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Dominierendes Thema in der Berichterstattung über Israel und Nahost ist heute der Austritt von Verteidigungsminister Barak aus der Arbeiterpartei und die damit verbundene Spaltung von Israels Sozialdemokraten. Viele Kommentatoren sehen darin den Höhepunkt eines bereits lange schon anhaltenden Verfallsprozess der Partei von Staatsgründer Ben-Gurion. "Das Ende der Sozialisten Israels" überschreibt beispielsweise Ulrich W. Sahm seinen Kommentar für N-TV:
"Die Spaltung der israelischen Arbeitspartei und Baraks Beschluss, seine Partei zu verlassen, überrascht nicht wirklich. Schon vor Jahren übernahmen die Rechten in dem Land vermeintlich linke Positionen. Die Arbeitspartei hatte der Bevölkerung keine Perspektive mehr zu bieten".
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Waren es die Islamisten, oder waren die enttäuschten Hoffnungen eines Halbstarken der Grund?, fragt Susanne Knaul in der TAZ in ihrem Bericht über den Anschlag auf das erst vor Kurzem wiedereröffnete Kino in der palästinensischen Stadt Jenin. Im Vorfelt kritisierten manche den angeblichen Versuch, mit der Programmpolitik des Kinos eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel zu bewirken: "Filme für eine konservative Gesellschaft".
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Vor über zehn Jahren gründeten ein palästinensischer Erziehungswissenschaftler und ein israelischer Psychologe gemeinsam ein Friedensforschungsinstitut. Das Ziel, das sie sich damals setzten, nannten sie die "Entwaffnung der israelisch-palästinensischen Geschichte", und anfangen wollten sie damit in den israelischen Schulen. Unterstützt von der Europäischen Union und vom Auswärtigen Amt entwickelten sie ein israelisch-palästinensisches Schulbuch. Fast zehn Jahre lang arbeiteten sie an dem Buch, letztes Jahr lag es dann endlich vor, doch bis heute arbeitet keine einzige israelische Schulklasse damit. Doch das Projekt - so scheint es - scheiterte am Widerstand der Politik und an der Stimmung in der israelischen Öffentlichkeit, wie der israelische Historiker Moshe Zuckermann im Interview mit dem DEUTSCHLANDRADIO erläutert: "Ruin dieser Zivilgesellschaft".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.
Es waren nur einige Dutzend Menschen, die am vergangenen Freitag an der Beisetzung von Tuviah Friedman in Haifa teilnahmen. Der Mann, der 1960, zur Zeit der Festnahme des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann, Schlagzeilen gemacht hatte, scheint auch in Israel weitgehend vergessen. Die JERUSALEM POST etwa meldete das Begräbnis des 89-Jährigen lediglich mit einer Kurzmeldung. Klaus Hillenbrand widmet Friedman in der TAZ einen Nachruf: "Der fast vergessene Mann, der die Nazi-Mörder jagte".
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Der als "Schlächter von Lyon" berüchtigte NS-Verbrecher Klaus Barbie war zeitweise Agent des Bundesnachrichtendienstes. Laut SPIEGEL-Informationen lieferte der unter falschem Namen in Südamerika lebende ehemalige SS-Offizier dem BND im Jahr 1966 zahlreiche Berichte aus Bolivien, wie es in einem entsprechenden Beitrag heißt. Diese neue Erkenntnis steht in Zusammenhang mit der erstmaligen Freigabe der Akten zum Fall des einstigen SS- und Gestapo-Manns Klaus Barbie durch den Bundesnachrichtendienst (BND). Aus eben diesen Beständen geht es hervor, dass Barbie 1966 für den BND arbeitete. Doch dieses Kapitel in der Nachkriegsbiografie des "Schlächters von Lyon" ist nur ein kleiner Teil der Geschichte, wie Harald Neuber mit einem zweiteiligen Beitrag für TELEPOLIS untermauert: "Aufarbeitung der braunen Vergangenheit ist längst überfällig".
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Sein schmales Buch "Die Nachbarn" löste 2001 die größte historische Debatte aus, die Polen jemals geführt haben. In der nordostpolnischen Kleinstadt Jedwabne hatten 1941, direkt nach dem Abzug der sowjetischen Besatzer, katholische Polen ihre jüdischen Nachbarn ermordet. "Entweder ihr macht das oder wir", hatte zuvor ein Deutscher in SS-Uniform erklärt. In ein paar Tagen sei man wieder da. Tatsächlich trieben die polnische Einwohner die jüdischen Nachbarn in eine Holzscheune, verbrannten sie und teilten das Eigentum der Opfer unter sich auf. Die offizielle Version, die auch auf einem Gedenkstein verewigt war, sprach davon, dass 1.600 Juden einem Nazimassaker zum Opfer gefallen wären. Erst Jahrzehnte später kam durch Jan T. Gross die Wahrheit ans Licht. In seinem demnächst erscheinenden neuen Buch wirft er nun Polen vor, vom Holocaust materiell profitiert zu haben. Bereits jetzt gibt es auch darüber Streit, wie Gabriele Lesser in der TAZ berichtet: "Goldrausch in Treblinka".
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Wikileaks-Chef Assange ist ins Zwielicht antisemitischer Vorwürfe geraten: "Assanges extremistische Angestellte" titelte das US-Monatsmagazin "The Reason" und von "dubiosen Mitarbeitern" spricht auch ein von der Wochenzeitung DER FREITAG übernommener Artikel des Guardian-Journalisten Andrew Brown. Gemeint sind Israel Shamir, der Wikileaks-Verbindungsmann für Russland, und dessen Sohn Johannes Wahlström, der zwischen Wikileaks und schwedischen Medien vermittelt. Der Vater profilierte sich als Antisemit, der Sohn fälschte israelkiritsche Zitate, so die Vorwürfe. Der Guardian-Artikel ist in deutscher Überstezung im FREITAG zu lesen und auch die TAZ beschäftigt sich mit den Vorwürfen: "Kontaktmänner im Zwielicht. Wikileaks-Verbindungsleuten in Russland und Schweden wird Antisemitismus vorgeworfen".
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Erben war schon immer eine Angelegenheit mit vielen Unbekannten. Die Nachlasswirklichkeit des 21. Jahrhunderts sorgt jedoch zusätzlich für Überraschungen, die vor 20 Jahren noch undenkbar waren. Immer öfter hinterlassen Verstorbene digitale Spuren auf Computern und im Internet, die den Hinterbliebenen nicht nur Angenehmes verheißen, sondern sie auch teuer zu stehen kommen und Missbrauch Tür und Tor öffnen können. Seit zwei Jahren bieten die Freiburger Theologin Birgit Janetzky und der Informatiker Marc Zielenski deutschlandweit den »Semno«-Service an, der digitale Guthaben ebenso wie Kostenfallen aufspürt, sensible Daten sichert und einen pietätvollen Internetabschied ermöglicht, wie Michael Scheuermann im NEUEN DEUTSCHLAND berichtet: "Untot im Internet. Freiburger Theologin wickelt digitalen Nachlass von Verstorbenen ab".
Der Link zur Reportage in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Manchmal haben die Österreicher den Deutschen etwas voraus: Seit wird beispielsweise seit dem Jahr 2000 zwischen Bodensee und Neusiedler See jeweils am 17. Januar der "Tag des Judentums" begangen - "zum bußfertigen Gedenken", wie es in einem liturgischen Direktorium heißt, "an die jahrhundertelange Geschichte der Vorurteile und Feindseligkeiten zwischen Christen und Juden und zur Entwicklung und Vertiefung des religiösen christlich-jüdischen Gesprächs". Die Initiative dazu war einst von der Zweiten Ökumenischen Versammlung in Graz (1997) ausgegangen. Eine Reihe von Beiträgen erläutert und reflektiert diesen österreichischen "Tag des Judentums", den es mittlerweile übrigens auch in Italien, in Polen und in den Niederlanden gibt. "Warum eigentlich nicht in Deutschland?", fragt beispielseise der Jesuit Andreas R. Batlogg in den STIMMEN DER ZEIT. Und in der österreichischen Tageszeitung DIE PRESSE verlangt Maximilian Gottschlich eine "völlige Neukonzeption des christlichen Selbstverständnisses" im Blick auf das Judentum und legt dazu ein Plädoyer in fünf Punkten vor. U.a. fragt er kritisch:
"Fast 2000 Jahre lang hat das Christentum die jüdischen Voraussetzungen und Bedingungen seiner Existenz verdrängt. Damit hat es aber auch seine eigenen religiösen Quellen verschüttet. Niemand kann wahrhaft Christ gegen das Judentum sein oder auch nur am Judentum vorbei. Wo sind die theologischen, religionspädagogischen und pastoralen Konzepte, die dieser Einsicht folgen?"
Die Links zum Thema in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT. Und hingewiesen sei auch darauf, dass Gottschlich einen lesenswerten Blog zum christlich-jüdischen Gespräch betreibt, der hier zu finden ist: http://forumgottschlich.blogspot.com/
Anderswo wäre seine jüdische Herkunft vielleicht Privatsache gewesen, aber nicht in Österreich und nicht in dieser Zeit: Bruno Kreisky, ehemals österreichischer Bundeskanzler. Die Wut, dass er als Jude politisch angreifbar und moralisch erpressbar war, brach nicht zuletzt im Konflikt mit Simon Wiesenthal hervor, schreibt Helene Maimann in einem Beitrag für die PRESSE, in der die Autorin Bruno Kreiskys Verhältnis zum Judentum untersucht: "Kreiskys Qadratur".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Der Fotograf Thomas Sandberg hat drei Jahre lang mit der Kamera das Leben in der Jeschiwa Beis Zion am Prenzlauer Berg in Berlin begleitet. Das orthodoxe Rabbinerseminar wurde im Jahr 2000 gegründet. Es ist dem traditionellen Judentum verpflichtet, versteht sich aber gleichzeitig als »Ort, der im Einklang mit der modernen Welt steht«. Im Interview mit der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG gibt Sandberg nun Auskunft über seine Motive und Erfahrungen im Zusammenhang dieser Arbeit: "Romantik des Judentums".
Der Link zum Interview in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Die größten Überschwemmungen seit Jahrzehnten haben Australiens Nordosten komplett lahmgelegt. Zu den Leidtragenden gehören dabei natürlich und leider auch die jüdischen Gemeinden und Synagogen. Die Hauptsynagoge in Brisbane etwa, der drittgrößten Stadt des Landes, wurde geschlossen. Torarollen und andere wichtige Dokumente konnten vor den Wasser- und Schlammmassen gerettet werden. Naomi Levin gibt in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNGEN einen Bericht über den Stand der Katastrophe vor Ort: "Synagogen unter Wasser. Wie die jüdische Gemeinschaft in Brisbane versucht, mit der Flutkatastrophe zurechtzukommen".
Der Línk zur Reportage in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner entzündet in seinem Bistum Flächenbrand auf Flächenbrand, meint Hajo Goertz in seinem Beitrag für PUBLIK FORUM. Insbesondere was die Laien zu sagen haben, scheint ihn herzlich wenig zu interessieren – so wenig wie das Kirchenverständnis vom Volk Gottes, das das Zweite Vatikanische Konzil entwickelt hat, kritisiert Goertz - und nicht nur er allein: "Wutchristen am Rhein".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.
Aviad Kleinberg, seines Zeichens jüdischer Professor für mittelalterliche Geschichte, Philosophie und Religionswissenschaften, hat ein Buch über die sieben Todsünden geschrieben. Allerdings will das Buch kein theologisches oder geisteswissenschaftliches Werk sein:
"Dieses Buch behandelt weder den historischen Wandel der Laster noch die Diskussionen von Theologen, die versuchten, die Todsünden zu verstehen. Es befasst sich auch nicht mit dem plötzlichen Verschwinden der Sünde von der kulturellen Bühne der Moderne. Was ich den Lesern anbiete, ist: einen Essay über die menschlichen Leidenschaften, einen persönlichen Blick auf die Impulse, die unser Leben wunderbar oder schrecklich machen - oder beides." Werner Köhne hat das Buch gelesen und schildert seine Eindrücke im DEUTSCHLANDRADIO: "Leidenschaften und Impulse".
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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