ONLINE-EXTRA Nr. 384
Vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatte um Antisemitismus und Israelfeindlichkeit im Berliner Landesverband "Die Linke" treten die bahnbrechenden Erfolge der AfD bei den letzten drei Landtagswahlen (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin) fast wieder in den Hintergrund. Bedenkt man freilich, dass DIE LINKE - anders als im sehr speziellen Fall Berlin - in allen anderen Bundesländern sowie auf Bundesebene weit von einer machtpolitischen Option entfernt ist, gilt für die AfD fast das Gegenteil. Durch ihren Aufstieg zur stärksten politischen Kraft in Mecklenburg Vorpommern und Sachsen-Anhalt inklusive der dort möglichen, erstmaligen Übernahme der Regierung, erhält die bereits in der Vergangenheit immer wieder virulent gewordene Frage nach dem Verhältnis der AfD zu Antisemitismus und Israel ein neues politisches Gewicht. Vor diesem Hintergrund bleibt es mehr als geboten, die Fragen nach dem Antisemitismus in der AfD und ihrer Haltung zu Juden und Judentum sowie zu Israel (dem Nahostkonflikt, der Palästinenserfrage etc.) aufmerksam im Blick zu halten. Genau dazu wollen die beiden nachfolgenden ONLINE-EXTRA-Artikel mit je eigenem Akzent einen Beitrag leisten. © 2025/2026 Creative Commons Attribution-
Der Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz befasst sich mit dem Phänomen, dass trotz immer wiederkehrender Vorwürfe des Antisemitismus und einer disparaten Haltung zu Juden und Israel in der AfD, sich just dort ein diesen Vowürfen vermeintlich konterkarrierender Verein namens "Juden in der AfD" gebildet hat. Vor diesem Hintergrund untersucht Benz in historischer Perspektive die Frage, ob und welche Traditionslinien es von den "nationaldeutschen Juden" und ähnlichen Gruppierungen in den 1920er Jahren hin zu den rechten Juden im Verein der "Juden in der AfD" in der Gegenwart gibt - und ob also die "Juden in der AfD" sich zu Recht in der Tradition rechtskonservativer Juden in der Weimarer Republik sehen können: "Nationaldeutsche Tradition oder politisches Kalkül? Der Verein 'Juden in der AfD'".
Der Historiker, vor allem als Journalist und Autor bekannt gewordene Joseph Croitoru verfolgt in seinem Beitrag einen etwas breiteren Ansatz. Er hat auf der Grundlage diverser Äußerungen und Zeugnisse verschiedener AfD-Parteimitglieder und diverser AfD-Kader untersucht, wie die AfD zur deutschen Geschichte, insbesondere zum Holocaust steht, welches Verhältnis sie zu Jüdinnen und Juden und Antisemitismus sowie zu Israel und der Boykottbewegung "BDS" einnimmt: "Wie die AfD über Holocaust, Jüdinnen und Juden und Israel spricht – und schweigt".
Der Beitrag von Wolfgang Benz erschien erstmals in dem von Niels Tim Dickhaut und Daniel Meis 2025 herausgegebenen, im Bielefelder transcript-Verlag erschienen Sammelband "Das nationaldeutsche Judentum." Und der Beitrag von Joseph Croitoru in dem von Susan Neiman 2026 herausgegebenen, ebenfalls im Bielefelder transcript-Verlag erschienen Sammelband "Hijacking Memory" - Zur Instrumentalisierung des Holocaust durch die Neue Rechte". Nähere Angaben zu beiden Publikationen wie üblich in der Anzeige im jeweiligen Fließtext der Beiträge.
Die heutige Doppelausgabe von ONLINE-EXTRA mit diesen beiden Beiträgen:
1) ONLINE-EXTRA Nr. 384:
Wolfgang Benz:
Nationaldeutsche Tradition oder politisches Kalkül?
Der Verein 'Juden in der AfD'
Online-Extra Nr. 384
2) ONLINE-EXTRA Nr. 385:
Joseph Croitoru:
Wie die AfD über Holocaust, Jüdinnen und Juden und Israel spricht – und schweigt
Online-Extra Nr. 385
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Wolfgang Benz / Joseph Croitoru
online für ONLINE-EXTRA
Online-Extra Nr. 384
Befindlichkeit und Identitätsprobleme der Juden in Deutschland sind immer noch oder wieder Themen von Interesse. Auch den aktuellen Diskurs über Antisemitismus begleiten Debatten über »jüdische Menschen« in Deutschland. Exemplarisch dafür sind die Mutmaßungen über authentisches Judentum einer Schriftstellerin und die Schelte, die sie dafür erhält (»Denunziation«, »Hohn und Spott«) beziehungsweise den Zuspruch (in social media).1 Es geht vornehmlich um das Verhältnis zu Israel, wenn linke Israelis oder jüdische Intellektuelle und Künstler aus New York, die in beträchtlicher Zahl lieber in Berlin als in Tel Aviv oder am Hudson leben, die Stimme erheben. Deutschnationale und völkische Argumente wie einst in der Weimarer Republik spielen in den Debatten über Juden in Deutschland aber keine Rolle mehr.
Eine Sekte, die sich patriotisch gibt (wogegen ihre Legitimation als Juden bestritten wird) macht sich allerdings bemerkbar. Ihre Mitglieder halten die rechtsextrem agierende Partei AfD für den geeigneten Ort, jüdische Positionen zu vertreten. Auch wenn Mandatsträger und Funktionäre der AfD durch antisemitische Pöbelei ins Zwielicht geraten, verkündet ein Mann der ersten Stunde des Vereins »Juden in der AfD« die Botschaft: »Es ist die tiefe konservative, patriotische Grundrichtung, die die AfD auch für Juden interessant macht«.2 Zu untersuchen ist im Folgenden, ob es Traditionslinien von den »nationaldeutschen Juden« und ähnlichen Gruppierungen der 1920er Jahre zu den rechten Juden der Gegenwart gibt.
1. Rechte deutsche Juden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Der Patriotismus deutscher Juden im Kaiserreich, im Ersten Weltkrieg und danach über das Ende der Weimarer Republik hinaus stand im krassen Gegensatz zu den verbreiteten antisemitischen Ressentiments, die Juden in Friedenszeiten als »Fremde«, im Krieg und danach als »Drückeberger« oder »Feiglinge« denunzierten. Im 1893 gegründeten »Central-Verein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens« (CV) war die bürgerlich-liberale Mehrheit des deutschen Judentums organisiert und für die Durchsetzung der seit 1871 konstitutionell garantierten Emanzipation sowie gegen Antisemitismus engagiert.3 Der Name war so emblematisch, dass Kurt Tucholsky ihn in »Centralverein jüdischer Staatsbürger deutschen Glaubens« persiflierte. Der Hinweis, dass – gemessen am Anteil an der gesamten Bevölkerung – überproportional viele Juden im Ersten Weltkrieg als Frontkämpfer gedient hatten, fehlte in kaum einer CV-Verlautbarung. Gegenüber zionistischem Sehnen und Streben herrschte Unverständnis und Abneigung.4
Die Kameraden vom »Reichsbund jüdischer Frontsoldaten«, den der Hauptmann a. D. Leo Löwenstein 1919 als »Vaterländischen Bund« gegründet hatte, demonstrierten unter ständigem Verweis auf 100.000 jüdische Kriegsteilnehmer, darunter 78.000 Frontkämpfer mit 12.000 Gefallenen sowie 30.000 Auszeichnungen wegen Tapferkeit, ihre nationale und militärische Gesinnung noch deutlicher.5
Verdichtet waren die nationalen Hoffnungen und Illusionen deutschjüdischer Existenz in der Person und den Jüngern des Hans-Joachim Schoeps. Wurzelnd in der romantisch-revolutionären Ideenwelt der Bündischen Jugend, durchdrungen von preußischem Ethos und ultranationaler Gesinnung, versuchte der angehende Geisteswissenschaftler im Alter von 24 Jahren im gerade zur Macht gekommenen Nationalsozialismus eine autonome regimetreue Bewegung um sich zu sammeln. »Deutscher Vortrupp-Gefolgschaft deutscher Juden« nannte sich die Gruppe, deren Führer der Illusion anhing, mit der rassistischen Ideologie einen modus vivendi für Auserwählte aushandeln zu können.6 Im Dezember 1938 floh Hans-Joachim Schoeps, nunmehr 29 Jahre alt, nach Schweden. 1946 kehrte er zurück und machte – seinen Idealen weiterhin treu – Karriere auf dem Lehrstuhl für Religions- und Geistesgeschichte in Erlangen.7
Dem jüdischen patriotischen Eifer für das deutsche Vaterland bot der »Verband nationaldeutscher Juden«, den der Berliner Rechtsanwalt Max Naumann 1921 als Abspaltung des »Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens« ins Leben gerufen hatte, bis 1935 eine politische Heimat am rechten Rand. Gemeinsam war den etwa 3.500 Mitgliedern der bildungsbürgerlich akzentuierte Nationalismus, jüdisches Selbstbewusstsein, die Abneigung gegen den Zionismus und die Aversion gegen die Zuwanderung von Ostjuden.
An einem exemplarischen Fall, dem des Erwin Goldmann, soll die emotionale und intellektuelle Befindlichkeit eines Juden, der sich bis zur Selbstverleugnung der nationalsozialistischen Hybris als deutscher Patriot hingab, dargestellt werden. Er blieb allerdings Einzelkämpfer, stand aber mit vielen Gleichgesinnten in Verbindung.
Erwin Ludwig Goldmann kam als Ältester von drei Geschwistern 1891 in Stuttgart in einer assimilierten jüdischen Familie zur Welt. Der Vater war Inhaber einer Metallwarenfabrik und seine politische Einstellung nationalliberal. Die Kinder gingen einen weiteren Schritt zur Assimilation. Sie ließen sich taufen, Erwin und seine Schwester Else wurden evangelisch, Hans wählte die katholische Religion. Nach dem Abitur studierte Erwin Goldmann in Tübingen, Berlin und Würzburg Zahnmedizin, später auch Medizin und erwarb zwei Doktortitel, welche er stolz führte. Er war begeisterter Burschenschafter und eilte nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu den Waffen. Nach der Novemberrevolution, die er verabscheute, verteidigte er die bürgerliche Ordnung in der Einwohnerwehr und engagierte sich in der »Schwarzen Reichswehr«, der paramilitärischen Formation, welche die Bestimmungen des Versailler Vertrags unterlief.
Goldmann betonte sein Christentum, empfand die jüdische Herkunft als Makel, glühte in seiner deutsch-nationalen Gesinnung. Als Idole verehrte er den Turnvater Jahn und den Philosophen Oswald Spengler, suchte und fand Kontakt zu August Winnig, dem ehemaligen Sozialdemokraten, und zu Gregor Straßer, dem linken Flügelmann der NSDAP. Auch mit Max Naumann, dem Vorsitzenden des Verbands nationaldeutscher Juden pflegte er Gedankenaustausch. Dass er sich Naumanns Verband nicht anschloss, mag sich aus der Selbstgerechtigkeit und dem Missionseifer erklären, der Goldmann beseelte und ihn hinderte, sich mit einer Organisation zu verbinden, in der er nur eine nachgeordnete Rolle gespielt hätte. Ausschlaggebend war aber sicherlich, dass der Mann, der sich nicht als Jude fühlte und alles Jüdische mit Argwohn ansah, nicht in eine Truppe eintreten wollte, die als jüdischer Verband firmierte. Die Ideologie des Nationalsozialismus faszinierte Goldmann. Er hat sich dem Regime angedient, der dekorierte Offizier des Ersten Weltkriegs wollte als einfacher Soldat in der Wehrmacht dienen und trat mit Eifer in die Dienste erst des SD und dann der Gestapo, als er beglückt die Offerte annahm, als »Ohr des Führers am Herzen des Volkes« Spitzeldienste zu leisten und Menschen zu denunzieren, die sich zu wenig chauvinistisch gebärdeten oder gar Regimekritik übten. 1939 verlor Goldmann seine Approbation als Arzt und Zahnarzt und arbeitete als Gärtnereigehilfe. Die Deportation als »Volljude« blieb ihm erspart, weil er in einer »privilegierten Mischehe« lebte.
Im Sommer 1933 ergab sich mit der Gründung des »Paulusbundes«, einer Selbsthilfeorganisation »christlich-deutscher Staatsbürger nichtarischer oder nicht rein arischer Abstammung«, eine Wirkungsmöglichkeit für Erwin Goldmann. Er leitete bis 1937 die Bezirksgruppe Südwest und erwarb sich Verdienste durch den Einsatz für viele Hilfsbedürftige durch Behördengänge, bei Auswanderungsproblemen, oder auch im sozialen Bereich. Seine ideologische Position, die »Judenchristen« und »nichtarische Christen« als Gegensätze definierte, suchte er auch theoretisch zu fixieren. In einem Text aus seiner Feder mit dem Titel »Getaufte« ist zu lesen:
»Das Judentum muß bei einer gerechten Beurteilung der ›Getauften‹ klar zwei Gruppen unterscheiden. Die eine sind die sogenannten ›Judenchristen‹, die religiös den Weg zum Christentum gesucht und gefunden haben, sich aber völkisch nach wie vor zum Judentum gehörig betrachten und in der Judenmission Hauptaufgabe und Ziel sehen. Die andere Gruppe, und diese kommt für Deutschland fast ausschließlich in Frage, hat bewußt einen Glauben und ein Volkstum aus innerster Notwendigkeit und Überzeugung heraus verlassen. Das geschah oft genug unter den schwierigsten familiären und sonstigen Auseinandersetzungen und brachte in vielen Fällen den Betreffenden viel Kummer und Sorge aus seelischen und wirtschaftlichen Gründen durch die jüdische Stellungnahme gegenüber den Abtrünnigen.«8
Mit dem Ausschluss aller »Voll- und Dreivierteljuden« aus dem Paulusbund, in dessen Nachfolgerorganisation »Vereinigung 1937« nur noch »Mischlinge« Mitglied sein durften, endete Goldmanns Engagement mit einer weiteren Enttäuschung. Im November 1944 wurde Goldmann zur Zwangsarbeit in einem Lager für »Mischlinge ersten Grades« und »jüdisch Versippte« verpflichtet. Seinem Überpatriotismus und dem nationalsozialistischen Denken tat das keinen Abbruch. Goldmann wurde Obmann des Lagers in Wolfenbüttel, sorgte für Zucht und Ordnung, kooperierte mit der Gestapo Braunschweig, hielt martialische Ansprachen in der Hoffnung auf den Endsieg und versuchte, die Lagerinsassen zu überreden, im »Volkssturm« das »Dritte Reich« zu verteidigen.
Nach dessen Untergang kehrte Goldmann nach Stuttgart zurück, wurde als Nazi-Kollaborateur verhaftet, saß im Gefängnis, dann im Internierungslager, wo er endlich mit höheren NS-Funktionären kameradschaftlichen Umgang pflegen durfte. Die Entnazifizierungskammer stufte den Juden Goldmann als »Hauptschuldigen« ein, erteilte Berufsverbot und ordnete den Entzug des (nicht vorhandenen) Vermögens an. Ein Exempel war statuiert.9
Erwin Goldmann veröffentlichte 1975 ein autobiographisches Buch (es erschien in einem weithin unbekannten rechtsgerichteten Verlag und hat wohl kaum Beachtung gefunden), in dem er Rechtfertigungen für seinen Lebensweg, sein Denken und sein Handeln sucht.10 Auf weiten Strecken ist das Buch eine Apologie nationalsozialistischer Rassenideologie, jedenfalls ein Zeugnis ultranationalistischer Gesinnung. Das Buch ist eine Rechtfertigungsschrift, in der sich Goldmann unbeirrt durch Fakten zur völkischen Ideologie des Nationalsozialismus bekennt – zugleich ist es eine Anklage. In monotonen Phrasen, oft in oberlehrerhafter Pose, häufig unter Berufung auf die »Kameraden« im Internierungslager, in dem er 1945 endlich Anschluss auf Augenhöhe mit prominenten Nationalsozialisten gefunden hatte, bezeugte er sein”Ja zum Nationalsozialismus mit ehrlicher Verantwortung« und seine Anschauung »daß es beinahe an Verbrechen grenzt, völkisch bedingte Eigenarten und ihre innere gegenseitige Ablehnung nicht als etwas Naturgegebenes anzuerkennen.«11
Wichtig und lehrreich ist die Geschichte des zweifachen Doktors Erwin Goldmann, weil sie in ihrer Übersteigerung die Grundeinstellung vieler deutscher Juden besonders deutlich zeigt – der deutschen Juden nämlich, welche die Aufforderung zur Assimilation zur Lösung aller Bindungen an jüdische Kultur, Religion und Geistigkeit so ernstnahmen, wie sie niemals gemeint war. Was Goldmann nicht wahrhaben wollte, als die Mehrheit in Deutschland es ihn spüren ließ, war die Ausgrenzung, die brutale Zurückweisung derjenigen, die ›Treue zum deutschen Vaterland‹ als oberste Maxime zu leben suchten und sich durch Realitäten wie den Antisemitismus, die nationalsozialistische Herrschaftspraxis und die Zustimmung der Mehrheit zum Nationalsozialismus (mindestens solange er politisch und militärisch erfolgreich war) nicht beirren ließen. Ein Unterschied liegt zweifellos in der größeren und bis zuletzt anhaltenden Hartnäckigkeit, mit der Goldmann die Augen verschloss. Gemeinsam war der Mehrheit der deutschen Juden (und nicht nur den hochassimilierten), die Verinnerlichung deutscher Tugenden und Überzeugungen, die es vielen von ihnen mindestens bis zum Novemberpogrom 1938 so schwer machte, auf Flucht und Rettung zu sinnen.
Die Demütigung war um so größer, je länger sich die jüdischen Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs, die Gebildeten und Honoratioren, die glühenden Propagandisten deutscher Kultur, Illusionen erst über die Dauer, und dann über die Absichten und Ziele des Regimes hingaben. Erwin Goldmann ist keine exotische Figur, sondern (von seiner Eitelkeit, seiner Arroganz und den auch rührenden Übersteigerungen seiner Hoffnungen und Wünsche, seiner Naivität und seinem selbstgerechten Geltungsdrang abgesehen) repräsentativ für viele aus der ausgegrenzten Minderheit. Insofern hilft sein Schicksal, die Kränkung zu verstehen, die den deutschen Juden widerfuhr.
Die Geschichte des Erwin Goldmann hat aber auch eine zweite Moral. Nämlich die Unbarmherzigkeit, mit der der Jude, der gerne Nazi geworden wäre, von den Nachkriegsbehörden verfolgt wurde, die Einstufung als »Hauptbelasteter « in den Spruchkammerverfahren, die schleppende Amnestierung, als hochgradige Nationalsozialisten schon längst zu »Mitläufern« herabgestuft waren, die anhaltende Empörung und Straflust der neudemokratischen deutschen Gesellschaft gegenüber Goldmann muten mehr als pharisäisch an, wenn man daran denkt, welcher Solidarität KZ-Kommandanten, Schreibtischmörder, Rädelsführer sich oft erfreuen durften, als sie Fluchthilfe oder eine neue Identität oder das Schweigen derer, die sie und ihre Taten kannten, nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes benötigten.
In den Akten des Falles Goldmann finden sich die Zeugenaussagen ehemaliger Gestapo- oder SD-Mitarbeiter, die als freie Männer vor den Ermittlungsbehörden oder der Entnazifizierungskammer erschienen, ihre Aussagen machten, seelenruhig zu Protokoll gaben, sie seien als Sachbearbeiter zuständig für »die Judenfrage« gewesen. Und keiner kam auf die Idee, dass diese Leute als Werkzeug des NS-Staates zu behelligen seien,12 während Erwin Goldmann als vermuteter gefährlicher Nazi erst im Gefängnis, dann im Internierungslager saß. Und der Prälat, der im Mai 1945 in der Sache Goldmann Charakterisierungen des Beschuldigten der Polizei zu Protokoll gab (er kannte ihn seit dem Ersten Weltkrieg, sie waren Regimentskameraden gewesen, aber etwa 1943 hatte der Geistliche aus Argwohn vor Bespitzelung den Kontakt abgebrochen), fühlte sich wohl im Stande der Unschuld, als er sagte: »Er hat sich damals und auch nach dem Krieg durchaus kameradschaftlich und anständig, vor allem hilfsbereit gezeigt. Die üblichen jüdischen Veranlagungen haben sich bei ihm kaum gezeigt.«13 Tröstlicher für Goldmann dürfte die eidesstattliche Versicherung des ehemaligen SD-Mitarbeiters gewesen sein, der ihm bescheinigte, dass er von »der Lauterkeit seiner deutschen Gesinnung sofort den besten Eindruck gehabt habe.«14
Die übersteigerte, im Wilhelminismus wurzelnde Vaterlandsliebe deutscher Juden, welche durch den verlorenen Ersten Weltkrieg nicht gedämpft, sondern gesteigert wurde, und die aus der Abscheu über den Versailler Vertrag weitere Nahrung gewann, machte nicht nur die nationalliberale Deutsche Volkspartei als Ort von »Vernunftrepublikanern« und Monarchisten für viele Juden zur politischen Heimat. Trotz ihres vehement zur Schau getragenen Antisemitismus war für manche auch die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) attraktiv. Die antidemokratische, reaktionäre DNVP verherrlichte nicht nur den Nationalismus des Kaiserreichs, sie betrieb vielmehr mit allen Mitteln den Untergang der Weimarer Republik. Zu fragen ist, ob ähnliche Emotionen jenes 'glühenden Patriotismus', wie sie Erwin Goldmann und dessen Gesinnungsgenossen, die sich im »Verband nationaldeutscher Juden« Max Naumanns oder in Hans-Joachim Schoeps' Vortrupp zusammengefunden hatten, auch als Triebkräfte der »Juden in der AfD« auszumachen sind.
Innerhalb des deutschen Judentums der Weimarer Republik waren die nationaldeutschen Juden nur eine kleine Minderheit – trotzdem war ihre Agitation lautstark und kontrovers. Die Gruppe vertrat einen vehementen deutschen Nationalismus und ist politisch im nationalliberalen bis rechtsradikalen Spektrum zu verorten. Die Beiträger*innen liefern sowohl einen Überblick über die Geschichte des nationaldeutschen Judentums als auch eine Analyse seiner politischen Ideen, seiner Beziehungen zu anderen jüdischen Gruppen im Deutschen Reich und seiner wichtigsten Protagonisten. Damit rückt eine Gruppierung ins Zentrum der Forschung, die selbst in der stark ausdifferenzierten politischen Landschaft der Weimarer Zeit enorm auffiel und den Diskurs prägte.
2. Traditionslinien? Die »Juden in der AfD« als rechte deutsche Juden
Die Betrachtung der Programmschrift der »Juden in der AfD«15 bringt Erkenntnis über den ideologischen Standort und das Bestreben des Vereins. In einem von mehreren Grußworten, die dem Vorwort und der Einleitung der überaus polemischen Broschüre »Was Juden zur AfD treibt« vorangehen, begründete auch Andreas Kalbitz die Notwendigkeit eines jüdischen Fähnleins in der Partei, die – wie er selbst – zu weiten Teilen vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und beobachtet wird. In weitläufig verschlungenen Sätzen beschrieb Kalbitz das AfD-Dogma vom zunehmenden Antisemitismus wegen der »massenhaften Zuwanderung vornehmlich muslimischer Migranten « und appellierte an jüdische, christliche und nichtreligiöse Deutsche mit der Forderung:
»Eine rote Linie der Verantwortung aus dem kulturgeschichtlichen und ethisch-moralischen Erkenntnisgewinn gemeinsamer Geschichte als Baustein einer gemeinsamen Zukunft in Vergegenwärtigung neuer Herausforderungen und auch Bedrohungen.«16
Ein Jahr nach der Anfertigung des Textes, aber nicht wegen seiner Anfertigung setzte der Bundesvorstand der AfD dem notorischen Rechtsextremen Kalbitz den Stuhl vor die Tür, weil er Stationen seiner politischen Kariere verschwiegen hatte, nämlich die Mitgliedschaft bei den »Republikanern« und Verbindungen zum rechtsextremen Bund »Heimattreue Deutsche Jugend«. Begonnen hatte die Karriere in der Jungen Union der CSU. 2017 bis 2020 war Kalbitz Vorsitzender des AfD-Landesverbands Brandenburg und Chef der AfD-Landtagsfraktion gewesen.
Die »Grundsatzerklärung«, die den Inhalt der Textbeiträge in der Broschüre von Mitgliedern und Gästen zusammenfasst, beruft sich mehrfach auf den französischen Philosophen Alain Finkielkraut. Dessen Kulturpessimismus hinsichtlich des »Niedergangs Frankreichs«, für den er die demografische Situation aufgrund der Einwanderung verantwortlich sieht, berührte die islamophoben »Juden in der AfD« sympathisch. Die differenzierte Haltung des konservativen Denkers blieb ihnen dagegen verschlossen. Des Journalisten Henryk Broders rabiate Parteinahme gegen den Islam, gegen den deutschen Umgang mit der Geschichte und gegen Repräsentanten der deutschen Judenheit spiegelt die Emotionen der Autoren des Breviers, das sich auch auf ihn beruft. Erstaunlicher ist die Erwähnung des Religionsphilosophen Hans- Joachim Schoeps, der zitiert ist mit seiner Definition des Judentums als »Bundesvolk«, das sich nie im Religiösen erschöpft habe, sondern immer eine »Volksgemeinschaft« gewesen sei. Diese Vokabel ist nicht der einzige ominöse Terminus, der sich in dem Traktat findet. Zentrale Metapher der Grundsatzerklärung ist das »Abendland«.
Der Begriff »Abendland«, den die »Juden in der AfD« wie schon die »Patriotischen Europäer« der Pegida-Bewegung zur Abwehr einer vermeintlich bevorstehenden Islamisierung im Schilde führen, ist so usurpatorisch wie schillernd. Die Usurpation besteht hierbei darin, dass ein historisch belegter Terminus, der Assoziationen mit hehren Wertbegriffen auslöst, als Markenzeichen benutzt wird, um positive Identifikation für Bestrebungen zu schaffen, die fremdenfeindlich sind, an unterschwelligen Rassismus appellieren und simple Auflehnung signalisieren. Unter »Abendland« lässt sich beliebig vieles subsumieren. Das Abendland ist ein Mythos, der vor allem im 17. und 18. Jahrhundert Hochkonjunktur hatte: Er steht für eine Wertegemeinschaft, die griechisch-römische Philosophie mit christlichem Denken verbindet und den Eindruck erweckt, als habe sich die Antike im Christentum vollendet. Dabei ist der Terminus »Abendland« immer als Kampf- oder Ausgrenzungsbegriff genutzt worden. Zunächst bezeichnete das Abendland die lateinische Christenheit, die sich gegen die orthodoxe Kirche abgrenzte; Rom gegen Konstantinopel. Als dann 1453 Konstantinopel durch die Türken erobert wurde, wurde das christliche Abendland zum Kampfbegriff gegen die türkischen, das heißt muslimischen Angreifer.
In Wirklichkeit hat es ein einheitliches christliches Abendland nie gegeben. Die muslimischen Türken im 17. Jahrhundert wurden von den katholischen Franzosen im Kampf gegen die katholischen Habsburger unterstützt. Machtdenken spielte eine größere Rolle als Religion. Im 19. Jahrhundert galt dann der griechische Freiheitskampf gegen das Osmanische Reich als Auseinandersetzung abendländischer Kultur mit dem feindlichen Morgenland, und der Sieg der Griechen wurde als berechtigter Triumph gefeiert. Wie aktuell die Parolen sind, die zur Verteidigung des Abendlandes immer wieder neu gestanzt werden, aber auch, wie attraktiv das »Abendland« bei der politischen Rechten ist, ist evident. Dass die österreichische Partei FPÖ 2009 mit der Parole »Abendland in Christenhand« in die Europawahlen ging, zeigt, wie tief diese Definition sitzt und wie sehr die Jahrhunderte alte Angst vor den muslimischen Eroberern auch heute noch mobilisiert werden kann. Auch die rechtsextreme NPD spielte damit, als sie die Parole ausgab, die Siege über die Türken vor Wien 1529 und 1683 dürften nicht umsonst gewesen sein.
Die Denkfigur »Abendland« spielt im konservativen und nationalkonservativen Denken eine wichtige Rolle. Der Geschichtsphilosoph Spengler veröffentlichte nach dem Ersten Weltkrieg sein kulturpessimistisches Hauptwerk »Der Untergang des Abendlandes«. Er gilt als einer der geistigen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Für ihn war »Abendland« der Gegenbegriff zu den demokratischen und kapitalistischen Staaten Frankreich und England sowie zum bolschewistischen Osten. Nach der Niederlage von Stalingrad 1943 forderte Hitler die deutsche Armee auf, »bis zur letzten Patrone« für die »Rettung des Abendlandes« zu kämpfen und ab 1945 war der Mythos Abendland für die europäische Bewegung, die aber nur den Westen des Kontinents meinte, von großer Bedeutung. In den 1950er Jahren erfuhr der Mythos »Abendland« die Wiedergeburt. Das freiheitliche Europa berief sich im Kalten Krieg auf christliche Werte, um sich vom Ostblock abzugrenzen. Nationalkonservative und Katholiken bis zu Konrad Adenauer sprachen vom christlichen Abendland, in das dann auch die USA einbezogen wurden. Dann verlor der Begriff stark an Prägekraft – bis ihn Rechtspopulisten wie die FPÖ und Rechtsextreme wie die NPD und Islamophobe der Pegida wieder aufgriffen.
Muslimfeinde haben den Begriff vom christlichen Abendland vor einiger Zeit erweitert zum christlich-jüdischen Abendland und durch den Versuch, die Juden einzubeziehen, die Stoßrichtung gegen den Islam betont. Die Einbeziehung der Juden ist eine besonders freche Usurpation, die allerdings längst von Politikern und Medien verinnerlicht ist: Denn vom christlichen Abendland waren die Juden immer und in aller Konsequenz ausgeschlossen – bis hin zum Völkermord an sechs Millionen Menschen unter NS-Ideologie, weil sie als Juden galten. Das Schlagwort »christlich-jüdisches Abendland« zeigt sich attraktiv und wirkungsvoll, wenn es um die Ausgrenzung von Muslimen geht. Demonstranten bei den Pegida-Veranstaltungen beschworen die »christlich-jüdischen Werte des Abendlandes«. Wenn es gegen Muslime geht, sind Verbündete willkommen. Die Möglichkeiten zeigte der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders auf, der 2010 mit israelischen Siedlern zusammentraf und in einer »Jerusalemer Erklärung« den Schulterschluss europäischer Rechtsradikaler mit israelischen Siedlern suchte und Israel zum verstärkten Siedlungsbau aufforderte.
Die Topoi politischer Weltanschauung der »Juden in der AfD« unterscheiden sich nicht von den Parolen, mit denen die Gesamtpartei AfD wirbt: exzessive Islamfeindschaft, völkische Ideologie, Denunziation des Systems der repräsentativen Demokratie, Diffamierung der deutschen Erinnerungskultur. Der letzte Aspekt ist für eine Gruppierung, die pronciert als »jüdisch« in Erscheinung tritt, besonders erstaunlich. Geradezu grotesk ist jedoch die Sprachregelung, mit der die Judenfeindschaft, die in öffentlichen Bekundungen prominenter AfD-Mitglieder zutage tritt, abgetan wird. Der einschlägige Satz lautet, man unterstütze »die Anstrengungen der Bundes- und Landesvorstände der AfD, sich von den in der Partei anzutreffenden Restbeständen des rechten Antisemitismus zu trennen«, sei dabei jedoch »überzeugt, dass das Gewicht fraglicher Personen in der medialen Berichterstattung zum Zweck der Diffamierung der gesamten Partei maßlos überschätzt« werde.17 Vehement werden nach solcher Abwiegelung dagegen die Gefahren durch den muslimischen Antisemitismus beschworen, der durch die »unkontrollierte Masseneinwanderung« junger Männer aus »dem islamischen Kulturkreis« ins Land getragen werde. Die »Juden in der AfD« geben sich überzeugt,
»dass die AfD die einzige Partei der Bundesrepublik ist, die sowohl eine redliche Ideologiekritik betreibt, welche die Unvereinbarkeit islamischer Dogmata mit dem Grundgesetz nicht zu verschleiern versucht, als auch in diesem Rahmen muslimischen Judenhass thematisiert, ohne diesen zu verharmlosen, zumal er unstrittig und untrennbar schon mit der Entstehung des Islam verbunden ist.«18
Die Behauptung, Judenhass gehöre seit Entstehung des Islam zum Wesenskern dieser Religion sowie der gesamten islamischen Kultur und präge deshalb deren gesellschaftliche und politische Evidenz, ist freilich ebenso falsch wie beliebt bei Muslimfeinden. Die Behauptung dient in der Verallgemeinerung zur Denunziation aller Muslime als Judenfeinde. Würde man nach der Methode der AfD argumentieren, gelangte man zur Feststellung, dass von den acht Autoren des Traktates, die dem Verein »Juden in der AfD« angehören und zusammen mit den drei Gastautoren dessen intellektuelles Potential darstellen, sieben die deutsche Staatsbürgerschaft als Kontingentflüchtlinge, Spätaussiedler oder Migranten erworben haben. Ihre Geburtsorte liegen in Kirgistan, Kasachstan, Usbekistan, der Ukraine, der Türkei und (mit polnischen Wurzeln) in Belgien.
Stehen sie deshalb nicht automatisch auf der Liste derer, die nach dem Potsdamer Komplott der Rechten im Herbst 2023 von Ausbürgerung, das heißt Vertreibung und Deportation bedroht sind? Auch als Repräsentanten eines jüdischen Zweigs der AfD sind sie wenig legimitiert, denn der Zentralrat der Juden in Deutschland distanziert sich energisch von dem Verein, der anstelle programmatischer Aussagen zum Judentum in Deutschland die Tätigkeit des Zentralrats in Grund und Boden kritisiert. Der jüdische Anspruch, mit dem die Existenz des Vereins innerhalb einer als rechtsextrem eingeschätzten Partei begründet wird, besteht in der unbedingten Solidarität zur Politik Israels und der Sympathie zu rechtsgerichteten Siedlern, sowie existenzieller Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland, garniert mit der Ablehnung einer angeblichen Umdefinition des Familienbegriffs, die an »Gender-Mainstreaming und Frühsexualisierung« erkennbar sei. Das gehörte zwar auch in die ideologische Rüstkammer aller rechtsradikalen Vorgängerparteien der AfD, wird aber in der »Grundsatzerklärung« als Übel dargestellt, das außer religiösen Christen auch die Judenheit besonders angehe.
Fazit
Als Ergebnis einer Analyse der »Grundsatzerklärung der Bundesvereinigung Juden in der AfD« ist festzustellen, dass es sich um eine Sekte innerhalb einer Rechtsaußenpartei handelt, welche deren politische Ideologeme vertritt und versucht, den besonderen Aspekt des Jüdischseins zu instrumentalisieren. Die »Juden in der AfD« stehen nicht in der Tradition von Max Naumanns »Verband nationaldeutscher Juden«, ebensowenig sind sie Epigonen der deutsch-jüdischen Patrioten des »Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens «, der sich von 1893 bis zur Auflösung durch die Gestapo 1938 gegen Antisemitismus wehrte, die Rechte der Juden und deren »deutsche Gesinnung« verteidigte. Weder der »Reichsbund jüdischer Frontsoldaten«, der die Kameradschaft der im Ersten Weltkrieg Kämpfenden pflegte, noch die Bewegung »Deutscher Vortrupp« des Religionsphilosophen Hans-Joachim Schoeps gehören zu den Ahnen der rechtsradikalen Gruppierung.
ANMERKUNGEN
1 Feldmann, Deborah: Judenfetisch, München 2023; Steinke, Ronen: Guter Jude, schlechter Jude, in: Süddeutsche Zeitung, 1. März 2024.
2 Fuld, Wolfgang: Warum ich mich als Jude in der AfD engagiert habe, in: Steinbach, Erika/Otte, Max (Hg.): Nachdenken für Deutschland. Wie wir die Zukunft unseres Landes sichern können, Lüdinghausen und Berlin 2018, S. 25–32, hier S. 28.
3 Vgl. die Programmschrift des CV-Gründers: Löwenfeld, Raphael: Schutzjuden oder Staatsbürger, von einem jüdischen Staatsbürger, Berlin 1893.
4 Barkai, Avraham: »Wehr Dich!« Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (C.V.) 1893–1938, München 2002.
5 Berger, Michael: Eisernes Kreuz und Davidstern. Die Geschichte der jüdischen Soldaten in deutschen Armeen, Berlin 2006; Dunker, Ulrich: Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten 1919–1938. Geschichte eines jüdischen Abwehrvereins, Düsseldorf 1977.
6 Rheins, Carl J.: Deutscher Vortrupp, Gefolgschaft deutscher Juden, in: Leo Baeck Institute Year Book 26 (1981), S. 207–229.
7 Brumlik, Micha: Preußisch, konservativ, jüdisch. Hans-Joachim Schoeps' Leben und Werk, Köln 2019, S. 145–146; Botsch, Gideon/Knoll, Joachim H./Ludwig, Anna-Dorothea (Hg.): Wider den Zeitgeist. Studien zum Leben und Werk von Hans-Joachim Schoeps (1909–1980), Hildesheim 2009; Der Gelehrte hat, im Abstand zweier Jahrzehnte dreimal Memoiren veröffentlicht: Rückblicke. Die letzten Dreißig Jahre (1925–1955) und danach (1956 und 1963) sowie: Ja – Nein – und trotzdem. Erinnerungen– Begegnungen–Erfahrungen (1974), in: Gesammelte Schriften, Band 15, Hildesheim 2005.
8 Benz, Wolfgang: Patriot und Paria. Das Leben des Erwin Goldmann zwischen Judentum und Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Berlin 1997, S. 48–49.
9 Ebd., S. 64.
10 Goldmann, Erwin: Zwischen zwei Völkern – ein Rückblick. Erlebnisse und Erkenntnisse, Königswinter 1975.
11 Ebd., S. 167–168.
12 »Ich war Kriminalsekretär bei der Gestapo in Stuttgart und hatte dort die Judenangelegenheiten zu bearbeiten«. Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin, Nachlass Goldmann, Aussagen Eugen O. in Sachen Goldmann, 26.5.1945. Spruchkammer- Akte Bl. 41. Ein anderer Kriminalsekretär bekannte, es sei für ihn »sozusagen ein Ekel« gewesen, Goldmann vernehmen zu müssen, da er ihn für einen Spitzel gehalten habe. Das sagte ausgerechnet der Sachbearbeiter für Verstöße gegen das Heimtückegesetz bei der Stuttgarter Gestapo, für den der Umgang mit Spitzeln und Denunzianten alltäglich gewesen war.
13 Benz: Patriot und Paria, S. 7; Nachlass Goldmann, Aussage Adolf S., 25.5.1945; ebd., Spruchkammer-Akte, Bl. 336.
14 Ebd., Eidesstattliche Erklärung B., 15. 4. 1951; Ebd., Spruchkammer-Akte, Bl. 336.
15 Kosova, Vera/Fuhl, Wolfgang/Abramovych, Artur (Hg.): Was Juden zur AfD treibt. Neues Judentum und neuer Konservatismus. Jüdische Stimmen aus Deutschland, Bad Schussenried 2019.
16 Ebd., S. 17.
17 Ebd., S. 147.
18 Ebd., S. 142.
Der Autor
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Wolfgang Benz, 1941 in Ellwangen/Jagst geboren, Dr. phil., Historiker, war bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte und von 1990 bis 2011 Professor und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin.
1992 erhielt er den Geschwister Scholl-Preis. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft sowie Autor zahlreicher Veröffentlichungen, darunter einiger Standardwerke, zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert.
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