Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
19.10.2011 - Nr. 1295

ACHTUNG:

Die nächste Tagesausgabe erfolgt am Freitag, 21. Oktober 2011.


Guten Tag!

Nr. 1295 - 19. Oktober 2011


Einer gegen Tausend: Gilad Schalit ist frei! Und im Gegenzug mit ihm über 1000 Palästinenser, nicht wenige von ihnen ausgewiesene Mörder und Terroristen. Viele Kommentatoren suchen diesen historischen Tauschhandel zu ergründen und zu bewerten. So etwa Clemens Wergin in der WELT, der die Aktion unmißverständlich als "moralischen Sieg Israels" interpretiert:
"Der Staat, der von so vielen Menschen auf der Welt und auch in Europa angefeindet wird, hat deutlich gemacht, um wie viel ihm das Leben eines eigenen Bürgers mehr wert ist als seinen islamistischen Feinden das der Ihrigen. Genau 1027 Mal mehr. Die Hamas und andere palästinensische Extremisten schicken ihre Leute als Selbstmordattentäter in den Tod, um möglichst viele israelische Männer, Frauen und Kinder zu töten. Israel lässt nun viele verurteilte Terroristen und Terrorplaner frei, um einen einzigen Soldaten zu retten. Das ist das wahre Verhältnis zwischen Moral und Amoral, zwischen Menschlichkeit und Niedertracht in diesem Konflikt."
Sorgenvoll äußert sich Shimon Stein, ehemaliger israelischer Botschafter in Berlin, im Interview mit DEUTSCHLANDRADIO. Er hält fortan die israelische Gesellschaft für erpressbar und bestreitet den von anderen öfter geäußerten Wunsch, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Befreiung und der Wiederaufnahme von Friedensgesprächen bestehe. Denn "nach der Befreiung ist vor der nächsten Entführung", so der der frühere israelische Botschafter in Berlin.
Kritisch im Blick auf Israel äußert sich auch - ebenfalls im DEUTSCHLANDRADIO - der Historiker Tom Segev über den Gefangenenaustausch zwischen Israel und den Palästinensern. Um die Freilassung des Soldaten Gilad Schalit habe sich seines Erachtens in seiner Heimat fast schon eine Hysterie entwickelt. Die ganze Sache sei zu einer fast national-religiösen Affäre geworden, so Segev.
Ulrike Putz wiederum schildert im SPIEGEL die Angst in Israel, dass sich die ausgetauschten Ex-Häftlinge nun wieder dem Terror zuwenden. Das martialische Gehabe der Radikalen bestärkt die Zweifler in Israel in ihrem Glauben, dass der Deal ein Fehler war, schreibt sie.
Und in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG äußert sich Rabbiner Avichai Apel, Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund und Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, über den Zusammenhang von Gefangenenaustausch und Halacha: "Ein wichtiges Gebot".
Links zu diesen und weiteren Kommentaren, Berichten und Reportagen in den Rubriken ISRAEL UND NAHOST AKTUELL und ISRAEL INTERN.

Der unter Mithilfe des Bundesnachritendienst zustandegekommene Austausch wird natürlich auch von Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßt. In einer Stellungnahme heißt es u.a.:
"Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sieht in der bevorstehenden Freilassung des israelischen Soldaten Gilat Schalit aus palästinensischer Gefangenschaft und dem geplanten Gefangenenaustausch zwischen Israel und Palästinensern eine neue Chance für den Friedensprozess im Nahen Osten."
Bissig kommentiert dies Thomas von der Osten-Sacken in der JUNGLE WORLD:
"Gefangenenaustausch? Hieß das auch so damals, als Deutschland 1972 den Forderungen der PFLP nachgab und drei Mitglieder des “Schwarzen Septembers” im Tausch mit 20 Geiseln freiließ? Der Spiegel sprach damals von “Terroristen”, aber die Zeiten haben sich eben geändert. Heute nennt ein deutscher Außenminister eine Geiselnahme ganz politisch korrekt und im Sinne der Geiselnehmer “palästinensische Gefangenschaft", wenn die Geisel dann gegen über 1000 Verurteilte eingetauscht wird, ist das ein Gefangenaustausch, der gar “Chancen eröffnet“. Dieser Logik zufolge hätten Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin in offizieller Diktion zumindest als Kriegsgefangene bezeichnet werden müssen."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Nach der "Reichspogromnacht" vom 9. November 1938 war klar, dass die Juden in Deutschland schutzlos waren. Die strengen Einwanderungsbestimmungen vieler Länder verhinderten dennoch ihre Flucht. So versuchten einflussreiche britische Juden Premier Arthur Neville Chamberlain zu überzeugen, diese Regelungen für jüdische Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre zu lockern. Die jüdische Gemeinde verpflichtete sich zur Stellung von Garantiesummen und zur Verteilung der Kinder auf Pflegefamilien. Aufrufe erschienen in den Zeitungen. Die Idee und anschließende Durchführung der sogenannten "Kindertransporte" war geboren. Einer von ihnen war Richard Levy, im Frühjahr 1939 mit einem Kindertransport nach England den Nazis entkommen. Was aber wurde aus dem kleinen Jungen? Dieser Frage widmet sich ein Dokumentarfilm, der heute Abend im Fernsehen zu sehen ist. Begleitet wird er von einer historischen Reportage auf den Seiten des MDR sowie ein Interview mit Levy, der im Oktober 2009 erstmals nach 70 Jahren seine Heimatstadt Leipzig wieder besuchte: "Ich bin froh, dass ich zurückgekommen bin"
Die Links zum Thema in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Das von dem Historiker Wolfgang Benz herausgegebene „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ erschien dieser Tage zum zwanzigsten Mal, diesmal mit dem Schwerpunkt „Prävention und Abwehr des Antisemitismus“. Erneut ist es gelungen, einen inhaltlich überaus interessanten Band mit wichtigen Abhandlungen auch zu anderen Aspekten des Antisemitismus zu konzipieren, meint Armin Pfahl-Traughber, der das Jahrbuch für ENDSTATION RECHTS vorstellt.
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Rund 300 Delegierte - rund doppelt soviele wie vor 25 Jahren - haben ihre Teilnahme an dem "Tag der Reflexion, des Dialogs und des Gebets für den Frieden und die Gerechtigkeit in der Welt" zugesagt. Damit stellt das bevorstehende Friedenstreffen der Weltreligionen in Assisi den ersten, historischen Gipfel von 1986 in den Schatten. Eingeladen zu dem Treffen hat Papst Benedikt XVI., 25 Jahre nach dem ersten Assisi-Treffen dieser Art, das 1986 von Papst Johannes Paul II. ausgerichtet wurde. In Rom wurden an diesem Dienstag Einzelheiten der Initiative vorgestellt. DOMRADIO, KATH.NET und RADIO VATIKAN berichten weitere Einzelheiten: "Vor dem Assisi-Treffen: 'Ein Traum, der weitergeht'"
Die Links zu den Berichten in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Seit man vor Jahren in Potsdam daran ging, eine neue Synagoge zu planen und zu bauen, ist bis dieser Tage kaum mehr als ein heilloser Streit entstanden, in dessen Verlauf sich gar einige Juden von der bisherigen Gemeinde abspalteten und eine eigene Gemeinde gründeten. Das inzwischen beschlossene Bau- und Nutzungskonzept lehnen sie ab: Es erscheint ihnen außen zu modern und innen ungeeignet für große kulturell-religiöse Veranstaltungen. Gerold Büchner zeichnet in der BERLINER ZEITUNG die bisherige Entwicklung des Streits nach und erläutert den Stand der Dinge: "Heillos zerstritten".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Vor zehn Jahren feierte das Jüdische Museum Berlin seine Eröffnung und setzte gleich einen unübersehbaren Akzent in der Berliner Museumslandschaft, die dadurch enorm bereichert wurde. Es ist faszinierend zu erleben, welch babylonisches Sprachgewirr in seinen Mauern herrscht, die Besucher kommen von überall her, um sich über die Kultur des jüdischen Lebens in seiner Vielfalt zu informieren. IN der Woche vom 24. bis zum 30. Oktober feiert nun das Jüdische Museum Berlin sein zehnjähriges Jubiläum mit einem umfangreichen Programmangebot und unter Beteiligung namhafter Prominenz: Daniel Libeskind, Mirjam Pressler, Kai Pflaume, Mo Asumang, Anita Lasker-Wallfisch, Wolfgang Thierse, Susannah Heschel, Marcel Reif und v.a.m. Vor diesem Hintergrund blickt der TAGESSPIEGEL mit mehreren Beiträgen u.a. auf die Anfänge und Geschichte des Museums zurück, porträtiert und interviewt seinen derzeitigen Leiter Michael Blumenthal, würdigt die Rolle der Stifter und gibt Einblick in die Arbeit des Museums.
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Auch in Wien gibt es Anlass zur Feier, wenn auch mit streithafter Vorsgeschichte. Hier in Wien wird diese Woche das Jüdische Museum neu gestartet. Nach heftiger internationaler Kritik übt sich Direktorin Danielle Spera nun in Optimismus. Bei freiem Eintritt haben Besucher am heutigen Mittwoch, die Möglichkeit die erste Ausstellung im jüdischen Museum zu besuchen. Gleichwohl lauern alt-neue Probleme im Hintergrund, wie das österreichische Nachrichtenmagazin PROFIL und die PRESSE berichten: "Neuer Wind für das Jüdische Museum".
Die Links dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Auf dem Internet-Portal www.kirchenaustritt.de werden seit einiger Zeit Hinweise und Tipps zum Kirchenaustritt in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeboten. Gleichzeitig sind viele interessante Grafiken und Statistiken zu finden. Das Portal hat auch seit Januar 2008 eine Umfrage über die Gründe für einen Kirchenaustritt bei seinen Besuchern durchgeführt. Elke Schäfer gibt für den HUMANISTISCHEN PRESSEDIENST einen Einblick in die Ergebnisse und stellt die Internetseite näher vor: "Warum Kirchenmitglieder gehen".
Der Link dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Der Historiker und Politikwissenschaftler Albert Scharenberg hat kürzlich im Herder Verlag eine Lebensbeschreibung des Bürgerrechtlers Martin Luther King vorgelegt. Dabei wird die Aktualität von dessen Ideen deutlich, ging es ihm doch nicht nur um die rechtliche Gleichstellung der Schwarzen, sondern auch um den politischen Kampf gegen die Armut. Armin Pfahl-Traughber stellt die Biographie für den HUMANISTISCHEN PRESSEDIENST näher vor: "Martin Luther King: Geehrt und…?
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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