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ONLINE-EXTRA Nr. 153

November 2011

Ungewöhnlich und bemerkenswert... ist nicht nur dieses ONLINE-EXTRA, handelt es sich doch erstmals um eine Buchvorstellung für eine englischsprachige Publikation. Ungewöhnlich und bemerkenswert ist vor allem die Publikation selbst, handelt es sich doch um die bislang erste und einzige gründliche Untersuchung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs auf empirischer Grundlage. Vorgelegt hat sie Simone Heil, eine junge Politikwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Mittlerer Osten einschließlich der arabischen Staaten, die zur Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Jacobs University in Bremen arbeitet.

Das Vorwort zu dieser höchst interessanten Studie schrieb niemand Geringerer als Rudolf Dreßler, ehemaliger Botschafter Deutschlands in Israel in den Jahren 2000 bis 2005. COMPASS freut sich, Ihnen das Vorwort von Dreßler (in deutsche Sprache) hier präsentieren zu können, verbunden mit der Empfehlung für dieses Buch nicht nur für jeden, der im deutsch-israelischen Jugendaustausch engagiert ist, sondern für jeden, der an den besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel interessiert ist.

COMPASS dankt Autor und Autorin für die Genehmigung zur Online-Wiedergabe des Textes an dieser Stelle!  

COMPASS dankt für die Genehmigung zur Wiedergabe des Textes an dieser Stelle!

© 2011 Copyright bei den Autoren und dem Verlag 
online exklusiv für ONLINE-EXTRA




Online-Extra Nr. 153


Rudolf Dressler, Vorwort zum Buch:

"Simone Heil: Young Ambassadors - Youth Exchange and the Special Relationship between Germany and the State of Israel"

BUCHVORSTELLUNG



VORWORT


Die Themenwahl für eine Dissertation wird man mit dem Prädikat "mutig" oder "weniger mutig" begleiten dürfen. Die vorliegende wissenschaftliche Abhandlung zur Erlangung der Doktorwürde von Simone Evelyn Heil verdient für mich zweifelsfrei die Wertung "mutig".

Der Jugendaustausch ist das Kernstück der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. In den mehr als sechzig Jahren seit der Gründung des Staates Israel, in den mehr als fünfundvierzig Jahren seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland, haben sich Männer und Frauen unterschiedlicher Generationen engagiert, sich bemüht, eine Grundlage des Vertrauens zwischen der zweiten deutschen Republik und dem Staat Israel zu schaffen. Was bis heute erreicht wurde, verdient die Bezeichnung "Beziehungswunder". Maßgebender Teil dieses Beziehungswunders war und ist der Jugendaustausch.

Mir ist solch geballte, alle Facetten der Beziehungen berührende Literatur zum Thema deutsch-israelischer Jugendaustausch im Rahmen der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel bisher nicht begegnet. Es darf davon ausgegangen werden, dass es keine vergleichbare Veröffentlichung gibt. Die Arbeit von Simone Evelyn Heil ist die Sichtbarmachung eines sensitiven Beziehungsgeflechts, das seit seiner Begründung über Jahrzehnte - vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1965 - begann zu wachsen. Es wurde getragen von Persönlichkeiten in Deutschland, die dokumentieren wollten, dass die zweite deutsche Republik eine andere ist. Es wurde von Persönlichkeiten in Israel getragen, die den Glauben an ein anderes Deutschland nicht aufgegeben hatten.

Während meiner fünf Botschafter-Jahre in Israel hat mich das Leben in der israelischen Gesellschaft immer wieder an jene zentrale deutsche Frage erinnert, mit der meine Erziehung zur politischen Aktivität begonnen hat und auf die ich bis heute keine Antwort weiß:


   +++ Wie konnte die verbrecherische Zwangsvorstellung Hitlers, sein Antisemitismus, der zum Völkermord antrieb, sich in Deutschland durchsetzen?


   +++ Warum hat die Mehrheit sich daran beteiligt, hat zugeschaut, hat weggesehen?


Vor einigen Jahren erinnerte uns die Wochenzeitung "Die Zeit" daran, dass wir in Deutschland im Schatten Hitlers leben. Nicht weil eine Wiederkehr des Nationalsozialismus droht, sondern weil sich der Nationalsozialismus entwirklicht, an Realität verloren hat. Es gibt eine neue Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Nicht, weil der Gegenstand seine Schrecken verloren hat, sondern weil sich der Schrecken vom Gegenstand gelöst hat.

Es geht darum den Gegenstand wach zu halten. Der international renommierte israelische Schriftsteller Amos Oz, in Deutschland mit höchsten Ehren ausgezeichnet, hat mit vielen klugen Sätzen den Gegenstand beschrieben, ihn wach gehalten. Eine Mahnung darf als Grundlage für den Jugendaustausch gelten: "Die Vergangenheit ist immer gegenwärtig und wird immer gegenwärtig bleiben; doch man muss sich daran erinnern, dass die Vergangenheit uns gehört und nicht wir ihr."  

Die Vergangenheit prägt das Deutschlandbild der Israelis wie nichts anderes. Repräsentative Umfragen unter israelischen Jugendlichen zeigten noch 1998 ein wenig vorteilhaftes Bild über Deutschland. Vielen, die nie in Deutschland waren, fiel zu Deutschland zuerst "Auschwitz" und "Hitler" ein. Etwa die Hälfte der befragten Jugendlichen glaubte nicht, dass Deutschland sich unter den israelfreundlichen Staaten befindet, und sah Fremdenhass in Deutschland stärker ausgeprägt als anderswo. Mehr als vierzig Prozent glaubten, dass in Deutschland wieder ein NS-Regime entstehen könnte. Diese Werte haben sich in den letzten Jahren verbessert. Welcher Anteil dem Jugendaustausch zufällt ist nicht bekannt. gleichwohl darf er als beträchtlich eingestuft werden. Die Arbeit von Simone Evelyn Heil bedeutet:


+++  für uns Jahrzehnte deutsch-israelischer Beziehungsarbeit sichtbar zu machen,


+++ das Wirken und das Engagement einiger Generationen auf deutscher und israelischer Seite in Erinnerung zu rufen,


+++ die Bedeutung des Jugendaustauschs in schwierigstem zwischenstaatlichen Miteinander verdeutlicht zu haben.




Simone Heil: Young Ambassadors

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    Simone Heil:

    Young Abassadors.
    Youth Exchange and the Special
    Relationship between Germany and 
    the State of Israel

    Mit einem Vorwort von Rudolf Dreßler

    Nomos Verlagsgesellschaft
    Baden-Baden 2011
    351 Seiten

    54,00 € 
    ISBN 978-3-8329-6671-3


    informieren und/oder bestellen
           


Diese innovative politikwissenschaftliche Studie ist die erste gründliche empirische Untersuchung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs. Neben einer Archiv- und Zeitungsrecherche (Zeitfenster 1965-67, 1972/73, 1990/91, 2000), umfasst der Datensatz 130 qualitative Interviews mit sechs verschiedenen Interessengruppen in Deutschland und Israel. Die Untersuchung konzentriert sich auf die Schüleraustauschprogramme zwischen den Partnerstädten Köln-Tel Aviv und Bremen-Haifa.

Innerhalb des Fachbereichs der auswärtigen Kulturpolitik verfolgt die Arbeit die Zielsetzung, die Verflechtung der besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel und dem Jugendaustausch zu analysieren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verflechtung zwischen der politischen Makroebene und der Jugendaustausch Mikroebene aufgrund des allmählichen Normalisierungsprozesses zwischen den beiden Staaten mit der Zeit abgenommen hat.

Das Buch zeigt nicht nur neue empirische Forschungsfelder für Wissenschaftler auf, die am internationalen Jugendaustausch interessiert sind, sondern ist auch äußerst relevant für Praktiker, die im deutsch-israelischen Jugendaustausch tätig sind.


Weitere Infos:
Nomos-Verlagsgesellschaft




Die Autoren

SIMONE HEIL und RUDOLF DRESSLER


Dr. Simone Evelyn Heil, Jhg. 1979, studierte Politik und Geschichte des Nahen Ostens mit Arabisch an der University of Durham, England, und an der Hebräischen Universität in Jerusalem, Israel. 2005 schloß sie ihr Studium mit Auszeichnung ab und arbeitete anschließend bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in den palästinensischen Autonomiegebieten.
Von 2007 bis einschließlich 2010 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Jacobs University, Bremen, wo sie 2011 mit Auszeichnung promovierte.


Rudolf Dreßler, Jhg. 1940. Ausbildung zum Schriftsetzer; dann freier Mitarbeiter für verschiedene Zeitungen. Seit 1969 Mitglied der SPD. Von 1984 bis 2000 gehörte er dem Parteivorstand und von 1991 bis 2000 auch dem Präsidium der SPD an.
Dreßler war von 1980 bis zum 31. August 2000 Mitglied des Deutschen Bundestages; 1987 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und daneben von 1987 bis 1991 Vorsitzender des Arbeitskreises Sozialpolitik der SPD-Fraktion.
19 Jahre war er in ihr auch für Israelpolitik verantwortlich.Vom 1. September 2000 bis 31. August 2005 war er der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Israel. Seit Februar 2010 ist er Mitglied des Instituts Solidarische Moderne.



  



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