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ISSN 1612-7331
30.05.2011 - Nr. 1262
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Die nächste Tagesausgabe erscheint am Mittwoch, 01. Juni 2011.


Guten Tag!

Nr. 1262 - 30. Mai 2011


Nach vier Jahren hat sich für die Palästinenser im Gazastreifen erstmals wieder ein Tor zur Welt göffnet: Ägypten hat den Übergang Rafah am Samstag wieder in Betrieb genommen. Viele freuen sich über die neue Freiheit und nutzen sie, wie die Korrespondenten verschiedener Zeitungen berichten. Dementgegen herrscht auf Seiten des offiziellen Israels weniger Freude: Die Hamas, so heißt es, werde die Öffnung nutzen, um sich aufzurüsten. Diesem Argument kann der israelische Journalist Gil Yaron allerdings wenig abgewinnen und bezeichnet es als "hohl", wie er in der FULDAER ZEITUNG schreibt:
"Schon jetzt verfügen die Islamisten über Raketen, die Tel Aviv erreichen können. Durch hunderte Tunnel wurden auch Luxusautos geschmuggelt. Wo ein Pkw durchpasst, kann man auch Raketen befördern. Es ist unverständlich, wie Personenverkehr in Rafah diesen Waffenschmuggel steigern soll. Das Festhalten an der gescheiterten Strategie scheint vielmehr ein Merkmal von Netanjahus Außenpolitik zu sein: Statt Wandel kreativ auszuschlachten, erweist er sich als Ewiggestriger, sei es die Politik in Rafah, sein Festhalten am Siedlungsbau oder seine übereilte Ablehnung von Verhandlungen auf Basis der Waffenstillstandslinien von 1967."
Links zu Reportagen und Kommentaren in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Nach jahrelangem Kampf haben sich die palästinensischen Erzfeinde Fatah und Hamas kürzlich in einer feierlichen Zeremonie miteinander versöhnt. Während viele dies als entscheidenden Schritt in Richtung einer Zwei-Staaten-Lösung feiern, warnt Benny Morris, einer der einflussreichsten israelischen Historiker, in einem längeren Interview mit CICERO vor falschen Hoffnungen. Darüber hinaus zeigt er sich insgesamt als äußerst skeptisch - "Der Frieden hatte nie eine Chance" - und im Blick auf die Palästinenser sehr mißtrauisch. Befragt, ob er den gesamten Oslo-Friedensprozeß als Illusion betrachte, antwortet er: "Ja, rückblickend denke ich, dass alles ein gigantischer Betrug gewesen ist." Der Fragensteller darauhin: "Ein Betrug vonseiten der Palästinenser?" Und Morris antwortet: "Sie haben uns getäuscht. Was sie wirklich wollten, war in Palästina Fuß zu fassen, ohne ein Friedensabkommen mit Israel zu unterzeichnen. Als der Frieden und die Zwei-Staaten-Lösung dann angeboten wurden – von Ehud Barak in Camp David und von Bill Clinton danach –, sagten sie: „Nein, danke.“" Erneut interveniert der Fragensteller: "Ihnen ist sicherlich bewusst, dass diese Interpretation der vergangenen 20 Jahre von vielen nicht geteilt wird?". Aber Morris bleibt bei seiner Sicht und reagiert: "Ich glaube, was ich sehe. Und ich habe gesehen, was im Juli 2000 in Camp David passiert ist. Da wurde eine Zwei-Staaten-Lösung angeboten, die Palästinenser hätten fast das gesamte Westjor­danland bekommen, die Hälfte Jerusalems, die Hälfte der Altstadt inklusive einer Art von Souveränität über den Tempelberg – also alles, was sie angeblich wollten. Und sie sagten Nein. Das ist die Wahrheit. Der Rest ist Geschwätz."
Der Link zum vollständigen Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

In einer sehr nachdenklich stimmenden Reportage unter dem Titel "Geschichte und Gesetze" schildert Christian Meier in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG die territorialen Auseinandersetzung um Ostjerusalem, das sozial und intellektuell immer mehr verarme, während es von israelischen Siedlungen umzingelt werde. Eindringlich verdeutlich der Münchner Islamwissenschaftler und Mitherausgeber der Orient-Zeitschrift «Zenith» die tiefreichenden Hintergründe der städtbaulichen Entwicklung Jerusalems im Geflecht widerstreitender historischer Ansprüche und gegenwärtiger Machtfragen:
"Diese Wirkmächtigkeit der religiös aufgeladenen Geografie, ..., ist bis heute vorhanden, sie prägte von Beginn an den Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern. In Jerusalem überlagern sich vielleicht mehr historisch-theologische Schichten als in irgendeiner anderen Stadt der Welt: Hier findet ein zähes Ringen um jeden Quadratmeter statt, das nicht selten auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen wird – und nicht davor zurückscheut, die Geschichte zu eigenen Gunsten zu verbiegen."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Lea Goldberg gilt als Ikone der Dichtkunst in Israel, außerhalb der hebräischen Sprachgrenzen ist sie hingegen praktisch unbekannt. Bis heute sind von ihr auf Deutsch nur einige Anfang der 1960er Jahre übertragene Gedichte sowie ihr erster Roman »Briefe von einer imaginären Reise« erschienen. Zugleich wurde sie berühmt als Kinderbuchautorin, als Übersetzerin von Werken der Weltliteratur ins Hebräische und Literaturkritikerin. 1952 begründete sie die Abteilung für Komparatistik an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo sie bis zu ihrem Tod lehrte. Eva Pfister erinnert mit einem Porträt für DEUTSCHLANDRADIO anlässlich des 100. Geburtstages der Dichterin an eine große Dame der isralischen Literatur, die es hierzulande noch zu entdecken gilt.
Der Link zum Porträt in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Er gerierte sich als "Arzt der Armen", der mittellose Patienten kostenfrei behandelte und regierte jahrelang als beliebter Bürgermeister in einer französischen Kleinstadt. Doch hinter der bürgerlichen Fassade des Dr. Marcel Petiot verbarg sich ein notorischer Kleptomane und kaltblütiger Serienkiller, der möglicherweise mehr als 60 Menschen ermordete und etliche von ihnen in einem Kohleofen in seiner Pariser Zweitwohnung verbrannte. Insbesondere gab er mitten im Weltkrieg vor, verfolgte Juden aus dem besetzten Frankreich zu schleusen - und brachte auch sie reihenweise um. Mit einem wahnwitzigen Konstrukt aus Lügen narrte er jahrelang die französische Justiz, selbst Hitlers Geheimdienst fiel auf den Killer herein. Christoph Gunkel erzählt in seiner historischen Reportage für den SPIEGEL die beinahe unglaubliche Geschichte des Serienmörders Marcel Petiot: "Jagd auf Dr. Satan".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Ulf Poschardt macht sich in der WELT darüber Gedanken, warum bislang keine Partei sich bislang rechts von der CDU/CSU hat etablieren können, es also ganz entegegen dem Trend in den europäischen Nachbarländern bislang keine rechtspopulistische Partei in Deutschland gibt. Seine Antwort: "Rechte" Ressentiments von Fortschrittsfeindlichkeit bis Antisemitismus werden schon ausreichend von linken Parteien, allen voran der Linkspartei bedient, wo es antisemitisch, völkisch und deutsch genug zugehe: "Wut und Boden".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ANTISEMITISMUS/RECHTSRADIKALISMUS.

Kennen Sie die schottische Gemeinde West Dunbartonshire nahe Glasgow?  Letzte Woche schaffte es diese Region mit ihren 90.000 Einwohnern immerhin gleich zwei Mal in die nationalen Medien. Das erste Mal mit einem Rekord: Das einstige Industriegebiet hat mittlerweile die höchste Arbeitslosenquote in ganz Großbritannien. Und zum zweiten Mal, weil die politischen Verantwortlichen aus schottischen Nationalisten und Labour-Partei beschlossen haben, israelische Bücher aus den örtlichen Bibliotheken zu entfernen. Dies geschehe im Geist der internationalen Solidarität, was ganz auf der bisherigen Linie des Landkreises liegt, denn bereits seit 2009 boykottiert man dort ganz offiziell alle "zionistischen Erzeugnisse", um gegen die Unterdrückung der Palästinenser zu protestieren, wie Michael Wuliger in seiner Reportage für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG berichtet: "Lest nicht beim Juden!"
Der Link zu seiner Reportage in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Für das Alte Testament und für das Judentum gehört der Prophet Elia zu den größten der Bibel. So finden sich seine Spuren auch im Neuen Testament. Der Alttestamentler Frank Crüsemann untersucht in einem Beitrag für BLICKPUNKT.E, ob und inwieweit in der christlichen Wahrnehmung der neutestamentlichen Texte über Elia nicht Wesentliches verloren geht: "Elia und das Neue Testament. Schritte zu einem angemessenen christlichen Umgang mit einem alttestamentlichen Propheten".
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Stichwort Konversion: Was fasziniert Christinnen am Islam? Was treibt Muslime an, zum Christentum zu konvertieren? Samuel Geiser hat für REFORMIERT.INFO, die evangelisch-reformierte Zeitung für die deutsche und rätromanische Schweiz, Konvertiten besucht, mit ihnen gesprochen und schildert seine Eindrücke von den Wahrheitssuchern, Brückenbauerinnen und Fundamentalisten, die er dabei antraf: "Exchristen, Exmuslime".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Bis 1933, bis zur "Entjudung" des traditionsreichen deutschen Filmunternehmens "Ufa", war er der erfolgreichste Schlagerkomponist der späten Weimarer Republik gewesen: Werner Richard Heymann. Zusammen mit dem Ufa-Produzenten Erich Pommer hatte er ein neues Filmgenre erfunden: die Tonfilmoperette. Pommers Traum von der Musikalisierung des Kinos hatte Heymann verwirklicht in den großen Glanzstücken des Genres: "Die Drei von der Tankstelle", "Ein blonder Traum", "Der Kongress tanzt" und "Ich bei Tag und Du bei Nacht". Am 30. Mai 1961, heute vor 50 Jahren, starb der jüdische Komponist in München. Viktor Rotthaler erzählt in der NEUEN MUSIKZEITUNG die Geschichte des einst erfolgreichsten deutschen Liederschreibers der Weimarer Zeit, von seiner Flucht aus Nazi-Deutschland - und seiner Rückkehr nach dem Krieg: "Volkslieder des 20. Jahrhunderts".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Ein neues Museum in Skopje zeigt die lange Geschichte jüdischen Lebens in der Balkanregion bis zur fast vollständigen Auslöschung im Zweiten Weltkrieg. Dass dieses Museum überhaupt entstehen konnte, ist das Verdienst einer kleinen, aber sehr aktiven Gemeinde, die Simone Böcker für DEUTSCHLANDRADIO besucht hat: "Das religiöse Leben kehrt zurück. Juden in Mazedonien".
Der Link zu ihrer Reportage in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Die Mitte-rechts-Regierung des holländischen Premiers Mark Rutte ist von ihr abhängig, seit sie bei den Wahlen zum Oberhaus die Mehrheit verfehlt hat: Die ultrareligiöse Partei SGP hat ihre Anhängerschaft hautsächlich im sogenannten Bibelgürtel, unter den erzkonservativen Calvinisten des Landes. Mit ihren 93 Jahren ist sie die älteste noch aktive Partei der Niederlande und sie setzt sich für die Errichtung eines Staates auf Grundlage der Bibel ein. Sie will den autofreien Sonntag, sie lehnt homosexuelle Praktiken als widernatürlich ab, sie fordert die Einführung der Todesstrafe für schwere Verbrechen und will die Macht der Europäischen Union begrenzen. Thorsten Thissen schildert in der WELT weitere Einzelheiten und Hintergründe: "Holländische Ultra-Christen wollen den Gottesstaat".
Der Link zu seinem Bericht in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Joachim Bromand und Guido Kreis, die beide in Bonn Philosophie lehren, liefern mit dem von ihnen herausgegebenen Sammelband „Gottesbeweise“ eine voluminöse Überblicksdarstellung zu philosophischen Ansätzen mit Dokumentation und Einführung. Gerade dies macht aus dem Werk ein nützliches Handbuch, meint Armin Pfahl-Traughber, der das Buch im HUMANISTISCHEN PRESSEDIENST näher vorstellt: "Gottesbeweise von Anselm bis Gödel".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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EDITORIAL HIGHLIGHTS

30. Mai 2011

 * "Die Palästinenser kommen!" ... mehr
 
 * Benny Morris: „Frieden hatte nie eine Chance“ ... mehr
 
 * Jerusalem: Städtebau als Theologie und Politik ... mehr
 
 * Die große Dame der israelischen Literatur ... mehr
 
 * Zweiter Weltkrieg: Jagd auf "Dr. Satan" ... mehr
 
 * Wut und Boden: Die Linke ist die wahre Rechte ... mehr
 
 * Schottland: "Lest nicht beim Juden!" ... mehr
 
 * Der Prophet Elia und das Neue Testament ... mehr
 
 * Konversion: Exchristen, Exmuslime ... mehr
 
 * Werner Richard Heymann: Volkslieder des 20. Jahrhunderts ... mehr
 
 * Juden in Mazedonien ... mehr
 
 * Holländische Ultra-Christen wollen Gottesstaat ... mehr
 
 * Buch-Tipp: Gottesbeweise von Anselm bis Gödel ... mehr

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EDITORIAL

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ACHTUNG:
Die nächste Tagesausgabe erfolgt am Mittwoch, 01. Juni 2011.