Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
13.05.2008 - Nr. 920

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Nr. 920 - 13. Mai 2008


«Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen»: Mit diesen Worten rief die Galionsfigur des Zionismus, der Wiener Publizist Theodor Herzl, Ende des 19. Jahrhunderts zur Gründung einer jüdischen Heimstatt auf. Das Märchen wurde Wirklichkeit – und hat dabei an Glanz verloren - meinen zumindest einige recht prominente israelische Schriftsteller, wie Carsten Hueck für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG berichtet. Sein Beitrag ist einer von mehreren, die Sie in den heute AKTUALISIERTEN Online-Extra-Ausgaben Nr. 71 u. Nr. 72 zu "60 Jahre Israel" finden können. Darunter auch einige Beiträge aus der BERLINER ZEITUNG mit einer aktuellen Umfrage zum deutsch-israelischen Verhältnis und einem Interview mit der Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.
Dies und mehr aktualisiert in ONLINE-EXTRA Nr. 71 und ONLINE-EXTRA Nr. 72.

60 Jahre – ein Grund zum Feiern für Israel. Doch ist es auch einer für die Palästinenser? Ja, sagt der ehemalige Arafat-Berater Sari Nusseibeh. Im Gespräch mit der WELT erklärt der Professor, welche Probleme es zwischen Israelis und Palästinensern gibt und warum er trotzdem noch an einen Friedensschluss glaubt: "Israel muss die Herzen der Araber gewinnen"
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL HINTERGRUND.

Im TAGESSPIEGEL spricht Avi Primor, der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland, über die deutsch-israelischen Beziehungen und die Hoffnung auf ein Ende des Nahostkonfliktes. Sehr offen schildert er u.a. die Vorbehalte, die er vor seinem Amtsantritt in Berlin hatte:
"Die ganze Familie meiner Mutter wurde ermordet, nur meine Mutter selbst überlebte, weil sie noch vor der Machtergreifung der Nazis nach Tel Aviv ausreisen konnte. Ich selbst wurde in Tel Aviv geboren, und ich habe nicht einmal ein Foto dieser Familie mütterlicherseits, also zum Beispiel von meinen Großeltern. Für mich war die Ermordung dieser jüdischen Familie so schlimm wie die Vernichtung der Juden überhaupt. Die Frage, die sich mir stellte, war: Sollten wir überhaupt Beziehungen zu Deutschland haben? Und ich zählte zu denen in meiner Jugend, die sagten: Nein, mit Deutschland sollten wir nie wieder, also auf ewig, einen Kontakt haben. Ich betrachtete Deutschland als einen weißen Fleck auf der Landkarte, es gab kein Deutschland."
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

An dieser Stelle sei bereits angekündigt, dass in der morgigen COMPASS-Ausgabe eine neue Folge der INTERNATIONALEN PRESSESCHAU folgt, die sich thematisch mit einem Update zu jüdischen Stimmen im US-amerikanischen Vorwahlkampf beschäftigen wird.

Ein Stadion mit wechselvoller Geschichte: Am 16. Juni steigt im Wiener Ernst-Happel-Stadion der Europameister-Hit zwischen Österreich und Deutschland. Was die wenigsten Fans jedoch wissen: 1939 wurde die Arena von den Nazis als Haftstätte für Wiener Juden missbraucht. Der 1972 in Wien geborene David Forster erzählt auf den Sportseiten des ZWEITEN DEUSCHEN FERNSEHENS die Geschichte des "Haftorts Praterstadion" und wie die Wiener Arena als Gefängnis für Wiener Juden mißbraucht wurde. Forster ist Politikwissenschafter, Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Redakteur des Fußballmagazins "ballesterer fm". Er war Initiator einer Gedenktafel, die sich heute im Stadion befindet.
Der Link zu seinem Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Die polnische Widerstandskämpferin Irena Sendler schmuggelte 2500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto. Die Gestapo fasste sie 1943 und folterte sie grausam. Der Exekution konnte sie gerade noch entkommen - jetzt ist die "Gerechte unter den Völkern", der "Engel des Warschauer Ghettos", 98-jährig in Warschau gestorben. Zu den ersten, die ihre Trauer ausdrückten, gehörten der Ex-Präsident der Knesset und ehemalige israelische Botschafter in Warschau, Shevach Weiss, sowie der letzte lebende Anführer des Aufstandes im Warschauer Ghetto, Marek Edelman. Der SPIEGEL, TAGESSPIEGEL und BERLINER ZEITUNG erinnern an die vorbildhaft mutige Frau.
Alle Links dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

„Rechte Antisemiten sind ehrlicher als linke“, schreibt Michel Friedman in der BILD-ZEITUNG:
"Linke Antisemiten zweifeln nämlich an der Demokratiefähigkeit Israels. Gleichzeitig drücken sie beide Augen zu bei den autoritären, gewalttätigen Diktaturen der arabischen Länder. Israel-Kritik, auch die lächerlichste und inhaltloseste, wird oft als Vorwand und Tarnung für primitiven Antisemitismus missbraucht. Da sind die rechten Antisemiten wenigstens ehrlicher und direkter."
Der Link zu Friedmans kritischem Zwischenruf in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

"Die Annahme, die Judäophobie im Nahen Osten sei eine Reinkarnation des europäischen Antisemitismus, ist ein klassischer Fall von Projektion", meint der österreichische Nahostspezialist des Österreichischen Instituts für Internationale Politik John Bunzl in einem Beitrag für die österreichische Tageszeitung DIE PRESSE. Ganz anders sieht das Karl Pfeifer, der auf HAGALIL den Beitrag von Bunzl heftig kritisiert: "Ein Wiener Lehrbeauftragter relativiert nahöstlichen Antisemitismus".
Die Links zu beiden Stimmen in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Auch Papst Benedikt hat dem Staat Israel zu seinem 60. Geburtstag gratuliert. Im Vatikan empfing er am Montag den neuen israelischen Botschafter Mordechay Lewy. Dabei drängte er die Regierung in Tel Aviv auch dazu, in ihren Bemühungen um Frieden in Nahost nicht nachzulassen. Außerdem würdigte er die jüdisch-christliche Freundschaft und rief zu ihrer Vertiefung auf. Schließlich gab er der Hoffnung auf einen „baldigen, zufriedenstellenden Abschluss“ der Verhandlungen um ein juristisches Abkommen zwischen Israel und dem Vatikan Ausdruck. Die gesamte Ansprache im Wortlaut ist auf den Seiten von ZENIT nachzulesen.
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen veranstaltete unlängst eine Tagung zum Thema «Sakralbauten und Moscheekonflikte. Zur Formgebung religiöser Freiheit» an. Diskutiert wurde das Verhältnis von säkularem und religiösem Weltverständnis nicht von den Inhalten, sondern von den Formen her. Ganz besonders dringlich stellt sich diese Frage natürlich am sichtbarsten Symbol des Islam überhaupt: der Moschee. Tatsächlich entzünden sich europaweit an jedem neuen Moscheebau heftige Konflikte: Wie vielen Personen darf sie Raum bieten, wie hoch ihr Minarett gen Himmel ragen, wie laut – wenn überhaupt – der Muezzin rufen? Kerstin Knipp berichtet für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG von den Vorträgen und Diskussionen der Tagung: "Glaube als Zeichen. Eine Essener Tagung sucht Auswege aus Konflikten um neue Moscheebauten".
Der Link zum Bericht in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Ein sehr jüdisches Dilemma über Konversionen spaltet derzeit die jüdische Orthodoxie in Israel. Ein Prozess um die gültige Konversion einer Frau, die Rabbi Haim Druckman vor 15 Jahren zum Judentum konvertierte, hat die Konversion Tausender Konvertiten in Frage gestellt. Ein Rabbinatsgericht in Aschdod hatte die Konversion der Frau für ungültig erklärt, weil sie keinen orthodoxen Lebenswandel führt. Ebenso wurde ihren Kindern ihr Judentum abgesprochen. Gegen dieses Urteil hatte die Frau vor dem obersten rabbibnischen Gericht Klage eingereicht. Das Oberste Rabbinatsgericht unter dem Vorsitz dreier Richter bestätigte aber die Entscheidung des rabbinischen Bezirksgerichts. Zusätzlich erklärte es, dass alle Konversionen von Rabbi Druckman zweifelhaft sind, weil er nicht nach strikten rabbinischen Gesetzten verfahren sei. Dies hat einen Sturm der Entrüstung bei den Tausenden von Konvertiten hervorgerufen, die im Gegensatz zu der besagten Frau  einen orthodoxen Lebenswandel führen. Inzwischen greifen auch Ministerien ein. Die  Vorsitzende des Parlamentausschusses für  öffentliche Beschwerden, Sofa Landver, will  gesetzlich verankern, dass die Entscheidung,  jemandem zu konvertieren, nicht mehr rückgängig  gemacht werden kann. Auch Justizminister , Daniel  Friedman, will durch ein erweitertes  Rabbinatsgremium die Entscheidung des obersten  rabbinischen Gerichts, Konversionen von Rabbi  Druckman nicht anzuerkennen, aufheben lassen. Michael Krupp erläutert in einem längeren Bericht den Verlauf und die Hintergründe des heftig geführten Streits.
Sein Text ist in der Rubrik JÜDISCHE WELT zu lesen.

Die Juden brauchen eine Heimstatt, oder besser, sie haben sie schon gefunden, ganz woanders. Das ist die Phantasie, die der amerikanische Schriftsteller Michael Chabon in seinem neuen Roman "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" entfaltet. In Chabons Geschichtsfiktion hat sich das Unwahrscheinliche tatsächlich zugetragen. Die US-Regierung hat Europas Juden erlaubt, sich in Alaska niederzulassen. Millionen Juden sind so dem Holocaust entkommen und haben im Sitka-Distrikt einen Judenstaat mit Jiddisch als Landessprache errichtet. In diesem Szenario siedelt er eine äußerst spannende und lehrreiche Kriminalgeschichte an, von der Christoph Bertram in seiner Rezension für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG sehr angetan ist.
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Zwei mehr als außergewöhnliche Dokumentationen sind heute Abend im Fernsehen zu sehen.
Zum ersten "Das Lager der verlassenen Kinder". Sie hießen Hadassa, Dani, Ruffka oder Arie, sie waren zwischen sechs und fünfzehn Jahre alt - jüdische Kinder aus Polen und Russland, die Terror und Grauen der Nazi-Vernichtungsmaschinerie überlebt, aber Vater und Mutter verloren hatten. Auf der Suche nach Angehörigen irrten sie in den ersten Monaten nach Kriegsende allein umher. In einem Kinderlager, das die UNRRA, die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, in Lindenfels, einer kleinen hessischen Kurstadt im Odenwald, eingerichtet hatte, fanden viele von 1946 bis 1948 vorübergehend ein Zuhause. Der Dokumentarfilm schildert die Geschichte des Lagers und seiner Kinder.
Zum zweiten "The Cemetery Club": Lena und Minya - die Großtante und die Großmutter der Filmemacherin - leben in Jerusalem. Sie gehören der "Mount Herzl Academy" an, einer Gruppe alter Leute, die sich im Sommer jeden Samstag auf dem Mount-Herzl-Friedhof trifft, um über Gott und die Welt zu diskutieren oder Gedichte zu lesen. Mit viel Taktgefühl berührt Filmemacherin Tali Shemesh in ihrer Dokumentation auch das Thema Tod, sowohl den Tod von Clubmitgliedern, als auch im weiteren Sinne das Verschwinden einer ganzen Generation. Denn die alten Männer und Frauen gehören zu den letzten Zeitzeugen der Judenvernichtung in Europa und der Gründung Israels. Sie haben furchtbare Tragödien erlebt und große Hoffnungen gehegt, und sie haben sich bis ins hohe Alter Würde und Entschlossenheit bewahrt.
Weitere Infos zu diesen und weiteren Sendungen in den FERNSEH-TIPPS.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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