Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
21.10.2011 - Nr. 1296

ACHTUNG:

Am Montag, 24. Oktober 2011, erscheint KEIN COMPASS!
Die nächste Tagesausgabe erfolgt am Dienstag, 25. Oktober 2011.


Guten Tag!

Nr. 1296 - 21. Oktober 2011


Für die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas wurde die Freilassung Schalits nicht zu einem Erfolg, meint Charles A. Landsmann im TAGESSPIEGEL. Hinter geschlossenen Türen berate die Organisation im Gazastreifen bereits darüber, wie sie das Negativimage ändern könne, das sich im Zuge des Gefangenenaustauschs noch einmal verstärkt habe: "Die Welt macht sich ihr eigenes Bild".
In der WELT erläutert Michael Borgstede, dass unter den von Israel freigelassenen Häftlingen üble Terroristen – aber auch kleine Lichter sind, die von Militärrichtern unverhältnismäßig hart bestraft wurden und gibt für beide Fälle ein Beispiel. Auch weist er auf das dahinter liegende Grundproblem hin, das in der unterschiedlichen Zuständigkeit von Zivil- und Militärgerichtsbarkeit in Israel seine Ursache habe: "Die palästinensische Bombe im Gitarrenkasten".
In der FRANKFURTER RUNDSCHAU erklärt im Interview einer der Vermittler im Fall Gilad Schalit, Gershon Baskin, warum seiner Ansicht der Gefangenenaustausch schon vor Jahren möglich gewesen wäre. Gershon Baskin, 55, ist ehemaliger Regierungsberater in Israel. Seit über 20 Jahren leitet er mit einem palästinensischen Kollegen das Israel-Palestine Center for Research and Information, (IPCRI), einen Think Tank, der den Friedensprozess begleitet.
Die Links zu den erwähnten sowie weiteren Beiträgen zum Thema in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas zeigt, wie sehr sich beide Seiten nach Menschlichkeit sehnen, meint Fuad Hamdan, seit 2006 Projektleiter des Interkulturellen Migrationsdienstes der InitiativGruppe in München, in einem Essay für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Zum Frieden aber ist es noch weit, betont er. Die Zwei-Staaten-Lösung freilich sei der falsche Weg und sieht eher in einem gemeinsamen Land mit gleichen Rechten für beide Gruppen eine Chance, den Konflikt zu beenden: "Zwei Völker, ein Staat".
Der Link zum Essay in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Im Blick auf die palästinensischen Häftlinge in Israel wird auf internationaler Ebene, unter anderem von den Vereinten Nationen, häufig von Menschenrechtsverletzungen gesprochen. Auch Palästinenser selbst werfen Israel immer wieder harte und grausame Haftbedingungen vor. Die israelische Tageszeitung "Yediot Aharonot" hat angesichts der Freilassung von Gilad Schalit die Situation der ehemaligen Geisel mit den Haftbedingungen der Palästinenser in Israel verglichen. ISRAELNETZ informiert über das Ergebnis, zu dem die Zeitung gekommen ist: "Die Haftbedingungen für Palästinenser in Israel".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk hat kürzlich als erster Israeli durchgesetzt, dass in seinem Pass "ohne Religion" steht (siehe auch: Compass 17.10.2011). Im Interview mit der ZEIT erzählt er, welche Auswirkungen das in seinem Land hat und welche Motive ihn zu diesem Schritt bewegt haben. U.a. sagt er:
"Schon seit vielen Jahren widersetze ich mich der Idee, dass man nur über die Religion Teil der israelischen Gesellschaft werden kann. Ich bin der Meinung, dass Staat und Religion voneinander getrennt sein sollten. Im Judentum ist das eine sehr problematische Sache, weil man seit Hunderten von Jahren religiös zu sein hatte, wenn man jüdisch sein wollte. Und dagegen wehre ich mich. Ich liebe Israel und auch die jüdische Kultur und möchte ein Teil davon sein. Ich will nur nicht gezwungen werden, das in einer ganz bestimmten Art und Weise zu tun. Daher will ich, dass in meinem Pass "ohne Religion" steht."
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Bisher klaffte in der Kunstgeschichtsschreibung für die Jahre 1933 bis 1945 eine merkwürdige Lücke. Doch was oft als Kitsch oder staatlich verordnete Kunstproduktion abgetan worden ist, muss jetzt möglicherweise neu bewertet werden. Das Material dazu - mehr als 12.000 NS-Kunstwerke - liefert eine neue Datenbank im Internet. Einer der Projektleiter, der Kunsthistoriker Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte, äußerst sich im Interview mit DEUTSCHLANDRADIO über die Hintergründe des Projekts. Sebastian Preuss wiederum kommentiert in der FRANKFURTER RUNDSCHAU die nun zugänglichen Kunstwerke mit einer ganz speziellen Betroffenheit:
"Wir müssen uns auch mit dem Geschmack unserer eigenen Großeltern auseinandersetzen und ihrer Bereitwilligkeit, ihrem Führer nicht nur in den Krieg und den schrecklichsten Terror zu folgen, sondern sich auch seinen Geschmack zwischen grotesken Gesamtkunstwerken, Operetten-Größenwahn und Kleinbürger-Idylle zu ihrem eigenen zu machen."
Die Links zum Thema in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Politiker von Obama bis zu SPD-Chef Gabriel zeigen Sympahthie mit der Protestbewegung „Occupy Wall Street“. Dass dort allerdings auch der Antisemitismus gedeiht – ein der politischen Linken nicht eben fremdes Phänomen - beschreibt Christian Ortner in der österreichischen PRESSE: "Endlich bewiesen: Die Juden sind schuld an der Weltwirtschaftskrise!". Ähnliche Beobachtungen teilt auch Hannes Stein in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG mit, während Andrei S. Markovits, Professor für vergleichende Politikwissenschaften, Soziologie und German Studies an der University of Michigan in Ann Arbor, im Interview mit der JUNGLE WORLD eher zurückhaltend ist und betont: "In Amerika werden Banker nicht mit Juden assoziiert".
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Hans-Martin Barth, bis 2005 Prof. für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Marburg sowie von 1997 bis 2009 Präsident des Evangelischen Bundes, widmet sich in einem Essay im DEUTSCHEN PFARRERBLAT der Frage, wie sich der Protestantismus im Verhältnis zu den nicht-christlichen Religionen positionieren muss. Er sieht die Keimzelle des Protestantismus, die Reformation, in einer dreifachen Beziehung zu nichtchristlichen Religionen – als Verbündete, als Provokation und als Reform-Impuls.
Der Link zu seinem Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Franz von Hammerstein, Theologe, Mitgründer und Ehrenvorsitzender des Kuratoriums von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste starb in den frühen Morgenstunden des 15. August 2011 im Alter von 90 Jahren. Über Jahrzehnte gehörte er zu denjenigen evangelischen Theologen, die sich nach 1945 für eine intensive gesellschaftliche und innerkirchliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus einsetzten. Aus den persönlichen Erfahrungen seiner Familie und der eigenen Haft als „Sippenhäftling“ in den Konzentrationslagern Buchenwald, Regensburg und Dachau  – entstand von Hammersteins lebenslanges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog und internationale Verständigung. Im TAGESSPIEGEL würdigt Gregor Eisenhauer den verdienstvollen Kämpfer und berichtet von seinem Begräbnis:
"'Ich bin katholisch getauft, evangelisch konfirmiert und gehe freitags in die Synagoge', so sein ökumenisches Glaubensbekenntnis. Als er zu Grabe getragen wurde, trug er den Talar von Coventry, auf dem Kopf eine Kippa aus seiner Synagogengemeinde, und das Totenkissen, auf dem er ruhte, hatte Frau Achmed, eine Freundin der Familie, im Ramadan mit Schweizer Spitzen verziert."
Der Link zum Nachruf in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Auch wenn die heutige jüdische Gemeinde in Österreich zahlenmäßig nicht besonders groß ist, so ist das Angebot an Zeitungen und Zeitschriften gleichwohl reichhaltig und vielfältig. Nun gibt es sogar einen Neuzugang: das Magazin „Wina“. In der PRESSE stellt Rusen Timur Aksak die jüdische Presselandschaft in Österreich näher vor: "Eine kleine Gemeinde mit vielen Zeitschriften".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Michael Rockstroh sitzt in seinem Festivalbüro in der Dresdner Neustadt. Seit fünf Jahren leitet er von hier aus das Festival "Jiddische Musik- und Theaterwoche", dessen 15. Jahrgang am Sonntag startet. "Jüdische Kulturtage gibt es überall", sagt er. "Wir machen Welttheater hier zwei Wochen lang." Mit rund 50 Konzerten, Theaterstücken, Filmen und Lesungen von Künstlern aus Deutschland, den USA und Israel will der Organisator dieses Jahr die Besucher locken. Martin Donath stellt das Programm und seinen Macher in der MITTELDEUTSCHEN ZEITUNG näher vor: "Jiddisches Welttheater in Dresden".
Der Link zur Reportage in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

In der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG beschreibt der Schrifstellter Rafael Seligmann den Weg der deutsch-jüdischen Nachkriegsliteratur zwischen Verzeihen, Schweigen und Kränkung: "Zeigt nicht euren Schmerz. Das Dilemma der deutsch-jüdischen Nachkriegsliteratur"
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Der bekannte katholische Journalist Alexander Kissler hat in einem Kommentar für FOCUS scharfe Kritik an der protestantischen Ex-Bischöfin Margot Käßmann geübt. Käßmann habe sich in einem Interview mit dem Papstbesuch auseinandergesetzt und Benedikt XVI. vorgeworfen, die evangelische Kirche misszuverstehen. Ihre Bemerkungen, so Kissler, sind "putzig, egoman und unsouverän". Sein Urteil insgesamt: "Käßmann ist latent demagogisch".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Als "stabil in Veränderung" lässt sich laut der Wiener Theologin Regina Polak die Religiosität in Europa umschreiben. Gott und Gebet blieben wichtig, jedoch verändere sich, was die Menschen mit Gott und Religiosität in ihren Sinnkonzepten und ihrer Lebenspraxis verbinden, sagte Polak am Donnerstag bei der Präsentation des von ihr herausgegebenen Buches "Zukunft.Werte.Europa" in Wien. Darin sind die Ergebnisse der von 2008 bis 2010 durchgeführten Europäischen Wertestudie zusammengefasst und wissenschaftlich-interdisziplinär gedeutet. KATHWEB stellt den Band und einige Ergebnisse näher vor.
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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