ACHTUNG
Guten Tag!
In Israel haben am Sonntag 118 ausländische Bürgerinnen und Bürger auf die Abschiebung in ihre Heimatländer gewartet. Die Behörden hatten zuvor insgesamt 124 pro-palästinensische Aktivisten, die im Rahmen einer Solidaritätsaktion in die Palästinensergebiete einreisen wollten, am Tel Aviver Flughafen festgenommen. Einige von ihnen waren zwischenzeitlich wieder freigelassen worden. Nach der gescheiterten zweiten Flotillen-Mission feiert Israel nun den zweiten Erfolg gegen pro-palästinensische Aktivisten. Erfolge freilich, die mehr als zweischneidig seien, meint Charles A. Landsmann im TAGESSPIEGEL:
"Doch was das offizielle Israel als Siege feiert, sind in Wirklichkeit nur mit riesigem Aufwand verhinderte Niederlagen gegen Mini-Gegner. Denn trotz der vermeintlichen „Schlacht“-Triumphe geht der „Krieg“ um Israels Ansehen und politisches Gewicht verloren. Das Land steht als stets gewaltbereiter Elefant da, der vor Mäuschen zittert und sie brutal zu zertrampeln versucht."
Links zu aktuellen Berichten hierzu in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Gerade hinter uns liegt die umstrittene Entscheidung des Deutschen Bundestags zur Präimplantationsdiagnostik (PID). Im Vergleich dazu gibt es kaum ein Land, dass der Reproduktionsmedizin so viele Freiheiten läßt wie Israel - und in keinem ist man so aktiv im Labor. Sogar das Geschlecht des Kindes ist wählbar. Und die Religion? Sie ist nicht Hindernis, sondern Humus, sagt Daniel Herschkowitz, Rabbi, Mathematiker und Israels Wissenschaftsminister. Im Interview mit der FAZ versucht er zu erklären, warum ein religiöses Land wie Israel in dieser Hinsicht so offen gegenüber der Reproduktionsmedizin ist: "Wir helfen dem, der sich vergeblich Kinder wünscht".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Im Scheba-Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv liegt ein 13-jähriges Mädchen und wartet auf den Tod. Sie hat Krebs, und die Ärzte haben schon vor drei Monaten dringend eine Operation empfohlen. Die Hand soll amputiert werden, um den Tumor zu entfernen und den Krebs an der Ausbreitung zu hindern. Nur so könne das Mädchen überleben. Doch die Mutter verweigert die Operation, aus religiösen Gründen. Selbst ein Rabbiner hat sie nicht umstimmen können. Nun aber hat ein Familiengericht in Tel Aviv entschieden: Die Operation soll durchgeführt werden, das Leben eines Kindes hat Vorrang vor allen Einsprüchen, auch von Eltern. Peter Münch schildert in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG die Hintergründe dieses Falles, der sich im Grenzgebiet von Ethik, Religion und Rechtsstaatlichkeit bewegt: "Fundamentaler Irrtum".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Ron Segal, 31-jähriger Israeli, lebt seit zwei Jahren in Berlin. Hier erlebte er zwar rege und intensive Begegnungsmöglichkeiten mit anderen Israelis und Juden, die in Berlin leben, aber deutsche Gäste waren Mangelware. Dies sollte geändert werden, weshalb Segal und andere die Initiative »Habait« gründeten. Das Projekt »Habait«, was auf Hebräisch »das Haus« bedeutet, soll den Deutschen Israel näherbringen und die verschiedenen Facetten der aktuellen israelischen Kultur dem Berliner Publikum präsentieren. Tobias Marti stellt die Initiative in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG näher vor: "Ein Haus für die Berliner".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
Rund 20.000 europäische jüdische Flüchtlinge kamen während des Zweiten Weltkriegs nach Shanghai. Das besetzte China war arm, die Stimmung sehr fragil. Die Sinologin Jeany Chen, 34 Jahre, seit ihrem dritten Lebensjahr in Hamburg lebend, beschäftigte sich mit diesem Thema in ihrer Magisterarbeit: "Das jüdische Exil in Shanghai - Die Jahre 1933 bis 45 im Spiegel der Presse". Die TAZ hat mit ihr darüber gesprochen: "Große Hilfsbereitschaft".
Der Link zum Interview in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Evangelische und katholische Kirche gehen unterschiedlich mit der Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und an ihre historische Rolle darin um. Simon Kuntze geht in einem Essay für das DEUTSCHE PFARRERBLATT den konfessionellen Voraussetzungen in der Gedenkkultur von evangelischer und katholischer Kirche auf den Grund. Kuntze hat evangelische Theologie und Arabistik studiert und ist seit 2010 Pfarrer der Gustav-Adolf-Gemeinde in Berlin und im Ökum. Gedenkzentrum Plötzensee: "Geteilte Erinnerung".
Der Link zu seinem Essay in der Rubrik VERGANGENHEIT...
Das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin untersucht seit bald 30 Jahren historische und gegenwärtige Formen antijüdischer Vorurteile. Vor kurzem ist sein langjähriger Leiter Wolfgang Benz in den Ruhestand gegangen. Seine Nachfolgerin ist die Historikerin Stefanie Schüler-Springorum. DEUTSCHLANDRADIO stellt die neue Leiterin in einem Beitrag näher vor: "Mitten in der Kontroverse. Das Zentrum für Antisemitismusforschung unter neuer Leitung".
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Die immer noch schwelende Debatte um Antisemitismus und Antizionismus in der Linkspartei hat Richard Herzinger in der WELT veranlasst, darüber nachzudenken, inwieweit Judenfeindlichkeit bereits strukturell in der sozialistischen Ideologiegeschichte angelegt ist. U.a. schreibt er:
"Judenfeindlichkeit, die sich heute vor allem in einer obsessiven Dämonisierung Israels Luft macht, ist strukturell in der sozialistischen Ideologiegeschichte angelegt. Die Juden als nicht eindeutig historisch definierbare Gruppe - weder sind sie im Begriff des Volkes oder der Nation, noch einer Religionsgemeinschaft, und schon gar nicht einer Klasse vollständig zu fassen - standen quer zu den Rollenzuweisungen im Szenario der sozialistischen Heilsgeschichte."
In der THÜRINGISCHEN ALLGEMEINEN äußert sich der Bundestagsabgeordnete der LINKEN Bodo Ramelow zum Stand der Diskussionen, zum Nahostkontlikt und zum Vorwurf des Antisemitismus in seiner Partei. Ramelow ist evangelischer Christ und war bis September 2009 der religionspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der "Linken". An gleicher Stelle, in der THÜRINGISCHEN ALLGEMEINEN, schließlich noch ein Interview zum selben Thema mit dem Soziologen Thomas Haury, der darauf hinweist, dass seit es kommunistisches Denken gibt, immer wieder einzelne Anhänger mit antisemtischen Ressentiments hervortraten.
Alle Links zum Thema in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Unter dem Titel: »Don’t panic, I’m islamic – Vom ganz normalen Wahnsinn im interreligiösen Alltag« fand während des Evangelischen Kirchentages in Dresden ein Gespräch zwischen der muslimischen Religionspädagogin Lamya Kaddor, dem Philosophen Milad Karimi und dem evangelischen Theologen Klaus-Peter Jörns über Herausforderungen der Religionen statt. PUBLIK FORUM hat nun Ausschnitte aus dem Gespräch veröffentlicht: "Niemand hat die Wahrheit. Oder doch?"
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Vor zehn Jahren gründeten 40 junge Erwachsene in Hannover den Verein "Jung und Jüdisch". Die Teilnehmer wollten einen dezidiert liberalen Verein. Frauen sollen zum Beispiel bei Gottesdiensten und auf Freizeiten gleichberechtigt sein. Gerald Beyrodt hat sich nun nach zehn Jahren bei dem Verein umgeschaut und berichtet seine Eindrücke für das DEUTSCHLANDRADIO: ""Ein ganz anderes Selbstbewusstsein"
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Wie viele Juden in der Bundeswehr dienen, ist unklar, weil die Religionszugehörigkeit nicht erfasst wird. Schätzungen gehen von etwa 200 jüdischen Soldaten aus, darunter vielleicht eine Handvoll Frauen. Sie sind nicht nur deshalb eine Minderheit, weil in Deutschland nur insgesamt rund 100.000 Juden leben, sondern auch, weil es für einen Juden gut 60 Jahre nach dem Holocaust noch immer nicht selbstverständlich ist, Deutschland mit der Waffe zu verteidigen. Eine von ihnen, die 24jährige Jüdin Anne Külow, wird von Annabel Wahba ausführlich in der ZEIT porträtiert: "Die jüdische Kameradin".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Beim Festival "Yiddish Summer Weimar" gibt es Meisterkurse, Jam-Sessions, Symposien und Teilnehmer aus aller Welt, die diesmal vor allem eines vereint: Sie wollen die Verknüpfungen zwischen jiddischer und deutscher Kultur in der Musik erkunden. Blanka Weber war für DEUTSCHLANDRADIO mit dabei und berichtet: "Rückkehr zum Ursprung von Texten und Wörtern".
Der Link zu ihrem Bericht in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Margot Käßmann hat eine neue Aufgabe: Sie ist von ihrem Nachfolger im Amt des EKD-Vorsitzenden, Präses Nikolaus Schneier, zur Luther-Botschafterin ernannt worden. Er freue sich, sagt Schneider, dass Margot Käßmann „ab dem kommenden Frühjahr wieder offiziell ein Amt in der Evangelischen Kirche in Deutschland bekleiden wird“, der Rat der EKD habe „einstimmig beschlossen“, Margot Käßmann zur „Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 zu berufen“, um den Vorbereitungen „auf dem Weg zum großen Jubiläum weitere Kraft und weiteren Schwung zu verleihen“. In der WELT kommentiert das Henryk M. Broder: "Das klingt, als würde der Vorsitzende eines Bundesligavereins die Ernennung eines neues Trainers bekannt geben, der die Mannschaft auf die nächste WM vorbereiten soll."
Was Broder sonst noch dazu schrieb: Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
Als die Amerikanerin Sarah Glidden ihre Israel-Tour antritt, meint sie, sie wüsste, worauf sie sich eingelassen hat. Doch als sie im Land selbst ankommt, zeigt sich, dass alles, was sie über Israel zu wissen glaubte, in Wahrheit ganz anders aussieht. Mit dieser Erfahrung im Rücken hat sie ein Buch geschrieben, oder besser gesagt: geschrieben und gezeichnet, denn sie hat ihre Eindrücke und Erkenntnisse in der Form einer Graphic Novel, also eines Comics, festgehalten. Dort erzählt sie charmant und fesselnd von ihrer Reise nach Tel Aviv, Jerusalem, auf die Golanhöhen, nach Masada und zu anderen historischen Stätten, wobei die intensiven Wasserfarben jedes skurrile und atemberaubende Detail zum Leben erwecken. Ein "herausragender Comic", wie Jörg Böckem im SPIEGEL urteilt: "Israel verstehen in 60 Tagen oder weniger".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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