ACHTUNG
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US-Präsident Barack Obama hat den Palästinensern grundsätzlich das Recht auf einen eigenen Staat zugestanden. allerdings könne das nur auf dem Wege über Verhandlungen mit Israel verwirklicht werden, sagte Obama in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York am gestrigen Mittwoch „Es wird keinen Frieden durch Erklärungen oder UN-Resolutionen geben“. Voraussetzung sei eine Einigung der Palästinenser und Israelis in strittigen Fragen: Grenzen und Sicherheit, Flüchtlinge und Jerusalem. Unterdessen hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy einige Details zu seinem Kompromiß-Vorschlag bekannt gegeben. Die Palästinenser sollten künftig - ähnlich dem Vatikan - als "Beobachterstaat" geführt werden. Innerhalb von sechs Monaten solle es dann eine Einigung über die Grenzen und binnen eines Jahres einen Friedensvertrag geben. "Abbas könnte das zu Hause als Erfolg verkaufen. Die Israelis müssten sich nicht noch stärker isoliert fühlen. Die Amerikaner müssten kein Veto aussprechen. Und die Deutschen, die ein besonderes Verhältnis zu Israel zur Staatsräson erhoben haben, müssten sich nicht entscheiden", schreiben Christoph von Marschall und Charles A.Landsmann im TAGESSPIEGEL. Ganz entschlossen zeigt sich bei allem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Amerikanische und europäische Drohungen können ihn scheinbar nicht mehr schrecken. Der 76 Jahre alte palästinensische Politiker sucht die offene Konfrontation mit Amerika, meint Hans-Christian Rößler in seinem Porträt für die FAZ. In der TAZ streiten Wolf Lepenies und Richard Herzinger mit je einer Pro- und Contra-Stellungnahme über die Frage: "Soll Palästina zum Staat erklärt werden?", während im DEUTSCHLANDRADIO Jörg Lau erläutert, warum Deutschland gegen Palästina stimmen wird und warnt insgesamt allerdings im Blick auf den Westen:
"Der Westen ist in Gefahr, den Rest an Glaubwürdigkeit zu verspielen, den er in der Region noch hat: Wenn Freiheit und Selbstbestimmung in Tunis, Tripolis und Kairo möglich sind, warum dann eigentlich nicht in Ramallah?"
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Im März 2002 sprengt sich der Palästinenser Shadi Tobassi in einem Restaurant in Haifa, Israel in die Luft. 15 weitere Menschen reißt der 24-Jährige mit in den Tod. Unter den Opfern befindet sich auch der Israeli Dov Chernobroda, Pazifist und Humanist, der sich zeitlebens für einen Dialog zwischen Palästinensern und Israelis engagiert hatte. Acht Jahre nach dem Anschlag haben die beiden Heidelberger Filmstudentinnen Jule Ott und Stephanie Bürger für ihre Dokumentation die Witwe von Dov Chernobroda besucht: Diese möchte nämlich wiederum die Angehörigen des Attentäters in den besetzten Gebieten besuchen. Wie sich die Familie des Attentäters und Chernobrodas Witwe allmählich näher kommen, davon erzählen die jungen deutschen Regisseurinnen in ihrem Erstlingswerk "Nach der Stille", das dieser Tage in die Kinos kommt. Karin Steinberger stellt die bemerkenswerte Dokumentation in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vor: "Es war, als würde ich ein Buch schließen". Und im REUTLINGER GENERALANZEIGER kann etwas mehr über die beiden Jung-Regisseurinnen Stephanie Bürger und Jule Ott erfahren.
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"Kein Staat wird in Deutschland so kritisch gesehen wie Israel. Obwohl er die einzige Demokratie im Nahen Osten ist und Herausragendes in Bereichen wie Medizin, Telekommunikation, Softwareentwicklung oder erneuerbare Energien leistet, hält eine Mehrheit hierzulande den jüdischen Staat für die größte Bedrohung für den Weltfrieden. Außerdem traut man ihm zu, an den Palästinensern Verbrechen zu begehen, die mit denen der Nazis an den Juden vergleichbar sind. Woher kommt dieses ausgesprochen schlechte Image?"
Mit dieser Frage im Rücken hat sich Gideon Böss angesehen, wie die großen deutschen Schulbuchverlage mit dem Nahost-Konflikt umgehen und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis:
"Die drei großen Schulbuchverlage, Klett, Westermann und Cornelsen, haben allesamt ausführliche Materialien zum Nahost-Konflikt im Angebot, den Schülern wird dabei ein einseitiger Blick auf diesen Krisenherd vermittelt, der die israelische Seite zum Täter macht und die palästinensische zum Opfer. Zum Teil werden Texte verwendet, die Anfang der Neunzigerjahre geschrieben wurden und darum hoffnungslos veraltet sind, andere Beiträge stecken voller historischer Fehler und Verdrehungen."
Als drastisches Beispiel führt er das Buch "Horizonte 12" aus dem Westermann-Verlag an:
"Wie jedes andere Schulbuch auch, musste es eine mehrmonatige Prüfung durch Verlag, Ministerium, Lektoren und Gutachter durchstehen. Ohne Beanstandung blieb dabei, dass die Palästinenser systematisch als Opfer dargestellt werden. Sie greifen nie aus taktischen Gründen zum Terror, sondern immer 'unter Druck' oder wenn sie ihre Sache als 'verraten und perspektivlos erkannten'... Berechnend ist hingegen der 'jüdische Terror', der mit 'gezielten Aktionen' für die Flucht vieler Araber sorgte. Juden begehen ihre Massaker kühl kalkulierend, Araber aus der Not heraus."
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Mehr als sechs Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich eine der mächtigsten deutschen Unternehmerdynastien ihrer Nazivergangenheit gestellt. Nun ist klar: Der Reichtum der Familie Quandt, die heute Unternehmen wie den Autobauer BMW und den Chemiekonzern Altana beherrscht, entstammt zum Teil unmoralischen Geschäften aus der NS-Zeit, wurde erkauft mit dem Leid Tausender Zwangsarbeiter und enteigneter jüdischer Unternehmer, wie ein Beitrag in der FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND deutlich macht: "Mutiges Bekenntnis der Familie Quandt".
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Mit Benedikt XVI. kommt heute jener Papst nach Deutschland, "der den Faschistenkomplizen Pius XII. selig sprechen will", so Kirchenkritiger Karlheinz Deschner in einem Essay über Pius XII. in der FRANKFURTER RUNDSCHA. Pius habe als Papst zu den Gräueltaten und den Angriffskriegen Deutschlands geschwiegen, lautet der Vorwurf Deschners, der 1971 schon einmal wegen seiner harschen "Kirchenbeschimpfung" in Nürnberg vor Gericht stand. Seit 1970 arbeitet er an der auf zehn Bände angelegten „Kriminalgeschichte des Christentum“, zuletzt erschien Band 9 zur Kirchengeschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts. Bereits 1965 veröffentlichte er „Mit Gott und den Faschisten“, ein Buch über das Verhältnis von Papst Pius XII. zu Hitlerdeutschland. In seinem Essay fasst er seine Sicht zusammen: "Wie man Seliger wird".
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Sicher nicht ungewöhnlich: Viele Juden interessieren sich dafür, ob Fernsehstars, Schriftsteller, Popsänger oder andere Prominente jüdisch sind. Wenn ja, freut man sich, denn dann gehören sie quasi zur Familie. Diese Logik wurde nun kürzlich einem 35-jährigen Pariser Software-Ingenieur zum Verhängnis. Er hatte basierend auf diesem Phänomen ein iPhone-App entwickelt, das nun in Frankreich wegen Förderung antisemitischer Einstellungen verboten wurde. Die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG und der Schweizer TAGES-ANZEIGER berichten über den Fall: "Apple-Store stoppt 'Jüdisch oder nicht'"
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Wissenschaft und Religion stehen schon seit jeher in einem spannungsreichen Verhältnis. Im Blick auf den Papst-Besuch führte nun der TAGESSIEGEL eine Umfrage unter sechs führenden Wissenschaftlern durch zu der Frage "Wie vernünftig ist der Glaube?". Befragt wurden ein Mathematiker, ein Hirnforscher, eine Soziologin, ein Historiker und ein Evolutionsbiologe. Passend dazu eine Untersuchung amerikanischer Psychologen, über die Florian Rötzer auf TELEPOLIS berichtet: Wer glaubt an Gott? Alles eine Frage des Denkstils, denn die US-Psychologen wollen herausgefunden haben, dass intuitiv denkende Menschen eher an Gott glauben als solche, die auch ihre eigenen Intuitionen hinterfragen. Und wem das alles nicht reicht, könnte eine eine Hamburger Ausstellung über "Wunder" besuchen, die aufzeigen möchte, wie Kunst, Technik und Religion das Unglaubliche schaffen. Christian Tröster war für die WELT in der Ausstellung.
Alle Links hierzu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Vor dem Hintergrund des Papst-Besuches reflektiert Alfred Bodenheimer in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG das katholisch-jüdische Verhältnis. Die Beziehung zwischen Juden und der katholischen Kirche könnten heute zwar als freundlich bezeichnet werden, meint er, wenngleich es seit den frühen 60er-Jahren immer wieder ein Wechselbad aus Ermutigungen und Irritationen gegeben habe. Ergänzend zu dem Beitrag porträtiert Bettina Gabbe an gleicher Stelle "Israels Mann beim Papst", Mordechay Lewy, der als israelischer Botschafter beim Heiligen Stuhl auch jüdische Interessen vertritt.
Die Links zu den Beiträgen in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Der namhafte amerikanische Historiker Fritz Stern hielt Anfang der Woche im Literaturhaus Basel einen Vortrag über Heinrich Heine. Im anschliessenden Gespräch mit der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES kam Stern dann auf seine Sorge hinsichtlich der politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten wie auch in Europa zu sprechen, berichtet Valerie Wendenbrug: "Heinrich Heine als 'geheime Herberge'".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Im Interview mit der JÜDISCHEN ALLGEMEMEINEN WOCHENZEITUNG plaudert der us-jüdische Schriftsteller Gary Shteyngart über rechtslastige Russen in den USA, seinen Glauben an Tschechow, Turgenjew, Tolstoi und sein Judentum. Zu letzterem sagt er u.a.:
"Die Kultur ist einfach faszinierend. Von Chagall bis 'Curb Your Enthusiasm', das ist einfach einmalig. Ich habe das Gefühl, dass die Welt langsam aufholt. Dieses moderne Nomadendasein, hier einen Dollar verdienen und da einen Euro, das haben wir irgendwie erfunden. Und jetzt merken die anderen, wie das ist. Ich frage mich nur, ob sie jetzt auch diesen Humor entwickeln, den man dafür braucht."
Und auf die Frage, ob er gerne in Berlin leben würde, antwortet er:
"Ich habe sogar schon vier Monate lang am Wannsee gewohnt. Aber das ist nichts für mich. Ich will nicht in diesem Exilantenland leben, wo jeder, den man trifft, nur ein weiterer Jude aus New York ist. Und ich kann auch kein Deutsch."
Der Link zum Interview in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Nach Meinung des israelischen Rabbiners Adin Steinsaltz, der im deutschen Sprachgebiet als Autor gehaltvoller Werke über die Bibel und den Talmud seit vielen Jahren bekannt ist, ist die Kabbala die "Theologie des jüdischen Volkes". Nun liegt von ihm auch ein Buch in deutscher Sprache vor, in dem er über die Bedeutung der Kabbala für das jüdische Leben schreibt. Yizhak Ahren stellt es in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG näher vor: "Weltbild der Kabbala".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Papst Benedikt XVI. ist zu seinem dritten Deutschlandbesuch in Berlin eingetroffen. Am Flughafen Tegel wurde er heute Vormittag von Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. "Ein großer Theologe und Menschenfreund", wie Bundespräsident Wulff im Interview mit der TAGESPOST meint, in dem er gleichwohl seiner Hoffnugn auf eine weitere Kirchenöffnung Ausdruck verleiht. Die WELT hat sich zur Begrüßung etwas ganz besonderes einfallen lassen. Dort ergreift Kirchenreformator Martin Luther höchstselbst das Wort:
"Als päpstisch, spitzbübisch und teuflisch musst du es verstehen, dass der Papst den Namen der heiligen römischen Kirche aufs schändlichste und lästerlichste braucht und damit seine Bubenschule, Huren- und Hermaphroditenkirche meint, des Teufels Grundsuppe. (...) Der Teufel, der das Papsttum gestiftet hat, der redet und wirkt alles durch den Papst und den römischen Stuhl. Was man aber dem Teufel glauben soll, als dem Mörder und Vater aller Lügen, soll ja ein Christ wohl wissen."
Eine kleine Papstkunde legt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vor. Der Papst, so betont er, habe viele Körper:
"Neben dem sterblichen Leib des Menschen, der vom Kollegium der wahlberechtigten Kardinäle im Konklave zum Papst gewählt wurde, hat der Papst diverse geistliche und auch zwei weltliche, politische Körper. Die Einzigartigkeit des Amtes, das nach tiefer Krise seit dem 19. Jahrhundert zunehmend an Macht und weltweitem Ansehen gewann, liegt gerade in der spannungsreichen Einheit ganz unterschiedlicher Funktionen."
Und in der TAZ erinnert Daniel Deckers im Blick auf die Proteste gegen den Papstbesuch daran, dass wann immer Päpste in der jüngeren Vergangenheit zu Gast waren - fast immer gehörte auch der Protest gegen ihr Kirchenbild und ihre Sexualmoral mit dazu. Und in Berlin, so erzäht er, waren die Gegner schon immer besonders dreist, beispielsweise 1996 beim Besuch von Papst Johannes Paul II.: "Ein leichtes Ziel für Unzufriedene".
Alle Links zum Thema in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
Enthusiastisch bespricht Andreas Breitenstein das Buch «Der Hase mit den Bernsteinaugen» von Edmund de Waals, der eine bewegende Geschichte seiner Familie vorgelegt habe:
"Um es vorwegzunehmen: Das ist ein Buch, das man nicht genug preisen kann – für seine Liebe und seine Neugier, für seine Sorgfalt und Souplesse im Umgang mit tragischen Wirklichkeiten; dafür, dass es in Hinblick auf scheinbar Bekanntes ungeahnte Horizonte aufreisst; dass es die Grösse der versunkenen jüdisch-europäischen Kultur belegt, das Sinn-Universum der Familie beschwört und daran erinnert, dass wir Menschen nicht allein sind. ... Selten ist einem eine Kartografie jüdischer Erinnerung so unter die Haut gefahren wie diese."
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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