut und doch schon halb verfallen. Das Dorf ist zwar ein Teil von Jerusalem, nur einen Steinwurf weg von der Altstadt, doch vom Glanz der Heiligkeit ist es weit entfernt. In einem der Häuser leben 45 jüdische Siedler inmitten von Hunderttausenden Arabern - eine Provokation, die nun beendet werden soll, wie Peter Münch in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG berichtet: "'Wir sind umringt von Feinden'".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Am vergangenen Montag wäre Irena Sendler 100 Jahre alt geworden. Die 2008 verstorbene Krankenschwester rettete tausende Kinder aus dem Warschauer Ghetto und war so etwas wie Oskar Schindlers Schwester im Geiste. Sie organisierte die Kindersektion des Rats für die Unterstützung der Juden (Zegota), der 1942 gegründet wurde, um Juden vor den deutschen Besatzern zu retten. Als Krankenschwester für Epidemiekontrolle verschaffte sich Sendler Zugang zum Warschauer Ghetto und schmuggelte zusammen mit Helfern 2.500 jüdische Kinder aus dem Ghetto, um sie in polnischen Familien, Klöstern und Waisenhäusern unterzubringen. Über Kontakte erhielten die Kinder falsche Papiere. Die echten Namen der Kinder hielt sie auf einer Überlebensliste fest, die sie in eine Glasflasche steckte und vergrub. Agnes Steinbauer erinnert in einem Beitrag für DEUTSCHLANDRADIO an die mutige Frau - und in der TAZ erzählt sie von zwei Berliner Schülerinnen, die Irena Sendler auf ganz besondere Weise für sich entedeckten: "Mutter der Holocaust-Kinder".
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Die Milliarden-Sammelklage gegen die ungarische Staatsbahn MÁV wegen deren Beteiligung an der Deportation der ungarischen Juden 1944, die vor einigen Tagen in den USA bei einem Gericht in Illinois zugelassen worden ist, führt zu Diskussionen in der ungarischen Öffentlichkeit. Während sich die Bahn selbst noch bedeckt hält und behauptet, man habe davon überhaupt erst in den Medien gehört, nimmt sogar die jüdische Gemeinde die Bahn in Schutz. Die Kläger drücken sich jedoch deutlich aus: die MÁV habe aktiv die Deportation organisiert, Bahnangestellte haben gemordet. Die ungarisch-deutschsprachige Zeitung PESTER LLOYD schildert Details der Klage gegen die ungarische Staatsbahn: "Sie wussten, was sie taten".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Kann man Antisemitismus und „Islamophobie“ gleichsetzen? Gibt es Gemeinsamkeiten bei der Feindschaft gegen Juden und Muslime? Oder verharmlosen Verweise darauf die Besonderheiten des Antisemitismus? Verbindet sich hiermit die Relativierung eines im Holocaust mündenden Denkens? Über diese Fragen wird seit einiger Zeit in den Feuilletons und auf Konferenzen heftig gestritten. In einem Essay für den HUMANISTISCHEN PRESSEDIENST versucht Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, Politikwissenschaftler und Soziologe in Bonn, etwas Ordnung in diese Fragen zu bringen und plädiert für "Differenzierung in der Vorurteilsforschung".
Der Link zu seinem Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Das Forum tobt. „Fettes, hässliches Schwein“, „Verräter“, „Medienhure“ schreiben Nutzer mit martialischen Namen wie „Norddonner“ oder „WW-Terrorcrew“. Ihr Hass richtet sich gegen Frank Försterling, der vor kurzem aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen ist. Jetzt diskutieren sie im „Thiazi“-Forum über Konsequenzen. Das Forum, das seinen Namen von einer Heldenfigur aus der germanischen Mythologie ableitet, ist der einflussreichste deutschsprachige Tummelplatz für Neonazis und Nationalisten im Internet. Christoph Gunkel stellt es in der FAZ genauer vor: „Freund der Germanen“ in der „Reichshauptstadt“.
Der Link dazu in der Rubrik RECHTSRADIKALISMUS.

Mit dem heutigen Aschermittwoch findet die närrische Zeit ihre Ende und die Zeit des Fastens in den christlichen Gemeinden ihren Anfang. Fastenzeiten haben eine lange Tradition  und sind keineswegs nur im Christentum, sondern auch im Judentum, Islam und weiteren Religionen zu finden. Judith Kubitschek gibt ein einem kleinen Beitraf für EPD einen Überblick: "Verzichten, um zu gewinnen - Warum Juden, Christen und Muslime fasten".
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Woher kommt die Moral, woher die Sünde? Viele Wissenschaftler glauben, dass unsere Wertvorstellungen auf die Prozesse natürlicher Auslese zurückzuführen sind. Doch Theologen bestreiten das - für sie ist der Glaube nicht allein durch Evolution zu erklären. Holger Dambeck stellt in einem Beitrag für den SPIEGEL die verschiedenen Positionen näher vor: "Wie die Sünde in die Welt kam".
Der Link zur Antwort in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

In der TAZ beklagt Hilal Sezgin, dass die deutschen Muslime sehr viel weiter seien, als es eine "pauschale Islamkritik suggeriert" und charakterisiert zu Beginn ihres Essays die Verwerfungen, die sich in der Debatte jüngst eingestellt haben:
"In der Debatte über den Islam in Europa und eine pauschalisierende 'Islamkritik', die vom Schock übers Schweizer Minarettverbot angestoßen und in allen deutschen Zeitungen geführt wurde, bilden sich die sonderbarsten Fronten. Manchmal fragt man sich, wie sich die Feuilletonlandschaft davon je wieder erholen soll: Kollegen, die einander jahrelang kannten und bisher glaubten, dass sie ungefähr dieselben freiheitlich-demokratischen Grundüberzeugungen teilten, finden sich plötzlich auf verschiedenen Seiten wieder. In manchen Zeitungen geht der Riss quer durch die Redaktion - in einer Ausgabe kritisiert jemand eine bestimmte Form der "Islamkritik" als rassistisch, tags darauf schreibt sein Kollege dagegen an."
Der Link zu ihrem Beitrag - "Der Hass der Anderen" - in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Der angekündigte Rückzug von Charlotte Knobloch aus dem Zentralrat der Juden ist keine entscheidende Zäsur, meint Rabbiner Walter Homolka, Leiter des Abraham-Geiger-Kollegs an der Uni Potsdam, das Rabbiner und Kantoren ausbildet. Im Interview mit der BERLINER ZEITUNG weist er auf andere Herausforderungen für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland hin:
"Ich würde diese Zäsur nicht überschätzen. Die wirkliche Zäsur war die Zuwanderung, die vor 20 Jahren begann. Damals ist aus einer rückwärtsgewandten Gemeinschaft, die im Begriff war zu verschwinden, eine anwachsende Gemeinschaft geworden, die nach vorne blickt. Dass irgendwann ein Generationswechsel im Zentralrat kommt, war klar, und es ist auch nicht überraschend, dass er bei dem Lebensalter von Frau Knobloch im Herbst kommt."
Der Link zum vollständigen Interview in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Mit 1,5 Millionen Euro Fördermittel der Europäischen Union (EU) kann die 'Judaica Europeana' ihre Arbeit beginnen: Zehn Institutionen in Frankfurt, London, Athen, Bologna, Budapest, Paris, Rom und Warschau arbeiten Hand in Hand und bieten weltweit einen Zugang zu den jüdischen Kulturgütern Europas an. Die Judaica-Sammlung der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, die europaweit bisher schon die größten Bestände gesammelt und seit 1998 digitalisiert hat, wird die Leitung dieses Projekts übernehmen, über das der INFORMATIONSDIENST WISSENSCHAFT informiert: "Judaica Europeana".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Wie stets erhält die Berlinale auch in diesem Jahr viel Aufmerksamkeit und ist gut besucht. Alle Jahre wieder aber kann auch das New York Jewish Film Festival mit einem zahlreichen und engagierten Publikum rechnen, ist die Stadt doch Heimat der grössten jüdischen Gemeinde ausserhalb Israels. In seiner 19. Ausgabe präsentierte das Festival, das Ende Januar zu Ende ging, ein gut sortiertes Programm von 32 Beiträgen aus 13 Ländern, das sowohl Spielfilme bot wie Dokumentationen oder Kurzfilme. Monica Strauss gibt in der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES einen Überblick: "Existenzialisten und Charedim".
Der Link zu ihrer Reportage in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der Augsburger Bischof Mixa hat mit seinen Äußerungen zum Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Selbst Kirchenorganisationen gehen auf Distanz und sprechen von einer "Verhöhnung der Opfer". Mixa hatte in einem Interview der sexuellen Revolution der 68er Generation eine Mitschuld am Kindesmissbrauch in katholischen Einrichtungen zugewiesen, wie die Zeitungen berichten. Dem gegenüber betont etwa im Interview mit dem TAGESSPIEGEL der katholische Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann: "Katholische Sexualmoral ist repressiv".
Links zum Thema in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Im NEUEN DEUTSCHLAND bespricht Roland Etzel ein kürzlich erschienenes Buch, das einem immer kontroverser diskutierten Thema gewidmet ist und sich im Titel des Buches niederschlägt: "Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahostkonflikt". Interessant an dem Buch ist vor allem, dass sein Autor der außenpolitische Sprecher der LINKEN im Deutschen Bundestag, Wolfgang Gehrcke, ist und seine beiden Koautoren die Bundestags-Mitarbeiter Jutta von Freyberg und Harri Grünberg.
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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