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08.03.2010 - Nr. 1127
Deutsche Bibliothek ISSN 1612-7331
Editorial
Israel und Nahost
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Guten Tag!

Nr. 1127 - 08. März 2010


Auf dem Tempelberg in Jerusalem trieb die Polizei Demonstranten mit Tränengas und Blendgranaten auseinander. Sie protestieren erneut gewaltsam gegen die Aufnahme zweier im Westjordanland liegende Gräber in eine israelische Denkmal-Schutzliste. Eine Stätte ist sowohl den Juden als auch den Muslimen heilig. Die WELT und die FAZ berichten über die Hintergründe der Auseinandersetzungen: "Israelische Denkmalpflege stößt auf Proteste".
Die Links zu den Berichten in der Rubrik ISRAEL UND NAHOST HINTERGRUND.

Amos Gvirtz (63) lebt im Kibbuz Shefayim nördlich von Tel Aviv und ist einer der Mitbegründer der Initiative "Israelis und Palästinenser für Gewaltfreiheit". Der Mitherausgeber zahlreicher Bücher gibt zudem seit 2006 die Reihe »Sagt nicht, ihr hättet nichts gewusst« heraus, dessen Ziel es ist, über den Alltag unter israelischer Besatzung aufzuklären. NEUES DEUTSCHLAND hat ein Interview mit ihm geführt: "Ist Israel ein gefährlicher Ort?".
Der Link zum Interview in der Rubrik ISRAEL INTERN.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Droh- und Vernichtungsgebärden des Irans gegenüber Israel versichterte Bundeskanzlerin Angela Merkel erst kürzlich wieder, sie wolle "alles daransetzen, dass die Handelswege" deutscher Firmen "nicht über Umwege doch wieder in den Iran führen." Doch ausgerechnet die von der Bundesregierung unterstützte Deutsch-Emiratische Handelskammer wollte solche Geschäfte vermitteln, wie Matthias Küntzel in einem Beitrag für DIE WELT offenlegte: "Heimliche Geschäfte deutscher Firmen mit Iran".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik ISRAEL, DEUTSCHLAND, EUROPA UND DIE WELT.

Ein trauriges und komplexes Erbe: Rentenzahlung an ehemalige Ghetto-Arbeiter während der Zeit des Nationalsozialismus. Es geht einerseits um Nachzahlungen und rund 50 Millionen Euro sind schon geflossen. Insgesamt ist der Batzen aber viel größer: Es könnten bis zu 2,3 Milliarden Euro werden, wovon den Hauptanteil die Krankenkassen zu leisten hätten. Die Folge bisher: Die Kassen sträubten sich, so lange es ging. Gegen Nachzahlungen – und gegen monatliche Renten. Für jeden der 70 000 Ghetto-Bewohner wären das 150 bis 300 Euro. Doch selbst der Betrag wurde ihnen Jahrzehnte lang verweigert. Die Versicherungen pochten darauf, dass ein Rentenanspruch nur bei bezahlter Arbeit bestehe – und nur bei einer freiwilligen Arbeit, die „nach eigenem Willensentschluss“ angetreten wurde, wie es unter Juristen heißt. Beides treffe auf die Ghetto-Bewohner nicht zu, so die Behörden. Das Geld im Ghetto taten sie als wertloses Spielgeld ab. Und von freiem Willen, hieß es, könne keine Rede sein. Im Ghetto habe es nur Zwangsarbeiter gegeben. Irrtum. Was auch die Historiker lange nicht wussten: Viele Ghetto-Bewohner arbeiteten nicht, weil die Nazis sie dazu zwangen. Sie wollten vielmehr einen Job, unbedingt, um ihre Familien durchzubringen. Die historisch wie juristisch komplexe Lage versucht ein Beitrag im MÜNCHNER MERKUR aufzufädeln: "Muss Deutschland jetzt Milliarden zahlen? Nazi-Opfer kämpfen um ihre Ghetto-Renten".
Der Link zum Beitrag in der Rubrik VERGANGENHEIT...

Über die Fallstricke einer unreflektierten und mit dem Holzhammer vorgetragenen Israelkritik versucht ein Text von Tomasz Konicz für TELEPOLIS Aufschluss zu geben. Konicz versucht dies anhand eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte der Volksrepublik Polen, der "Antizionistischen Kampagne" von 1968. Von diesem Beispiel ausgehend nähert er sich dann den zentralen Fragen, die uns auch heute fast täglich bedrängen: Darf, soll oder muss Israel kritisiert werden? Kann ein offensives Anprangern der israelischen Besatzung der palästinensischen Gebiete antisemitische Ressentiments in Deutschland wecken? Wie weit darf also diese Kritik gehen? Und wo fängt ordinärer Antisemitismus an? Wie sieht es mit anderen weitverbreiteten Ressentiments aus, wie beispielsweise dem Antiislamismus? Können auch hier analoge Trennlinien gezogen werden? Der Beitrag steht unter dem Titel: "Von Antizionisten und Antisemiten".
Der Link dazu in der Rubrik ANTISEMITISMUS.

Seit mehr als 50 Jahren richten die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die "Woche der Brüderlichkeit" aus. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto: "Verlorene Maßstäbe". Auf der zentralen Eröffnungsfeier zur Woche der Brüderlichkeit, die gesten in Augsburg eröffnet wurde, werden alljährlich Persönlichkeiten mit der "Buber-Rosenzweig-Medaille" für ihr Engagement im christlich-jüdischen Dialog ausgezeichnet. In diesem Jahr erhielt die Medaille Daniel Libeskind, international renommierter Architekt und Stadtplaner. Wie kaum ein anderer hat der in Polen Geborene und an vielen Universitäten der Welt Lehrende in Theorie und Praxis das Verständnis der Funktionen von Architektur neu geprägt. Dies bestätigt besonders das in Entwurf und Realisierung als revolutionär geltende jüdische Museum in Berlin, das 2001 eröffnet wurde. Immer gelingt es Libeskind, durch die inspirierende Räumlichkeit seiner Arbeiten einen Dialog zwischen Architektur und Geschichte der Juden herzustellen, dem man sich nicht entziehen kann. Daniel Libeskind mit seinen Rauminstallationen und seiner Architektursprache, die das gewohnte Sehen sprengen, neue Maßstäbe für die Wahrnehmung jüdischer Geschichte gesetzt und ihrem Verständnis starke Impulse verliehen. Bei der gestrigen Verleihung des Preises hielt Katrin Göring-Eckardt, stellvertretende Bundestagspräsidentin und Präses der Synode der Evangelischen Kirche, die Laudatio für Libeskind.
Links zum Wortlaut der Laudatio sowie Berichten über die gestrige Eröffnungsveranstaltung und schließlich zu Filmbeiträgen, die im Netz zu sehen sind, in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Ein bekennender Muslim führt die christlich-konservative Jugend in Deutschland an! Was auf dem ersten Blick wie ein Widerspruch klingt, ist seit zwei Jahren Realität. Im Gespräch mit MiGAZIN erzählt der Vorsitzende der Schülerorganisation der CDU, Younes Ouaqasse, warum er darin keinen Widerspruch sieht, wie sich das deutsche Bildungssystem bewährt hat und wieso es keinen Islamunterricht in Deutschland geben sollte: “Ich mache Politik so wie ich bin und nicht wie ich aussehe”.
Der Link zum Interview in der Rubrik INTERRELIGIÖSE WELT.

Das "Zsidónegyed", das jüdische Viertel von Budapest, liegt im VII. Bezirk, zentrumsnah zwischen Deák Ferenc tér und Astoria. In Straßen wie der Csányi, Dohány oder Dob liegen Verfall und Glanz nah beeinander, doch das Viertel boomt in letzter Zeit nicht nur bei den zirka 100.000 Juden in Budapest, es ist allgemein "trendy" geworden. Erinnerungen an Schreckliches und ein lockeres Lebensgefühl liegen hier nah beieinander, wie Matthias Wahsner und Flóra Horváth in ihrer Reportage für die ungarisch-deutschsprachige Zeitung PESTER LLYOD berichten: "Vom Ghetto zum Trendbezirk".
Der Link zur Reportage in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Die Hansestadt Hamburg ist in die erste Riege der internationalen Institute zur Erforschung der deutsch-jüdischen Geschichte aufgestiegen: Die Leiterin des Hamburger Instituts für die Geschichte der deutschen Juden, Professor Stefanie Schüler-Springorum, ist zur Vorsitzenden der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in Deutschland gewählt worden. Gisela Schütte stellt in der WELT die Hamburger Forscherin näher vor: "Auf den Spuren deutsch-jüdischer Geschichte".
Der Link dazu in der Rubrik JÜDISCHE WELT.

Die Aufdeckung sexuellen Mißbrauchs in Einrichtungen der katholischen Kirche reißen nicht ab - und die Empörung darüber nicht weniger. Nun hat sich auch der bekanntermaßen mehr als konservative Regensburger Bischof Gerhard Müller in einer Stellungnahme zum sexuellen Mißbrauch und seiner "antikatholischen Instrumentalisierung" zu Wort gemeldet. Insbesondere der jüngste SPIEGEL-Titel "Die Scheinheiligen. Die katholische Kirche und der Sex" hat dem Bischof nicht gefallen:
"Der SPIEGEL-Titel „Die Scheinheiligen. Die katholische Kirche und der Sex“ hat wieder einmal eine anti-katholische Medienlawine losgetreten. Wir haben es hier mit einem Missbrauch sexueller Verfehlungen Einzelner für machtpolitisch-ideologische Zwecke zu tun. Ziel ist einzig und allein, die gesamte katholische Kirche und ihre Sexualmoral als ein „Biotop“ hinzustellen, in dem Kindesmissbrauch geradezu gedeihen „muss“. Der SPIEGEL macht sich der Verletzung der Menschenwürde (vgl. dazu Art.1 GG) aller katholischen Priester und Ordensleute schuldig. Die jeder Logik und dem statistisch-empirischen Befund widersprechende Schuldzuweisung für sexuellen Kindesmissbrauch Einzelner an die Sexualmoral der Kirche und die freie Selbstverpflichtung zu einem ehelosen Leben im Dienst am Reich Gottes (vgl. Mt 19; 1Kor 7) im Priesterzölibat oder Ordensgelübde beleidigt jeden denkenden und ehrlichen Menschen."
Der Link zur vollständigen Stellungnahme des Bischofs sowie zu weiteren Berichten zum Thema in der Rubrik CHRISTLICHE WELT.

Die Schriftstellerin Iris Hanika, die es 2008 mit „Treffen sich zwei“ immerhin schon einmal auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gebracht hatte, thematisiert in ihrem zweiten, nun vorliegenden Roman ("Das Eigentliche") den Umgang mit dem Nazi-Erbe in der bundesrepublikanischen Gegenwart. In ihrem Roman übt sie Kritik an einer offiziellen Erinnerungskultur, die den NS-Verbrechen hilflos gegenübersteht, sich dafür aber in hohle Begrifflichkeiten und verharmlosende Repräsentationsbestrebungen flüchtet. Marianna Lieder hat den Roman für den TAGESSPIEGEL gelesen und schildert ihre Eindrücke: "Im Weinberg des Gedenkens".
Der Link zur Buchbesprechung in der Rubrik ONLINE-REZENSIONEN.

Und schließlich noch ein FERNSEH-TIPP, passend zur gestrigen Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Daniel Libeskind. Gero von Boehm besuchte den Archtitekten in seinem New Yorker Büro und befragte ihn zu seinem Leben und Werk. Heute Abend wird das Interview auf 3SAT ausgestrahlt.

Dies alles und noch viel mehr wie üblich direkt verlinkt, ergänzt von aktuellen FERNSEH-TIPPS sowie einschlägigen ONLINE-REZENSIONEN im heutigen COMPASS.


Einen angenehmen Tag und eine gute Woche wünscht


Dr. Christoph Münz

COMPASS

redaktion@compass-infodienst.de

(Editorial zusammengestellt unter Verwendung des Teasermaterials der erwähnten Artikel)



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EDITORIAL HIGHLIGHTS

08. März 2010

 * Israelische Denkmalpflege stößt auf Proteste ... mehr
 
 * Ist Israel ein gefährlicher Ort? ... mehr
 
 * Heimliche Geschäfte deutscher Firmen mit dem Iran ... mehr
 
 * Nazi-Opfer kämpfen um ihre Ghetto-Renten ... mehr
 
 * Von Antizionisten und Antisemiten ... mehr
 
 * Woche der Brüderlichkeit eröffnet - Auszeichnung für Daniel Libeskind ... mehr
 
 * Bekennender Muslim an der Spite der CDU-nahen Schüler-Union ... mehr
 
 * Jüdisches Viertel in Budapest: Vom Ghetto zum Trendbezirk ... mehr
 
 * Auf den Spuren deutsch-jüdischer Geschichte ... mehr
 
 * Bischof Müller beklagt "antikatholische Instrumentalisierung" des sexuellen Mißbrauchs ... mehr
 
 * Buch-Tipp: Iris Hanika - Das Eigentliche ... mehr
 
 * TV-Tipp: Gero von Boehm begegnet Daniel Libeskind ... mehr

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Die nächste tagesaktuelle Ausgabe erfolgt am Mittwoch, 10. März 2010.