ACHTUNG:
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Gewalt gegen afrikanische Migranten ist im Süden Tel Avivs fast schon Routine geworden. Kaum eine Woche ohne einen neuen Anschlag. Die Parlamentarierin Miri Regev von der Likud-Partei nannte illegal Eingewanderte den "Krebs in unserem Körper." Innenminister Eli Yishai meinte ein einem Interview, dass "die meisten Muslime die hier ankommen nicht einmal glauben, dass dieses Land uns, den Weißen, gehört." Nun soll ein neues Gesetz die Internierung von Asylbewerbern für drei Jahre ermöglichen. Der österreichische STANDARD sprach vor diesem Hintergrund mit William Tall, Repräsentant des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Israel, über problematische israelische Rhetorik, den Grenzzaun, und Israels Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Europa.
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Israels oberstes Gericht ordnet die endgültige Räumung einer illegalen Siedlung im Westjordanland an. Jetzt streitet die Koalition darüber, ob künftig überhaupt noch gegen illegale Bauten geklagt werden darf.Und der israelische Ministerpräsident Netanjahu ist in der Klemme: Auf der einen Seite ist er noch immer bemüht, die Siedlungsbewegung mit Worten und Taten zu stärken, andererseits weiß er um die Notwendigkeit einer unabhängigen Rechtsprechung für einen demokratischen Staat. Michael Borgstede berichet über die ansgespannte Situation in der WELT: "Israels gefährlicher rechtlicher Doppelstandard".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL INTERN.
Für viel Aufsehen sorgt ein Bericht des SPIEGELS, demzufolge die von Deutschland an Israel gelieferten U-Boote mit Atomraketen bestückt würden. Die "Enthüllungen" des SPIEGELS werden freilich unterschiedlich beurteilt. Daniel Bax etwa lobt in der TAZ die Kollegen vom SPIEGEL und kritisiert, dass "Deutschland als drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt offenbar kaum Rücksichten darauf nimmt, welche Folgen diese Politik hat. Denn Kriegsgerät gehört nicht in Krisengebiete exportiert: Das gilt für die Ausfuhr deutscher Panzer nach Saudi-Arabien wie für die Lieferung von atomwaffenfähigen U-Booten an Israel, dessen Regierung dem Iran derzeit offen mit einem Angriff auf dessen Atomanlagen droht: diesen Punkt zu kritisieren, da hat Grass schlichtweg recht." Ähnlich sieht das auch die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, die ebenfalls darauf hinweist, dass die Lieferung von Kriegswaffen in Krisengebiete nicht erlaubt sei. Sehr viel nüchterner beurteilt die Situation Markus Kaim, sicherheitspolitischer Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, im Interview mit der BERLINER ZEITUNG. Auf die Frage, ob er gewußt habe, dass die U-Boote als Träger für Atomraketen genutzt würden, antwortet er: "Das hat jeder gewusst, der es wissen wollte, jeder Experte und jeder Fachjournalist. Die Israelis haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie die U-Boote für eine nukleare Zweitschlags-Kapazität nutzen wollen." Und er ergänzt, wenn die "deutsche Politik ihre Selbstverpflichtung gegenüber Israel ernst nimmt, sind die U-Boote ein Element, um an der Seite des Staates Israel zu stehen." Auch Falk Heunemann kritisiert in seinem Kommentar in der FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND die aufgeregte Debatte und nennt sie "lächerlich" und "scheinheilig". U.a. schreibt er:
"Denn kein ernst zu nehmender Politiker wird behaupten, dass die Sicherheit und das Existenzrecht Israels nicht auch im Interesse Deutschlands ist - natürlich aus historischen Gründen, aber auch aus geopolitischen. Ob das als deutsche "Staatsräson" zu bezeichnen ist, wie es Angela Merkel tat, oder nur "bestimmend", wie es Bundespräsident Joachim Gauck gerade nannte, darüber lässt sich streiten. An der praktischen Umsetzung, zu der dann konsequenterweise auch Rüstungsexporte gehören, ändert das wenig. Und wenn der Staat Israel U-Boote für seine Absicherung für nötig hält, hat Berlin wenig Grund, dem sachlich zu widersprechen."
Schließlich meldet sich in einem für die BILD-ZEITUNG ungewöhnlich langen Interview der israelische Ministerpräsident Netanjahu selbst zu Wort. Auf die Frage, wie wichtig die deutschen U-Boote für Israel seien, antwortet Netanjahu kurz, bündig und mit Sicherheit ganz ehrlich: "Sehr wichtig!".
Alle Links zum Thema in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
Als vor kurzem der iranische Generalstabschef Israel mit der Auslöschung drohte, hat das im Ausland niemand verurteilt. „Israel ist dabei, die Schlacht zu verlieren. Regierung und Gesellschaft verstehen die Tragweite des Problems nicht.“ Die Schlacht, von der hier die Rede ist, ist die Schlacht um die öffentliche Wahrnehmung und das Image Israels im Ausland. Vor dem Hintergrund der mitunter desaströsen Außendarstellung und Außenwahrnehmung Israels hat nun der Politikwissenschaftler Gilboa, der sich als Fachmann für amerikanisch-israelische Beziehungen einen Namen gemacht hat, an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan ein Zentrum für Internationale Kommunikation gegründet. Ziel des neuen Programms für „Public Diplomacy“ an dem Zentrum sei es, „Soldaten im Einsatz für die israelische Diplomatie“ auszubilden, erläutert der Professor, der eine Vorliebe für militärische Begriffe hat, wie Hans-Christian Rößler für die FAZ berichtet: "Angriff an der Meinungsfront".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.
Götz Aly ist ein streitbarer Historiker, der mit seinen unkonventionellen Arbeiten zum Nationalsozialismus immer wieder für Aufsehen gesorgt hat. Jetzt hat er in Frankfurt den mit 20.000 Euro dotierten Ludwig-Börne-Preis empfangen. Was in der Laudatio des Feuilletonchef der ZEIT, Jens Jessen, über den Preisträger zu hören war und welche Verbindungen es zwischen Götz Aly und Ludwig Börne gibt, kann den Berichten in der FAZ, SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG und FRANKFURTER RUNDSCHAU entnommen werden. Auch Alan Posener gratuliert Aly in einem Artikel in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN WOCHENZEITUNG und charakterisiert ihn wohl recht treffend gleich im ersten Absatz wie folgt:
"Götz Alys Stärken entstammen der gleichen Quelle wie seine Schwächen: seiner Ferne zum akademischen Betrieb und seiner Weigerung, die eigene Befindlichkeit bei der Beurteilung geschichtlicher Ereignisse auszublenden. Völlig zu Recht lehnte es das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin vor einem Jahr ab, Götz Aly mit einer außerordentlichen Professur zu ehren. Das Institut sprach freilich ein Urteil – nicht über Aly, sondern über sich selbst."
Die Links zu den Beiträgen sowie einem Interview mit dem Geehrten selbst in der Rubrik VERGANGENHEIT...
In den vergangenen Tagen hat eine BBC-Dokumentation für Aufsehen gesorgt. Darin beschreibt ein englischer Reporter Rassismus, Antisemitismus und Gewalt in den Stadien Polens und der Ukraine. Rechtsextremismus ist tief in die Mitte der ukrainischen Gesellschaft vorgedrungen - der Fußball zeigt die Probleme wie unter einem Brennglas, meint vor diesem Hintergrund auch Ronny Blaschke in seiner Reportage für DEUTSCHLANDRADIO über das menschenfeindliche Gesicht des Fußballs in der ukrainischen Gesellschaft: "Rassismus auf den Rängen".
Der Link zur Reportage in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Es ist ein Streit um Waren, die aus israelischen Siedlungsgebieten stammen. Doch es geht um sehr viel mehr als die Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht und den Verzicht auf israelische Produkte. Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) gehörte zu den Erstunterzeichnern eines entsprechenden Aufrufes der katholischen Organisation "Pax Christi". Nun fühlt er sich etwa in der "Jerusalem Post" als "Antisemit verunglimpft" und von der Detusch-Israelischen Gesellschaft (DIG) sowie der Arbeitsgemeinschaft Kirche und Judentum in Thüringe an den Pranger gestellt (siehe Compass 31.05.2012). In der THÜRINGISCHEN ZEITUNG verteidigt der Oberbürgermeister nun seine Unterschrift für den Boykott. Ihm entgegnet an gleicher Stelle Kevin Zdiara von der DIG.
Die Links dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.
Einem Kirchenhistoriker eine "betrübliche Geschichtsvergessenheit" vorzuwerfen ist schon mutig. Vor allem, wenn der Betroffene auch noch ein Kardinal ist. So geschehen in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG, in der der Wiener Dogmatiker Prof. Jan-Heiner Tück dem früheren Präsidenten der päpstlichen Kommission für die Geschichtswissenschaften, Kardinal Walter Brandmüller, angesichts dessen Deutung der Konzilsdokumente scharf kritisierte (siehe Compass 31.05.2012). Vor allem geht es dabei um die Verbindlichkeit etwa des Konzilsdokuments Nostra Aetate und damit um das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum. Tück hält Brandmüller u.a. entgegen:
"Kaum zufällig hat der Wiener Kardinal Franz König einst von der Erklärung «Nostra Aetate» als dem «kürzesten, aber bedeutendsten Konzilsdokument» gesprochen – und Johannes Paul II. hat dem neuen Geist mit nachwirkenden symbolischen Gesten Ausdruck verschafft. Bei seinem Synagogenbesuch in Rom hat er 1986 von den Juden als den «bevorzugten und älteren Brüdern im Glauben» gesprochen, im Jahr 2000 hat er an der Klagemauer in Jerusalem um Vergebung für die judenfeindlichen Ausschreitungen von Christen gebetet und damit eine purificazione della memoria eingeleitet. Man kann daher fragen, ob es nicht Ausdruck einer betrüblichen Geschichtsvergessenheit ist, wenn der Kirchenhistoriker Brandmüller aus taktischen Gründen ausgerechnet «Nostra Aetate» herabstuft, um zu den rückkehrwilligen Traditionalisten eine Brücke zu schlagen."
Der Link zum Beitrag in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Jugendliche verschiedener Religion haben in Berlin-Neukölln eine Tour durch ihren Kiez entwickelt. Sie führen ihre Gäste dabei zu Kirchen und Hinterhofmoscheen, ins beste Kopftuch-Geschäft am Platze oder zu den Resten einer Synagoge. Brigitte Schulz hat sich für DEUTSCHLANDRADIO die interreligiöse Stadtführung im Schiller-Kiez genauer angesehen und schildert ihre Eindrücke: "Religiöse Spuren in Berlin-Neukölln".
Der Link zu ihrer Reportage in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.
Ein Filmfestival wird volljährig – am Montagabend startete unter dem Motto »Mehr Juden ins Kino« mit einer Weltpremiere und anschließender Gala das 18. Jüdische Filmfestival (JFFB) in Potsdam. Ins Hans-Otto-Theater am Tiefen See kamen viele Prominente, um zu gratulieren und jüdische Filme zu zelebrieren, wie JÜDISCHE ALLGEMEINE WOCHENZEITUNG, NEUES DEUTSCHLAND und BERLINER ZEITUNG berichten und einen Blick auf die Schwerpunkte des Programms werfen: "Jeckes, Katzen und Imame".
Die Links zu den Berichten in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Nachdem sie beinahe 20 Jahre leer stand, ist die ehemalige Jüdische Mädchenschule nun einer der angesagtesten Ausgeh- und Einkehrorte Berlins. In dem stilsicherrestaurierten Bau kann man Kunst auf sich wirken lassen und hervorragend essen, wie Marie-Sophie Müller in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG schreibt und einen Einblick in eines der architektonisch gewiss aufregendsten Bauten Berlins gibt: "Die grosse Pause ist vorbei. Die ehemalige Jüdische Mädchenschule an der Auguststrasse."
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Apropos Architektur und Judentum: In einer Austellung im Berliner Centrum Judaicum sind nun 200 Jahre jüdische Reformbewegung und ihrer Architektur zu bestaunen, wie Carsten Dippel im DEUTSCHLANDRADIO berictet. Die meisten der zwölf in der Berliner Ausstellung in detailreichen Holzmodellen gezeigten Synagogen wurden in der Pogromnacht 1938 zerstört. Der Bestand jüdischer Architektur auch über Synagogen hinaus soll allerdings jetzt weiter erfasst werden: "Synagoge und Tempel"
Der Link zum Beitrag in der Rubrik JÜDISCHE WELT.
Gefeiert, verfolgt, ermordet - und dann vergessen? Dieses Schicksal haben unzählige jüdische Sportlerinnen und Sportler erlitten. So auch der Fußballer Julius Hirsch, der für die Nationalmannschaft spielte und 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm dabei war. Nun hat Werner Skrentny eine beeindruckende Biographie des jüdischen Fußballers vorgelegt, die Herbert Fischer-Solms im DEUTSCHLANDRADIO vorstellt.
Der Link zur Buchvorstellung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.
Einen angenehmen Tag wünscht
Dr. Christoph Münz
redaktion@compass-infodienst.de
(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)
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