Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
27.04.2009 - Nr. 1025

ACHTUNG:

Morgen, Dienstag 28. April 09, erscheint ONLINE-EXTRA Nr. 95 mit einer Leseprobe aus dem jüngst erschienenen Israel-Roman "Der Schatten des Zwillings" der deutschen Autorin Annette Lübbers. 

Am Mittwoch, 29. April 09, sowie Donnerstag, 30. April 09, und am Freitag, 1. Mai (Feiertag), erscheint KEIN COMPASS!

Die nächste tagesaktuelle Ausgabe erfolgt am Montag, 04. Mai 09.


Guten Tag!

Nr. 1025 - 27. April 2009


Blauer Anzug, offenes Hemd, gepflegter Vollbart. Seit der Ermordung von Scheich Yassin im Jahr 2004 ist der 53 Jahre alte Khaled Meschal der mächtigste Mann der radikalen Palästinenser-Organisation, die in der EU als terroristische Vereinigung gilt. In jüngster Zeit gibt es Hinweise, dass der Westen seine Isolationspolitik gegenüber der Hamas, die im Januar 2006 die Wahlen im Gazastreifen gewann, überdenken könnte. Im Interview mit der FAZ pocht er auf die Ansprüche der Hamas: "Ohne uns kein Frieden".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Avigdor Lieberman ist Außenminister der neuen israelischen Regierung von Benjamin Netanjahu und Chef der ultranationalen Partei Israel Beitenu (Israel ist unser Heim). Wegen seiner rassistischen Äußerungen gilt der in Moldawien geborene 50-Jährige im Westen als so eine Art "Le Pen Israels". Israelische Araber beispielsweise bezeichnete er schon mal als "fünfte Kolonne". Im Interview mit der FRANKFURTER RUNDSCHAU spricht er nun u.a. über den Friedensprozess, den Iran und eine mögliche EU-Mitgliedschaft Israels: "Wir haben viele Ideen".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat einen Mitarbeiter entlassen, der die Schoah mit dem palästinensischen Trauma im israelischen Unabhängigkeitskrieg verglichen hatte. Der 29-Jährige machte Führungen in Yad Vashem und gab Unterrichtsstunden. Elisabeth Hausen schildert für ISRAELNETZ die näheren Hintergründe des bislang einmaligen Vorfalls: "Yad Vashem-Angestellter wegen Vergleich mit palästinensischem Trauma gefeuert".
Der Link zum Bericht in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Was der Waadtländer Schriftsteller Jacques Chessex erzählt, lässt einem die Haare zu Berge stehen - und erhitzt zugleich die Gemüter in der Westschweiz und in Frankreich. Sein jüngstes Buch "Der Vampir von Ropraz" rollt den Mord am jüdischen Viehhändler Arthur Bloch auf: eine authentische Geschichte. Martin Zingg stellt in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG Buch und Autor näher vor: "Payerne, 16. April 1942. Ein Besuch beim Schriftsteller Jacques Chessex in Lausanne".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Das Institut für Menschenrechte hat auf die Bedeutung des Abschlussdokuments der Anti-Rassismus-Konferenz in Genf hingewiesen. Künftig könnten sich alle Organisationen auf den erzielten Konsens beziehen, sagte Institutsdirektor Heiner Bielefeld im Interview mit dem DEUTSCHLANDRADIO. Zugleich kritisierte er den Boykott der Konferenz durch die Bundesregierung. Dieser treffe nicht Leute wie Ahmadinedschad, sondern die UNO-Menschenrechtspolitik insgesamt.
Ganz anders sieht das Anetta Kahane. Sie schreibt in der TAZ:
"Nach allem, was auf der UN-Konferenz gegen Rassismus in Genf geschehen ist, war es auch im Nachhinein gesehen richtig, dass Deutschland an dieser Veranstaltung nicht teilgenommen hat. [...] Heute ernsthaft Rassismus bekämpfen zu wollen, ohne gleichzeitig Antisemitismus ebenso entschieden abzulehnen, ist unmöglich."
Kahane wurde 1954 in Berlin (DDR) geboren, gründete 1998 die "Amadeu-Antonio-Stiftung. Initiativen für Zivilgesellschaft und Demokratische Kultur", deren hauptamtliche Vorsitzende sie seit 2003 ist. Die Stiftung unterstützt unter anderem Opfer rechter Gewalt. Für ihr Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus erhielt Kahane 2002 den Moses-Mendelssohn-Preis.
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Die Erfolge in der Ökumene, der bevorstehende Papstbesuch im Heiligen Land und die Beziehung zum Judentum sowie die heikle Frage der Pius-Bruderschaft standen im Mittelpunkt eines Pressegesprächs mit Kurienkardinal Walter Kasper, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, das am vergangenen Donnerstag in der Wiener Innenstadt stattfand. Kritik äußerte Kasper dabei an der Erklärung des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK) zur Frage der Judenmission: „Ich bin nicht ganz zufrieden mit der Argumentation dieses Papiers; mit der Intention schon.“ Die ZdK-Erklärung habe „eine gute Absicht“, doch teile er die Einwände des Bischofs von Regensburg. Es könne keine Judenmission im Sinn der Heidenmission geben: „Sie haben den wahren Gott. Das heißt aber nicht, dass Christen ihren Glauben verbergen.“ Auch dürfe man nicht von zwei Bundesvölkern sprechen.
Links zu den Berichten in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Der Theologe Joseph Ratzinger ist sehr weit auf das Judentum zugegangen, sagt der in Israel lebende jüdische Schriftsteller und COMPASS-Online-Extra-Autor Chaim Noll im Interview mit dem RHEINISCHEN MERKUR. Die Veränderungen im Verhältnis der beiden Religionen seien revolutionär. Auf den Einwand des Fragestellers, der Papst sei aber doch gerade etwa für die Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte von 1960 scharf kritisiert worden, antwortet Noll:
"Die Kritik war Ausdruck einer Enttäuschung über die Zulassung einer Textfassung von 1960, nachdem infolge der Konzilserklärung „Nostra aetate“ 1970 ein Text verbindlich wurde, der keinerlei Andeutung einer Judenmission mehr enthielt. Auch mir gefällt die Fassung von 1970 besser als die zweideutige von 1960, die offenbar als Zugeständnis an traditionalistische Gruppen wieder geduldet wird. Aber das sind innerkirchliche Auseinandersetzungen. Die Karfreitagsfürbitte ist fast anderthalb Jahrtausende alt. Wir können nicht erwarten, dass sich die Kirche im Schnellverfahren dieser alten Probleme entledigt."
Der Link zum vollständigen Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Der Glaube macht es möglich: In der Türkei beten Muslime in einer christlichen Kirche darum, dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen. Und das an einem christlichen Wallfahrtsort am Tag des Ortsheiligen. Die Insel Büyukada schafft, was unmöglich scheint – sie eint muslimische Gläubige und christliche Pilger. Boris Kalnoky erzählt in der WELT eine fast unglaubliche Geschichte: "Kein Unterschied zwischen Mohammed und Jesus?".
Der Link zur Reportage in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

"Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte" heißt das Ausstellungsprojekt des Jüdischen Museums Hohenems und des Jüdischen Museums Wien in Kooperation mit dem Österreichischen Alpenverein. Die Ausstellung ist bis 4. 10. in Hohenems und ab 15. 12. in Wien zu sehen und greift ein kaum bekanntes Kapitel der Kulturgeschichte auf: die Beziehungsgeschichte von Juden und Alpen. Über die Bedeutung der Berge im Leben europäischer Juden vom Sehnsuchtsort zum Fluchtterrain ist ein bemerkenswertes Gespräch der Ausstellungsmacher Hanno Loewy und Gerhard Milchram im österreichischen STANDARD zu lesen: "Vom Wandern zum Aus-Wandern".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

In den meisten Lexika steht er noch nicht, obwohl Leonid Aronson, 1939 geboren, zu den wichtigsten russischen Dichtern der 1960er Jahre gehört. Das hat Gründe. Er war weder Dissident noch anerkannter Staatsdichter. So hat sich denn auch kein Verleger bislang nennenswerte Verkaufszahlen erhofft, gar noch mit einem Dichter, der selbst nach seinem Selbstmord 1970 in Russland keine Furore machte. Als Sohn jüdischer Eltern in Leningrad geboren, war seine Lyrik tief religiös geprägt. Gottes Wirken kommt in seinen Texten so selbstverständlich vor wie bei Rilke, eher noch verhaltener, stets verbunden mit einer innigen Freude an der der Schöpfung, wie sie in Insekten, Wäldern, sprudelnden Wassern zu finden ist. Im Grunde sind all seine Gedichte ein großes Staunen, Dankbarsein – doch allgegenwärtig sind auch die Zeichen der Depression, die Aronsons letzte Lebensjahre überschattete. Anlässlich einer nun erstmals in deutscher Sprache vorliegenden Auswahl seines Schaffens porträtiert Ralf Julke den Dichter in der LEIPZIGER INTERNETZEITUNG: "Leonid Aronson: Gedichte aus Gottes Garten – so klar, so rein, so schwer übersetzbar".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Antisemit war Adolf Hitler bis zum Schluss. Noch kurz vor seinem Selbstmord verlangte er von den Deutschen den „unbarmherzigen Widerstand gegen die Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum“. Aber wo kam dieser Judenhass her, und wann fing er an? Historiker hat diese Frage bisher nur am Rande beschäftigt. Ralf Georg Reuth ist ihr noch einmal nachgegangen und hat dabei für sein jüngstes Buch „Hitlers Judenhass“ eine Reihe von interessanten Fakten zusammengetragen, die das Thema in einem anderen Licht erscheinen lassen. Andreas Heimann stellt das Buch für die BERLINER LITERATURKRITIK vor: "Neue Thesen zu Hitlers Antisemitismus".
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



Abo-Hinweis

 Die Information, in welchem externen Medium Sie den vollständigen Text kostenfrei lesen können sowie einen Link dorthin ist angemeldeten Abonnenten vorbehalten!
Sie möchten die Information über die Fundstelle inkl. Quellenangabe und Link zum Artikel sehen und nutzen, um den angegebenen Artikel zu lesen?
Dann abonnieren Sie unsere Seiten oder testen Sie uns vorab mit einem kostenfreien Schnupper-Abonnement!
Abo bestellen

Sie sind bereits Abonnent?
Dann melden Sie sich bitte erst mit Ihrem Benutzernamen und Passwort an, um die Fundstelle inkl. Quellenangabe und Link sehen und nutzen zu können!

Anmeldung