Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
12.12.2008 - Nr. 988

Guten Tag!

Nr. 988 - 12. Dezember 2008


"Der Nazismus hat Deutschland aus einer Niederung hin zu einem fantastischen physischen und ideologischen Status befördert." Deutschland seien durch das Hitler-Regime eine "exemplarische Führung, ein anständiges Justizsystem und öffentliche Ordnung" zuteil geworden. Hitler sei zudem ein "unerreichtes militärisches Genie".
Raten Sie von wem diese Zitate stammen! Nein, es war kein NPDler, auch nicht Horst Mahler oder ein anderer verwirrter Neo- oder Alt-Nazi, sondern der israelische Likud-Politiker Moshe Feiglin. Die israelische Zeitung HA'ARETZ druckte am Donnerstag diese und andere  NS-verherrlichende Äußerungen des Likud-Politikers ab und brachte damit Netanyahu vor der Wahl in Bedrängnis, wie der österreichische STANDARD berichtet.
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST AKTUELL.

Einen Gegner mit Atomwaffen wird man nicht dulden: Besorgt beobachtet Israel, dass Iran erfolgreich an Trägerraketen für nukleare Sprengköpfe arbeitet. Wenn die USA und Europa nicht helfen, wird Jerusalem das Problem allein lösen, so der Eindruck von SPIEGEL-Korrespondent Christoph Schulte: "Israel und Iran steuern auf gewaltsamen Konflikt zu".
Der Link zu seiner Reportage in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Vor nunmehr fast 60 Jahren, am 10. Dezember 1948, wurden die Menschenrechte von den Vereinten Nationen in einer feierlichen Zeremonie in Paris für universell erklärt und ausgerufen. Wie steht es mit den Menschenrechten im Nahen Osten, insbesondere in der arabischen Welt? Bahey El Din Hassan, Direktor des Kairoer Instituts für Menschenrechte, dessen Arbeitsschwerpunkt auf den arabischen Ländern liegt, antwortet auf entsprechende Fragen in ZENITH, der Zeitschrift für den Orient: "Nur wenig, das Gutes verheißt".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Von einem Abenteuer der besonderen Art berichtert Krista Gerloff in ISRAELNETZ: "Eine Busfahrt in Jerusalem" - so der Titel ihrer Reportage, die von manch einer, teilweise nicht ungefährlichen Situation im täglichen Verkehrs-Chaos der israelischen Hauptstadt berichtet.
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Der Anti-Israel-Reflex der Linken ist sehr stark - so stark wie kaum ein anderes Antriebsmoment, meint FDP-Generalsekretär Dirk Niebel in einem Gastkommentar für den TAGESSPIEGEL. U.a. schreibt er:
"Bei Karl Marx hieß es: "Ein Gespenst geht um in Europa." Bei seinen Urenkeln in der Linken ist es heute ein Geist, ein problematischer. Er hat einen Namen: Professor Norman Paech. Er könnte aber auch Erwin Schulze heißen oder sonst wie. Die Paechs kommen und gehen, der Geist bleibt. Er haftet der Linken an wie der eigene Schatten. Wenn Marx, selbst jüdischer Herkunft, geahnt hätte, dass die Partei, die sich auf ihn beruft, einst beseelt sein würde von einem Anti-Israel-Reflex, nahezu zwanghaft und so stark wie kaum ein anderes Antriebsmoment."
Der Link zum Kommentar in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Auf der Suche nach Gemälden, die sich Museen zu Unrecht angeeignet haben, ist Clemens Toussaint, in der ganzen Welt unterwegs. Der Kölner Kunsthistoriker ist zugleich Detektiv. Er forscht für die Nachfahren derjenigen, deren Kunstwerke von Nationalsozialisten verschleppt wurden. Im Interview mit dem TAGESSPIEGEL berichtet er von seinen Erfahrungen: "Aufarbeitung zu langsam".
Der gleichen Problematik widmete sich nun auch ein Symposium unter dem Titel "In der Verantwortung. NS-Raubkunst", auf dem massive Vorwürfe gegen deutsche Museen laut wurden, wie Margarete Limberg im DEUTSCHLANDRADIO berichtet.
Die Links hierzu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Der Streit um Wolfgang Benz und sein Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) geht weiter, wie der TAGESSPIEGEL berichtet. Benz hatte sich den faux pas geleistet, indem er sich namentlich auf Fürsprecher seiner Sache berief, ohne diese vorher zu kontaktieren. Genüsslich nimmt dies Henryk M. Broder in ACHGUT auf und polemisiert grunsätzlich gegen das ZfA, bissig wie stets:
"'Antisemitismusforschung' ist keine akademische Disziplin, sondern Kaffeesatzleserei mit Wünschelrutengängern. 'Antisemitismusforscher' gehen der Frage nach, WARUM Juden gehasst werden, nicht warum JUDEN gehasst werden. Damit liefern sie die Motive nach, derer sich die Antisemiten vermutlich nicht einmal bewusst sind. Wenn Juliane Wetzel vom Berliner ZfA zum Beispiel schreibt, der islamische Antisemitismus unter den in Europa lebenden Muslimen sei eine „Reaktion auf soziale Ausgrenzung und Chancenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt“, dann reproduziert sie nur antisemitische Stereotype, erklärt aber nicht, warum junge arbeitslose Moslems zu Antisemiten mutieren - statt ihren Frust an Radfahrern, Rauchern oder Rechtsanwälten abzureagieren. Der arbeitlose Brite geht fischen, der arbeitslose Holländer geht angeln, der arbeitslose Italiener legt sich eine zweite Geliebte zu, nur der arbeitlose Moslem macht den Juden für seine Lage verantwortlich. Wenn das Wissenschaft ist, dann könnte Erich von Däniken die Leitung des Max-Planck-Instituts für Astrophysik übernehmen."
Die Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Christen werden fast überall, wo sie Minderheit sind, verfolgt - stellt Till-R. Stoldt in einem Beitrag für die WELT fest. Doch sie setzen sich zur Wehr: In Gaza, im Iran oder China nehmen Evangelikale Hilfswerke kein Missionsverbot hin, sondern schmuggeln Bibeln ins Land, um ihre Religion ausüben zu können. Trotzdem suchen verfolgte Christen häufig Zuflucht in westlichen Ländern.
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Ein leidenschaftlicher Essay über grundsätzliche Verständigungsprobleme zwischen dem Westen und dem Islam ist Stefan Weidners Buch "Manual für den Kampf der Kulturen". Das meint zumindest Rezensent Jörg Plath im DEUTSCHLANDRADIO und schreibt: "Er reflektiert und erzählt, mal zupackend, mal lässig, und plädiert am Ende für Selbstkritik auf beiden Seiten."
Der Link zu seiner Buchbesprechung in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ehrt mit der Josef-Neuberger-Medaille seit 18 Jahren nicht-jüdische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich um die jüdische Gemeinschaft besonders verdient gemacht haben. Benannt ist die Medaille nach dem früheren nordrhein-westfälischen Justizminister Josef Neuberger (1902-1977), der Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf war. Am Mittwoch wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Medaille ausgezeichnet. Zu dem Festakt waren auch der israelische Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gekommen, wie die RHEINISCHE POST von der Preisverleihung berichtet. In ihrer Dankesrede betonte die Kanzlerin, Juden in Deutschland sollen sich auch künftig sicher fühlen und entfalten können. Merkels Rede ist mittlerweile auf den Seiten der BUNDESREGIERUNG online zu lesen.
Die Links zum Thema in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Hans Keilson ist eine Jahrhundertgestalt. Am 12. Dezember diesen Jahres wird er 99 Jahre alt  - und ist weiterhin geistig sprühend und voller Lebensenergie. Er ist Arzt, Psychoanalytiker und Pädagoge, publizierte bereits als 23jähriger eine bemerkenswerte Erzählung. Als Jude wurde er verfolgt, floh aus Deutschland in die Niederlande. Er arbeitete dort in der Untergrundbewegung, wurde nach dem Krieg Psychoanalytiker und arbeitete auf der Basis der freudschen Schriften mehrere Jahrzehnte lang mit schwer traumatisierten jüdischen Kindern und Jugendlichen. Roland Kaufhold widmet dem Geburtstagskind ein biographisches Porträt, das auf HAGALIL zu lesen ist: "Literatur ist das Gedächtnis der Menschheit".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der israelische Schriftsteller Aharon Appelfeld beschreibt in seinem jüngsten Buch eine jüdische Kindheit im Zweiten Weltkrieg, die auch seine Lebensgeschichte prägt. Appelfeld, 1932 in Czernowitz geboren, das heute in der Ukraine liegt, ist acht Jahre alt, als rumänische Antisemiten seine Mutter töten. Gemeinsam mit seinem Vater wird er nach Transnis­trien verschleppt. Es gelingt ihm zu fliehen, und er hält sich in den Wäldern versteckt, bis er 1944 Küchenjunge bei den sowjetischen Truppen wird. Über Italien erreicht er mit anderen Flüchtlingen 1946 Palästina. Sein jetzt in deutscher Sprache vorliegender Roman "Blumen der Finsternis" sei ein "aussergewöhnlicher Beitrag an die Erinnerungsliteratur zum Holocaust - und das verstörende Porträt einer bedingungslosen Liebe", meint die Rezensentin Anna Wegelin in der schweizer WOCHENZEITUNG.
Der Link zu ihrer Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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