Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
02.04.2012 - Nr. 1328

ACHTUNG:

Die nächste tagesaktuelle Ausgabe erscheint am Mittwoch, 04. April 2012.


Guten Tag!

Nr. 1328 - 02. April 2012


Palästinenser haben am Wochenende gegen die Enteignung ihres Landes durch Israel und ihre Verdrängung aus Jerusalem protestiert. Bis zu zwei Millionen Teilnehmer hatten die Organisatoren bei diesem "Marsch auf Jerusalem" erwartet, aber es waren dann doch "nur" einige Zehntausend, die gegen die israelische Siedlungspolitik demonstrierten. Der „Tag des Bodens“ geht auf ein Ereignis zurück, das sich nicht im besetzten Palästina, sondern im Norden Israels ereignete. Bei Protesten gegen umfassende Landenteignungen in Galiläa wurden 1976 sechs israelische Araber, drei Männer und drei Frauen, erschossen. Jedes Jahr finden seither am 30. März diese Erinnerungsproteste statt, über die WELT, TAZ, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und NEUE ZÜRCHER ZEITUNG berichten. Auch in Berlin schlossen sich Demonstranten dem "Marsch" an. Timo Stein hat das für CICERO beobachtet: „Bei Israel seh' ich rot, Digga“
Die Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST AKTUELL und ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Der kanadische Zeichner Guy Delisle wurde mit seinen Comics über seine Aufenthalte in China, Nordkorea und Myanmar bekannt. Nun ist seine Graphic Novel »Aufzeichnungen aus Jerusalem« erschienen. Lakonisch und präzise erzählt er vom Alltag im Konfliktgebiet des Nahen Ostens. Jan Tölva stellt den Zeichner und sein Buch in der JUNGLE WORLD näher vor: "Im Land der hundert Meinungen".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Zipi Livni muss die Führung der israelischen Oppositionspartei Kadima abgeben. Sie verlor die Vorsitzendenwahl gegen den früheren Verteidigungsminister Schaul Mofaz. Ein knapper Wahlausgang war erwartet worden, am Ende aber wurde es für Zipi Livni ein peinliches Debakel: Sie erhielt bei den internen Wahlen nur rund 37 Prozent der Stimmen, Rival Mofaz klare 62 Prozent. Hans-Christian Rössler und Ben Segenreich berichten über die Wahl für FAZ und den österreichischen STANDARD. Und Charles Landsmann hat für den TAGESSPIEGEL ein Porträt des Gewinners geschrieben: „Ich werde Netanjahu besiegen“.
Die Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Während draußen seit Jahren der heftigste Schlagabtausch regiert, spielt das innerhalb der Mauern des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem für Israelis und Palästinenser, für Ärzte und Patienten so gut wie keine Rolle. Das Krankenhaus liegt auf dem Mount Scopus in Ostjerusalem und ist bekannt dafür, dass es keinen Unterschied macht, ob jemand Jude ist oder Muslim, Israeli oder Palästinenser. Bis zu 40 Prozent aller Patienten dort sind Araber, 12 Prozent der Angestellten ebenfalls. Und 46 der 850 Ärzte stammen aus Palästina. Vor hundert Jahren hat das Projekt Hadassah begonnen, dessen Geschichte und Gegenwart Harro Albrecht in der ZEIT erzählt: "Die Nahost-Klinik".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Israel ist ein schönes Land, doch der Atomkonflikt mit dem Iran beherrscht seit Wochen den Alltag. Grund genug, meint Michael Borstede in der WELT, potentiellen Israel-Reisenden zu empfehlen, neben der Badehose auch eine Gasmaske einzupacken, denn im Ernstfall könnten Sie ohne dastehen: "Urlaub in Israel? Vergessen Sie die Gasmaske nicht!"
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Wie viele Juden und Jüdinnen ab 1941 in Deutschland untertauchten, um Deportation und Ermordung durch die Nazis zu entgehen, ist nicht eindeutig geklärt. Schätzungen gehen von 10.000 bis 15.000 Menschen aus. 7.000 davon versteckten sich in Berlin. In dieser Illegalität überlebt haben etwa 5.000, davon etwa 1.700 in Berlin. Waltraud Schwab erzählt in der TAZ die Geschichte einer Familie, die sich zweieinhalb Jahre vor den Nazis versteckten: "Drei Winter lang".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Seit der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, vor dem Hintergrund antisemitischer und rassistscher Ausschreitungen in den Fußballstadien und im Blick auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine einen Besuch der Nationalmannschaft in einem der polnischen Vernichtungslager angemahnt hat, rätselt man im Deutschen Fußballbund, ob und wie man darauf reagieren soll. In einem für seine Verhältnisse ungewöhnlich unaufgeregten Beitrag schildert Henryk M. Broder in der WELT die Optionen, die sich dabei dem DFB anbieten, während im Interview mit der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach unterstreicht: »Eine DFB-Delegation wird Auschwitz besuchen«.
Die Links zum Thema in der Rubrik VERGANGENHEIT...

In der TAZ denkt Hilal Sezgin über die Ursachen, Grundlagen und Folgen des Attentats in Toulouse für die muslimische Welt nach und weist auf einige ihrer Ansicht nach fatale Reaktionsmuster hin. In der JUNGLE WORLD wiederum beschreibt Tilman Vogt, wie man insbesondere in der jüdischen Gemeinschaft in Frankreich auf die antisemitischen Mordtaten reagiert hat. Dabei zeigt sich, dass in den vergangenen Jahren bereits viele Juden die mehrheitlich von Muslimen bewohnten Banlieues verlassen haben, während man in der Hauptstadt Paris dagegen auch nach dem Anschlag von einer zunehmenden Angst kaum etwas verspüre: "Brüchige Normalität".
Die Links dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die ultrakatholische Internetseite „kreuz.net“ als grundgesetzwidrig ein. Der Präsident der Behörde, Heinz Fromm, antwortete auf eine entsprechende Anfrage des Grünen-Abgeordneten Volker Beck mit recht klaren Worten: Die Seite zeichne sich "durch homophobe, muslimfeindliche und antisemitische Äußerungen" aus, schreibt Fromm, wie der KÖLNER STADTANZEIGER berichtet. Das findet sogar Beifall bei der konservativ katholischen TAGESPOST, in der Markus Reder eine verstärkte Beobachtung von kreuz.net durch die Verfassungshüter "nicht nur wegen der muslimfeindlichen, antisemitischen und menschenverachtenden Äußerungen" begrüßt, sondern auch, weil dort "über den Papst ... hergezogen" wird und dieses "Internetportal ... einen schweren Schaden für die Kirche" verursache.
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Mit einer neuen These zur Quelle des frühchristlichen Antijudaismus lässt der Wiener Judaist Peter Landesmann aufhorchen, schreibt die katholisch-österreichische Nachrichtenagentur KATH.WEB: Die antijudaistischen Angriffe, die sich etwa in den Schriften der Kirchenväter in den ersten vier Jahrhunderten der noch jungen Christenheit finden, zielten Landesmann zufolge nicht auf die Juden, sondern auf die Judenchristen. Unter Judenchristen versteht man jene Gruppe von Christen, die Jesus als Messias bekannten, zugleich aber den jüdischen Traditionen treu blieben. Sie gerieten immer wieder mit den sogenannten Heidenchristen in Konflikt, also jenen, die ohne Beachtung der jüdischen Vorschriften und ohne Beschneidung den christlichen Glauben annahmen: "Wiener Judaist entfaltet neue These zur Quelle des Antijudaismus".
Der Link zum Bericht in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

„Die Wirtschaftskrise hat verstärkt aufgezeigt, wie sehr die Ethik im wirtschaftlichen Denken fehlt“: so lautet die Schlussfolgerung, zu der die bilaterale Kommission des israelischen Großrabbinats und des Heiligen Stuhls für die Beziehungen zwischen den beiden Konfessionen nach ihrer elften Zusammenkunft kommt. Das Thema des Treffens, das vom Rabbiner Shear-Yashuv Cohen und vom Kardinal Peter Turkson moderiert wurde, lautete: „Religiöse Perspektiven in der aktuellen Finanzkrise: Gedanken zu einer gerechten Wirtschaftsordnung“. RADIO VATIKAN und KATH.WEB berichten über das Zusammentreffen: "Jüdisch-katholische Gedanken zu einer gerechten Wirtschaftsordnung".
Die Links dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Die Wahl des Sozialdemokraten Peter Feldmann zum neuen Frankfurter Oberbürgermeister war auch in ihrer Deutlichkeit für viele eine Überraschung, ja, eine kleine politische Sensation. Was in dem auch bundesweit aufmerksam verfolgten Wahlausgang kaum kommuniziert wurde: Feldmann ist Jude, wurde 1958 in Helmstedt geboren und lebte nach dem Abitur ein Jahr lang in Israel. Mit seinem Amtsantritt am 1. Juli wird er damit erst der zweite jüdische Oberbürgermeister einer bundesdeutschen Großstadt nach Herbert Weichmann (1965–1971) in Hamburg sein. Hiede Sobotka schildert in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG, wie die jüdische Community auf dieses Ereignis reagiert: "Der den Römer regiert".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Und noch ein Frankfurter: Seit anderthalb Jahren steht der Frankfurter Dieter Graumann an der Spitze des Zentralrats der Juden. Die FAZ führte mit ihm vor diesem Hintergrund ein Gespräch und befragte ihn zu seiner persönlichen Geschichte wie auch zur Verfassung der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Auf die Frage, ob es nach dem Sterben der Erlebnisgeneration des Holocaust etwas anderes gebe, das die jüdische Gemeinschaft dann ebenso stark zusammenhalten könne, antwortete Graumann:
"Natürlich, denn das würde ja implizieren, das Judentum begründe sich ausschließlich durch den Holocaust. Das wäre schrecklich traurig. Wir können uns doch nicht nur über unsere Katastrophen definieren. Natürlich spielt der Holocaust für die jüdische Identität weltweit eine bedeutende Rolle. Forscher haben festgestellt, dass in Büchern über das Judentum, die in den letzten dreißig Jahren erschienen sind, die Wörter „Holocaust“ oder „Shoah“ häufiger vorkommen als „Gott“ oder „Thora“. Der Holocaust darf aber nicht zur Ersatzreligion oder zur Ersatzidentität werden. Judentum muss sich doch viel mehr über positive Dimensionen definieren, denn davon gibt es sehr, sehr viele."
Der Link zum Interview in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich wurde vor wenigen Tagen 150 Jahre alt – das gab der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG Anlass, Fragen zur Geschichte und zur gegenwärtigen Befindlichkeit der Juden in der Schweiz zu stellen. Antworten gibt der Religionslehrer Michel Bollag - ergänzt von einem Porträt des orthodoxen Rabbiners Marcel Yair Ebel, der der 150-jährigen Zürcher Einheitsgemeinde vorsteht: "Der Trolleybus-Rabbiner".
Die Links zu Interview und Porträt in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Er ist homosexuell und Kandidat für das Priesteramt. Eine Kombination, die von der katholischen Kirche so nicht vorgesehen ist. Sie nennt sein Leben „ungeordnet“. Anvertrauen kann sich der junge Mann niemandem – und er ringt mit seiner Berufung, wie Cornelia Kästner in ihrem Porträt im TAGESSPIEGEL schildert: "Gottes geliebte Söhne".
Der Link dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Vor dem anstehenden Pessachfest steht wie üblich ein spezifisch jüdischer Frühjahrsputz an. Weil in dieser Zeit gesäuertes Brot verboten ist, reinigen traditionelle Juden nämlich ihre Wohnung, um auch ja noch die kleinsten Krümel zu erwischen. Wie turbulent es dabei zugehen kann, beschreibt Eva Lezzi in ihrem Kinderbuch "Chaos zu Pessach". Gerald Beyrodt hat es gelesen und schildert seine Eindrücke im DEUTSCHLANDRADIO: "Die brotfreie Zeit des Jahres".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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