Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
21.07.2008 - Nr. 952

*ACHTUNG*:

COMPASS macht Sommerpause!

In der Zeit von Dienstag, 22. Juli 08, bis einschließlich Freitag 28. August 08, erscheint KEIN COMPASS!



ONLINE-EXTRA Nr. 78

Juli 2008

Das heutige ONLINE-EXTRA ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich und zwar in Blick auf das Thema ebenso wie auf den Verfasser des Beitrags - und bedarf daher einiger erläuternder Informatonen vorab.

Im Jahre 2002 erschien der erste des auf zwei Bänden angelegten Werkes "Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre." Bemerkenswert an diesem Projekt ist, dass es gewissermaßen eine aktualisierte Fortführung des 1932/33 erschienenen Werkes "Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre" von Isisor Fischer darstellt, das seiner Zeit als Spitzenleistungen der Medizingeschichte galt. Fischer selbst hatte Aktualisierungen des Lexikons geplant, konnte diese aber nicht ausführen. Er musste als österreichischer Jude 1938 emigrieren und starb 1943 in Bristol. Der Medizinhistoriker Dr. Peter Voswinckel hat nun die in Fischers Lexikon weit über 4.000 versammelten Lebensläufe fortgeschrieben und als einzige Ergänzung den Lebenslauf Isidor Fischers hinzugefügt.

Diese so nüchtern anmutende "Aktualisierung" des Lexikons barg freilich für den Medizingeschichtler Voswinckel Herausforderungen in sich, die mitten in die menschheitsgeschichtliche Tragödie des 20. Jahrhunderts hineinführte: Die Vertreibung und Vernichtung der europäischen Juden, von denen jüdische Ärzte und Ärztinnen, die in Fischers 1933 publiziertem Ärztelexion noch weitgehend unbeschadet vertreten waren, ja nicht minder getroffen wurden. Betrachtet man die Geschichte dieser Personengruppe nach 1933, so wurden über 400 Personen als Juden in die Emigration gezwungen, deportiert oder ermordet. Hinzu kommt die andere Seite dieser biographischen Medizinergeschichte, die "Täterseite", denn nicht wenige "arische" Ärzte und Ärztinnen profitierten von der Vetreibung und Ermordung ihrer jüdischen Kollegen, sie übernahmen Praxen, Kliniken, Lehrbücher etc. In der biographischen Akutalisierung der im Lexikon vertretenen Ärzte und Ärztinnen musste Voswinckel sich demzufolge mit allen Problemen auseinandersetzen, die mit einer Aufarbeitung von "Täter"- und "Opfer"-Biographien nach 1945 unweigerlich behaftet sind. Voswinckel entledigte sich dieser Herausforderung in konzeptioneller wie stilistischer Hinsicht auf vorbildliche Weise und legte mit dem ersten Lexikonband ein Werk vor, das - wie ein Kritiker betonte - "in der zeitgeschichtlichen medizinhistorischen Forschung unverzichtbar werden dürfte". Um so bedauerlicher, ja, gleichermaßen beschämend und skandalös bleibt die Tatsache, dass der zweite Band dieses biographischen Lexikons aufgrund fehlender Finanzierung bis heute nicht erscheinen konnte.

Wie auch immer, angeregt von diesem biographie- und realgeschichtlichen Hintergrund der deutschen Medizingeschichte befasste sich Voswinckel sodann mit einem - wenn man so will - Seitenstrang jener Geschichte, dessen Erforschung im Mittelpunkt seiner Arbeit stand. Ebenfalls im Jahre 2002 erschien im Mabuse-Verlag (Frankfurt) die von A. Scholz und C. P. Heidel herausgegebene Aufsatzsammlung "Das Bild des jüdischen Arztes in der Literatur" (siehe Anzeige im ONLINE-EXTRA-Text), zu der Voswinckel einen ebenso informativen wie lesenswerten Beitrag leistete, der heute online exklusiv als ONLINE-EXTRA Nr. 78 im COMPASS erscheint: "Von Dr. Sammet (Thomas Mann) bis Dr. Semig (Uwe Johnson). Das Scheitern der deutsch-jüdischen Assimilation im Spiegel literarischer Arztfiguren". Was Voswinckels Beitrag im Besonderen auszeichnet, bringt der Mainzer Medizingeschichtler Prof. Kümmel treffend wie folgt zum Ausdruck: "Daher scheint es auch vom Forschungsstand her ebenso berechtigt wie aussichtsreich, nach der  Gestalt des jüdischen Arztes in der Literatur zu fragen. Die bisherigen Arbeiten zum Bild einerseits der Juden, anderereseits des Arztes in der Literatur haben das Thema, wenn überhaupt, dann nur am Rande berührt; systematisch und auf breiter Quellenbasis ist es noch nicht in Angriff genommen worden. Das Verdienst, erstmals einen knappen Überblick über ein wichtiges Teilgebiet des Themas versucht zu haben, gebührt Peter Voswinckel...."

Erwähnt sei abschließend, dass Dr. Voswinckel ausdrücklich an Reaktionen, Ergänzungen, Meinungen zu seinem Beitrag von Leserseite und einer entsprechenden Kontaktaufnahme interessiert ist. Wenn Sie also, liebe Leserinnen und Leser, mit dem Autor des heutigen ONLINE-EXTRAs Kontakt aufnehmen wollen, wenden Sie sich bitte an: redaktion@compass-infodienst.de. Ihr Schreiben wird dann umgehend an den Autor weitergeleitet.

COMPASS dankt dem Autor und dem Mabuse-Verlag für die Genehmigung zur Online-Wiedergabe an dieser Stelle!

Hier finden Sie ONLINE-EXTRA Nr. 78: 

Online-Extra Nr. 78




Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht




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