Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
24.11.2011 - Nr. 1302

ACHTUNG:

Die nächste Ausgabe erscheint am Montag, 28. November 2011.


Guten Tag!

Nr. 1302 - 24. November 2011


An diesem Mittwoch kamen Fatah-Chef Mahmud Abbas und Hamas-Chef Chaled Meschaal in Kairo zusammen, um über die Bildung einer gemeinsamen Regierung und die Organisation von Neuwahlen zu reden. Am 3. Mai hatten beide Fraktionen in Kairo ein entsprechendes Versöhnungsabkommen unterzeichnet, das aber bisher nicht umgesetzt wurde. Für die Fatah könnte die Versöhnung auf Seiten Israels und der USA auf Ablehnung stoßen - und die Hamas steht unter dem Druck der ägyptischen Moslembrüder, die vor den Wahlen auf keinen Fall negative Schlagzeilen wünscht. Inge Günther und Hans-Christian Rössler berichten für BERLINER ZEITUNG und FAZ aus der Region: "Das palästinensische Dilemma".
Die Links zu den Reportagen in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Eine Reihe neuer Gesetzesentwürfe der rechtsgerichteten Koalition in Israel würden demokratische Grundrechte aushebeln - meinen keineswegs nur kritische Journalisten. Das Klima für kritische Medienvertreter und Organisationen in Israel wird zusehends rauer. In die Serie antidemokratischer Gesetzesreformen gehört auch ein Entwurf, der direkt auf die Unabhängigket der - wie viele sagen - letzten liberalen Instanz im Lande zielt: das Oberste Gericht. Einigen Abgeordneten geht das alles immer noch nicht weit genug. In einem weiteren Gesetz über die „jüdische Identität“ wollen sie festschreiben, dass der jüdische Charakter des Staates Vorrang vor dem demokratischen Regierungssystem habe. Allerdings formiert sich nun auch Protest: Etwa 2.000 Menschen haben am Dienstagabend auf dem Habima-Platz in Tel Aviv demonstriert.
Links zu Berichten und Reportagen zum Thema in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Der Trend unter den Nichtreligiösen, die ihnen zu "heilig" gewordene Stadt Jerusalem gegen das pulsierende, quicklebendige Tel Aviv einzutauschen, hat Jerusalem in den vergangenen Jahren ein negatives Wachstum beschert. Von den 800.000 Einwohnern ist inzwischen jeder Vierte ultrafromm, Tendenz steigend. Aber auch in Tel Aviv selbst dringen orthodoxe Juden immer mehr in das weltliche Ambiente ein, was zunehmend Widerstand provoziert. Susanne Knaul berichtet für die TAZ über die Situation in Jerusalem und Inge Günther in der STUTTGARTER ZEITUNG über Tel Aviv: "Sabbatkerzen vorm Supermarkt".
Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Der scheidende israelische Botschafter in Deutschland, Joram Ben Ze´ev, hat ein Verbot der NPD gefordert. In einem Abschiedsinterview mit der BILD-Zeitung sagte er, die Partei stelle "dieses demokratische Land infrage". Im Wesentlichen jedoch handelt das Interview jedoch mehr über das deutsch-israelische Verhältnis und wie Ben Ze´ev seine Jahre hier erlebt hat. Auf die Frage etwa, was er denn nach seiner Rückkehr nach Israel wohl am meisten vermissen werde, antwortet er entwaffendend kurz und offen schlicht: "Deutschland!".
Der Link zum Inteview in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

"Ich glaube, es fehlte der Wille, Hitler zu stürzen", sagt der britische Historiker Ian Kershaw im Interview mit der TAZ über sein neues Buch "Das Ende", in dem es um den Durchhaltewillen des Nazi-Regimes geht:
"Mussolini ist von innen gestürzt worden - von seinem eigenen faschistischen Großkonzil. In Deutschland war das anders ... Es gab eine gewisse Leitkultur in Deutschland. Diese Beamten wurden so ausgebildet und indoktriniert, dass sie ein ausgesprochenes Pflichtgefühl entwickelten ... In England hätten die Menschen vielleicht ähnlich agiert, aber doch nicht ganz so konsequent. In Italien erst recht nicht."
Der Link zum Interview in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Heute vor 70 Jahren, am 24. November 1941, kamen die ersten Juden in einem sogenannten Aufbaukommando im KZ Theresienstadt an. Die NS-Propagandisten verleihen dem Lager von Anfang an das Image einer Art jüdischer Mustersiedlung, um damit die Vorwürfe und Gerüchte über die systematische Ermordung der europäischen Juden zu entkräften. DOMRADIO und JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG erinnern an das vermeintlich schöne Leben in einem jüdischen Ghetto.
Die Links dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Erst stärkten sie ihm den Rücken, jetzt setzen sie ihn doch vor die Tür: Der Sender RBB trennt sich von seinem umstrittenen Mitarbeiter Ken Jebsen. Der Radiomoderator habe gegen journalistische Standards verstoßen, so die Begründung. Im Kern geht es um antisemitische Äußerungen von Jebsen, die einen Sturm der Entrüstung auslösten (siehe Compass 15.11.2011). Jebsen wies die Vorwürfe per YouTube-Video von sich - es nützte ihm nicht.
Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

"Rechtsradikale Gesinnung ist eine Gefahr für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft und bedroht unsere Demokratie", schreibt der Koordinationsrat der Muslime vor dem Hintergrund der rechtsterroristischen Morde, die mehrheitlich muslimische Bürger zu Opfern machte, in einem offenen Brief an den deutschen Staat und die deutsche Öffentlichkeit, der in der BERLINER ZEITUNG zu lesen ist. Wörtlich heißt es u.a.:
"Als Muslime in Deutschland sind wir äußerst besorgt und leben in diesen Tagen in einem bedrückenden und beängstigenden Gefühl der Unsicherheit. Die Existenz einer Art Todesliste, in der auch tausende Namen von muslimischen und türkischen Personen sowie Einrichtungen aufgelistet sind, gibt Anlass zur Sorge. ... Wir fragen uns, was nährt diesen rechtsradikalen Extremismus und Terrorismus in unserem Land?"
Dass die Politik in Deutschland nun mit einer zentralen Trauerfeier an die Opfer der Neonazi-Morde erinnern will, ist in den Augen des Ex-Chefredakteurs der "Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung", Christian Böhme, schlicht "eine heuchlerische Veranstaltung". Denn jahrelang haben die Verantwortlichen die Gefahr des Rechtsextremismus verdrängt, schreibt er im österreichischen STANDARD. An gleicher Stelle warnt indes der Historiker und ehemalige Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung, Wolfgang Benz, mit einem Verbot der NPD das Problem lösen zu können. Anstatt nun reflexartig und eilfertig neue Programme gegen Rechts zu erfinden oder zum wiederholten Mal über ein NPD-Verbot zu diskutieren, solle die Politik aber lieber kompetente und etablierte Organisationen im Kampf gegen Rechtsextremismus unterstützen. Ein Zentralregister für Neonazis, wie es der Innenminister vorschlägt, sollte es nach Benz schon seit 30 Jahren geben.
"Wir brauchen eine neue Entschlossenheit bem Kampf gegen Rechts", betonte der Zentralratspräsident Dieter Graumann am Mittwoch gegenüber der THÜRINGISCHEN LANDESZEITUNG in Weimar, wo dieser Tage die Jahrestagung des Zentralrats stattfinden wird. Große Hoffnungen auf die Schule im Kampf gegen den Rechtsextremismus setzen Snem Kleff, Vorsitzende des Vereins Aktion Courage e. V., und Eberhard Seidel. Zusammen leiten beide das Netzwerk "Schule ohne Rassismus". in der TAZ begründen sie ihre Hoffnung auf die Schule u.a. so:
"Für die primäre Prävention gegen die Radikalisierung gibt es keine geeignetere Einrichtung als die öffentlichen Schulen. Denn kein Kind in Deutschland kann sich der zehnjährigen Schulpflicht entziehen. Das bedeutet: Die Schule ist der Ort, an dem alle Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren erreicht werden können. Hier entscheidet sich, welchen Werten Menschen in ihrem Leben folgen und wohin sich dieses Land entwickelt."
Links zu den genannten und weiteren Beiträgen zum Thema in der Rubrik RECHTSRADIKALISMUS.

Online-Dating wird immer populärer. Einer Studie des Hightech-Verbandes Bitkom zufolge hat jeder vierte Deutsche bereits Erfahrungen mit Online-Dating gemacht. Bei den Unter-30-Jährigen kann sogar jeder Zweite auf einen virtuellen Flirt zurückblicken. Die Zuwachsraten treffen auch auf konfessionell-religiös dominierte Portale zu. Etwa die jüdische Online-Partnerbörse ""Jewish Singles & Friends", die über 6.000 Mitgleider zählt. Auch die Muslime tummeln sich online: Dating-Plattform "Muslimlife", 2008 ins Leben gerufen, ist inzwischen zu eine der größten islamischen Partnerbörsen auf dem deutschen Markt gewachsen. Jannis Hagmann gibt in der TAZ einen Einblick in die Welt der Online-Partnersuche von Juden, Christen und Muslimen: "Im Internet ist es leichter".
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

"Unsere Stipendiaten sind die jungen Gesichter des Islam in Deutschland, der Nachwuchs für die neuen theologischen Lehrstühle", sagt Bernhard Lorentz von der Stiftung Mercator. Die Lehrstühle hatte die Bundesregierung im Vorjahr zunächst an vier Universitäten gestiftet, um Millionen Muslimen in Deutschland auch eine akademische Heimat zu bieten. Dabei wurde die Doktorandenförderung aber einfach vergessen. Jetzt unterstützt die Stiftung Mercator vier Frauen und drei Männer mit Promotionsstellen an ihren Heimatunis in Hamburg, Paderborn, Münster, Frankfurt und Erlangen und außerdem in gemeinsamen Summer Schools. Hermann Horstkotte stellt sie in der ZEIT näher vor: "Die neuen Gesichter des Islam".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin muss sich neu ausrichten. In gut einer Woche wählen die Mitglieder neue Repräsentanten und es wird auch einen neuen Vorstand geben. 9.300 wahlberechtigte Gemeindemitglieder wählen am 4. Dezember eine neue Repräsentantenversammlung mit 21 Mitgliedern. 62 Kandidaten treten an. Die Gemeinde betreibt sechs Synagogen, eine Grundschule, ein Gymnasium und eine Kita, Friedhöfe sowie Sozial- und Kulturprojekte - und ist chronisch verschuldet. Die BERLINER ZEITUNG und die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG berichten über die Situation und stellen Kandidaten und Programme vor: "Jüdische Gemeinde sucht Sparkommissar".
Die Links dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Die Vergangenheit der Juden und Zwangsbekehrten in Palma de Mallorca erweist sich zunehmend als Magnet für jüdischen Tourismus. Nun will  die Stadt das Thema noch offensiver bewerben und erwägt die Errichtung eines Besucherzentrums und eine verstärkte Pflege des historischen Erbes des alten jüdischen Viertels. Auch eine Ausstellung über die Geschichte der Juden und der "xuetes" (Nachkommen der zwangskonvertierten Juden) soll erstellt werden, wie die deutschsprachige MALLORCA-ZEITUNG berichtet: "Palmas Judenviertel: Das unsichtbare Reiseziel".
Der Link zum Bericht in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Eine blutige Leiche liegt am Fuß einer Treppe. Im Prinzip nichts Ungewöhnliches für die Münchener Tatort-Kriminalkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachveitl). Nur, dass diese Treppe sich im Jüdischen Zentrum der bayerischen Hauptstadt am Jakobsplatz befindet und der Tote Jude ist, ebenso wie sämtliche Tatverdächtigen. Kein »ganz normaler Fall« also, wie der selbstironische Titel des jüngsten Tatorts lautet, den die ARD am kommenden Sonntag, den 27. November, um 20.15 Uhr ausstrahlt. Am Montagabend wurde der Krimi bereits vorab in der jüdischen Gemeinde gezeigt - und anschließend diskutierten – neben den Schauspielern – Charlotte Knobloch (Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde), Michael Brenner, (er lehrt Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU) und Andreas Bönte (BR). Die MÜNCHNER ABENZEITUNG und die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG berichten: "Tatort in der Synagoge".
Die Links dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

„Jeder Bursch und sein Mäderl, mit einem Fresspaketerl, sitzen heute im grünen Klee – Schatz, ich hab eine Idee: Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau, gehen wir Tauben vergiften im Park!“
Daraus wurden für das Kabarett eine Legende, für Georg Kreisler Erfolg und Fluch zugleich. Nun ist er 89-jährig gestorben. 16 Jahre war der Anwaltssohn Georg Franz Kreisler alt, als er 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland zur amerikanischen Botschaft in Wien ging, um für sich und seine jüdischen Eltern in letzter Minute ein US-Visum zu beantragen. Die behütete musische Kindheit in Wien lief nicht aus, sie wurde mit einer Todesdrohung abgebrochen. Von der Flucht blieb Kreisler lebenslang das peinigende Gefühl der Heimatlosigkeit. Ein "tieftrauriger Anarchist", wie es in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG heißt.
Links zu Nachrufen auf den Künstler in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Zusammen sind sie Deutschlands zweitgrößter Arbeitgeber: die evangelische und die katholische Kirche. Unternehmen mit Milliardenumsätzen befinden sich in frommen Händen. Dazu zählen die Verlagsgruppe Weltbild, die nun verkauft werden soll. Hauptkritikpunkt ist, dass der Konzern auch erotische, okkultistische oder esoterische Inhalte vertreibt. Nun haben die deutschen Bischöfe offenbar endgültig ihre Geduld verloren, wie WELT und SÜDDEUTSCHE ZEITUNG berichten. Und PUBLIK FORUM nimmt den Fall zum Anlass, auch über ihn hinausgehend zu fragen: "Womit verdient die katholische Kirche in Deutschland eigentlich sonst noch Geld?".
Links zum Thema in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Wie lassen sich das Leid, das Böse und die Ungerechtigkeit auf dieser Welt mit der angeblichen Güte Gottes in Einklang bringen? Diese Frage drängt sich immer wieder auf und ist auch Ausgangspunkt des Buches „Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte“ von Navid Kermani, der als Sohn iranischer Eltern in Deutschland geboren und aufgewachsen ist. Heute lebt der Orientalist als freier Schriftsteller in Köln. Das bereits 2005 erschienene Buch wird nun als Taschenbuch neu aufgelegt. Anlass für die BERLINER LITERATURKRITIK es noch einmal vorzustellen: "Hadern mit Gott".
Der Link dazu in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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