Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
29.05.2009 - Nr. 1038

Guten Tag!

Nr. 1038 - 29. Mai 2009


Der amerikanische Präsident Barack Obama rückt von der israelischen Regierung ab: Nach einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Donnerstagnachmittag in Washington forderte er abermals den Stopp aller Siedlungsaktivitäten der Israelis in den besetzten Gebieten. Allerdings müssten auch die Palästinenser ihren Verpflichtungen - vor allem nach mehr Sicherheit im Westjordanland - nachkommen, sagte Obama.
Links zu Berichten und Kommentaren sowie Reportagen zum Thema in den Rubriken ISRAEL UND NAHOST AKTUELL sowie ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Auf Antrag der LINKEN müssen Union und SPD heute im Bundestag begründen, warum sie das Thema »NS-Kriegsverräter« im Rechtsausschuss immer wieder von der Tagesordnung nahmen. Noch heute gelten nämlich Opfer der NS-Militärjustiz in der Bundesrepublik als vorbestraft und als Verbrecher. Joachim Gauck, Exchef der Stasi-Unterlagenbehörde, plädiert im Interview mit der TAZ für die Aufhebung dieser NS-Urteile gegen "Kriegsverräter". Der Union, die sich dagegen sperrt, attestiert er "Restbestände unaufgeklärten konservativen Denkens". Dagegen helfe nur geduldige Aufklärung über die historische Wahrheit.
Der Link zum Interview sowie weiteren Beiträgen zum Thema in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Als Hitler 1933 zum Reichskanzler gewählt wurde, führte dies zu einer Spaltung unter den evangelischen Christen. Unter dem Namen "Deutsche Christen" versammelten sich Kirchenmitglieder, die die völkisch-rassische Ideologie in die evangelische Kirche einführen wollten. Aus Protest dagegen gründete sich 1934 die "Bekennende Kirche". Matthias Bertsch erinnert in einem Beitrag für DEUTSCHLANDRADIO an diese Gründung der Bekennenden Kirche: "Ein Windchen Widerstand".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Im Vorfeld der Europa-Wahl rumort es im Nachbarland Österreich. Es scheint, als habe der verstorbene Rechtspopulist Jörg Haider einen würdigen Nachfolger gefunden: Heinz-Christian Strache. Als Christ war der Chef der FPÖ bislang eigentlich noch nicht aufgefallen, aber jetzt zieht er mit gezücktem Kruzifix für ein "Abendland in Christenhand" in den Europawahlkampf und ruft zum Kreuzzug gegen Asylbewerber, die EU und einen Beitritt der Türkei oder Israels. Doch die Slogans der selbsternannten "Kreuzritter" stoßen unterdessen sogar bei der katholischen Kirche auf Protest: Sie wehren sich gegen die Instrumentalisierung des Glaubens für rechtspopulistische Wahlkampfzwecke. Gleichwohl stehen seine Chancen gut, bei der Wahl hervorragend abzuschneiden.
Links zu Berichten und Kommentaren hierzu in der Rubrik ANTISEMITISMUS/RECHTSRADIKALISMUS.

In Ungarn dringen Rechtsradikale an die Macht; Rassismus und Antisemitismus werden von Tag zu Tag salonfähiger. Am 18. April, einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag, erschienen etwa 200 ungarische Neonazis vor der deutschen Botschaft in Budapest und brüllten ihre längst eingeübte Parole: «Am Holocaust ist nichts wahr!» Die mehrheitlich der jüngeren Generation angehörenden Demonstranten waren Mitglieder oder Sympathisanten der sogen. Ungarischen Garde. Ihre Demonstration war ein besorgniserregendes Zeichen dafür, wie sehr Rassismus und Antisemitismus in Ungarn von Tag zu Tag salonfähiger werden, wie Andrea Dunai in ihrer Reportage für die schweizer jüdische Wochenzeitung TACHLES berichtet: "Vorstösse aus dem rechten Milieu".
Wie wenig dieses Phänomen alledings auf Ungarn beschränkt ist, sondern auch in anderen osteuropäischen Ländern vertreten ist, zeigt ein Bericht von Anton Maegerle in dem Magazin BLICK NACH RECHTS. In mehreren osteuropäischen EU-Ländern, so schreibt er, sind rechtslastige beziehungsweise rechtsextreme Parteien auf dem Vormarsch. Sie hetzen gegen Minderheiten wie Roma und Juden, agitieren gegen Homosexuelle und zeichnen sich durch chauvinistische Machtansprüche aus. Maegerle skizziert in seinem Beitrag Beispiele aus Bulgarien, Lettland, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien und Ungarn.
Die Links zu den beiden Beiträgen in der Rubrik ANTISEMITISMUS/RECHTSRADIKALISMUS.

In München konnte man kürzlich an einem Abend anhand zweier Vorträge eine interessante Begegnung zwischen Muslimen und Juden beobachten. Zum einen war da Jacob Finci, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Sarajewo, seit kurzem Botschafter des Staates Bosnien-Herzegowina in der Schweiz, ein Versöhner, der für die Kooperation mit dem Islam wirbt. Und zum anderen Necla Kelek, in Istanbul geboren und in Deutschland aufgewachsen, Soziologin, ist eine sprachgewaltige Islamkritikerin. Monika Maier-Albang hat für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG beide Vorträge, die das schwierige Verhältnis der Religionen beleuchtete, verfolgt: "Kleine Schritte der Annäherung".
Der Link zu ihrem Bericht in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Seit 30 Jahren lehrt der türkische Prediger Fethullah Gülen, dass Muslime die Moderne annehmen, sich bilden und gleichzeitig fromm bleiben sollen. Inzwischen gibt es rund 150 Nachhilfe-Institute und zwölf Schulen in Deutschland, die der Gülen-Bewegung nahestehen. Claudia Keller und Thomas Seibert stellen im TAGESSPIEGEL den modernen Muslim und seine Methode näher vor: "Mit Mathe auf dem Weg zu Allah".
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Er machte die in Rotlichtvierteln entstandene, ehemals "schwarze" Jazzmusik über Nacht populär. Der Klarinettist Benny Goodman spielte mit den besten Jazzmusikern seiner Zeit und ist unangefochten der "King of Swing". Angefangen hat Benjamin David "Benny" Goodman als klassischer Klarinettist. Am 30. Mai 1909, vor fast exakt 100 Jahren, als viertes von zwölf Kindern jüdischer Einwanderer in Chicago geboren, bekam er im Alter von zehn Jahren seine erste Klarinette. Im Gegensatz zu den meisten seiner Zeitgenossen kümmerte sich Goodman nicht um Rassentrennung und Hautfarben. "In einer Zeit, in der auch musikalisch eine Rassentrennung stattfand, war er einer der ersten Bandleader, der überhaupt mit schwarzen Musikern in einer "weißen" Band gespielt hat", sagt beispielsweise Oliver Leicht, Klarinettist und Saxofonist der hr-Bigband.
Zwei Links zu biographischen Porträts des "King of Swing" inklusive eines kleinen Videos mit einem Live-Ausschnit aus einem seiner Konzerte finden Sie in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Schalom Ben-Chorin, der Jude, der am 20. Juli 1913 in München als Fritz Rosenthal geboren wurde und 1935 nach Jerusalem fliehen musste, war vieles in einem: Religionsphilosoph, Journalist, Schriftsteller, Streiter für das Reformjudentum und ein Wegbereiter des jüdisch-christlichen Dialogs, der den Christen den "Ur- und Nur-Juden" Jesus von Nazareth erschloss. Er tat es in Büchern wie "Bruder Jesus", von denen viele für deutsche Theologiestudenten in den 70er und 80er Jahren Pflichtlektüre waren, die man heute aber nur noch antiquarisch erwerben kann. Oder in Vorträgen, in denen die Zuhörer einen humorvollen und charmanten Erzähler erleben konnten. Der im Mai 1999 in Jerusalem verstorbene Ben-Chorin hinterließ eine umfangreiche Bibliothek, die nun nach dem Willen seiner Familie in die Stadt München zurückkehren soll, jener Stadt, der Ben-Chorin bis zum Tod verbunden blieb, obwohl sie ihn einst schmählich verstoßen hatte. Monika Maier-Albang schildert in einer längeren Reportage für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG die Pläne für den Bücher-Umzug und läßt zugleich Ben-Chorins Leben und Werk noch einmal lebendig werden: "Rückkehr in die alte Heimat".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Schawuot ist nicht nur das „Fest der Erstlingsfrüchte” wie es in der Torah genannt wird, sondern auch das "Fest der Torah-Gebung", denn an Schawuot wurde nach jüdischem Glauben die Torah von Gott durch Moses an das Volk gegeben. In diesem Jahr 2009 fällt das Schawuotfest auf den 29. und 30. Juni.
Links zu informativen Artikeln über Sinn, Bedeutung und über Bräuche des Schawuot-Festes finden Sie in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Vergangene Woche enthüllte der Bericht einer Expertenkommission, dass in katholisch geführten Anstalten und Heimen in Irland Kinder während Jahrzehnten nachgerade systematisch misshandelt und vergewaltigt wurden. Der irische Schriftsteller John Banville sucht in der eigenen Biografie nach Spuren dieser totgeschwiegenen Tradition der Gewalt. Sein Beitrag ist heute in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG zu lesen. "Jeder wusste es, aber keiner hat etwas gesagt", schreibt er:
"Zwischen 1930 und den späten neunziger Jahren war Irland ein geschlossener Staat, beherrscht - das Wort ist nicht übertrieben - von einer allmächtigen katholischen Kirche, der sich die Politiker und die Bevölkerung, mit wenigen noblen Ausnahmen, willfährig andienten. Die Lehre von der Ursünde war uns in Fleisch und Blut eingegangen, und vom Protestantismus hatten wir uns das Konzept von den Auserwählten und den Verdammten ausgeborgt. Wenn Kinder in Waisenheime, staatliche Gewerbeschulen und Besserungsanstalten eingewiesen wurden, dann geschah das, weil es ihnen so bestimmt war und sie dorthin gehörten."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Der Marokkaner Mohammed Abed al-Jabri legt mit seiner "Kritik der arabischen Vernunft" ein epochales philosophisches Werk vor, das die arabische Kultur aus ihrer "Vergangenheitssüchtigkeit" herausführen will, damit sie aus und durch sich selbst ihre eigene Moderne entwickeln kann. So lautet das Fazit von Peter Urban-Halle, der das Buch des islamischen Philosophen, "Kritik der arabischen Vernunft", für DEUTSCHLANDRADIO gelesen hat.
Der Link zu seiner Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag, schöne Pfingstfeiertage und ein freudiges Schawuot-Fest wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



Abo-Hinweis

 Die Information, in welchem externen Medium Sie den vollständigen Text kostenfrei lesen können sowie einen Link dorthin ist angemeldeten Abonnenten vorbehalten!
Sie möchten die Information über die Fundstelle inkl. Quellenangabe und Link zum Artikel sehen und nutzen, um den angegebenen Artikel zu lesen?
Dann abonnieren Sie unsere Seiten oder testen Sie uns vorab mit einem kostenfreien Schnupper-Abonnement!
Abo bestellen

Sie sind bereits Abonnent?
Dann melden Sie sich bitte erst mit Ihrem Benutzernamen und Passwort an, um die Fundstelle inkl. Quellenangabe und Link sehen und nutzen zu können!

Anmeldung