ONLINE-EXTRA Nr. 136
© 2011 Copyright bei Autor und Redaktion "Themenheft"
Im Großraum Syrien liegt die Wiege der drei großen monotheistischen Religionen: eine Region voller spannender Begegnungen und wechselseitiger Beeinflussungen, die im Westen fast ganz vergessen ist. Dort hat sich das Christentum aus dem Judentum entwickelt und der Islam als ›arabische Religion‹ seinen Anfang genommen. Glaubensgeschichte, wie sie in den Heiligen Schriften erzählt wird, ist dabei freilich nicht immer identisch mit der historischen Entwicklung. Das ernst zu nehmen, eröffnet allerdings einen offeneren Zugang zu den Heiligen Schriften (Thora, Neues Testament und Koran). Ein derart historisch-kritischer Umgang mit dem eigenen Glauben und den Quellen, auf denen er beruht, ist in allen Religionen eine heikle Angelenheit. Mit besonderer Schärfe aber stellt sich dieser Weg im Islam dar. Andreas Goetze, Autor des heutigen ONLINE-EXTRAs, umreißt die Problematik in seinen einführenden Gedanken wie folgt:
"Historisch-kritische Forschung über Muhammad und noch mehr am Qur`ân ist keine leichte Angelegenheit, denn Muhammad genießt eine herausragende, fast unantastbare Stellung unter den Muslimen und der Qur’ân gilt im islamischen Selbstverständnis als „konkurrenzloses Buch“. Konkurrenzlos, weil es „göttliche Urheberschaft“ hat im Gegensatz etwa zur Bibel, die von Menschen geschrieben wurde. Dieses Buch ist nicht anzuzweifeln, es ist das unantastbare Wort Gottes. Wissenschaftler und Schriftsteller sind keine Kritiker, sondern Apostaten, und ein Abfall vom rechten Glauben kann im Islam mit dem Tod bestraft werden."
Mit großer Sensiblität, solidem Fachwissen und einem dem praktischen Dialog zwischen den Religionen entwachsenen tiefen Respekt vor Glauben und Gläubigen unterschiedlicher Coleur begibt sich Andreas Goetze auf den Weg einer historisch-kritischen Annäherung an die Anfänge des Islams und legte seine Ergebnisse in seinem jüngst erschienen Buch "Religion fällt nicht vom Himmel: Die ersten Jahrhunderte des Islams" (Wiss. Buchgesellschaft Darmstadt) vor. Sein heute im COMPASS erscheinender, umfangreicher Text unter dem Titel "Keine Religion ist vom Himmel gefallen. Eine historisch-kritische Annäherung an die Anfänge des Islam" stellt gewissermaßen einführend die wichtigsten Erträge seines Buches vor und zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass er die religionsgeschichtlichen Anfänge des Islams sowie eine kritische Würdigung der Entstehung und des Standes der Islamwissenschaften mit den Möglichkeiten eines Dialogs des Islams mit Judentum und Christentum in Beziehung setzt. Letztlich zielen seine Bemühungen darauf, das Verbindende eher als das Trennende zwischen den Religionen zu sehen.
COMPASS dankt dem Autor für die Genehmigung zur Online-Wiedergabe seines Textes an dieser Stelle!
Hier finden Sie ONLINE-EXTRA Nr. 136:
Online-Extra Nr. 136
online exklusiv für ONLINE-EXTRA
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Dr. Christoph Münz
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