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ISSN 1612-7331
17.11.2011 - Nr. 1300
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Die nächste Ausgabe erfolgt am Montag, 21. November 2011.


Guten Tag!

Nr. 1300 - 17. November 2011


Die Knesset hat am Montag mehrere umstrittene Gesetzesänderungen verabschiedet, die die Ernennung der Richter am Obersten Gerichtshof betreffen. Am Sonntag hatte die Regierung zudem zwei Gesetzen ihre Zustimmung gegeben, die die Finanzierung von politisch agierenden Nichtregierungsorganisationen durch ausländische Spender einschränken sollen. Die Gesetzesänderungen wurden heftig kritisiert. Selbst Mitglieder der Regierungskoalition sprachen sich gegen die Gesetzesänderungen aus. So hat etwa Geheimdienstminister Dan Meridor, Mitglied des Likud, zur Gesetzesinitiative für die Berufung der Richter gewarnt: “Der Likud darf nicht zu einer radikal-nationalistischen Partei werden”. Auch Oppositionschefin Zipi Livni kritisierte scharf: „Der Demokratie in Israel droht akute Gefahr“. Ulrich W. Sahm gibt in einem Bericht für ISRAELNETZ einen Überblick: „Israels Demokratie in Gefahr“
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Arieh King, oft als "König" tituliert, lispelt und hat seine eigene Radiosendung, »Stimme der Nation«, 106,5 FM. Er ist Mitglied der rechten Partei Moledet und hat den Israel Land Fund gegründet, eine Organisation, die in ganz Israel Boden und Häuser aufkauft, die strategische, religiöse oder historische Bedeutung für das Land haben könnten. Das ist sein Programm: Wohnungen für Juden in Ostjerusalem kaufen, damit die Palästinenser erst gar nicht die Chance haben, die Osthälfte der Stadt zu ihrer künftigen Hauptstadt zu machen. So sammelt King geräuschlos Spenden in der ganzen Welt. Alice Bota porträtiert den "King" in der ZEIT: "Wohnst du noch, oder kämpfst du schon?"
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Immer mehr Israelis beantragen europäische Ausweispapiere – besonders gern deutsche. Die deutsche Botschaft in Tel Aviv bestätigt, dass die Zahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind. 2007 stellten 6.100 Israelis einen Antrag, 2008 waren es 6.400, 2009 noch einmal 500 mehr und im vergangenen Jahr 7.242 Menschen. »Zwar kommen auch in Krisenzeiten mehr Leute für Reisepässe zu uns«, sagt die Pressesprecherin, »doch es gibt klar einen Trend nach oben.« Sabine Brandes versucht in ihrem Beitrag für die JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG die Gründe für diese Tendenz näher zu beschreiben: "Reisefreiheit".
Der Link dazu in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Jan-Robert von Renesse hat vielen ehemaligen "Ghetto-Arbeitern" zu einer Rente verholfen. In Israel wird der Essener Richter dafür gefeiert, in Deutschland sieht das anders aus: Erst wurde er versetzt, dann nicht befördert. Aus Protest dagegen wandte sich von Renesse jetzt an den nordrheinwestfälischen Landtag, wie Sebastian Engelbrecht in seiner Reportage für TAGESSCHAU.DE berichtet: "In Israel gefeiert, in Deutschland nicht befördert".
Der Link zur Reportage in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Eine Ausstellung zum Kölner Karneval während des Nationalsozialismus ist ab Freitag im NS-Dokumentationszentrum in Köln zu sehen. In »Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz« wird Besuchern erstmals ein differenzierter Blick auf den Karneval von 1933 bis 1945 gewährt - und räumt auf mit dem Mythos vom karnevalistischen Widerstand in der NS-Zeit, wie Barbara Driessen im NEUEN DEUTSCHLAND erläutert: "Aalaaf unterm Hakenkreuz".
Der Link dazu in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Er war Gegenspieler Martin Luthers und erwirkte gar eine päpstliche Bulle, um den Kirchenkritiker zum Schweigen zu bringen. Historisch wichtiger ist allerdings Johannes Ecks offener Antisemitismus, der, ganz christlich begründet, auch zum Wegbereiter des Holocaust wurde. Anna Gann porträtiert im DEUTSCHLANDRADIO den vor 525 Jahren geborenen "Repräsentant des christlichen Antijudaismus".
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Eigentlich hätte es nahe gelegen, den ersten Bericht des Expertenkreises Antisemitismus am 9. November vorzustellen. Doch statt die Befunde der zehn unabhängigen Fachleute am Jahrestag der Judenpogrome von 1938 öffentlich zu präsentieren, stellte das Bundesinnenministerium die Expertise erst zwei Tage später still und heimlich auf seine Internetseite. Wolf Schmidt kommentiert das Vorgehen und erläutert die wichtigsten Ergebnisse in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG. Außerdem finden Sie den Bericht in vollständiger Fassung zum Download sowie Expertisen einiger Experten ebenfalls im Wortlaut.
Die Links hierzu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

In der Berichterstattung über die unfassbaren Serienmorde rechtsextremer Terroristen dominieren heute Interviews und Kommentare. In der BERLINER ZEITUNG spricht Michel Friedman im Interview über das Versagen des Staates, die heikle Frage eines NPD-Verbotes und Diskriminierung von Menschen im deutschen Alltag. In der WELT warnt der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye: Neo-Nazismus werde in Deutschland nach wie vor unterschätzt. Zugleich kritisiert er den Verfassungsschutz. Der türkisch-deutsche Schrifsteller Zafer Senocak mahnt im Gespräch mit dem DEUTSCHLANDRADIO: "Mit einem NPD-Verbot ist es nicht getan". Beim Thema Rechtsradikalismus seien die Deutschen zu sehr mit Vergangenheitsbewältigung beschäftigt, schauten aber zu wenig auf gegenwärtige Entwicklungen, sagt er. Konrad Litschko und Andreas Speit berichten in der TAZ,  dass in der Neonazi-Szene bereits seit Sommer 2010(!) eine Hymne auf den "Döner-Killer" kursierte und Christoph Gunkel beschreibt in der FAZ, wie rechtsextreme Webforen die Taten der Neonazi-Mörder feiern. An deren Selbsttötung glauben sie nicht - und wittern eine staatliche Verschwörung mit CIA und Mossad: "Hass und Häme". In der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG meldet sich der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, zu Wort. Sein Fazit:
"Wir müssen zwei Erkenntnisse verinnerlichen und nach ihnen handeln. Erstens ist der Rechtsextremismus nicht nur ein Problem seiner Opfer, sondern vor allem eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Zweitens sind Extremisten, ob Gewalttäter oder »nur« Hetzer, keine unabwendbare Plage oder Naturkatastrophe, sondern der sichtbare Auswuchs eines Ungeistes, der bis in die Mitte der Gesellschaft reicht."
An gleicher Stelle schreibt der israelische Historiker Moshe Zimmermann:
"Wenn das politische System in Deutschland die NPD nicht verbieten kann und den Kampf gegen Nazis (wie jüngst in Neuruppin) privaten Nazigegnern überlässt, muss man sich nicht wundern, wenn es auch zu »dönermordartigen« Extremfällen kommt. Die deklarative Bekundung von Schamgefühlen bei entsprechenden Gelegenheiten seitens der politischen Klasse, wie jetzt durch Kanzlerin Merkel (oder mutatis mutandis durch Politiker in Israel), ist kein Ersatz für eine systematische Bekämpfung des Sumpfes, die mit der Analyse der gesellschaftlichen Situation beginnt und mithilfe der Erziehungseinrichtungen fortgesetzt werden muss."
Und der SPIEGEL liefert schließlich einen anschaulichen Atlas des Rechtsextremismus in Deutschland: "So braun ist Deutschland".
Ausgewählte Links zum Thema in der Rubrik RECHTSRADIKALISMUS.

Wie stellen Sie sich besonders religiöse Menschen vor? Wie die nette ältere Dame von nebenan, die sonntags in die Kirche geht und für jeden ein gutes Wort hat? Weit gefehlt! Stark religiöse Menschen sind nach wissenschaftlichen Erhebungen besonders anfällig für abwertende Haltungen gegenüber Minderheiten. Mit der Religion kommen die Vorurteile, sagt eine Studie. Schuld daran sei unter anderem der traditionelle Absolutheitsanspruch des Christentums, wie die WELT berichtet: "Je religiöser desto anfälliger für Vorurteile".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Kinder sollen Religion spielerisch erfahren, so lautet das Ziel einer jüdischen und einer christlichen Gemeinde in Osnabrück. Gemeinsam gründeten sie nun eine jüdisch-christliche Kindertagesstätte, die erste in Deutschland. Christina Beyert stellt sie für die DEUTSCHE WELLE näher vor.
Der Link dazu in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Es mag auch an den Anschlägen vom 11. September 2001 liegen, von denen die amerikanische Psyche tiefe Narben davongetragen hat, dass der jüdisch-islamische Dialog dort schon eine kleine Tradition darstellt. Von dort kommt auch die Einrichtung des "Twinning Weekend", des Partnerschaftswochenendes. Seit 2008 jährlich durch die in den USA beheimatete Foundation for Ethnic Understanding in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Weltkongress und der Islamic Society of North America organisiert, findet das Wochenende in diesem Jahr vom 18. bis zum 20. November statt. Adonia Moscovici erläutert in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG, was genauer sich hinter dieser Idee verbirgt: "Wenn der Jude mit dem Muslim".
Der Link zur Reportage in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Es ist eine mehrfache Premiere: Zum ersten Mal seit dem Holocaust wird eine deutsche Jüdin zur Rabbinerin ordiniert. Die 1000 Jahre alte Israelitische Kultusgemeinde in Bamberg erhält - ebenfalls zum ersten Mal in der Geschichte - eine weibliche Vorbeterin. Und für Antje Yael Deusel, die aus Nürnberg stammt, ist es schon das zweite Mal, dass sie in eine Männerdomäne einbricht. Die 51-Jährige ist nämlich Fachärztin für Urologie am städtischen Klinikum. Marion Krüger-Hundrup stellt die Potsdamer Absolventin in den POTSDAMER NEUESEN NACHRICHTEN näher vor: "Von der Gemeinde akzeptiert".
Der Link zum Porträt in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat einen Antrag einer moldawischen Familie auf Aufnahme als jüdische Zuwanderer endgültig abgelehnt. Nach Verwaltungspraxis des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge reiche die Abstammung von einem jüdischen Großelternteil für eine Aufnahme nicht aus, begründete das Gericht am Dienstag seine Entscheidung. Vielmehr müsse durch staatliche, vor 1990 ausgestellte Personenstandsurkunden entweder die eigene jüdische Nationalität oder die jüdische Nationalität eines Elternteils nachgewiesen werden. Diesen Nachweis hätten die Kläger nicht erbracht. Ein Beitrag auf LEGAL TRIBUNE erläutert die Hintergründe und Begründung des Urteils etwas genauer: "Gericht erkennt Familie nicht als jüdische Zuwanderer an".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Am Mittwochabend ist der 55. Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland an Bundespräsident Christian Wulff verliehen worden. Der Bundespräsident bezeichnete die Ehrung als »wahrhaft großes Geschenk« und als außerordentlichen Vertrauensbeweis. Zentralratspräsident Dieter Graumann sagte in seiner Laudatio, Wulff habe in seiner noch kurzen Amtszeit durch »tiefe Verbundenheit mit der jüdischen Gemeinschaft« beeindruckt. Er lobte Wulff als engen Freund Israels und des jüdischen Volkes, wie Katrin Richter in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG berichtet. Außerdem gibt es an gleicher Stelle noch ein Interview mit dem Preisträger. Und auf der Homepage des Bundespräsidenten ist auch seine Dankesrede im Wortlaut nachzulesen. Zu den aktuellen Ereignissen kommentierte er dabei in seiner Rede:
"Ich bin erschüttert und teile die Empörung der Menschen in unserem Land. Wir gedenken der Toten und teilen das Leid ihrer Angehörigen. Noch wissen wir nicht, wie viele Menschen insgesamt betroffen sind. Es stellen sich aber Fragen: Ist unser Land den Opfern und ihren Hinterbliebenen gerecht geworden? Mussten wir rechtsextremistischen Hintergrund vermuten und werden die Protagonisten rechtsextremer Kreise ausreichend beobachtet? Haben wir uns möglicherweise von Vorurteilen fehlleiten lassen? Wie stellen wir sicher, dass der Staat seiner Schutzfunktion in allen gesellschaftlichen Bereichen nachkommt? Wir dürfen gegenüber den Hinterbliebenen nicht sprachlos sein."
Die Links zu alledem in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Zwei österreichische Juden, beide tief verwurzelt im deutschsprachigen Kulturraum, müssen nach dem Zusammenbruch der deutschen Demokratie und der Etablierung einer antisemitischen Diktatur in Berlin ihren Traum von der deutsch-jüdischen Symbiose begraben: Joseph Roth und Stefan Zweig. Nun ist ihr Briefwechsel aus den Jahren 1927 bis 1939 erschienen. Wilhelm von Sternburg stellt ihn für die BERLINER ZEITUNG vor: "Seine Narrheit ist ein Fass ohne Boden".
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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EDITORIAL HIGHLIGHTS

17. November 2011

 * „Israels Demokratie in Gefahr“ ... mehr
 
 * Arieh King: Häuser für Juden und den jüdischen Staat ... mehr
 
 * Deutsche Pässe bei Israelis heiß begehrt ... mehr
 
 * In Israel gefeiert, in Deutschland nicht befördert: Ein Richter kämpft für "Ghetto-Arbeiter" ... mehr
 
 * Ausstellung: "Aalaaf unterm Hakenkreuz" ... mehr
 
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EDITORIAL

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ACHTUNG:

Die nächste Tagesausgabe erfolgt am Montag, 21. November 2011.