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ISSN 1612-7331
17.04.2026 - Nr. 2130
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Am Donnerstag, 30. April 2026, erscheint die nächste Ausgabe von ONLINE-EXTRA.


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Nr. 2130 - 17. April 2026




Hat eigentlich noch irgendwer Gaza im Blick? Nein, meint ARD-Korrespondent Julio Segador, Gaza sei aktuell "im toten Winkel". Nach wie vor sei die Lage katastrophal und während sich Israel auf den Iran-Krieg konzentriere, nutze die Hamas die Zeit offenbar zur Rehabilitation aus. Ähnlich sieht das Richard C. Schneider in einer Reportage für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Auch er konstatiert, Gaza sei "aus dem Fokus geraten. Doch der Eindruck relativer Ruhe täuscht. Der Konflikt im Küstenstreifen ist nicht eingefroren, sondern tritt in eine neue, gefährliche Phase ein: eine Phase schleichender Verschärfung, in der Gewalt, politischer Widerstand sowie humanitäre Not ineinandergreifen." Und weiter:
"Die Hamas nutzt die Phase relativer internationaler Vernachlässigung, um sich zu reorganisieren, Israel baut parallel seine territoriale Kontrolle aus. Beide Seiten handeln rational innerhalb ihrer jeweiligen Logik und tragen doch gemeinsam dazu bei, dass sich der Konflikt weiter verschärft."

Die Links zu den Themen in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND

Laut Gesetz müssen die nächsten Parlamentswahlen in Israel spätestens im Oktober 2026 stattfinden. Neben Netanjahu, für dessen politische umstrittenen Entscheidungen die kommenden Wahlen natürlich immer eine Rolle spielen, bereiten sich auch die Oppostionsparteien darauf vor. Ohne Frage dürfte der Wahlkampf von den Folgen des Krieges gegen die Hamas und den politischen Debatten nach dem Massaker der Terroristen vom 7. Oktober 2023 sowie von den beiden Kriegen gegen den Iran geprägt sein. Wie es um Netanjahus Konkurrenten steht, den einstigen Premier Naftali Bennett und Ex-Generalstabschef Gadi Eizenkot, schildert Susanne Brandes für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG. Beide Oppositionskanditaten holen derzeit in Umfragen auf: "Die Herausforderer".

Clemens Verenkotte berichtet für TAGESSCHAU.de, wie das israelische Sicherheitskabinett daran arbeitet, den Siedlungsbau voranzubringen. Dass damit nicht nur das Westjordanland gemeint ist, sondern auch der Gaza-Streifen, geht aus einer längeren Reportage von Paul Nuki und Nedal Hamdouna in der FRANKFURTER RUNDSCHAU hervor, die auch auf die religiös-ideologischen Hintergründe der Siedlerbewegung eingehen. Eine Idee, die bei den nationalreligiösen Zionisten eine große Rolle spielt, ist die Idee vom "Großisrael" auf biblischer Grundlage. Was genau es damit auf sich hat, erläutert Djamilia Prange de Oliveira in einem Beitrag für DEUTSCHE WELLE: "Großisrael: Israels Rechte und ihr Traum vom Bibelreich".

Zwei bemerkenswerte Interviews: zum einen hat die BERLINER ZEITUNG mit Adam Raz gesprochen. Wie kaum ein anderer Historiker hat er sich intensiv mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu beschäftigt und vor kurzem ein neues Buch veröffentlicht, das auf Hebräisch im Pardes-Verlag in Tel Aviv erschienen ist und dessen Titel lautet: „Der Dreißigjährige Krieg: Benjamin Netanjahu gegen Israel“. Darin beschreibt Raz, was auch Gegenstand des Interviews ist, wie Netanjahu die demokratischen Strukturen Israels ausgehöhlt und das Land in einen permanenten Krieg geführt hat, um an der Macht zu bleiben. Aktuell lebt Raz in Berlin und arbeitet am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität: „Ich schäme mich, Israeli zu sein“. Zum zweiten ein Interview des STERN mit dem auch hierzulande bekannten israelischen Historiker Moshe Zimmermann. Der ist sich sicher, Benjamin Netanjahu hat kein Interesse an Frieden, er sieht Israel als Kriegsnation. Zimmermann glaubt: Es wird sein Land in den Abgrund reißen: „Die einzige Perspektive in Israel ist die durch den Lauf des Gewehrs“.

Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN

Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich hat Bundeskanzler Friedrich Merz wegen dessen Kritik an der israelischen Siedlungspolitik im Westjordanland scharf angegriffen. »Herr Bundeskanzler, die Zeiten, in denen Deutsche Juden vorschrieben, wo sie leben durften und wo nicht, sind vorbei und werden nicht wiederkehren«, schrieb Smotrich auf X. »Sie werden uns nicht erneut in Ghettos zwingen, schon gar nicht in unserem eigenen Land.« Smotrichs Anspielung auf die Nazi-Zeit hat für heftigen Wirbel gesorgt und sogar den israelischen Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, animiert, Merz zu verteidigen. In einem längeren Beitrag für DEUTSCHE WELLE bezeichnet Christoph Starck die Kritik Smotrichs zwar als "bespiellos", zeigt dann aber an mehreren Beispielen auf, dass aus dem ganzen Vorgang "auch eine wachsende Entfremdung zwischen Deutschland und Israel" spreche, die "deutlich vor dem 7. Oktober 2023" eingesetzt habe: "Angriff auf Merz: Spannungen zwischen Deutschland und Israel".

Die Israelberichterstattung in deutschen Medien ist immer wieder Anlass für heftige Kontroversen. Gibt es tatsächlich in den Medien eine signifikant hohe Anzahl israelfeindlicher und antisemitischer Narrative? Dieser Frage geht eine Studie nach, die vom  Tikvah Institut in Berlin herausgegeben wurde und nun in der Nomos-Verlagsgesellschaft erschienen ist. Die Analyse zeigt nach Angabe der Autoren unter anderem eine starke Fokussierung auf Gewalt und Eskalation, die Nutzung von NS-Analogien, eine tendenzielle Darstellung von Israel als alleinigem Aggressor, die Relativierung terroristischer Gewalt sowie eine häufig fehlende Kontextualisierung etwa historischer Ereignisse. Diese Darstellungsweisen können einseitige Israelbilder verfestigen, antisemitische Lesarten begünstigen und Ressentiments verstärken. Die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG sprach mit Lukas Uwira, einem der Autoren der Studie: »Auch Clickbait spielt eine Rolle«.

Zwar hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dem bisherigen ungarischen Oppositionsführer Peter Magyar zu seinem Wahlsieg gratuliert, jedoch gleichzeitig seinem "lieben Freund" Viktor Orban seine »tiefe Wertschätzung« versichtert. In einem Beitrag für MENA WATCH beschdreibt Lisa Vavra wie sehr Israel und Europa mit verschiedenen Perspektiven auf den Machtwechsel in Ungarn blicken. In der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG hofft Domokos Szabó, in Budapest geborener und aufgewachsener Geschäftsführer des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, dass Orbans "Abwahl eine Chance" sein könnte, "das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen". Unterdessen hat sich der ungarische Wahlsieger Peter Magyar auch erstmals zum Verhältnis zu Israel geäußert. Laut einem Bericht der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG sagte er u.a.: »Israel ist ein wichtiger Wirtschaftspartner, und wir werden weiter zusammenarbeiten. Wir streben eine pragmatische Beziehung an«.

Die Links dazu in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

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Am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald bleiben die befürchteten antiisraelischen Störungen aus. Eine Gruppe von Aktivisten der anti-israelischen Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ wollte ursprünglich anlässlich der offiziellen Gedenkfeier am Sonntag demonstrieren, was gerichtlich untersagt wurde. Während des achtminütigen Grußwortes von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kam allerdings zu wiederholten Buhrufen. Bereits im Vorfeld hatten auch beide Lagerarbeitsgemeinschaften, gegründet von Überlebenden des Gefangenenlagers, Weimer direkt aufgefordert, nicht zum Gedenken zu erscheinen. Bewegender Höhepunkt der Gedenkfeier war ohne Frage die eindringliche und persönliche Rede des Schauspielers, Comedians und Autors Hape Kerkeling, die zum Nachlesen verfügbar ist. Sein Großvater, der Kommunist und Katholik Hermann Kerkeling, hatte fast die ganze Nazizeit, zwölf Jahre, in Gefangenschaft verbracht, nachdem er im März 1933 mit einem Genossen Flugblätter gegen die Nazis verteilt hatte. Kerkeling:
»Eine echte Wiedergutmachung hat er nie erhalten; man hat ihn nach dem Krieg mit ein paar Mark abgespeist. Und das Bitterste: Die Aufhebung seines Unrechtsurteils wegen ›Hochverrats‹ hat es zu seinen Lebzeiten nie gegeben. In den Augen der Bürokratie blieb der Verfolgte ein Vorbestrafter.« 
Und mit Blick auf die Gegenwart sagt er, wenn 
"heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren. Buchenwald ist eine steingewordene Warnung. Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, macht sich mitschuldig."

War (Ur-)Opa ein Nazi? Und was ist mit (Ur-)Oma und anderen Familienmitgliedern? Die US-National Archives [catalogues.archives.gov] haben rund zwölf Millionen digitalisierte NSDAP-Mitgliedskarten kostenlos ins Internet gestellt. Erstmals kann jeder ohne Vorwissen, ohne Behördengang und ohne Wartezeit online überprüfen, ob ein Vorfahre Mitglied der "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" gewesen ist. Der Ansturm ist seitdem so groß, dass die Seite immer wieder nicht zu erreichen ist. Beiträge auf RBB, in der FAZ und SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG erklären, wie es geht, schildern erste Erfahrungen und reflektieren über den Sinn und Nutzen der Daten: "Die braunen Flecken und die offenen Fragen".

In der Berliner Topographie des Terrors ist derzeit eine Ausstellung zu sehen - "Was wussten die Deutschen?", so ihr Titel. Die Ausstellung greift damit ein Thema auf, über das - wie Klaus Hillenbrand in der TAZ schreibt - "bis heute Halbwahrheiten, Beschönigungen und glatte Lügen im Umlauf sind". Der Kurator der Ausstellung, Christian Schmittwilken, erläutert, der Tittel werfe drei Fragen auf: "Was ist der Holocaust? Wer sind ‚die Deutschen‘? Und was bedeutet ‚wissen‘?". Dabei soll die Ausstellungsarchitektur veranschaulichen, wie die Informationslage zur NS-Zeit war. So sind einzelne Exponate teilweise zunächst verborgen und Besucher müssen Informationen selbst miteinander verknüpfen. Gleichwohl - so der Schweizer Korrespondent des TAGES-ANZEIGERS - zeige die "verstörende Ausstellung", dass es auch im Alltag der "normalen" Menschen vielfach Gelegenheit gab, zu erkennen, was vorgeht, aber: "Viele wollten es einfach nicht so genau wissen".

Von einer hoch interessanten Konferenz berichtet Rüdiger Soldt für die FAZ. Es ging dabei um einen Begriff aus dem zwanzigsten Jahrhundert, der neuerdings wieder in aller Munde ist, um zu erklären, was gerade in der Welt passiert: Faschismus. Ist diese Parole nur noch für Saalschlachten geeignet, oder hat sie einen analytischen Sinn? Und wie wäre der Begriff zeitgemäß zu definieren? Ist die MAGA-Bewegung, ist die AfD eine faschistische Bewegung, Trump ein Faschist? Soldt referiert die verschiedenen Positionen der Soziologen, Historiker und Kulturwissenschaftler, die in Konstanz an der Konferenz unter dem Titel „Das Gespenst des Faschismus“ teilnahmen. Die differenzierenden Positionen ließen eine klare Definition im Blick auf die aktuellen Entwicklungen kaum zu. Soldt formuliert sein Fazit wie folgt:
"In den Konstanzer Diskussionen wurde deutlich, dass es mindestens drei gefährliche Warnzeichen für eine drohende graduelle Faschisierung von Gesellschaften gibt: die Verkümmerung eines politischen Diskurses, in dem das Politainment keine Tatsachen mehr gelten lässt; die Nichtsanktionierung von gewaltsamem Verhalten und Reden in der Öffentlichkeit; und die Unterminierung der rechtlich gebundenen Volkssouveränität durch den Absolutheitsgedanken der Volksgemeinschaftsideologie."
Und er konstatiert am Ende seines lesenswerten Artikels:
"Am Ende der Tagung stand ein bedrückendes Resümee: Die Faschisierung schwebt in vielen Gesellschaften im Raum, ist aber schwer zu fassen. [...] Die Arbeit an einer aktuellen Gesellschaftstheorie zur Erklärung der Radikalisierung von Herrschaft in westlichen Gesellschaften hat erst begonnen. So bewahrheitet sich der Satz Primo Levis, wonach jedes Zeitalter seinen eigenen Faschismus hat."

Die Links zu den Themen in der Rubrik VERGANGENHEIT...

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Im Schatten des Gaza-Krieges kam es 2025 im Westen zu einem sprunghaften Anstieg schwerer Gewalttaten gegen Juden. Dies geht aus dem dieser Tage von der Universität Tel Aviv veröffentlichten Jahresbericht zum weltweiten Antisemitismus hervor. Der Bericht basiert auf Daten von Dutzenden Strafverfolgungsbehörden weltweit, spezialisierten Kommissionen, jüdischen Gemeinden, Medienberichten sowie Interviews und Feldforschungen der Wissenschaftler. So wurden bspw. laut dem aktuellen Jahresbericht im vergangenen Jahr 20 Juden bei vier Anschlägen auf drei Kontinenten getötet. Dies sei die höchste Zahl von Todesopfern antisemitischer Angriffe seit mehr als 30 Jahren. Gleichzeitig hätten in vielen Ländern die Zahl von Übergriffen wie Schlägen oder Steinwürfen zugenommen. U.a. werden die wichtigsten Ergebnisse der Studie von HAGALIL und der schweizer-jüdischen Wochenzeitung TACHLES ausführlich zusammengefasst - und der komplette Jahresbericht steht auch (in englischer Sprache) zum Download bereit: "Antisemitische Gewalt auf 30-Jahres-Hoch".

Der amerikanische Financier Jeffrey Edward Epstein, der 2019 angeklagt wurde, einen Ring zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger unterhalten zu haben und der sich in der Haft das Leben nahm, war Jude. Leider kann es kaum überraschen, dass diese Tatsache in den sozialen Netzwerken zum Anlass vielfältiger Verschwörungstheorien antisemitischer Coleur wurde. Damit setzt sich in einem Beitrag für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG der Historiker Michael Wolffsohn auseinander und betont dabei allerdings die Universalität von Epsteins schlechten Eigenschaften: 
"Epsteins Netzwerk - sollte man nicht eher von einer 'Epstein-Bande' sprechen? - war interkonfessionell. Zynisch gesagt: Es war fast so etwas wie eine der wenigen weltweit funktionierenden christlich-jüdisch-muslimischen Bruderschaften. Klipp und klar: Der Wolf im Menschen ist das eigentliche Thema der Causa Epstein. Der Wolf im Menschen oder im Manne? Ist also nur der Mann ein trieb- und machtgesteuertes Wesen? Ein Blick auf die Epsteiner lässt das vermuten. Doch diese Vermutung unterstellt, dass Frauen nicht auch trieb- oder macht- oder mammongesteuert sein können. Ob ebenso, weniger oder mehr, wäre ein anderes Thema."

Sie gibt sich progressiv, tritt aber seit dem Angriff der Hamas auf Israel zunehmend antiisraelisch, mitunter antijüdisch und vor allem demokratiefeindlich auf: die neue autoritäre Linke. So die These des Journalisten und Autors Nicholas Potter, der sich selbst durchaus als Linker verortet. In seiner jüngsten Publikation "Die neue autoritäre Linke: Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft" beschreibt er, wie die neue Linke mit dogmatischem Eifer radikalislamistische terroristische und antisemitische Gewalt zum dekolonialen Widerstand umdeutet. Wer widerspricht, gilt schnell als Feind, gegen die Presse schürt sie Hass – bis hin zu Mordaufrufen, die auch Potter selbst kennt. Birgid Schmid stellt in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG das neue Buch von Potter vor und zeichnet die entscheidenden Wegmarken und Probleme nach, die für Potters Denken entscheidend waren: "Der linke Journalist Nicholas Potter legt sich mit der autoritären Linken an".

In einem Gastbeitrag für DIE WELT zieht der im Sommer scheidende Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Felix Klein Bilanz seiner Tätigkeit. Sein Fazit am Ende des Beitrags:
"Der Person, die mir nachfolgt, möchte ich daher mitgeben: Dieses Amt kann nur wirken, wenn es ressortübergreifend gedacht wird – als gemeinsame Verantwortung von Sicherheitspolitik, Bildung, Kultur, Justiz und Digitalpolitik. Und es ist auf starke Partner in der jüdischen Community und der breiten Zivilgesellschaft angewiesen. Meine Amtszeit endet im Sommer. Die Aufgabe bleibt. ... Jüdisches Leben muss sicher und sichtbar sein."

Die Links zu den Themen in der Rubrik
ANTISEMITISMUS.

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Zwar betonte der im März verstorbene Philosoph Jürgen Hambermas einmal "Ich bin alt, aber nicht fromm geworden". Gleichwohl bildete Religion eine Art permanentes Hintergrundrauschen in seinem Werk. Um daran zu erinnern und aus Anlass des Todes von Habermas veröffentlicht die Internationale Katholische Zeitschrift COMMUNIO ein bereits 2019 geführtes Doppelinterview mit dem Theologen Jan-Heiner Tück und dem Frankfurter Religionsphilosophen Thomas M. Schmidt: "Der entgleisenden Moderne entgegentreten".

"kununu" ist nach eigenen Angaben "die führende Arbeitgeber-Vergleichsplattform im deutschsprachigen Raum, die mit über 15 Millionen Workplace Insights (Gehälter, Kultur, Arbeitsbedingungen) Transparenz schafft". Die Plattform hat es sich zur Aufgabe gemacht, "den Dialog zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten durch anonyme Bewertungen" zu fördern und Informationen zu liefern, "damit Menschen fundierte berufliche Entscheidungen treffen und Unternehmen sich authentisch präsentieren können, um die Arbeitswelt zu verbessern". Vor kurzem ist nun dort ein recht informativer Beitrag mit vielen weiterführenden Links erschienen, der sich mit dem Thema Religion und religiöse Vielfalt am Arbeitsplatz beschäftigt. Im Beitrag wird erläutert, wie Unternehme religiöse Vielfalt umsetzen können und was der rechtliche Rahmen dafür ist: "Religiöse Vielfalt: Alles zum Thema Religion am Arbeitsplatz".

Was haben die Kriege im Iran und im Nahen Osten mit Religion zu tun? Wer die Rhetorik der politischen Akteure verfolgt, bemerkt, wie religiöse Vorstellungen den Konflikt aufladen sollen. (Zur Verquickung von Politik und Religion siehe auch: Interreligiöse Welt). In einem Beitrag für CIBEDO ("Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz") beschäftigen sich Christoph Arens und Christoph Schmidt mit der Frage, ob solche Denkschemata vielleicht sogar zur DNA von Christentum, Judentum und Islam gehören. Eckhard Bieger wiederum betrachtet das Problem des Krieges in einem Beitrag für HINSEHEN.net eher von der biblisch-theologischen Seite aus und fragt: "Was macht Gott mit den Kriegen?". Im FOCUS resümiert Corinna Baier wie in den USA unter Trump, aber auch in Israel unter Netanjahu, der Glaube immer offener das Politische und Militärische durchdringt. Dabei geht sie insbesondere auf den "Gotteskrieger" und "Kriegsminister" der USA, Pete Hegseth, und Paula White-Cain, Leiterin des "Glaubensbüros" im Weißen Haus, ein: "Mit Bibel und Bomben – wie Religion in Trumps Krieg zur Waffe wurde". Und in einem Beitrag für FINANZMARKTWELT beschreibt Ulrich Manz im Blick vor allem auf den Iran- und Nahost-Krieg, warum diese Konflikte keine Kriege mehr im klassischen Sinn sind. Es gehe nämlich nicht mehr um militärische Überlegenheit, sondern um Kostenstrukturen, Durchhaltefähigkeit und die Wechselwirkung von Sanktionen und Religion. Wer vor allem Letzteres nicht verstehe, verstehe nicht, warum sich die alten Mächtegleichgewichte sich gerade verschieben: "Religion, Sanktionen und Krieg: Warum der Westen die neue Systemlogik nicht versteht".

Der Sozialdemokrat und ehemalige Bundestagsabgeordnete Michael Roth betont in einem Essay für die WELT, dass wer in einer libreralen Demokratie lebt, müsse lernen zu aktzeptieren, dass Religionsfreiheit immer auch auch als Freiheit zur Religionskritik begriffen werden muss. Dieser Herausforderung müsse sich auch der Islam stellen:
"Das war für die christlichen Kirchen ein schmerzhafter Prozess - Missbrauchsskandale, Kirchenaustritte, Spott, Machtverlust - und es wird für den Islam nicht anders sein. Wenn uns nicht mehr eine gemeinsame Religion oder eine homogene Kultur zusammenhält, dann müssen jene Werte, die über Religionsgrenzen hinweg verbinden, umso fester verankert werden: gleiche Rechte von Männern und Frauen, Schutz von Minderheiten, Meinungs- und Kunstfreiheit, Vorrang des Rechts vor der Religion."

Die Links zu den Themen in der Rubrik
INTERRELIGIÖSE WELT.

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Insolvenz, Reformdruck, strategische Weichenstellung: Deutschlands einziges jüdisches Krankenhaus in Berlin steht vor der Insolvent und ringt um seine Zukunft. Gemeindechef Gideon Joffe fordert alle Beteiligten an einen Tisch und wünscht sich, dass die Klinik selbstständig bleibt – mit neuer Ausrichtung. Über den Stand der Dinge und welche Ideen es zur Rettung des Krankenhauses gibt, darüber berichtet Hannes Heine im TAGESSPIEGEL: "Insolventes Jüdisches Krankenhaus Berlin: Jüdische Gemeinde schlägt drei Schwerpunkte zur Rettung der Klinik vor".

Die Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) hat dem bisherigen ungarischen Oppositionsführer Péter Magyar zu seinem Sieg bei der Parlamentswahl gratuliert. »Das ungarische Volk«, so zitiert ihn die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG, »hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen. Die Demokratie ist da – und sie ist zurück.« Aber was ist von dem Neuen, dem künftigen Ministerpräsidenten Péter Magyar zu halten? Wie steht er zur jüdischen Gemeinschaft in Ungarn, zum Problem des Antisemitismus und wie positioniert er sich im Verhältnis zu Israel? Diesen Fragen geht Michael Thadigsmann ebenfalls in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG näher nach: "Wer ist Péter Magyar?"

Die Diskussion um das Verhältnis von "Deutschtum" und "Judentum" prägt seit Jahrhunderten den intellektuellen Diskurs. Ausgehend von Persönlichkeiten wie Hermann Cohen und Franz Rosenzweig mit ihren exemplarisch unterschiedlichen Positionen, zeichnet Ralf Zerback in einem ungemein interessanten Beitrag für DIE ZEIT diese Debatte um das "Deutsche" und "Jüdische" bis zum Ende der Weimarer Republik nach, das eine unwiderrufliche Zäsur bedeutet: Antisemitismus und die nationalsozialistische Ideologie führen zur Ausgrenzung und Verfolgung der Juden. Trotz des bitteren Scheiterns des deutsch-jüdischen Dialogs bleibt die Erinnerung an eine einst blühende Kultur, die durch die nationalsozialistische Barbarei zerstört wurde. Gegen Ende bilanziert Zerback u.a.:
"Für die Deutschen ist es eine geistige Selbstverstümmelung, vielleicht der größte selbstverschuldete kulturelle Aderlass, den ein Land je erfahren hat – vergleichbar allenfalls mit der Vertreibung der Juden und Muslime aus Spanien ab 1492 oder der russischen Emigration von 1917 an. Der weite geistige Horizont der Weimarer Jahre, die Bedeutung Deutschlands als intellektuelles Zentrum Europas – vorbei."

In Berlin baute er das Jüdische Museum, entwarf den Masterplan für den Ground Zero in New York und erhielt viele Preise, u.a. auch die Buber-Rosenzweig-Medaille: der jüdische Architekt Daniel Libeskind. In einem langen Interview mit dem SPIEGEL gibt er Auskunft darüber, worin er die Rolle der Architektur in diesen Zeiten sieht, wie er das Amerika unter Trump wahrnimmt, was das alles mit seinem Judentum und dem Problem des Antisemitismus zu tun hat: »Man kann alle Flächen bebauen, aber das verdeckt die Abgründe nicht«.

Der 1946 in Zürich geborene schweizer-jüdische Schriftsteller Charles Lewinsky gehört zu den erfolgreichsten Autoren der Schweiz ("Melnitz"). Grosse Erfolge hatte er auch in seiner Tätigkeit für das Schweizer Fernsehen zu verzeichnen, wo er in der Abteilung «Theater und Unterhaltung» arbeitete u.a. lange mit Kurz Felix ("Verstehen Sie Spaß"). In einem launig-informativen Interview mit der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG blickt er zurück seine Kindheit in einer jüdisch-orthodoxen Familie, auf seine Erfolge in der TV-Unterhaltung und als Schriftsteller, bilanziert seine Vergangenheit und was er heute denkt: «Ich stellte erstaunt fest: Einen Sohn, der zu Hause Hochdeutsch spricht, ertrage ich nicht».

Die Links zu den Themen in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

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Mit deutlichen Worten haben die evangelische und katholische Kirche auf das vergangenes Wochenende verabschiedete Wahlprogramm der AfD in Sachsen reagiert. Beide Kirchen sehen in dem Programm einen Angriff auf den sozialen Frieden und warnen u.a. vor einer Delegitimierung bestehender demokratischer Institutionen. Dass das Verhätlnis zwischen Rechtspopulismus und Religion über den aktuellen Aspekt noch weitere und tiefere Aspekte aufweist, macht im Interview mit dem SONNTAGSBLATT Johannes Sabel, Theologe und Beauftragter für das Judentum im Bistum Münster, deutlich. Er warnt vor "unheilsvolle Allianzen" zwischen christlichen Milieus und der neuen Rechten und erläutert, wie er das meint: "AfD und Kirche: Die instrumentalisierte Glaubensbotschaft der Rechten".

Die Verquickung und Instrumentalisierung von christlichem Glauben und Rechtspopulismus kann seit geraumer Zeit vor allem in den USA beobachtet werden (siehe auch: Interreligiöse Welt). Vor diesem Hintergrund beschreibt der Philosoph Luca Di Blasi in einem Essay für GESCHICHTE DER GEGENWART unter dem Titel „Der weisse Christ. Wie die Identitätspolitik an ihr anderes Ende gelangte“ eine auffällige Verschiebung: Rechte Milieus sprechen längst nicht mehr nur in der Sprache von Ordnung, Autorität und Tradition. Sie greifen zunehmend auf ein Vokabular zurück, das lange als Kennzeichen progressiver Politik galt: Verletzbarkeit, Marginalisierung, Unsichtbarmachung, Anerkennungsverlust. Gemeinsam mit der Instrumentalisierung religiöser Begrifflichkeiten erscheint der "weisse Christ" dann nicht mehr primär als Träger gesellschaftlicher Norm und kultureller Hegemonie, sondern als Opfer. Eine Positionierung, aus der die Rechtspopulisten politisches Kapital schlagen. In einem Beitrag für das schweizer Portal der reformierten Kirche in Zürich greift Stephan Juette wiederum den Essay von Di Blasi auf und fragt insbesondere, was dies für Theologie und Kirche bedeutet: "Der weisse Christ und die heiklen Motive des Christentums". Und im Interview mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG erläutert der Autor, evangelische Theologe und Fernsehjournalist Arnd Henze wie Religion zum Machtinstrument wird, wie sich die neuen christlichen Gotteskrieger international vernetzen und worauf sich auch Europa einstellen muss: "Warum Religion der Demokratie nicht guttut".

Dass das Internet und das Thema "Künstliche Intelligenz" (KI) auch für Kirche, Theologie und Religion eine prägnante Rolle spielen, illustrieren gleich mehrere Beiträge. Zum einen berichtet Mario Trifunovic für KATHOLISCH.de über ein US-StartUp, das auf die Idee kam, einen katholischen Chatbot ins Leben zu rufen. Ziel: Kirchenlehre zugänglicher machen. Mit dabei: Augustinus, Thomas von Aquin und weitere Heilige. Auch in der Seelsorge nimmt KI eine immer größere Rolle ein. Wo ihre Grenzen liegen und wie sie angehenden Profis beim Training helfen kann, darüber hat EVANGELISCH.de mit dem KI-Experten Spiro Mavrias von der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich gesprochen. Er hat einen Seelsorge-Bot entwickelt, mit dem Fachpersonen realistische Gesprächssituationen üben können: "Ich möchte Menschen mit KI besser machen". Und Leonie Brünker schildert schließlich auf KATHOLISCH.de, wie Glauben und Beten, von denen man meint, sie spielten für junge Leute keine Rolle mehr, überraschender Weise im Internet gerade in der jüngeren Generation eine neue Renaissance erfahren: "So entdecken junge Menschen den Glauben im Internet". 

Mehr dazu in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

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Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. So in Kürze das Setting des neue Romans von Shelly Kupferberg, die schon mit ihrem ersten Roman "Isidor: Ein jüdisches Leben" zu begeistern wußte. Gerrit Bartels hat das Buch für den TAGESSPIEGEL gelesen: "Ein Haus mehr, das dich festhält".

Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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EDITORIAL HIGHLIGHTS

17. April 2026

 * Gaza im toten Winkel - der fast vergessene Krieg ... mehr

 * Die Herausforderer ... 
mehr

 * Großisrael: Israels Rechte und ihr Traum vom Bibelreich ... 
mehr
 
 * „Ich schäme mich, Israeli zu sein“ ... mehr

 * Israelischer Minister teilt gegen Merz aus ... 
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 * Nach Orban: Israel und Ungarn ... mehr

 * Gedenken an die Nazi-Gräuel und eine große Rede ... 
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 * Die braunen Flecken und die offenen Fragen ... 
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 * Viele wollten es einfach nicht so genau wissen ... 
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 * Wenn der Faschismus wiederkehrt – wie wird es geschehen? ... mehr
 
 * Antisemitische Gewalt auf 30-Jahres-Hoch ... 
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 * Epstein, Weinstein und Co.: Missbrauch und der Fingerzeig auf die Juden ... 
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 * Hass mit gutem Gewissen ... mehr
 
 * Habermas und die Religion ... 
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 * Religion am Arbeitsplatz ... 
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 * Mit Bibel und Bomben ... 
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 * Religionsfreiheit auch als Freiheit zur Religionskritik ... mehr
 
 * Insolventes Jüdisches Krankenhaus Berlin ... 
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 * "Deutschtum" und "Judentum" ... 
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 * Gespräch mit Charles Lewinsky ... mehr
 
 * AfD und Kirche ... 
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 * Der weisse Christ und die heiklen Motive des Christentums ... 
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 * KI, Kirche, Theologie und Religion ... mehr
 
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