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ISSN 1612-7331
16.10.2009 - Nr. 1082
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Guten Tag!

Nr. 1082 - 16. Oktober 2009


Der palästinensische Premier Salam Fayyad gehört weder Fatah noch Hamas an. Aber er ist ein Macher mit Vorstellungskraft. Binnen zwei Jahren will er zumindest das Westjordanland staatsreif machen. "Palästina - die Besatzung beenden, den Staat etablieren", so lautet sein Regierungsprogramm. Und dieser Staat soll laut Fayyad beileibe kein "Micky-Maus-Staat" werden, so wie es dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu vorschwebe, berichtet Inge Günther für die FRANKFURTER RUNDSCHAU: "Kein Micky-Maus-Staat".
Der Link zu ihrer Reportage in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine einfache Erklärung dafür, dass sich die Außenpolitik seines Landes in jüngster Zeit auf Konfrontationskurs mit Israel befindet: "Der Wille des Volkes" bestimme diese Politik. Das war die bisher klarste Aussage zum Paradigmenwechsel der türkischen Politik, die bisher in Bezug auf Israel vom Militär geprägt wurde und die die Türkei als einziges muslimisches Land eine "strategische Partnerschaft" mit Israel eingehen ließ, wie Boris Kalnoky in seiner Hintergrundreportage für die WELT berichtet. Unterdessen sorgt eine im türkischen Fernsehen ausgestrahlte palästinensische Liebesgeschichte in Zeiten des Gaza-Krieges für zusätzlichen Unmut in Israel, wie Inge Günther in der FRANKFURTER RUNDSCHAU berichtet: "Türkische Serie zeigt israelische Soldaten als Kindermörder".
Alle Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

In der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES geht Shlomo Avineri, ehemaliger Generaldirektor des israelischen Aussenministeriums und Politologe an der Hebräischen Universität in Jerusalem, dem Phänomen nach, warum so viele Israelis sich darum bemühen, einen europäischen Pass zu erhalten. Die Gründe hierfür, so Avineri, sind komplexer Natur, aber letztendlich alle nicht akzeptabel und er erinnert seine Landsleute:
"Israel ist nicht nur gegründet worden, um das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung zu gewährleisten. Der Staat ist vor allem enstanden, weil Europa versagt hat und uns sowie seine eigenen Grundsätze verraten und seine Juden nicht beschützt hat. Der europäische Verrat ging dem Holocaust voraus und veranlasste Theodor Herzl zu begreifen, dass die Juden keinen Platz in Europa hatten."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

In einem ebenso vergnüglichen wie nachdenklichen Interview in der FAZ mit Amos Oz, der zur Zeit auf der Frankfurter Buchmesse weilt, äußert sich der Schriftsteller über die Schatten der Geschichte, die Überraschung Herta Müller und die Erotik des Schreibens. Und natürlich geht es auch um das deutsch-israelische Verhältnis. Auf die Frage, welche Erfahrungen er der deutschen Literatur verdanke, antwortet er:
"In den fünfziger Jahren, als Teenager und in meinen frühen Zwanzigern, habe ich Deutschland so sehr verabscheut, dass ich schwor, nie deutsche Produkte zu kaufen, Deutschland nie zu besuchen und nie deutsche Freunde zu haben. Das einzige, das ich nicht boykottieren konnte, war die deutsche Literatur, weil ich sonst das gleiche getan hätte, wie die Nazis. Ich las also in Übersetzung die Romane von Heinrich Böll, von Siegfried Lenz, Günter Grass und Ingeborg Bachmann - die Bücher aller großen Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. Und diese Schriftsteller öffneten mir die Augen und das Herz, sodass ich Deutschland nicht länger verachten konnte. Sie boten mir Gelegenheit, meine eigenen Vorurteile zu zerschlagen, und als ich Deutschland 1982 zum ersten Mal besuchte, war ich durch das Lesen dieser Bücher vorbereitet."
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Die geplante Städtepartnerschaft zwischen Dachau und Rosh HaAyin ist vorerst gescheitert, so meldet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Bürgermeister Moshe Sinai schreibt auf der Internetseite der israelischen Kommune, dass es nicht um eine Städtepartnerschaft gehe, sondern um einen Jugend- und Studentenaustausch.
Der Link zum Bericht in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Die Aufregung ist groß: Für fünf Tage wird in Straubing die Installation "Dance With The Devil" des Nürnberger Künstlers Ottmar Hörl zu sehen sein. Sie besteht aus über 1000 Gartenzwergen, die den Hitlergruß zeigen. Im Juli hatte deshalb bereits die Staatsanwaltschaft ermittelt, allerdings ohne Konsequenzen. Die WELT und der SPIEGEL berichten über die Aktion: "Ehemalige KZ-Häftlinge kritisieren 'Hitlerzwerge'"
Die Links dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Nur der Mahnstein verweist auf das Geburtshaus Hitlers. In dem Gebäude im österreichischen Braunau betreuen Rudolf Rembart und seine Kollegen Behinderte, die hier tagsüber in der Werkstatt arbeiten. Nach über 30 Jahren aber wollen die Mieter nun ausziehen. Jetzt diskutiert Braunau darüber, ob das Gebäude in eine Begegnungsstätte mit Ausstellung zur NS-Vergangenheit umgewandelt werden soll, wie Laurent Martinez in der PASSAUER NEUEN PRESSE berichtet: "Wer zieht ein im 'Hitler-Haus'".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Im österreichischen Hohenems arbeitet Hanno Loewy seit 2004 als Leiter des dortigen Jüdischen Museums. Der in Frankfurt aufgewachsene Sohn deutscher Juden, die vor den Nazis nach Palästina geflohen waren. Nicht zuletzt durch die Thematisierung der europäischen Einwanderungsgeschichte geniesst das Museum heute internationale Ausstrahlung. Loewy lebt mit Frau und Kindern in Hohenems und damit am selben Ort wie der FPÖ-Politiker Dieter Egger. Der ging im September auf Kosten muslimischer MigrantInnen auf Stimmenfang. Als Loewy die Kampagne in einem offenen Brief kritisch hinterfragte und eine öffentliche Debatte auslöste, legte Egger jede Zurückhaltung ab. Er reagierte mit einem antisemitischen Ausfall und bezeichnete Loewy als «Exil-Juden aus Amerika», der in einem «hochsubventionierten Museum» arbeitet. In der schweizer WOCHENZEITUNG äußert sich Loewy nun zu den fremdenfeindlichen und antisemitischen Parolen, aber auch zur Symbolik des derzeit umstrittenen Schweizer Anti-Minarett-Plakats.
Der Link zum Interview mit Loewy in der Rubrik ANTISEMITISMUS, und weitere Links mit Beiträgen über die Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

In seinem neusten Roman «Das Recht auf Rückkehr» beschreibt Leon de Winter Israel als Stadt-Staat Tel Aviv. Trotz düsteren Zukunftsvisionen glaubt de Winter aber nicht an eine aufstrebende Macht der Islamisten, wie aus einem Interview mit ihm in der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES hervorgeht: "Die werden uns nie besiegen", sagt er. Auf die Frage nach der Position der Juden im Kontext der europäischen Diskussionen um den Islam, antwortet de Winter:
"Die jüdische Geschichte in Europa scheint beendet. Erstens durch den Holocaust und zweitens durch die sehr starke Emigration von Muslimen nach Europa. Letzteres hat die Position der Juden in Europa noch viel mehr marginalisiert. Das bedeutet zwar nicht, dass man nicht mehr als Jude in Europa leben könnte; das kann man sehr wohl. Aber es hat keine grosse kulturelle Bedeutung mehr. Dafür ist die islamische Perspektive wichtiger geworden. Sie wird vielleicht nie die wichtigste in Europa sein. Aber die jüdische Tradition wird immer mehr an Bedeutung verlieren. Das macht die Lage für die neue Generation in Europa natürlich viel schwieriger."
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Jahrelang war im Stadtteil Outremont im kanadischen Montreal alles ruhig, doch seit einiger Zeit ist das Viertel ein Hauptgesprächsthema in Stadt. Grund sind die Konflikte zwischen den Ultraorthodoxen und den liberalen jüdischen beziehungsweise nichtjüdischen Bewohnern. Es geht vor allem um die steigende Zahl illegaler Schulen, Kindergärten und Synagogen, aber auch um unbezahlte Parkscheine oder ausufernde religiöse Zeremonien. Die ultraorthodoxe Bevölkerung Montreals wächst jährlich um fünf Prozent. Leben derzeit etwa 12 000 Chassiden in der Stadt, werden es im Jahr 2030 um die 40 000 sein. Ein paar Anwohner haben bereits Petitionen an Hausbesitzer verfasst, die sich weigern sollen, an Chassiden zu verkaufen. Maxi Leinkauf schildert in ihrer Reportage für die BERLINER ZEITUNG über die Hintergründe des wachsenden Streits und wie die kanadischen Politiker darauf reagieren: "Die Fremden von nebenan".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Arie Goral-Sternheim, am 16. Oktober 1909 in Rheda geboren und am 23. April 1996 in Hamburg gestorben, war ein deutscher Schriftsteller, Maler und Publizist. Nach seiner Emigration in Frankreich, Palästina und Israel, kehrte er 1953 nach Deutschalnd zurück und ließ sich in Hamburg nieder. Ab 1956 wurde Goral wieder literarisch tätig und bald ein scharfer Kritiker des oberflächlichen ritualisierten Philosemitismus der Adenauer-Ära. Goral engagierte sich für die Friedensbewegung in Deutschland, und Ende der sechziger Jahre zunehmend gegen den wiedererstarkenden Rechtsextremismus. In Hamburg machte er sich durch seine zahlreichen Aktionen in der Kunstszene einen Namen, besonders aber trat er durch sein Engagement für ein neues Heinrich-Heine-Denkmal und die Benennung der Staats- und Universitätsbibliothek nach dem Hamburger Publizisten und Pazifisten Carl von Ossietzky hervor. In der TAZ erinnert Petra Schellen an Goral, der heute 100 Jahre alt geworden wäre: "Der Unbequeme".
Der Link zum Porträt in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Nach dem evangelisch-katholischen Krisengipfel sind beide Seiten bemüht, ein Bild wiedergewonnener Vertrautheit zu zeichnen. Man sei als „versöhnte Brüder“ auseinandergegangen, sagte Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. „Das Vertrauen ist wiederhergestellt“, sagte Bayerns evangelischer Landesbischof Johannes Friedrich, der als Ökumene-Experte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwochabend dabei war. Auslöser der Unstimmigkeiten war ein Papier, in dem ein hochrangiger EKD-Verantwortlicher die katholische Kirche in Deutschland als führungsschwach beschrieb und Papst Benedikt XVI. ein rückwärtsgewandter Kurs vorgeworfen wurde. Im Interview mit der FRANKFURTER RUNDSCHAU antwortet Erzbischof Robert Zollitsch auf die Frage, ob die katholische Kirche die Entschuldigung Bischof Hubers angenommen habe und der Konflikt vom Tisch sei:
"Ganz so einfach ist das nicht. Wir haben nüchtern und sachlich über das strittige Papier mit seinen - auch falschen - Aussagen gesprochen, und wir haben die Entschuldigung Bischof Hubers und der anderen beiden Bischöfe angenommen. Aber es bleiben natürlich Themen, die wir weiter klären wollen und müssen: Stehen die beiden Kirchen in Konkurrenz zueinander? Was bedeutet "Ökumene der Profile"? Was heißt es, wenn die EKD von sich als "Kirche der Freiheit" spricht. Das ist wichtiger, als sich nur über Alltagsfragen auszutauschen."
Die Links zum Interview sowie weiteren Berichten in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Der Papst ist als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ein weltweit präsenter religiöser Akteur. Aber er nimmt zugleich ein politisch akzentuiertes «prophetisches Wächteramt» in Anspruch und mischt sich gern in alle möglichen weltlichen Konflikte ein. Das hat insbesondere in den letzten Monaten zu einigen heftigen Irritationen geführt, die nun Alan Posener, Redakteur der WELT, in einem Buch analysiert hat, das in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG von Friedrich Wilhelm Graf besprochen wird. Graf charakterisiert Poseners Buch als eine "brachiale Polemik gegen Papst Benedikt".
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag, ein schönes Wochenende und Gut Schabbes wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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EDITORIAL HIGHLIGHTS

16. Oktober 2009

 * Palästinensischer Premier: Kein Micky-Maus-Staat ... mehr
 
 * Verstimmungen im israelisch-türkischen Verhältnis ... mehr
 
 * Shlomo Avineri: Europäischer Pass? Nein danke ... mehr
 
 * Interview mit Amos Oz ... mehr
 
 * Keine Partnerstädte: Dachau und Rosh HaAyin ... mehr
 
 * Straubing zeigt umstrittene Hitlergruß-Zwerge ... mehr
 
 * Braunau: Wer zieht ein im 'Hitler-Haus' ... mehr
 
 * Hanno Loewy über Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in Österreich ... mehr
 
 * Leon de Winter über die Macht der Islamisten und jüdisches Leben in Europa ... mehr
 
 * Streit in Montreals jüdischem Stadtviertel ... mehr
 
 * Der Unbequeme: Erinnerung an Arie Goral ... mehr
 
 * Protestanten entschuldigen sich bei Katholiken ... mehr
 
 * Buch-Tipp: Alan Posener - Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft ... mehr

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