Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
26.05.2021 - Nr. 1951

ACHTUNG:

Die nächste Tagesausgabe erfolgt am Mittwoch, 2. Juni 2021.


Guten Tag!

Nr. 1951 - 26. Mai 2021



Die Waffen schweigen, die Trümmer werden weggeräumt, die Opfer betrauert - und der Kampf um die Deutungshoheit beginnt. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums kamen bei den israelischen Angriffen 248 Menschen ums Leben, unter ihnen 66 Kinder und Jugendliche. 1910 weitere erlitten Verletzungen. Israels Armee spricht dagegen von mehr als 200 getöteten militanten Palästinensern im Gazastreifen und versichert, man habe mit seinen Luftangriffen vor allem die militärischen Fähigkeiten der Hamas treffen wollen. In Israel starben zwölf Menschen, etwa 350 wurden verletzt. Unterdessen reklamieren beide Seiten den Sieg für sich - und "auf nahöstlich-paradoxe Weise haben auch beide profitiert", stellt Peter Münch in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG fest:
"Diese Solidarisierungswelle, die Palästinenser aus dem Gazastreifen, dem Westjordanland, Ostjerusalem und aus Israel zusammenbringt, ist der eigentliche Erfolg der Hamas in diesem Krieg. Einen gesellschaftlichen Sprengsatz, der auch nach dem Krieg gefährlich bleibt, hat sie damit mitten hinein in die israelischen Städte mit gemischter jüdischer und arabischer Bevölkerung geworfen. ... Als Sieger kann sich Netanjahu nämlich nun vor allem deshalb fühlen, weil der Gaza-Krieg die politische Situation in Israel zu seinen Gunsten verändert hat. Das Lager seiner Gegner, das bei Kriegsbeginn kurz vor der Bildung einer Koalition unter Einschluss arabischer Abgeordneter gestanden hatte, ist auseinandergefallen. Auf nahöstlich-paradoxe Weise haben ihm die Feinde von der Hamas noch einmal einen Rettungsring zugeworfen."
Sarah Hofmann weist in einem sehr persönlich gefärbten Beitrag für die DEUTSCHE WELLE darauf hin, dass die Auseinandersetzung "diesmal nicht nur zwischen Gaza und Israel ausgetragen (wurde), sondern auch innerhalb Israels kam es zu Zusammenstößen und Gewalt zwischen Juden und Arabern. Werden diese wieder aufhören - jetzt, wo eine Waffenruhe unterzeichnet ist? Oder trat hier nur zutage, was unterschwellig längst an Spannungen auch innerhalb Israels zwischen Arabern und Juden existierte und nicht so schnell wieder verschwinden wird?"
Und wie geht es nun weiter? Dr. Alexander Brakel, Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem, meint im Interview mit TAGESSCHAU.de:
"Es gibt momentan keine Mehrheit für einen echten Friedensprozess, der die Bereitschaft signifikanter territorialer Zugeständnisse an die Palästinenser beinhaltet oder die Bereitschaft, den Palästinensern in den besetzten Gebieten die israelische Staatsangehörigkeit zu geben. Im Gegenteil: Es gibt eine Mehrheit gegen den Friedensprozess, es gibt eine Mehrheit gegen territoriale Zugeständnisse an die Palästinenser. Das wird sich auch nach Netanyahus Weggang nicht ändern. Im Gegenteil: Es ist wahrscheinlich, dass es dann einen weiteren Rechtsruck in der israelischen Politik geben wird. Momentan ist Netanyahu Bremser bei vielen Herzensangelegenheiten der israelischen Rechten, vor allem beim Ausbau der Siedlungen."
Vor dem Hintergrund dieser skeptischen Lage sieht Malte Lehming in seinem Kommentar für den TAGESSPIEGEL eigentlich nur noch eine Möglichkeit:
"Vielleicht ist es an der Zeit, dass Israel der Hamas ein Verhandlungsangebot macht. An dieser Stelle sind empörte Einwände zu hören: Kein Appeasement! Mit Terroristen spricht man nicht! Doch erstens stimmt das nicht, weil Israel, zumindest indirekt, ohnehin Kommunikationskanäle zur Hamas unterhält. Und zweitens ist es historisch falsch. Als in Oslo mit der PLO verhandelt wurde, galt diese auch als Terrororganisation, Kontakte zu ihren Mitgliedern waren verboten. Dennoch entwickelte sich aus den Geheimverhandlungen eine politische Dynamik, die lange Zeit vielversprechend war. Und überhaupt: Was gibt es zu verlieren? Nichts. Die Gespräche können jederzeit wieder abgebrochen werden. Was gibt es zu gewinnen? Das wäre auszuloten. Warum es aus Stolz und Prinzip richtig sein soll, einen solchen Versuch zu unterlassen, ist nur schwer zu verstehen. Alles ist besser als Krieg, Raketen, Tod und Leid."
Links zu Hintergrundberichten und Interviews in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Das Aufflammen des Konflikts zwischen Israel und der Hamas hat die Spannungen in den Gebieten in Israel, in denen Palästinenser und Juden zusammenleben, verstärkt. Eine Normalisierung könnte Jahre dauern, schreibt Dana Regev für DEUTSCHE WELLE und liefert eine bedrückende Lageschreibung aus dem Inneren Israels. Ähnlich auch Win Schumacher in seiner Reportage für das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND. Mit der Waffenruhe kehre zwar langsam der Alltag zurück, aber die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Palästinensern in Städten, wo sie seit Jahrzehnten miteinander lebten, habe die Illusion einer "liberalen Blase" zerstört. Schumacher beschreibt dies vor allem am Beispiel des historischen Stadtteils Jaffa, wo Juden und Araber eng zusammenleben. In einer längeren Reportage begleitet mit beeindruckenden Fotografien zieht auch Inga Rogg in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG eine ähnlich sorgenvolle Bilanz. Sie war in Lod, wo die Synagogen brannten, und hat vor Ort mit vielen Menschen gesprochen und deren Eindrücke gesammelt. In der BERLINER ZEITUNG analysiert die in Marokko geborene israelische Professorin Eva Illouz die Lage in Israel und sieht jüdische Werte sowie die Vision eines friedlichen Miteinanders von Juden und Arabern bedroht. Sie schreibt:
"Der Bürgerkrieg legt die inneren Widersprüche frei, die Israel nie überwunden hat, vielleicht auch nie überwinden wird. Sein Ursprung liegt in einem schier unmöglichen Modell: eine Demokratie, die auf dem dauerhaften Ausschluss arabischer Bürger beruht. Welche guten Sicherheitsüberlegungen auch immer es für solch einen strukturellen Ausschluss geben mag: Er ist eine Quelle tiefsitzender Spannungen, die durch die fortgesetzte militärische Kontrolle der Palästinenser nur noch weiter befeuert werden. ... Die gewalttätigen Ausschreitungen signalisieren, dass Israel an einem Scheideweg steht: Es muss die palästinensische Frage lösen und internationale Standards der Menschenrechte im Westjordanland und in Gaza übernehmen. Andernfalls wird die Militärkultur der Kontrolle und der Aufhebung von Bürgerrechten sich über die Grüne Linie hinweg ausweiten. Israelische Araber werden nur dann vollwertige israelische Bürger, wenn ihren palästinensischen Brüdern politische Souveränität zugestanden wird."
Einzig Arthur Schwarzmann zeigt sich - ohne die Problematik zu verkennen oder zu verschweigen - in einem Beitrag für ISRAEL HEUTE optimistischer:
"Während die Medien damit beschäftigt sind, über die schrecklichen Vorgänge zu berichten, werden gemeinsame jüdisch-arabische Friedensbemühungen an den Rand gedrängt. So veröffentlichte die Stadtverwaltung von Haifa Fotos von Bewohnern, die Seite an Seite arbeiten und leben, in Nof HaGalil wurde ein Bild einer gemischten Kinderfußballmannschaft hochgeladen und das Religious Leaders Forum sprach sich deutlich gegen Gewalt aus und sagte mit Nachdruck: “Gewalt ist nicht Teil meiner Religion!” Auch der Vorsitzende der islamistischen Partei Ra’am, Mansour Abbas, gab eine versöhnliche Botschaft ab und sagte: “Wir sind bereit, uns an der Restaurierung der beschädigten Synagogen zu beteiligen. Ich werde dies leiten.” Noch ist nicht alles verloren."
Die Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Hat Deutschland die Raketen mitfinanziert, die auf Israel abgefeuert wurden? Der Bundesrechnungshof hat untersucht, ob Gelder des Auswärtigen Amtes (AA) über Umwege an die islamische Terrororganisation Hamas geflossen sind, will diese Informationen aber nicht preisgeben. Dagegen klagt nun das Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) zusammen mit der Rechtsanwältin Seyran Ates. Weitere Informationen und Hintergründe dazu sind in einem Bericht des HUMANISTISCHEN PRESSEDIENSTES nachzulesen: "Terror gegen Israel mit deutscher Unterstützung?"
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

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Dem schweizer Bundesrat ist am 25. Mai 2021 ein Konzept überreicht worden, welches die Schaffung eines Memorials für die Opfer des Nationalsozialismus verlangt. Rund 150 namhafte Erstunterzeichnende und 30 Organisationen unterstützten das Anliegen. Demnach soll in Bern ein innovativer Gedenk-, Vermittlungs- und Vernetzungsort entstehen. In der Schweiz ist diese Kombination von Erinnerung und Vermittlung neu und bisher einzigartig. Insbesondere die nächsten Generationen sollen mit dem Memorial zum kritischen Nachdenken über Vorurteile und Ausgrenzung befähigt werden. Die Demokratie und der Schutz der Menschenrechte stehen im Zentrum des Projektes. Doch die grosse Debatte steht noch an, mahnt Marc Tribelhorn in seinem Kommentar für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: "Die gerechte Erinnerung kommt nicht von allein".
Links zum Thema in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Der am  Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin promovierte Publizist und Lyriker Max Czollek, der 2018 mit seiner Streitschrift "Desintegriert Euch!" eine Kritik an der Funktionalisierung jüdischer und migrantischer Positionen in Deutschland vorlegte, dekonstruiert in einem engagierten Essay für die schweizer WOCHENZEITUNG vor dem Hintergrund des 100. Geburtstags von Sophie Scholl die "Mär vom bürgerlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus" und fragt, warum diese heute noch so populär ist:
"Der Nationalsozialismus in Deutschland wurde nicht von einer bürgerlichen Mitte verhindert, sondern massgeblich von ihr mitgetragen. Und ich tue mich auch schwer damit, die grosse bürgerliche Ablehnung rechter Politik und rechter Gewalt in der Gegenwart zu finden. Bürgerliche Mitte bedeutet auch heute meistens eine Legitimierung rechter Diskurse, die als Meinung einer vermeintlich schweigenden Mehrheit beworben wird. Nicht wahr, NZZ Deutschland? Auch 1933 ging der Widerstand gegen die Nazis nicht von bürgerlichen Kräften, sondern von Kommunistinnen, Sozialisten, Jüdinnen und Juden und einigen versprengten christlichen Gruppen aus. Nein, die bürgerliche Mitte hat und hätte den Nationalsozialismus nicht verhindert. Und auch in der Gegenwart ist sie eine weitgehend wirkungslose Antwort auf rechte und völkische Politik."
Er illustriert seine Argumentation am Beispiel des Hitlerattentäters Stauffenberg ("ein überzeugter Nazi, völkischer Nationalist und Antisemit") und vor allem am Beispiel Sophie Scholls, die "zu einer Art deutschen Anne Frank stilisiert" werde:
"Diese Stilisierung mag man unangemessen finden oder auch nicht, wie man im Übrigen auch darüber geteilter Meinung sein kann, was die Instagram-Aktion und den Aufruf zur Identifikation mit Naziopfern angeht. Die entscheidende Frage lautet: Warum wurde gerade diese junge Frau zur Ikone einer gesamtdeutschen Widerstandserzählung? Und nicht etwa die vielen Kommunisten, Sozialistinnen oder Juden und Jüdinnen, die ja, wie gesagt, den wesentlichen Anteil am Widerstand gegen den Nationalsozialismus innerhalb Deutschlands hatten?"
Der Link zum Essay in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Über 11.000 deutsche Juden überlebten den Holocaust, weil sie mit einem nichtjüdischen Partner verheiratet waren. Auf Grund ihrer familialen Verbindung zur "Volksgemeinschaft" nahm das NS-Regime sie von zentralen Verfolgungsmaßnahmen, Deportation und Vernichtung aus. Im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten galten sie daher als "privilegiert". Dennoch war die Mischehe keine Garantie für ein Überleben. Vor allem lokale Behörden gingen immer radikaler gegen die Mischehen vor. Viele Betroffene verloren dadurch nicht nur ihre Existenzgrundlage, sondern oft auch Freiheit und Leben. Maximilian Strnad hat nun die erste überregionale Gesamtdarstellung über Verfolgungsdruck und Handlungsräume von Mischehen im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit vorgelegt. Dirk Wagner stellt die Studie in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vor: "Das Gift in den Worten".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...

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Die anti-israelischen Kundgebungen in Deutschland haben den israelbezogenen Antisemitismus sichtbar gemacht. Wo aber fängt Hetze an? Was ist legitime Kritik? Hinzu kommt das Problem, dass die Parolen, die gerufen wurden und die gezeigten Transparente mit Aussagen versehen waren, die nicht immer auf den ersten Blick als Antisemitismus erkennbar sind. Die DEUTSCHE WELLE hat zwei Experten gebeten, die Aussagen einzuordnen: Daniel Poensgen vom Bundesverband Report Antisemitism RIAS und Tom Uhlig von der Bildungsstätte Anne Frank. Beide orientieren sich in ihren Einordungen an der Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz für Holocaustgedenken (International Holocaust Remembrance Alliance - IHRA): "Anti-israelische Demos: Welche Aussagen sind antisemitisch?"
Ein Problem, auf das auch Josef Schuster im Interview mit der AUGSBURGER ALLGEMEINEN eingeht und dabei u.a. beklagt, dass die Polizei und Justizbehören "ihren Aufgaben nicht immer gerecht" werden. Im Interview mit der BERLINER ZEITUNG findet der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn zu den Vorgängen auf unseren Straßen dabei deutliche Worte:
"Aktuell richten sich diese Demonstrationen von Anfang ganz ausdrücklich gegen Juden und Jüdinnen in Deutschland. Wir haben von Anfang an Angriffe auf Synagogen. Wir haben Drohungen gegen jüdische Gemeinden und eine extrem aggressive, nicht hypothetisch gewaltbereite, sondern praktisch gewalttätige Szene, die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte angreift, aber ausdrücklich Jüdinnen und Juden bedroht. Die Veranstaltungen sind von null auf hundert eskaliert. Es ist von vorn herein eine antijüdische, antisemitische Zielrichtung erkennbar. Dabei ist völlig egal, was in Israel gerade passiert. Das ist deutschlandweit relativ ähnlich."
Ermutigend und beeindruckend vor diesem Hintergrund ist hingegen, was Anja Reich in der BERLINER ZEITUNG schildert. Sie berichet von der Neuköllner Rütli-Schule, die vor 15 Jahren durch einen Brandbbrief bekannt wurde: mehr als 80 Prozent Schüler „nichtdeutscher Herkunft“, „totale Ablehnung des Unterrichtsstoffes und menschenverachtendes Auftreten“,  Lehrkräfte, die ignoriert und angegriffen werden, altes Schulgebäude, Polizeischutz. Vieles hat sich inzwischen zum Besseren gewendet und vor allem gibt es engagierte Lehrer wie etwa Mehmet Can, der Geschichte und Politik unterrichtet, 40 Jahre, Israel-Fan, türkischstämmig, nicht religiös ist - und mit seinen Schülern aus syrischen, afghanischen oder palästinensischen Flüchtlingsfamilien nach Israel und ins Westjordanland fliegt, damit sich alle selbst ein Bild vom „Konflikt“ machen können - und Vorurteile jeglicher Art abbauen: "Der Nahostkonflikt in Neukölln und die Heilige Erde im Kleiderschrank".
Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Antisemitische Beleidigungen und Übergriffe gehören für Jüdinnen und Juden oder Menschen, die für solche gehalten werden, auch im Sport zum deutschen Alltag. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie mit dem Titel »Zwischen Akzeptanz und Anfeindung. Antisemitismuserfahrungen jüdischer Sportvereine in Deutschland«, die der jüdische Turn- und Sportverband Makkabi Deutschland Mitte April der Öffentlichkeit präsentierte. Ralf Fischer stellt die Ergebnisse und Hintergründe der Studie in der JUNGLE WORLD näher vor: "Foul gegen die Juden".
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Von einem hoch interessanten Experiment berichtet Jürgen Kaube im Blog der FAZ. Bei dem Experiment, dessen Ergebnisse Raphael Max und Matthias Uhl gerade im Journal of Behavioral and Experimental Finance publiziert haben, geht es um den Zusammenhang zwischen Einstellungen zum Finanzmarkt in Deutschland und antisemitischen Haltungen. Der Clou des Experiments - so viel sei hier nur angedeutet, man muss das wirklich selber lesen! - hängt im Kern mit der Signalwirkung von Vornamen zusammen, was die beiden Forscher sich auf geschickte Weise zu nutze gemacht haben. Das Ergebnis mag kaum verwunderlich sein - Antisemitismus ist in Deutschland weit verbreitet bis tief in bürgerliche Schichten hinein -, aber die Methode des Experiments ist bemerkenswert und fördert jenseits des Problems Antisemitismus auch recht bedenkliche Erkenntnisse zur Einstellung der Deutschen gegenüber Macht und Kapital zu Tage: "Wenn Noah und Michael das Gleiche tun".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

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Morgen, am 27. Mai, ist es soweit: dann wird der Grundstein des gemeinsamen repräsentativen Baus der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam in der Baugrube auf dem Petriplatz im Zentrum Berlins gelegt. Das interreligiöse Projekt »House of One«, das vor mehr als zehn Jahren als Beitrag zum Dialog der Religionen begann, soll nun endlich seinen baulichen Rahmen bekommen, wie JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG und KATHOLISCH.de berichten. Und im DEUTSCH-TÜRKISCHEN JOURNAL kommt Ercan Karakoyun, einer der Mitgründer des "House of One" zu Wort und beschreibt noch einmal die Perspektiven und Hoffnungen, die sich mit dem Bau für eine gedeihliche Nachbarschaft von Judentum, Islam und Christentum verbinden: "Drei Religionen, ein Dach".
Die Links dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Wann wurde aus dem Reformer Jesus von Nazareth der Begründer einer neuen Religion? Die Trennung von Judentum und Christentum zog sich über mehrere Jahrhunderte hin. Die Abwertung des Jüdischen gehört zu den Identitätsmerkmalen der jungen Kirche. Bis heute ist sie nicht überwunden. Marie Wildermann zeichnet in einem Beitrag für DEUTSCHANDRADIO die Stationen nach, die zur Ablösung des Christentums vom Judentum und zur Entwicklung des Antijudaismus führten, bevor es zu einer Wiederentdeckung der Jüdischkeit Jesu im Christentum und Judentum in jüngerer Zeit kam: "Der Jude Jesus".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Die TAGESPOST hat mit dem in Israel lebenden Rabbiner David Rosen, einem der zentralen Persönlichkeiten im katholisch-jüdischen Dialog, über die religiöse Dimension im Nahostkonflikt gesprochen. Rosen meint: Religion ist im Nahostkonflikt nicht nur Teil des Problems, sondern auch der Lösung. U.a. sagt er:
"Der Konflikt hier ist im Wesentlichen ein territorialer Konflikt zwischen zwei konkurrierenden nationalen Befreiungsbewegungen, der des jüdischen Volkes – bekannt als Zionismus – und der des arabisch-palästinensischen Volkes. Wie bei den meisten Konflikten betreffen sie Menschen mit unterschiedlichen Identitäten, und diese Identitäten wurzeln in religiöser Kultur und Unterschieden. Infolgedessen werden diese verwendet und missbraucht, um sowohl die Ansprüche jeder Seite zu stärken als auch beklagenswert oft die Position der anderen Seite zu verunglimpfen."
Wie das Leben von Muslimen, Christen und Drusen in Israel tatsächlich aussieht, schildert Steffi Hentschke in einer beeindruckenden Reportage für DIE ZEIT. Sie hat die israelische Kleinstadt Schefar'am in den Bergen Galiläas besucht, wo seit dem dem elften Jahrhundert Muslime, Christinnen und Drusen zusammen leben. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts lebten auch Juden in der Stadt. Auch wenn die weggezogen sind, feiert Schefar'am den israelischen Unabhängigkeitstag – eine absolute Ausnahme in den übrigen arabisch bewohnten Orten. Während der Eskalation mit Gaza schlug hier auf einem Feld am Stadtrand eine Rakete aus dem Libanon ein. Der Fall machte aus dem Beispiel für eine friedliche Koexistenz ein Symbol für die Absurdität dieses Konflikts: "Getroffen".
Die Links zum Thema in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

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Produkte, die nach den jüdischen Speisegesetzen hergestellt werden, sind immer gefragter, auch in Österreich. Mittlerweile gibt es immerhin knapp drei Dutzend Produzenten von koscheren Produkten, sie erzeugen Softdrinks, Bier und Wein, Milchpulver, Süßwaren, auch Cerealien, Mehle, Snacks, Saucen und Öle. Aber jedenfalls viel zu wenig für die hiesige Gemeinde. Viele der Produkte müssen nach wie vor aus Großbritannien importiert werden, was nach dem Brexit komplizierter und teurer geworden ist. Kein Wunder, dass vor diesem Hintergrund auch bei österreichischen Produzenten das Interesse an der Produktion von koscheren Lebensmitteln gewachsen ist, erläutert Zoe Hackenberg in einem Beitrag für die BAUERNZEITUNG. Das Problem: viele heimische Lebensmittel-Produzenten wissen aber nicht, wie eine Koscher-Zertifizierung abläuft: "Ein Markt mit Potenzial".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Bis 2004 hat die Bundesrepublik die Türen weit aufgemacht für jüdische Zuwanderer aus Staaten der früheren Sowjetunion. Zehntausende konnten nach Deutschland kommen. Heute leben viele von ihnen in Altersarmut. Die Oppositionsfraktionen FDP, Linke und Bündnis 90/Die Grünen hatten daher bereits 2019 einen Antrag gestellt, in dem sie auf eine schnelle Lösung pochten: Entweder eine Anpassung des Rentengesetzes, Sozialversicherungsabkommen mit den Herkunftsstaaten, oder eine Härtefallregelung. Der Antrag der Opposition wurde damals abgelehnt, die Vorschläge seien nicht umsetzbar, fanden die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD. Wie sich die Problematik heute darstellt, schildert Nadja Bascheck in einem Bericht für DEUTSCHLANDRADIO: "Arm im Alter".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Michael Brenner, 1964 geboren, studierte in Heidelberg und an der Columbia University in den USA. Heute lehrt der Historiker an der Universität München und der American University in Washington. Brenner ist auch internationaler Präsident des Leo-Baeck-Instituts. Brenner will kein Forscher im Elfenbeinturm sein. Er mischt sich ein, stellt sich gegen Antisemitismus, kritisiert die AfD und betrachtet Geschichtsschreibung auch mit einem aktuellen Blick und Anspruch. Der Historiker, der sich mit der jüdischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert beschäftigt, erhält dieser Tage den erstmals verliehenen Salo-W.-und-Jeannette-M.-Baron-Preis. Er soll an Salo Wittmayer Baron erinnern, der als einer der Begründer der Jewish Studies in den USA gilt. Der österreichische STANDARD sprach mit Brenner anlässlich der Preisverleihung über die Fragen, Probleme und Herausforderungen, die sich einem jüdischen Historiker im Blic auf die jüdische Geschichte stellen: "Jüdische Geschichte so schreiben wie jede andere Geschichte"
Der Link zum Interview in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Die Hamas hat in den vergangenen elf Tagen Tausende von Raketen auf Israel abgefeuert. Häuser wurden zerstört, Menschen in Israel getötet, unter ihnen ein fünfjähriges Kind. Die Aggression scheint niemals aufzuhören. Wie wird der Einzelne, dessen Familie unter den Opfern ist, mit den Konsequenzen fertig? Wurde das jüdische Volk geboren, um zu leiden? Mit diesen schwierigen Fragen setzt sich Raphael Evers, Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, in einem Beitrag für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG auseinander: "Wo ist der Sinn?"
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Weiße Evangelikale wollen sich in den USA deutlich seltener gegen Corona impfen lassen als der Durchschnitt. Für Deutschland gibt es keine Statistiken, aber christlich-fundamentalistische Impfgegner finden sich auch hier. Corona gilt diesen Rechtgläubigen als Strafe Gottes, die ausgehalten werden muss, berichtet Christian Rother für DEUTSCHLANDRADIO:
"Geimpfte werden geächtet".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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Die israelische Bestseller-Autorin Zeruya Shalev hat einen neuen Roman vorgelegt: "Schicksal". Und es ist ein besonderer Roman, denn sie schreibt zum ersten Mal direkt über ihr Heimatland Israel, was nicht heißt, dass dies bei den anderen Romanen nicht der Fall war. „Liebesleben“, „Mann und Frau“ oder „Späte Familie“ jedoch erzählten universelle Geschichten und von Israel eher indirekt, von den Konflikten des Landes in Andeutungen und Metaphern. Das ist diesmal ganz anders, wie Julia Encke erläutert, die den Roman für die FAZ gelesen hat: "Die kurze Illusion".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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