Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
29.01.2015 - Nr. 1546

Judenhass, wieder und wieder



Zahl antisemitischer Taten in Frankreich 2014 verdoppelt



Im Vergleich zum Vorjahr hat es in Frankreich 2014 mehr als doppelt so viele antisemitische Taten gegeben. Staatschef Hollande sprach von einer "unerträglichen Realität" und kündigte einen Plan zur Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus an...

Frankreich geht gegen grassierenden Antisemitismus vor

[DER STANDARD (Österreich)]
Von Stefan Brändle | Die Zahl antijüdischer Gewalttaten im Land hat sich 2014 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt...




Judenhass, wieder und wieder



Diese Woche wurde der Befreiung von Auschwitz gedacht. Zur gleichen Zeit berichteten die Zeitungen, dass die Gewalt gegen Juden in Frankreich im letzten Jahr sprunghaft zugenommen habe...

Kein Urteil im Prozess wegen des Brandanschlags auf die Synagoge



Von Katharina Rüth | Es gab am Mittwoch kein Urteil im Prozess um den Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge. Drei Männer palästinensischer Abstammung, 18 bis 29 Jahre alt, sind wegen versuchter schwerer Brandstiftiung angeklagt...

»Dumpfer Judenhass und Antizionismus«



Von Richard Quaas | Die Anti-Israel-Kundgebungen haben das Klima in der Stadt vergiftet – ein Kommentar. [Der Autor ist Stadtrat in München] ...

Virtuelle Selbstverteidigung



Von Martin Köhler | Online gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit: Ein ZWST-Seminar schulte junge Erwachsene ...

Der rechte Nachwuchs



Von Josa Mania-Schlegel | Antisemitisch und fremdenfeindlich: Die Jugendorganisationen der AfD sind radikaler als die Mutterpartei. Nun sollen sie einen offiziellen Status erhalten...




Antisemitismus bedroht jüdisches Leben und Demokratie in Deutschland

Bielefeld - 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz ist der Antisemitismus immer noch stark ausgeprägt und erscheint in Teilen der deutschen Bevölkerung fest verankert zu sein. "Unsere aktuellen Studien zeigen einen beachtlichen Anteil von 18 Prozent der Deutschen, der die Auffassung vertritt, dass die Juden durch ihr Verhalten an ihren Verfolgungen mitschuldig seien, erklärte der Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielfeld, Andreas Zick am Dienstag.

Zick stellte am Holocaust-Gedenktag neue Zahlen und Ergebnisse zu antisemitischen Einstellungen in der deutschen Bevölkerung vor. Der Wissenschaftler David Schlangen präsentierte seine Analyse der Kommunikation der Pegida-Bewegung, in der laut den Forschern zunehmend auch Antisemitismus eine Rolle spielt. "Die Zustimmung zu offenen antisemitischen Vorurteilen ist im vergangenen Jahr nach den Sommerprotesten gegen Israel erneut angestiegen. Laut einer Umfrage des IKG im Jahr 2014 stieg zum Beispiel die Zustimmung zu antisemitischen Einstellungen zwischen Juni und September 2014.

23 Prozent – also fast ein Viertel – der älteren Deutschen ab 60 Jahren, meint, "Juden haben zu viel Einfluss in Deutschland". Bei den Jüngeren bis 30 Jahren ist die Zahl mit knapp zehn Prozent zwar deutlich geringer, sie bleibe aber seit Jahren beinahe auf einem ähnlichen Stand, hieß es weiter. Wie stark antisemitische Vorurteile verbreitet seien, zeigt sich nach Angaben der Forscher auch an einer Frage, die sich auf die Verfolgung und Ermordung von Juden in Nazi-Deutschland bezieht. Die Mehrheit der 2014 in der Studie "Fragile Mitte" Befragten äußerte sich verärgert darüber, "dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden."

"Gerade die Anti-Gaza-Demonstrationen im vergangenen Sommer haben Antisemitismus erneut auf eine erschreckende Weise aufbrechen lassen, und zwar durchaus auch in jenen Teilen der Bevölkerung, die sich selbst als Mitte versteht", so die Wissenschaftler weiter. "Der Reflex, die Geschichte der Schoah loszuwerden, erschwert das Erinnern nach Ausschwitz", so Zick. In Anbetracht der Hass-Taten gegen Jüdinnen und Juden und ihre Einrichtungen in Europa, wäre eher "ein unruhiges Erinnern" angemessen. "Der Antisemitismus bedroht das Leben von Jüdinnen und Juden und die Demokratie in Deutschland und  Europa“, sagte Zick.

Antisemitische Einstellungen treten nach Angaben der Forscher auch in der Pegida-Bewegung in Erscheinung. "Pegida ist gewissermaßen ein Sammelbecken für menschenfeindliche Einstellungen gegenüber einer ganzen Reihe von sozialen Gruppen", hieß es weiter. Zwar sehe man auf Pegida-Kundgebungen Israelfahnen, aber viele Europakritiker und Sympathisanten rechtspopulistischer Gruppen seien "mindestens klammheimlich antisemitisch".

Das IKG untersucht seit zwölf Jahren die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland. Nach Annahmen der Forscher ist dabei immer auch an den Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sowie anderen Vorurteilen zu denken. Insofern ergebe es Sinn, sich Pegida genauer anzusehen, erklärte Zick. Hintergründe zum Internet-Auftritt von Aktivisten und Sympathisanten von Pegida stellte David Schlangen vor, Computerlinguist an der Universität Bielefeld. Der Forscher hat die öffentliche Facebook-Kommunikation der Pegida-Bewegung untersucht.

Seinen Analysen zufolge kommt knapp vier Fünftel der Kommentare auf der Pegida-Facebook-Seite von Konten, bei denen der dazu eingetragene Name als männlich klassifiziert werden kann. Auf der Facebook-Seite von Pegida wird auch kommentiert von Facebook-Benutzern, die auch auf der Seite der NPD aktiv sind: "Etwa 3,5 Prozent der Kommentierer auf der Pegida-Seite melden sich auch auf der Facebook-Seite der NPD zu Wort. Von ihnen stammen etwa vier Prozent der Kommentare auf der Pegida-Seite", so Schlangen.

Internet: www.uni-bielefeld.de/ikg
 

(COPYRIGHT: Andreas Rehnolt
Microtext-Journalistenbüro)




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Hoffnungsträger Pegida



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