Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
28.02.2023 - Nr. 2022

ACHTUNG:

Die nächste Tagesausgabe erfolgt am Mittwoch, 8. März 2023.


Guten Tag!

Nr. 2022 - 28. Februar 2023



Nach der jüngsten Zunahme tödlicher Gewalt im Nahost-Konflikt wollten Vertreter Israels und der Palästinensischen Autonomiebehörde die Lage durch vertrauensbildende Maßnahmen stabilisieren. Und es schien, als sei dies gelungen, denn beide Seiten einigten sich bei einem Treffen in der jordanischen Hafenstadt Akaba auf einen „direkten Dialog“. Obwohl es mutmaßlich das erste direkte Treffen dieser Art im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahren war und entsprechend hoffnungsvoll aufgenommen wurde, eskalierte nahezu zeitgleich die Lage im Westjordanland, wie u.a. die FRANKFURTER RUNDSCHAU berichtet: "Teile der Stadt glichen einem Flammenmeer, es war kein spontaner Wutausbruch einer kleinen Gruppe fanatisierter Jugendlicher, der sich in den Abendstunden des Sonntags in Huwwara nahe Nablus zutrug: Rund 400 radikale jüdische Siedler:innen zogen mit Brandsätzen, Knüppeln und Steinen bewaffnet durch die Stadt. Dutzende Autos und rund zwanzig Häuser gingen in Flammen auf. Laut palästinensischen Angaben trugen bei den Ausschreitungen radikaler jüdischer Siedler:innen über dreihundert Menschen Verletzungen davon, ein 37-jähriger Sanitäter erlag seinen Verletzungen." In einer Analyse für WEB.de über die derzeitige Lage sprach Marie Illner mit Dr. Peter Lintl, Mitarbeiter in der Forschungsgruppe "Nordafrika und Mittlerer Osten" bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), und mit Dr. Daniel Mahla, Dozent für moderne jüdische Geschichte an der Universität Haifa. Beide befürchten eine weitere Eskalation im Fastenmonat Ramadan: "Steigende Gewalt in israel".
Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Erneut haben Hunderttausende am vergangenen Samstagabend zum achten Mal in Folge in verschiedenen Städten Israels gegen die von der Regierung vorgeschlagene Justizreform und ihre antidemokratische Politik protestiert. Allein in Tel Aviv kamen etwa 160.000 Menschen aus verschiedenen politischen Lagern zusammen, wie Anastasia Tikhomirova für die TAZ berichtet und eine Reihe von Personen aus der bunten Schar der Demonstrierenden porträtiert: "Sie alle treibt die Angst um, dass das Land, in dem sie leben, bald nicht mehr wiederzuerkennen sein wird."
Inge Günther weist in der FRANKFURTER RUNDSCHAU freilich auf einen entscheidenden Aspekt hin, der von den Protestierenden geflissentlich übersehen werde, "sowohl in der schwachen parlamentarischen wie der vielfältigen außerparlamentarischen Opposition: Besagte Justizreform zielt nicht zuletzt darauf ab, die besetzten Teile des Westjordanlandes zu schlucken und die seit Jahren voranschleichende Annexion zu passendem Zeitpunkt gesetzlich abzusichern."
In einem Beitrag für TAGESSCHAU.de schildert Jan-Christoph Kitzler, dass auch Israels Wirtschaft zunehmend auf Distanz zu den Regierungsplänen geht. Mehrere Unternehmen kündigten bereits an, Geld abzuziehen:
"Dabei ist die Kapitalflucht aus Israel offenbar bereits im Gange: Mehrere milliardenschwere Unternehmen haben angekündigt, Geld aus Israel abzuziehen. Das Wirtschaftsportal Calcalist berichtete, viele von 37 befragten Unternehmen hätten angegeben, insgesamt rund 780 Millionen Dollar aus Israel ins Ausland zu transferieren. Das betrifft vor allem den Hightech-Sektor, der für rund 54 Prozent der israelischen Exporte steht. Und auch viele private Investoren stellen den Berichten zufolge ähnliche Überlegungen an."

Im österreichischen STANDARD beschreibt Ido Baum, Professor an der Haim Striks School of Law in Israel, wie gefährlich die Justizpläne der Regierung Netanjahu für die israelische Demokratie aus seiner Sicht sind. Baum betont, dass Netanjahus eigentliches Vorbild für die Justizrevolution Viktor Orbáns Ungarn sei und beschreibt zugleich einen entscheidend unterschiedlichen Aspekt:
"Insgesamt jedoch sind die Aussichten Israels deutlich düsterer als die Ungarns, weil die ungarischen Behörden Beschränkungen von außen unterliegen. Die Europäische Union kann Ungarn mit Sanktionen belegen, und die Freizügigkeit von Menschen und Unternehmen innerhalb der EU hat zur Folge, dass Orbán auf eine Weise regieren muss, die verhindert, dass Anlegerinnen und Anleger sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Flucht ergreifen. Netanjahu unterliegt keinen derartigen Beschränkungen."

Im Interview mit der TAZ äußert der israelische Soziologe Nathan Sznaider die Befürchtung, dass Israel vor einem tiefen Einschnitt stehe. Angefangen habe dieser Prozess, so Sznaider, mit der Ermordung von Jitzhak Rabin:
"Das Milieu, das diesen Mord veranlasst hat, sitzt jetzt in der Regierung... Was man hier als das zweite Israel bezeichnet, also das 'orientalische', das religiöse, das orthodoxe, kommt einem sehr deutlich vor Augen, wenn man in Jerusalem aus dem Zug steigt. In Tel Aviv hingegen konnte man alles haben - Hightech, Gay-Pride, großartige Theater, gute Universitäten, alles. Wir lebten in der Illusion, das sei Israel, aber Tel Aviv war eine Illusion. In Wahrheit gibt es eine immer größere Bevölkerung, die eine ungeheure Abneigung gegen alles hat, was Tel Aviv, das Babylon, repräsentiert."
Auf die Frage, ob es in Anbetracht der Proteste vielleicht doch zu Neuwahlen kommen könne, antwortet Sznaider bitter: "Nein, sie werden durchregieren. Die Bande könnte sogar soweit kommen, dass sie die Wahlen abschafft."
Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Vor dem Hintergrund der vielen schlechten Nachrichten ist wohltuend hoffnungsvoll ein Porträt der israelischen Satirikerin Noam Shuster, über die Bodo Bost in der TAGESPOST schreibt. Mit der jungen israelischen Komödiantin habe jemand die Bühne betreten, die es wie niemand zuvor verstehe, auch den Palästinensern, trotz ihrer Leidensgeschichte, ihren Humor herauszulocken, weil sie perfekt das palästinensische Arabisch dafür in Szene setzen kann. Die sozial engagierte Tochter einer im Iran geborenen jüdischen Mutter und eines in Jerusalem geborenen Vaters, dessen Eltern Holocaust-Überlebende aus Rumänien waren, wuchs in dem israelischen Friedensdorf Neve Schalom auf halben Weg zwischen Jerusalem und Tel Aviv auf. „Coexistence My Ass!“ lautet ihr abendfüllendes Programm, "das zeigt, wie Humor genutzt werden kann, um Ungleichheit und Rassismus von innen heraus zu bekämpfen. Humor ist ein Instrument, das Millionen von Menschen erreicht, vor allem diejenigen, die für die herkömmliche politische Kommunikation unzugänglich sind. Noam Shuster ist mit ihrer scharfen politischen Satire zu viraler Popularität gelangt und sie hat sich auf einzigartige Weise als frische Stimme in einem faden Nahen Osten positioniert."
Der Link zum Porträt in der Rubrik ISRAEL INTERN
 
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Exakt gestern vor 90 Jahren, am Abend des 27. Februar 1933, brannte das Reichstagsgebäude in Berlin. "Es war die folgenreichste Brandstiftung der deutschen und der europäischen, vielleicht sogar der Weltgeschichte. Denn Reichskanzler Hitler und die NSDAP nutzten sie, um in einem beispiellosen Gewaltrausch ihre Macht in Deutschland zu festigen", schreibt Sven Felix Kellerhoff in seinem Beitrag in der WELT - und weist zugleich darauf hin, dass sich bis heute die Annahme halte, die Nazis selbst seien die Urheber gewesen und nicht der um 21.26 Uhr im Bismarcksaal nahe dem Plenum festgenommene Holländer Marinus van der Lubbe. Dem sei jedoch nicht so, die Forschung sei sich heute einig: die Nazis waren gewiss die Profiteure, nicht aber die Urheber der Brandstiftung: "Als der Reichstag in Flammen aufging".
Links zum Thema in der Rubrik VERGNAGENHEIT...

40 Jahre nach dem Skandal um die Veröffentlichung der gefälschten „Hitler-Tagebücher“ im „Stern“ stellt der NDR jetzt eine kritische Edition ins Internet. Darin wird deutlich, wie sehr es dem Fälscher Konrad Kujau auch um eine Umdeutung des Holocausts ging. Begleitet wird die digitale Veröffentlichung von einigen umfangreichen Beiträgen auf den Seiten des NDR. So etwa von Helene Heise, die eine Chronik des damaligen Skandals liefert. Und der NDR Journalist John Goetz beschreibt in einem 12 Seiten umfassenden Beitrag die Hintergründe des "Stern"-Skandals 1983 und berichtet über neue Recherche-Ergebnisse, die auf der Grundlage zahlreicher bislgang unbeachteter Quellen erzielt worden seien. Schließlich unternimmt der Politologe Hajo Funke eine in 14 Kapiteln gegliederte Analyse der "Hitler-Tagebücher".  Seiner Ansicht nach hatte die Fälschung eine klare Stossrichtung und war kein nur um der medialen Aufmerksamkeit willen inszenierter Scherz, sondern ein politischer Skandal: «Diese Tagebücher sind Ausdruck von Holocaust-Leugnung», sagt Funke. Die Urheber hätten Hitler von den schlimmsten Verbrechen der Nazis freisprechen wollen." Thomas Ribi zeigt sich gleichwohl skeptisch, was den Wert der publizierten Dokumente betrifft. In der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG schreibt er: "Die Art, wie aus der Sekundärverwertung einer Affäre publizistisches Kapital geschlagen werden soll, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher wird durch die Publikation nicht grösser. Aber auch nicht kleiner." Noch kürzer fasst es Thoralf Cleven für das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND zusammen: "60 Bände voller Unsinn: Adolf Hitlers Blähbauch und Eva Brauns Nachlässigkeit".
Viele Links zum Thema in der Rubrik VERGNAGENHEIT...

Robert Deutsch Maceljski war nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein bekannter Kunstsammler und Mäzen. An den Wänden seiner Zagreber Wohnung hingen Gemälde alter Meister neben Auftragsarbeiten zeitgenössischer Künstler, grossformatige Allegorien über Arbeit und Schönheit oder Familienporträts. Am seinem Beispiel beschreibt Martin Sander für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG das Problem, dass die Museen bis heute Voll von Kunstwerken sind, die der kroatische Ustascha-Staat einst jüdischen Sammlern raubte: "Erst wurden die kroatischen Juden enteignet, dann deportiert und ermordet".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Rachela Auerbach (1899–1976) war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der frühen Holocaustforschung. Im Warschauer Ghetto gehörte sie zu den Mitarbeitern des Untergrundarchivs von Emanuel Ringelblum. Nach dem Krieg begründete sie die Abteilung Zeugenberichte in Yad Vashem. Ihre Schriften, die in brillanter Sprache verfasst sind, lassen eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe erkennen. Endlich nun sind ihre Schriften aus dem Warschauer Ghetto auf Deutsch erschienen, wie Jim G. Tobias für die schweizer-jüdische Wochenzeitung TACHLES berichtet: "Der Tod spazierte durch die Strassen".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...

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Die hessische Landesregierung und die Stadt Frankfurt haben das seit Wochen umstrittene Roger-Waters-Konzert in Frankfurt abgesagt. Grund für die Entscheidung sei anhaltendes israelfeindliches Auftreten von Waters. Er sei einer der »reichweitenstärksten Antisemiten der Welt«, setze Künstler unter Druck, die in Israel auftreten wollten und fordere einen kulturellen Boykott des Landes. Die Konzertabsage solle ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. In der aktuellen Tour plant Waters in Deutschland weitere Auftritte in Berlin, München, Köln und Hamburg - aber auch dort regt sich unterdessen Widerstand: „Anhaltend israelfeindliches Auftreten“.
Die Links dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

In der Schweiz hat sich seit Beginn der Coronapandemie vor drei Jahren eine verschwörungsaffine Subkultur gebildet. Diese zeichnet heute für einen Grossteil der antisemitischen Vorfälle Online verantwortlich. Die Erhebungen des jüngsten Antisemitismusberichts, für die der Schweizer Israelitische Gemeindebund und die GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus verantwortlich sind, zeigen, dass diese Subkultur und ihre Telegramgruppen mittlerweile 75 Prozent aller Onlinevorfälle verursachen. Sie ist damit hauptverantwortlich dafür, dass auch 2022 eine Steigerung bei den antisemitischen Vorfällen in der deutsch-, der italienisch- und der rätoromanischsprachigen Schweiz verzeichnet werden muss, wie JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG, und die TACHLES berichten. Und in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG kommt schließlich im Interview Ralph Lewin, Präsident des Israelitischen Gemeindebundes, zu Wort: "Judenhass in der Schweiz wächst weiter".
Die Links zum Thema sowie zum Wortlaut des schweizerischen Antisemitismusberichts selbst in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

In der ZDF-Sendung "Markus Lanz" berichtete kürzlich Jens Marco Scherf, Landrat von Miltenberg (Bayern) und Grünen-Politiker, von einem bemerkenswerten Vorfall an einer Berufsschule in Miltenberg, bei dem es Widerstand von muslimischen Eltern gab, das Projekt "Meet a Jew" an der Schule durchzuführen. Im Interview mit der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG schildert er noch einmal die Hintergründe und äußert sich über Antisemitismus unter Zuwanderern und die Herausforderungen der Integrationspolitik: "Importierter Hass".
Der Link zum Interview in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

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In der Ekstase die Grenzen des Alltags zu überschreiten, diese uralte Sehnsucht ist auch heute noch weit verbreitet. Dabei gibt es viele Wege zur Ekstase: sei es ein ausgelassener Karnavel, wie kürzlich erst, durchtanzte Techno-Nächte oder schamanistische Rituale. Woher aber rührt unser Bedürfnis, außer sich zu sein? Wie viel Spiritualität liegt darin? Welche Gefahren bringen Zustände von Entgrenzung mit sich? Und welche Rolle spielt Ekstase in den Religionen? Ein Feature auf DEUTSCHLANDRADIO versucht Antworten zu geben: "Ekstase und Kontrollverlust: Auszeit vom Ich"
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Erstmals seit 100 Jahren ist in der arabischen Welt wieder ein neu erbautes jüdisches Bethaus eröffnet worden, die Moses-Ben-Maimon-Synagoge in Abu Dhabi. Sie ist Teil des sogenannten Abrahamic Family House auf der Kulturinsel Saadiyat. Das interreligiöse Projekt besteht aus drei völlig gleichwertig gestalteten kubischen Gebäuden: einer Moschee, einer Synagoge und einer Kirche, die durch einen Park und ein unterirdisches interreligiöses Zentrum miteinander verbunden sind. Das Projekt soll eine „abrahamitische“ Einheit der drei Weltreligionen zum Ausdruck bringen. Es ist „das Ergebnis“ des sogenannten Abu-Dhabi-Dokuments von Papst Franziskus, wie es auf der Internetseite des Apostolischen Vikariats Südliches Arabien heißt. Über die Eröffnung der Synagoge und das gesamte Projekt berichten die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG und die Plattform KATHOLISCHES.info: „Der Beginn einer neuen Phase in der Religionsgeschichte“.
Die Links dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Lässt sich aus dem Koran ein Anspruch der Palästinenser auf das Land Israel ableiten? Jedenfalls hört man dies oft in Gesprächen mit Muslimen, es stehe doch im Koran. Aber wissen die Muslime, wie sich der Koran tatsächlich über Israel äussert? Legitimiert dieser die religiösen Ansprüche auf dieses «Land»? Diesen Fragen widmet sich in einem instruktiven Beitrag für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG der liberale muslimische Theologe Abdel-Hakim Ourghi - und hält fest, was vermutlich nicht allen Muslimen gefällt:
"Insgesamt zehnmal spricht der Koran von der Gabe des «Landes» an die Kinder Israels. In dem ersten Vers der in Mekka offenbarten Sure 17 ist die Rede von dem «Land, das wir gesegnet haben». Die muslimischen Korankommentatoren sind sich darüber einig, dass es sich dabei um das Land des biblischen Israel handelt. Im Zusammenhang mit dem Exodus, dem Auszug der Israeliten aus Ägypten, ist in derselben Sure Folgendes zu lesen: «Und wir sagten zu den Kindern Israels: ‹Bewohnt das Land!›». Mit einem Imperativ wird den Israeliten das Land Israel zugewiesen, in das sie ausziehen sollen."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

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"Unsere Synagoge ist mit 250 Plätzen viel zu klein. An unseren hohen Feiertagen 2022 hatten wir knapp 700 Menschen, an Jom Kippur 900 Menschen hier." Rabbiner Yehuda Teichtal will im Westen von Berlin seine erst 2007 eingeweihte Synagoge deutlich vergrößern. Und dies wäre gewissermaßen nur eine jüdische Baustelle in der deutschen Hauptstadt, in der die Präsenz jüdischen Lebens unvermindert wächst, wie Christoph Strack für DEUTSCHE WELLE schildert: "Damit steht Berlin vor zwei großen Synagogen-Bauprojekten. In Kreuzberg soll die bei den Novemberpogromen 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge am Fraenkelufer während der nächsten Jahre komplett wiederaufgebaut werden, in Wilmersdorf steht die Erweiterung der Synagoge an."
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT

Vor einem Jahr sind sie aus der Ukraine gekommen, auf der Flucht vor dem Krieg. Wie es den Geflüchteten heute in Deutschland und der Schweiz geht, schildern JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG und die schweizer-jüdische Wochenzeitung TACHLES. Ebanfalls in den beiden Publikationen zu lesen sind Reportagen darüber, wie der Krieg die Identität der jüdischen Gemeinden in der Ukraine selbst verändert hat: "Im Krieg".
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

[Ursprünglicher Text an dieser Stelle aufgrund einer drohenden Unterlassungsklage seitens der Anwälte von Walter Homolka gestrichen]. Der Zentralrat der Juden hat dazu eine vorläufige Summary/Zusammenfassung publiziert, gegen die Homolka gerichtlich vorging. [Ursprünglicher Text an dieser Stelle aufgrund einer drohenden Unterlassungsklage seitens der Anwälte von Walter Homolka gestrichen], so der Zentralrat der Juden laut einem Bericht in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENEITUNG. Das Urteil ist Anlass für Karsten Krampitz im NEUEN DEUTSCHLAND in einem längeren Beitrag den "Fall Homolka" noch einmal umfassend zu schildern. Krampitz charakterisiert zunächst die gesellschaftspolitische Lage im Blick auf das deutsch-jüdische Verhältnis, zeichnet dann ausführlich die Biografie Homolkas und dessen Aufstieg nach und beschreibt das Netzwerk auf dem Höhepunkt seiner Macht. Abschließend resümiert er die jüngsten Ereignisse, die zum Fall Homolkas führten und diskutiert insbesondere Ungereimtheiten zu Homolkas Status als Jude, dessen Ausbildung zum Rabbiner und seiner Promotion: "Walter Homolka - Die Geschichte hinter den Vorwürfen".
Die Links zum Thema in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Viele junge Juden und Jüdinnen melden sich heute aktiv zu Wort, wenn es um religiöse oder gesellschaftspolitische Fragen geht. Doch wer sind diese jungen Menschen, die sich zu Wort melden? Was treibt sie an? Wie steht ihr politisches Engagement im Zusammenhang mit ihrer jüdischen Identität? In ihrem Buch "Wir lasen uns nicht unterkriegen" stellen Monty Ott und Ruben Gerczikow ein Kaleidoskop jüdischer Identitäten zusammen, das im Widerspruch zu der erinnerungskulturellen Festschreibung von Jüdinnen*Juden als passive Opfer steht. Sie lassen junge und jüdische Menschen zu Wort kommen, bieten ihnen ein Forum, auf dem sie von ihrem vielfältigen politischen Engagement und ihren Kämpfen berichten. Ihre Reportagen erzählen davon, wie eine junge Generation von Jüdinnen*Juden ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt hat, mit dem sie diese Gesellschaft verändern wollen. WATSON, das News-Portal für junge Erwachsene, hat mit den beiden über ihren Aktivismus, ihre jüdische Identität gesprochen und darüber, was sie sich von der deutschen Gesellschaft wünschen: "Jung und jüdisch: Wie gefährlich ist politisches Engagement für Juden in Deutschland?"
Der Link zum Gespräch in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Homosexualität und Kirche – über wenig andere Themen streiten sich Christen so leidenschaftlich. Was den einen als selbstverständlich erscheint, bringt andere dazu, ihre Kirchen zu verlassen, oder führt gar zu Kirchenspaltungen. Wie ist Homosexualität aus christlich-ethischer Sicht zu sehen? Was steht in der Bibel? Hartmut Rosenau befasst sich mit diesen Fragen in einem Beitrag für das SONNTAGSBLATT. Sein Fazit:
"Unter den genannten humanwissenschaftlichen, gesellschaftlichen und vor allem theologischen Voraussetzungen gibt es keine stichhaltigen oder durchschlagenden theologisch-ethischen Argumente gegen eine prinzipielle moralische, ekklesiologische und kirchenrechtliche Gleichstellung von hetero- und homosexuell geprägten Menschen."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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Die in Wien geborene Schriftstellerin Lili Grün schien eine grosse Zukunft zu haben. Sie war frech wie Tucholsky und melancholisch wie Mascha Kaléko. Nach der nationalsozialistischen Okkupation Österreichs im März 1938 hatte Lili Grün als jüdische Schriftstellerin jedoch keine Möglichkeit mehr zu publizieren. Verarmt und lungenkrank blieb ihr die Emigration verwehrt. 1942 wurde sie aus Wien deportiert und sofort nach ihrer Ankunft im weißrussischen Maly Trostinec ermordet. Ihre Romane sind noch immer ein Geheimtipp. Für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG hat Bernd Noack nun ihren Roman "Alles ist Jazz" gelesen.
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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