Guten Tag!
In einer - zumindestens rhetorischen - Kehrtwende seiner Politik hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erstmals unter Auflagen der Gründung eines Palästinenserstaates zugestimmt. Ein solcher Staat müsse entmilitarisiert sein und Israel müsse internationale Sicherheitsgarantien erhalten, sagte Netanjahu am Sonntag während einer außenpolitischen Grundsatzrede in der Bar-Ilan-Universität bei Tel Aviv. Die Grundsatzrede ist auf gemischte Reaktionen gestoßen. US-Präsident Barack Obama begrüßte Netanjahus Zustimmung zur Einrichtung eines Palästinenserstaates als «wichtigen Schritt vorwärts». Die Palästinenser reagierten dagegen negativ. Sie warfen Netanjahu vor, er habe zentrale Streitpunkte bereits einseitig entschieden. Netanjahu habe auch keine Bereitschaft gezeigt, die US- Forderung nach einem vollständigen Siedlungsstopp anzunehmen.
Aktuelle Links zum Thema in den Rubriken ISRAEL UND NAHOST AKTUELL sowie ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
"Seit 42 Jahren sind wir die brutalen Besatzer und Unterdrücker eines Landes, das uns nicht gehört. Müssen wir denn wirklich zu räuberischen Kosaken werden, Bäume und Felder zerstören, Frauen, Kinder und Alte drangsalieren, um unsere eigene Freiheit zu verteidigen?"
Diese harten Worte stammen aus der Feder von Shulamit Aloni, die sich in einem Beitrag, der in der FRANKFURTER RUNDSCHAU zu lesen ist, mit dem religiösen Fanatismus der Siedler und dem israelischen Status als Besatzermacht auseinandersetzt. Aloni kam 1928 in Tel Aviv als Kind polnischer Einwanderer zur Welt. Früh trat die Rechtsanwältin der jüdischen Selbstschutzorganisation Hagana bei. Sie kämpfte im Unabhängigkeitskrieg und war später Erziehungsministerin im Kabinett Rabin. 1996 zog sie sich aus der Parteipolitik zurück, setzt sich seitdem für einen Dialog mit den Palästinensern und die Rückgabe besetzter Gebiete ein und kämpft für einen säkularen Staat Israel.
Der Link zu ihrem Artikel in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Der Tel Aviver Meir Park leuchtete in den Farben des Regenbogens: Schwule Paare schlenderten Händchen haltend die schattige Allee entlang, aus den Lautsprechern schepperten die "Pet Shop Boys", zwei Drag Queens stolzierten in schillernden Paillettentops auf Plateauschuhen über die Wiese. Dort, wo sonst tagsüber junge Mütter mit Kinderwägen die Parkbänke besetzen, feierte Tel Aviv am Freitag die "Gay Pride Parade" - und mit ihr seine homosexuelle Community. Gilt die Stadt an der Mittelmeerküste doch seit Jahren als die Schwulenmetropole des Nahen Ostens. Sandra Fejjeri war mit dabei und schildert in der FRANKFURTER RUNDSCHAU ihre Eindrücke: "Die weiße Stadt trägt Pink".
In der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES hingegen greift Shlomo Shamir einen historisch interessanten, gleichwohl weitgehend verdrängten Aspekt der hundertjährigen Geschichte Tel-Avis auf: Während fast einem halben Jahrhundert war die erste hebräische Stadt des Landes nämlich ein Zentrum der chassidischen Welt, wie er erzählt: "Gur, Wischnitz und Modzitz".
Die Links zu den beiden Beiträgen in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Während die Unruhen im Iran nach der "Wiederwahl" Ahmadinedschads anhalten, ist sicher eine der spannendsten Fragen, wie man in Israel auf den Machterhalt des erklärten Holocaust-Leugners und Israel-Feindes reagiert. Charles A. Landsmann und Inge Günther haben im TAGESSPIEGEL und in der FRANKFURTER RUNDSCHAU israelische Stimmen und Stimmungen eingefangen: "Vertrauter Feind".
Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL, DEUSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
In einem hoch interessanten Beitrag in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG rekapituliert und reflektiert Felix E. Müller die Geschichte und Bedeutung des Holocaust Museums in Washington. Am Anfang stand zunächst die Idee, dort in Washington ein Memorial für die Opfer von Genoziden zu errichten, eine Idee, die durchaus politisch motiviert war: Präsident Carter wollte dadurch seine Öffnung gegenüber arabischen Nationen kompensieren. Erst nach heftigen Auseinandersetzungen wurde aus diesem Plan schliesslich ein Museum für den Holocaust am jüdischen Volk. Noch spannender jedoch ist zweifelsohne die architektonische und gestalterische Konzeption des Museums selbst, das - so Müller - auf christlichen wie jüdischen Traditionen einen amerikanischen Mix "innerweltlicher Transzendenz" darstellt: "Eine nationale jüdische Kathedrale".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Juden-Retter, Rassekundler, Islamist: Als Beduine verkleidet lebte Ludwig Ferdinand Clauß in den zwanziger Jahren unter Nomaden in der jordanischen Wüste. Seither gilt er als Mittler zwischen den Kulturen - doch der Forscher arbeitete auch den Nazis zu, wie Felix Wiedemann in seinem Porträt für den SPIEGEL erzählt: "Der deutsche Scheich".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...
An der Universität Madrid störten linke Gruppen unter »Juden-raus!«-Rufen eine Konferenz mit jüdischen Teilnehmern. Das war nicht der einzige antisemitische Vorfall in Spanien in letzter Zei. Auch spanische Medien arbeiten seit dem Gaza-Krieg zunehmend mit antisemitischen Klischees. Sogar aus dem US-Kongress kam die Forderung an die spanische Regierung, Maßnahmen gegen den Antisemitismus einzuleiten, wie Thorsten Mense in seiner Reportage für die JUNGLE WORLD schildert: "Die Front der Antizionisten".
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
„Ich bin alt, aber nicht fromm geworden“, sagt er, der Sozialphilosoph Jürgen Habermas, der sich gerade in den letzten Jahren vermehrt mit dem Comeback religiöser Fragestellungen auseinandersetzte. Der große und – wie er selbst sagt – „alte“ Mann der deutschen Sozialphilosophie feiert am 18.Juni seinen 80.Geburtstag. In dem im Vorgriff auf seinen Geburtstag erschienenen Interviewband „Über Habermas. Gespräche mit Zeitzeugen“ (Primus Verlag) weist er all jene in die Schranken, die nach seinen jüngsten Annäherungen an Fragen von Religion und Theologie hinter dem früher bekämpften Neomarxisten plötzlich einen altersmilden Kryptokatholiken erkennen wollten. Henning Klingen, promovierter Theologe und Journalist, versucht gleichwohl in einem Beitrag für den RHEINISCHEN MERKUR die Eckpunkte einer politisch-theologischen Biografie der Person Habermas zu entwerfen: "Ein Bewußtsein von dem, was fehlt".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Die biblischen Texte erscheinen in einem anderen Licht, wenn man ihren kulturellen Hintergrund beleuchtet. In den 70er- Jahren des letzten Jahrhunderts fragte die sozialgeschichtliche Bibelauslegung nach den sozialen und historischen Hintergründen biblischer Texte. Ihr jüngstes Kind, die kulturanthropologische Deutung der Bibel, wendet völkerkundliche Methoden an, um herauszufinden, welche kulturellen Voraussetzungen der antiken Mittelmeerwelt in die biblischen Texte eingeflossen sind. Was dies genau für das Textverständnis der Bibel bedeutet, erläutert der Theologe Wolfgang Stegemann, Professor für Neues Testament an der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau, in einem Beitrag für das SONNTAGSBLATT: "Die andere Seite der Bibel".
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
In der FAZ ist die gekürzte, gleichwohl immer noch recht lange Fassung von Necla Keleks Laudatio zum Ludwig-Börne-Preis an Frank Schirrmacher zu lesen. Dabei betont und beschreibt sie ausführlich, dass der Islam seine Aufklärung im europäischen Sinn noch vor sich. Wenn Integration gelingen soll, so die türkischstämmige Sozialwissenschaftlerin, müssen sich seine Prinzipien an den aufgeklärten Bürgerrechten messen lassen: "Wir müssen den Schleier lüften".
Der Link zur Rede in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Juval Porat macht keinen Hehl aus seiner Nervosität. In seinem Blog "juval-online.de" erzählt der angehende Kantor über Vorfreude und Lampenfieber vor seinem Auftritt am Sonntag in Berlin. Dann wird der 30-jährige Sänger im Rahmen eines Konzerts im jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße die letzte Prüfung in seiner Ausbildung zum Vorbeter ablegen. Juval Porat wird dann nämlich der erste in Bundesrepublik ausgebildete jüdische Kantor sein. Und nicht nur das, wie Kerstin Krupp in ihrem Porträt in der BERLINER ZEITUNG verrät: "Der Wegbereiter".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Zwei sehr unterschiedliche Ausstellungen, eine in Genf, eine andere in Berlin, rücken Calvin und den Calvinismus, aus Anlass des 500. Geburtstages des Reformators, in den Blick. Uwe Justus Wenzel hat sich für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG beide Ausstellungen angesehen: "Reformation der Reformation".
Der Link zu seinem Bericht in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
Ben Kiernan, aus Australien stammender, renommierter Historiker, hat einen grossen Wurf über Völkermord in der Weltgeschichte vorgelegt, der alles hat, was ein Standardwerk braucht. Der Gründungsdirektor des «Genocide Studies»-Programms der Yale University arbeitet systematisch die wiederkehrenden Muster und Motive heraus, die in allen Fällen zu beobachten sind: Rassismus und religiöse Vorurteile, die Verklärung der Vergangenheit, Expansionsbestrebungen und nicht zuletzt eine Idealisierung der Beziehung zum Boden, der einer bestimmten Gruppe exklusiv gehören soll. Thomas Speckmann ist in seiner Buchkritik für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG voll des Lobes für das Buch des Historikers, das er als "aufsehenerregende Studie" bezeichnet, die "den historischen Vergleich ohne Scheuklappen wagt".
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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