ACHTUNG:
Die nächste tagesaktuelle Ausgabe erfolgt am Mittwoch, 04.Juni 08.
Guten Tag!
Der Bundestag hat gestern den 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels gewürdigt und fraktionsübergreifend die Sicherung des Existenzrechts Israels als Teil der deutschen Staatsräson bezeichnet. Auf den Seiten des BUNDESTAGS stehen das Plenarprotokoll der Sitzung und damit auch alle Reden der Abgeordneten online. U.a. sprachen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), CDU-Fraktionschef Volker Kauder, SPD-Fraktionschef Peter Struck, FDP-Chef Guido Westerwelle, die stellvertretende Fraktionschefin Petra Pau (DIE LINKE), Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn. Für HAGALIL analysiert und kommentiert der Politologe und Publizist Reiner Bernstein die Debatte recht kritisch:
"Zu den bedenklichen Höhepunkten der Ansprachen gehörte die Abstufung des überragenden Existenzrechts Israels gegenüber dem Recht der Palästinenser auf „ein Leben in Würde“. Die palästinensischen Terrorakte wurden nachdrücklich verurteilt, doch den vielen hundert toten Zivilisten im Gazastreifen nach israelischen Militärschlägen blieb die Anteilnahme versagt. So kamen die alten Schablonen von den Kollateralschäden unter den Palästinensern wieder zum Vorschein."
Alle Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
Der israelische Autor David Grossman, 54, war lange Nachrichtenredakteur bei „Radio Israel“ und wurde mit seinen Reportagen „Der gelbe Wind“ bekannt, bevor er begann, Romane zu schreiben. Immer wieder hat er sich für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt. Im Hanser-Verlag sind gerade seine Essays „Die Kraft zur Korrektur“ über Politik und Literatur erschienen. Grossmans zweitältester Sohn Uri wurde im August 2006 durch eine Rakete der Hizbullah im Libanon getötet. Als er zur Armee ging, hatte sein Vater begonnen, einen Roman über eine Frau zu schreiben, deren Sohn Soldat ist und die befürchtet, er könne sterben. Die Realität holte Grossman ein. Dennoch hat er seinen Roman zu Ende geschrieben. Er ist vor sechs Wochen in Israel erschienen. Die FAZ veröffentlicht heute ein lesenswertes Interview mit dem Autor über den Nahost-Konflikt. Auf die Frage, wie er zu den Protesten gegen die 60-Jahre-Feierlichkeiten des Staates Israel und zur Kritik an Israel steht, antwortete er:
"Sie [die Proteste gegen und die Kritik an Israel] werden gerne missbraucht, um Antisemitismus zu schüren. Allerdings ist die Kritik an Israel in vieler Hinsicht legitim und berechtigt. Ich sehe nicht, dass hier auf palästinensischen Gräbern getanzt wird, und beneide manchmal die Leute, die so selbstgewiss die Guten und die Bösen ausmachen können. Das Ganze hier ist ja kein Fußballspiel, bei dem man sich eine Mannschaft aussuchen kann. Beide Mannschaften sind sehr erbärmlich."
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Die Geburtstagsfeiern von Israel wurden von den Gefahren überschattet, die von einer Atommacht Iran ausgehen. Trotz hoher Risiken könnte man es schon sehr bald auf eine Konfrontation ankommen lassen, meint der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer in einem Beitrag für den österreichischen STANDARD. Der Iran bzw. die deutsche Iranpolitik steht auch im Mittelpunkt eines Beitrags des Politikwissenschaftlers und Publizisten Matthias Küntzel: "Ist die Achse Teheran-Berlin bereits beschlossene Sache? Die Bundesregierung vor dem Richtungsentscheid". Küntzels Essay ist am 15. Mai 2008 im WALL STREET JOURNAL erschienen und steht nun in deutscher Sprache auf der Homepage des Autors.
Der Link zu Fischers Kommentar in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND und zum Beitrag von Küntzel in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
HAGALIL stellt einen sehr umfangreichen Essay des israelischen Historikers Dov Levin zur Beteiligung der litauischen Juden im Zweiten Weltkrieg online. Zweck seiner Untersuchung ist es, die Beteiligung des litauischen Judentums an dem aktiven Kampf gegen die Nazis während des Zweiten Weltkrieges zu schildern, zu analysieren und zu erklären. Besonderes Gewicht legt er dabei auf den bewaffneten Kampf der litauischen Juden gegen die Deutschen und ihre Verbündeten in all seinen Erscheinungen. Professor Dov Levin gilt als einer der bedeutendsten internationalen Forscher zur Geschichte der osteuropäischen jüdischen Gemeinden. Er ist emeritierter Direktor des "Harman Institute of Contemporary Jewry" an der Hebräischen Universität Jerusalem. Levin wurde in Kovno, Litauen, geboren und war Mitglied der Anti-Nazi Untergrundbewegung im Ghetto Kovno.
Der Link zu seinem Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...
In der FRANKFURTER RUNDSCHAU ist ein recht interessantes Interview mit dem ehemaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, über die Verdrängung der NS-Geschichte in deutschen Geldinstituten zu lesen. In Breuers Zeit als Vorstandssprecher (1997 bis 2002) liefen die Verhandlungen über eine Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter auf Hochtouren: "Banken hätten sich stellen müssen".
Der Link zum Interview in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Salomon Korn vom Zentralrat der Juden ist mit dem Urteil gegen den Rabbiner-Attentäter unzufrieden und beklagt die Tendenz im Land, das Problem des Antisemitismus herunterzuspielen. In der FAZ spricht er vor allem über seine Einschätzung der Judenfeindschaft unter Muslimen: „Antisemitismus wird heruntergespielt“
Der Link zum Interview in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Daniel Bax porträtiert in der TAZ die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime Mina Ahadi als Linkssektiererin, die vor acht Jahren mit ihrem Radikalismus die Verhaftung der iranischen Teilnehmer an der Berliner Konferenz "Der Iran nach den Wahlen" gefördert habe. Von sich selbst bekennt sie, noch nie in einer deutschen Moschee gewesen zu sein: "Ich würde dort wohl einen Wutanfall kriegen", fürchtet die Exiliranerin. Noch bis Sonntag leitet die Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime die "Kritische Islamkonferenz". Um ihre Wut zu verstehen, muss man ihre Biografie kennen, meint Bax und erzählt sie: "Die Glaubenskriegerin".
Der Link zum Porträt in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Gestern Nachmittag hat die Hamburger Bürgerschaft Nebahat Güçlü zu ihrer Vizepräsidentin gewählt. Damit ist die 42-jährige Grüne die erste Migrantin und Muslimin im Präsidium eines deutschen Parlaments. Es ist das höchste parlamentarische Amt, das ein eingebürgerter Politiker bislang in der Bundesrepublik erreicht hat. Sven-Michael Veith stellt die erste Muslimin in einem deutschen Parlamentspräsidium in der TAZ näher vor.
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Von der neuen Mainzer Synagoge erhoffen sich Architektur und Wissenschaft Impulse für einen neuen Dialog zwischen Juden und Christen. Die Synagoge mit dem angrenzenden neuen jüdischen Gemeindezentrum werde wieder mehr Fragen zum Judentum auslösen - und auch den nötigen Raum für einen Dialog bieten, sagte der Mainzer Judaistikprofessor Andreas Lehnardt. Der Architekt des Gebäudes, der Kölner Michael Herz, will an die mehr als tausendjährige Tradition des Judentums in Mainz anknüpfen. Der Neubau soll in der Hindenburgstraße, mitten in der Mainzer Neustadt, errichtet werden. Gisela Kirschstein berichtet für die AD-HOC-NEWS: Synagoge als Ausgangspunkt für neuen Dialog - Neues Gotteshaus in Mainz soll an lange Tradition des jüdischen «Magenza» erinnern.
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Bis zu seinem letzten Arbeitstag als Fernsehdirektor des RBB - Rundfunk Berlin- Brandenburg wird Gabriel Heim ein vielbeschäftigter Mann sein. Ende des Monats verlässt der 58-Jährige ann den Sender, um sich neuen Aufgaben zu stellen. Damit endet die Amtszeit des bislang einzigen jüdischen Fernsehdirektors einer ARD-Anstalt. «Als Jude hat man ein Weltbild und eine kulturelle Qualität, die sich nicht nur in jüdischen Themen darstellt», erklärt Heim, als ihn Lutz Lorenz für die JÜDISCHE ZEITUNG fragte, wie sehr die Jüdischkeit seine berufliche Entwicklung geprägt habe. «Die Gestaltungskraft, der jüdische Geist, befruchtet unsere ganze Gesellschaft»: So habe er es erreichen können, Gestaltungsrahmen zu schaffen, jüdische Akzente im Programm zu setzen und sich dabei in hohem Maße für die kulturellen Leistungen des heutigen Judentums engagieren zu können.
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Eine Allegorie auf den politischen Terrorismus legt der Schriftsteller Nathan Englander mit seinem jüngsten Roman vor, in dem er eine jüdische Familiengeschichte zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur erzählt. Thomas Hummitzsch zeigt sich in seiner Rezension für LITERATURKRITIK begeistert:
"Mit "Das Ministerium für besondere Fälle" ist Nathan Englander ein fulminanter Roman gelungen. Jede Seite zieht für sich in ihren Bann und wirft lange Schatten auf die ihr folgenden, denen man geradezu entgegenfiebert. Diktatur, Staatsterror und jüdische Identität, losgelöst vom Holocaust und angebunden an das hier und heute - dieses Buch ist gewaltig in all seiner Vehemenz, Hoffnung und Kraft, pendelnd zwischen angedeutetem Horror und purer Ironie. Eine Sensation."
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Und heute Abend im Fernsehen: Der preisgekrönter Film von Volker Schlöndorff "Der Neunte Tag" zum Thema Kirche unterm Hakenkreuz.
Mehr dazu in den FERNSEH-TIPPS.
Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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