Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
18.07.2008 - Nr. 951




*ACHTUNG*:

Am Montag, 21. Juli 2008, erscheint ONLINE-EXTRA Nr. 78 mit einem Beitrag von Peter Voswinckel unter dem Titel: "Von Dr. Sammet (Thomas Mann) bis Dr. Semig (Uwe Johnson). Das Scheitern der deutsch-jüdischen Assimilation
im Spiegel literarischer Arztfiguren".


Anschließend verabschiedet sich COMPASS in die Sommerpause:
In der Zeit von Dienstag, 22. Juli 08, bis einschließlich Freitag 28. August 08, erscheint KEIN COMPASS!


Guten Tag!

Nr. 951 - 18. Juli 2008


Der Triumph der Hisbollah nach dem Tausch von Leichen gegen Mörder ist offiziell ungetrübt von Kritik: Sämtliche wichtigen Politiker des Libanon haben die Rückkehr des Mörders Samir Kuntar bejubelt. Die Rückkehr des Mannes aus israelischer Gefangenschaft wird als riesiges Fest inszeniert. Doch in der Bevölkerung ist die Gewaltstrategie der Hisbollah durchaus umstritten, meint Gabriela M.Keller, die für die WELT aus dem Libanon berichtet: "Die große Show zur Rückkehr eines Mörders".
Aber auch in der Knesset, dem israelischen Parlament, ist die Stimmung nach dem Austausch zwischen Israel und der Hisbollah gespalten: Während einige Knesset-Mitglieder von einem Fehler sprechen, versichern andere, Israel werde auch weiterhin alles tun, um seine Soldaten nach Hause zu bringen. ISRAELNETZ hat einige der israelische Stimmen eingefangen.
Alle Links zum Thema in den Rubrik ISRAEL UND NAHOST AKTUELL und ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

In Jerusalem ist am Donnerstag ein amerikanischer Geschäftsmann in der Korruptionsaffäre um Ministerpräsident Olmert als Belastungszeuge verhört worden. Den Anwälten gelang es bisher nicht, die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu untergraben, wie die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG berichtet. Hinzu gesellen sich weitere, beinahe ungeheuerliche Vorwürfe an Olmert, wie der STERN schreibt: Angeblich soll er Wohltätigkeitsorganisationen betrogen haben - darunter auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem.
Die Links zu den Berichten in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Assaf Gavron, der Autor und Sänger der israelischen Indiepunk-Band Hape Ve Hatlafajim, zu Deutsch «Maul und Klauen», wurde 1968 in Israel geboren. Er wuchs nahe Jerusalem in einer säkularen Umgebung auf. Seine Eltern emigrierten vor seiner Geburt aus Großbritannien nach Israel. Das soziale Umfeld seiner Kindheit bezeichnet der heute 40-jährige als sehr englisch, gebildet und politisch eher links orientiert. Die Idee für seinen aktuellen Roman «Ein schönes Attentat», im Original heißt das Buch «Attentatskrokodil», entstand zur Zeit der Zweiten Intifada. In «Ein schönes Attentat» beschreibt Assaf Gavron als Ich-Erzähler in zwei parallel verlaufenden Erzählsträngen die Geschichte des Tel Aviver Geschäftsmannes Eitan Einoch und des palästinensischen Attentäters Famih Sabih. Der fortwährende Perspektivenwechsel ermöglicht dem Leser, ein umfassendes Bild der psychologischen Profile der beiden Protagonisten zu erhalten. Karola Kallweit, die den Autor auf seiner Lesereise durch Deutschland kürzlich zum Gespräch traf, stellt Gavron und sein Buch in der JÜDISCHEN ZEITUNG näher vor: "Der Zeitenfänger. Der israelische Autor Assaf Gavron ist der legitime Erbe Emile Zolas".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Die Sendung "Frontal 21" attackiert kurz vor dem 20. Juli die Widerstandsgruppe um Claus von Stauffenberg. Besonders Mitverschwörer Henning von Tresckow hätte von der Vernichtung der Juden gewusst und käme nicht als moralisches Vorbild in Frage. Der ZDF-Beitrag ist tendenziös und empört die Historiker, schreibt Sven Felix Kellerhoff in der WELT. Dem gleichen Thema - die Hitler-Attentäter und der Holocaust - widmet sich auch Jörg von Bilavsky im RHEINISCHEN MERKUR. Er weist darauf hin, Quellen würden belegen, dass die die Offiziere an der Ostfront, unter ihnen auch von Tresckow, schon früher als lange angenommen von der Gräueltaten der SS wußten. Folgt daraus ein moralischer Makel?, fragt Bilavsky.
Die Links zu den Artikeln in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Nach der Progromnacht im November 1938 versuchten viele jüdische Eltern, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Binnen eines Jahres gelang etwa 10.000 Berliner Kindern im Zug die Flucht vor den Nazis nach Großbritannien - es war das einzige Land, das Jugendliche bis 17 Jahre damals aufnahm. Die Einreise wurde genehmigt, wenn keine staatlichen Mittel benötigt wurden und eine Umsiedlungsgebühr von 50 Pfund pro Kind aufgebracht werden konnte. Die flüchtigen Kinder wurden durch die jüdische Gemeinde in England in Pflegefamilien verteilt. Nun will ein israelischer Künstler Berlin ein Denkmal für jene 10.000 Kinder schenken, die nach der Pogromnacht 1938 nach England fliehen konnten. Doch der Kunstbeirat des Senats kritisiert den Entwurf: Er sei wenig informativ und altbacken. Jennifer Lepies schildert in der TAZ die Einzelheiten: "Kitsch mit politischer Botschaft".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Das Berliner Anne-Frank-Zentrum trainiert Lehrer und Studenten für Auseinandersetzung mit Antisemitismus. Dabei bedienen sie sich u.a. einer Art Ratgeber: „Alle Juden sind … – 50 Fragen zum Antisemitismus“. Dieser Band versucht auf eine Reihe von klischeebedingter und antisemitischer "Fragen" eine Antwort zu geben. Dabei werden Fragen gestellt etwa wie „Beherrschen die Juden die Wall Street und Hollywood?“, „Sind Juden eine Rasse?“, „Gibt es derzeit einen islamischen Antisemitismus?“ oder „Macht Israel mit den Palästinensern dasselbe wie die Nationalsozialisten mit den Juden?“. Frank Jansen und Tim Specht berichten über die Arbeit des Anne-Frank-Zentrums und den "Ratgeber" im TAGESSPIEGEL: "Gehirnjogging gegen Judenhass".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Schon immer gab es unter den Neonazis auch Natur-Freaks. Doch derzeit beobachten Umweltorganisationen, dass NPD und Freie Kameradschaften verstärkt auf Öko-Themen setzen. Eine Hochglanzzeitung verbreitet dazu die rechte Sicht der Dinge, wie Andreas Speit für die TAZ berichtet: "Brauner Ansturm ins Grüne".
Der Link dazu in der Rubrik RECHTSRADIKALISMUS.

In Madrid hat die "Weltkonferenz für den interreligiösen Dialog" begonnen, die auf Initiative des saudiarabischen Königs Abdullah einberufen wurde. Auf der Eröffnung sagte König Juan Carlos: "Wir sollten der Welt klarmachen, dass Unterschiede nicht zu Streitigkeiten führen müssen". KATHWEB und AD-HOC-NEWS berichten über die Eröffnung und die Themen der Konferenz.
Die Links dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Die teils heftige Debatte um die Errichtung eines jüdischen Museums in Köln erntet bei Salomon Korn nur Kopfschütteln. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden und Architekt wundert sich darüber, dass die Vorgaben an die Architekten - wie der Bau an dem historischen Ort - jetzt wieder in Frage gestellt würden. Die Bevölkerung solle sich dafür stark machen, "dass Köln dieses architektonische Juwel bekommt", sagt er im Interview mit dem DEUTSCHLANDRADIO und bezeichnet die ganze Auseinandersetzung verärgert einen "Eiertanz".
Der Link zum Interview sowie weiteren Beiträgen zum Thema in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Das Contemporary Jewish Museum, das am 8. Juni seine neuen Räumlichkeiten in San Francisco eröffnete, liefert einen eindrücklichen Beweis dafür, was jüdisches Feingefühl an die amerikanische Kulturerfahrung beizutragen im Stande ist. Ebenso ist es das jüngste Beispiel für ein jüdische Museum als lebendige Veranstaltung anstatt einer verstaubten Institution. Das ehrgeizige neue Projekt setzt sich gleich in mehreren Punkten von anderen ab, meint Sue Fishkoff in ihrer Vorstellung des Museums in der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES: "Ein Platz für Kunst und Ideen".
Der Link zum Bericht in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Ebenfalls in der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES ist ein längeres Interview mit dem Genfer Philosoph David Banon zu lesen, in dem er sich u.a. über jüdisches Denken, Israel und das Verhältnis zu Juden in der Diaspora äußert. Auf die Eingangsfrage, was er heute als drängendste Fragen des Judentums betrachte, antwortet er:
"Mir scheint, dass für uns die Frage nach dem Volk, seiner Einheit und Identität die wichtigste ist. Seit der Emanzipation von 1791 haben sich die Juden in Traditionalisten, Orthodoxe, Ultraorthodoxe, Liberale, Laizisten, Zionisten und sogar Postzionisten zersplittert. Wir haben den Zement verloren, der die verschiedenen Strömungen zusammengehalten hat: die Thora."
Der Link zum Interview in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der 20. Juli, Gedenktag des Attentats 1944 auf Hitler, naht: Gleich zwei Mal gibts heute Abend etwas zu Stauffenberg. 3Sat bringt eine Dokumentation über den gescheiterten Hitler-Attentäter und die ARD zeigt zu später Stunde die filmische Aufarbeitung der Geschehnisse durch Regisseur Jo Baier.
Weitere Infos in den FERNSEH-TIPPS.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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