ONLINE-EXTRA Nr. 85
Die Revision der Karfreitagsliturgie durch Papst Benedikt im Kontext der wieder freigegebenen alten tridentinischen Form der Messe hat bekanntermaßen zu erheblichen Verstimmungen zwischen katholischer Kirche und jüdischer Welt geführt. Grund hierfür liegt vor allem in einer der Karfreitagsliturgie enthaltenen Fürbitte, in der gebetet wird, Gott möge die Herzen der Juden "erleuchten, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen". In der Folge sagten für den im Mai in Osnabrück stattgefunden Katholikentag einige prominente jüdische Persönlichkeiten wie etwa Rabbiner Walter Homolka oder der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik ihre Teilnahme ab.
Mit um so größerer Aufmerksamkeit nahm man daraufhin die christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier im Rahmen des Kahtolikentags zur Kenntnis, in deren Mittelpunkt die Ansprachen von Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, und Landesrabbiner Henry G. Brandt, dem Vorsitzenden der Allgemeinen Rabbinerkonferenz (ARK) und jüdischem Präsidenten des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (DKR), standen. Beide betonten die Notwendigkeit, den offenen Dialog zwischen den beiden Religionen zu vertiefen, um die Eintrübung der Beziehungen zu verhindern. In einer weithin beachteten Geste umarmten sich Zollitsch und Brandt am Ende der Gemeinschaftsfeier.
Auf der Homepage des Katholikentages ist von dieser christlich-jüdischen Gemeinschaftsfeier bis heute jedoch nur die Predigt von Erzbischof Zollitsch veröffentlicht worden und zwar nur das vorab verteilte Redemanuskript, nicht aber die Ansprache von Rabbiner Brandt und die spontanen Äußerungen von Zollitsch auf Brandts Ansprache. Beides, die Ansprache von Brandt und die spontanen Reaktionen Zollitschs auf Brandt, ist aber gerade wichtig angesichts der angespannten Beziehungen aufgrund der unseligen Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte.
COMPASS präsentiert Ihnen heute erstmals und bislang exklusiv die Ansprache von Brandt sowie die Ansprache von Zollitsch in der Fassung des gesprochenen Wortes basierend auf einem Rundfunkmitschnitt. Diese neuen, autenthischen Versionen der beiden Reden sind sowohl von Erzbischof Zollitsch wie auch von Landesrabbiner Brandt autorisiert und genehmigt worden.
COMPASS dankt den Autorer zur Genehmigung der Online-Wiedergabe ihrer Redebeiträge an dieser Stelle!
Hier finden Sie ONLINE-EXTRA Nr. 85:
Online-Extra Nr. 85
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Dr. Christoph Münz
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